Die Bildung von Warennamen - ein exemplarischer Vergleich der Produktnamen in der ehemaligen DDR und der ehemaligen BRD


Hausarbeit, 2003
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

1. Inhalt

2. Einleitung

3. Hauptteil
3.1. Formale Kategorisierung
3.2. Die Mosaikmethode und Komposita
3.3. Suffixe
3.4. Assoziationen und Prestigewörter
3.5. Personennamen und geographische Namen
3.6. Kurz- und Kunstwörter

4. Schlussbemerkungen

5. Literaturangaben

2. Einleitung

Warennamen wirken auf den ersten Blick vollkommen unmotiviert und arbiträr gebildet, doch ihre Bildung folgt einer bestimmten Systematik. Schon allein aus marketingtechnischen Gründen ist dies notwendig.

In dieser Arbeit möchte ich zum einen die Systematik zur Bildung von Produktnamen darstellen und zum anderen diese auch an Beispielen aus der ehemaligen DDR und der ehemaligen BRD belegen. Letztlich läuft dieser Weg auf einen Vergleich der Struktur der Produktnamenbildung beider Staaten hinaus.

Im Laufe meiner Recherchen zu dieser Arbeit haben sich zwei Probleme ergeben. Zum einen hat Andreas Lötscher mit seinem Buch „Von Ajax bis Xerox. Ein Lexikon der Produktnamen“ (auf das ich mich im Bereich der BRD- Produkte fast immer beziehen werde) zwar ein sehr gutes Lexikon der Westprodukte geschrieben, es gibt aber nichts vergleichbares für Ostprodukte. Da es viele DDR- Produkte nicht mehr im Handel gibt, war es mit einigen Schwierigkeiten verbunden die Namen zusammenzutragen. Es gibt im Internet einige Ostalgie- Seiten und auch das „Kleine Lexikon großer Ostprodukte“ schwimmt mit auf dieser Modewelle, aber beide Quellen sind nicht als wissenschaftlich fundiert zu betrachten. Ich habe mich letztlich auf meine Erinnerungen und die meiner Eltern gestützt, sowie das Warensortiment, welches wieder im Handel erhältlich ist, beachtet. Das nächste Problem war, dass sich meines Wissens nach bisher niemand ausführlich mit den Warennamen der DDR unter onomastischen Gesichtspunkten beschäftigt hat. Ich konnte also die Theorie direkt in die Praxis umsetzen und habe viele der Produktnamen mit der im folgenden dargestellten Systematik beleuchtet.

Um diese Arbeit nicht ausufern zu lassen habe ich die Produktbereiche eingegrenzt und beschäftige mich hauptsächlich mit Lebensmitteln, Medikamenten, Automobilbezeichnungen, Kosmetik, Hygieneartikeln und Reinigungsmitteln.

3. Hauptteil

3. 1. Formale Kategorisierung

Die schwierigste Frage ist, die Gliederung dieser Arbeit. Zum einen soll hier eine formale Analyse durchgeführt werden, zum anderen auch ein Vergleich. Dieser Vergleich schließt von formalen Gesichtspunkten auf gesellschaftliche Realität, da Warennamen als Indikatoren der gesellschaftlichen Entwicklung angesehen werden können.

Gerhard Koß gliedert Produktnamen in drei Gruppen: Übernahmen, Konzeptformen und Kunstwörter. Zur ersten Gruppe zählt er Vornamen, Patronyme, geographische Namen, Appellativa bis hin zu Interjektionen. Unter dem Begriff Konzeptformen fasst er Wortneubildungen, Wortveränderungen, Ableitungen, Komposita und sogenannte Satznamen zusammen. Kunstwörter sind arbiträre Bildungen ohne tieferen Sinn[1]. Rein formal betrachtet ist dies eine sinnvolle Gliederung. Im Bezug auf den angestrebten Vergleich, lohnt es sich allerdings die Einteilung Lötschers noch hinzu zu ziehen. Lötscher gliedert seinen Aufsatz „Wie werden Warennamen gebildet“ in folgende Abschnitte: Mosaikmethode; Endungen; Fremde Sprachen; Informationen, Anspielungen, Assoziationen; Prestigewörter; Personennamen: Klang und Sinn; Vernichtung des Wortsinns und Gags[2].

Für diese Arbeit bietet es sich an beide Gliederungen zu vermischen. Ich werde die Mosaikmethode zusammen mit den Komposita betrachten. Die Endungen werde ich so belassen. Appellativa gehen in den Prestigewörtern und Assoziationen auf, da sie meist nichts anderes darstellen. Die Informationen und Anspielungen von denen Lötscher schreibt, das heißt Hersteller, Produktionsort, Grundstoff/ Ausgangsmaterial des Produktes, Eigenschaften, Verwendungszweck/- bereich, Wirkung und Benutzerkreis werde ich innerhalb der Analyse der Produktnamen bereits geben. Fremde Sprachen, sowie Klang und Sinn werden ebenfalls direkt in der Warennamenanalyse aufgeschlüsselt. Diese Kapitel fallen also weg. Personen- und geographische Namen werde ich in einem Kapitel betrachten, da die Rückschlüsse aus beiden Bereichen sehr ähnlich sind. Die Kunstwörter von Koß, bzw. Gags bei Lötscher, werde ich so übernehmen und noch um die Kurzwörter erweitern, da beide häufig ein und dieselbe Produktpalette beherrschen.

3.2. Die Mosaikmethode und Komposita

Die Mosaikmethode ist die am häufigsten angewandte Methode zur Bildung von Warennamen. Im Zuge dieser werden ein oder mehrere Wörter auseinandergenommen und die Bestandteile neu zusammengesetzt[3]. Oft passiert es, dass nur noch Eingeweihte die einzelnen Bestandteile des Namens kennen. Für Außenstehende sehen diese Produktnamen dann wie Kunstwörter aus. Die Mosaikmethode stammt aus dem Bereich der Chemie und findet demzufolge vor allem in der chemisch- pharmazeutischen Industrie großen Anklang. In der ehemaligen BRD sind zum Beispiel folgende Medikamentennamen zu finden:

- Baypen (Pen icillin- Präparat der Firma Bay er)
- Butaphen (entzündungshemmende Salbe mit dem Wirkstoff Phen yl buta zon)
- Contradol (Schmerzmittel; contra: lat. gegen; dol ores: lat. Schmerzen)
- Dulcolax (Mittel gegen Verstopfung; dulc is: lat. weich, angenehm; lax are: lat. erleichtern, lockern; das á o ñ wir verwendet um die Bestandteile zu verbinden und dem ganzen einen noch weicheren Klang zu geben)
- Fenistil (Medikament gegen Allergien und Juckreiz; f o en um: lat. Heu, wegen der Anwendung bei Heuschnupfen; Antih ist aminicum; Suffix – il, siehe Kapitel 3.3.)
- Novalgin (Schmerzmittel; Wirkstoff Nov aminsulfonum natricum; alg os: griech. Schmerz; Suffix – in, siehe Kapitel 3.3.)
- Otalgan (Mittel gegen Ohrenschmerzen; ot: griech. Ohr; alg os: griech. Schmerz; Sufix – an, siehe Kapitel 3.3.)
- Otrivin (Nasentropfen, auch als Ohrenmedikament verwendbar; ot: griech. Ohr; r h i n: griech. Nase; Suffix – in, siehe Kapitel 3.3.; á v ñ um die Bestandteile klangvoller zu verbinden)
- Ovulex (Antibabypille; Ovul ation: med. Eisprung; ex: lat. aus, weg)
- Prontopyrin (Fiebermittel; pronto: ital. rasch, schnell; pyr: griech. Fieber, Feuer; Suffix – in, siehe Kapitel 3.3.)
- Thomapyrin (Schmerzmittel, auch gegen Fieber; pyr: griech. Fieber, Feuer; von der Firma Thoma e; Suffix – in, siehe Kapitel 3.3.)

Im Vergleich dazu Arzneimittel aus der DDR:

- Acesal (Schmerzmittel; Wirkstoff Ace tyl sal icylsäure)
- Analgin (Schmerzmittel; anti: lat. gegen; algos: griech. Schmerz; Suffix –in, siehe Kapitel 3.3.)
- Berlocombin (Mittel bei Entzündung der Harnwege und Nieren; Berl in Chemie mit dem Wirkstoff Co - Tri m oxazol; á o ñ um die Bestandteile zusammenzufügen)
- Berlthyrox (Medikament bei Erkrankung der Schilddrüse; Berl in Chemie; Wirkstoff Levo thyrox in)
- Berlinsulin (Insulin von Berl in Chemie)
- Fibrex (Fiebersenkendes Mittel; Fi e b e r und ex: lat. weg, aus)
- Neuranidal (Schmerzmittel; neur on: Nerv; an t i: lat. gegen; Suffix – al, siehe Kapitel 3.3.; á d ñ um die Bestandteile klangvoller zusammen zu fügen )
- Regulax (Mittel gegen Verstopfung; regu lieren; lax are: lat. erleichtern, lockern)
- Rheunervol (Rheu mmittel, das die schmerzenden Nerv en beruhigt; Suffix – ol, siehe Kapitel 3.3.)
- Simagel (Mittel gegen Sodbrennen; Wirkstoff Al masi lat; Suffix – el, siehe Kapitel 3.3.; á g ñ um die Bestandteile zusammenzufügen)
- Vipratox (Salbe gegen Muskelzerrung aus Schlangengift; Vip e r, Giftschlange; tox ikum: lat. Gift; á a ñ um die Bestandteile klangvoll zusammenzufügen)

In der DDR ist allerdings auch sehr häufig der Fall gewesen, dass von vornherein unverfremdet ein bestimmter Inhaltsstoff als Name verwendet wurde. Zum Beispiel Bromhexin (Wirkstoff Bromhexin- Hydrochlorid) oder Pyolysin (Wirkstoff Pyolysin). Dies war hauptsächlich möglich, da der Wettbewerb auf dem Markt eingeschränkt bis nicht vorhanden war. Also war der Schutz von bestimmten Namen nicht nötig und es musste auch nicht besondere Kreativität an den Tag gelegt werden, um den Verbraucher besonders anzusprechen.

Auch im Bezug auf Körperhygieneartikel und den kosmetischen Bereich ist die Mosaikmethode sehr produktiv. Hier kann allerdings auch schon eine Tendenz zur Bildung von Komposita festgestellt werden.

BRD

- Badedas (Badezusatz; hier einfach Bade mit das kombiniert)
- Dentagard (Zahnpasta; dent: frz. Zahn; gard er: frz. bewachen, bewahren; á a ñ um die Bestandteile klangvoller zusammenzufügen)
- Eipon (Haarwaschmittel mit Ei; sham p o on: engl. Nebenform von Shampoo)
- Handsan (Seife; Hand kombiniert mit san us: lat. gesund)
- Mentadent (Zahnpasta; ment h a: lat. Pfefferminze; dent: lat. Zahn)
- Zewa (hergestellt in der Ze llstoff- Fabrik Wa ldhof)

Zum Vergleich in der DDR

[...]


[1] Koß, Gerhard: Die runde Irmgard mit der gelben Farbe. In: ders. Namenforschung. Eine Einführung in die Onomastik, 2002³, Tübingen. Niemeyer Verlag, S.177- 189, S. 177.

[2] Lötscher, Andreas: Von Ajax bis Xerox. Ein Lexikon der Produktnamen, 1992², Zürich Artemis & Winkler Verlag, S. 338ff.

[3] vgl Lötscher, S.338.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Bildung von Warennamen - ein exemplarischer Vergleich der Produktnamen in der ehemaligen DDR und der ehemaligen BRD
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V31513
ISBN (eBook)
9783638324953
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildung, Warennamen, Vergleich, Produktnamen
Arbeit zitieren
Jenny Maus (Autor), 2003, Die Bildung von Warennamen - ein exemplarischer Vergleich der Produktnamen in der ehemaligen DDR und der ehemaligen BRD, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31513

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