Warennamen wirken auf den ersten Blick vollkommen unmotiviert und arbiträr gebildet, doch ihre Bildung folgt einer bestimmten Systematik. Schon allein aus marketingtechnischen Gründen ist dies notwendig.
In dieser Arbeit möchte ich zum einen die Systematik zur Bildung von Produktnamen darstellen und zum anderen diese auch an Beispielen aus der ehemaligen DDR und der ehemaligen BRD belegen. Letztlich läuft dieser Weg auf einen Vergleich der Struktur der Produktnamenbildung beider Staaten hinaus.
Im Laufe meiner Recherchen zu dieser Arbeit haben sich zwei Probleme ergeben. Zum einen hat Andreas Lötscher mit seinem Buch „Von Ajax bis Xerox. Ein Lexikon der Produktnamen“ (auf das ich mich im Bereich der BRD- Produkte fast immer beziehen werde) zwar ein sehr gutes Lexikon der Westprodukte geschrieben, es gibt aber nichts vergleichbares für Ostprodukte. Da es viele DDR- Produkte nicht mehr im Handel gibt, war es mit einigen Schwierigkeiten verbunden die Namen zusammenzutragen. Es gibt im Internet einige Ostalgie- Seiten und auch das „Kleine Lexikon großer Ostprodukte“ schwimmt mit auf dieser Modewelle, aber beide Quellen sind nicht als wissenschaftlich fundiert zu betrachten. Ich habe mich letztlich auf meine Erinnerungen und die meiner Eltern gestützt, sowie das Warensortiment, welches wieder im Handel erhältlich ist, beachtet. Das nächste Problem war, dass sich meines Wissens nach bisher niemand ausführlich mit den Warennamen der DDR unter onomastischen Gesichtspunkten beschäftigt hat. Ich konnte also die Theorie direkt in die Praxis umsetzen und habe viele der Produktnamen mit der im folgenden dargestellten Systematik beleuchtet.
Um diese Arbeit nicht ausufern zu lassen habe ich die Produktbereiche eingegrenzt und beschäftige mich hauptsächlich mit Lebensmitteln, Medikamenten, Automobilbezeichnungen, Kosmetik, Hygieneartikeln und Reinigungsmitteln.
Inhaltsverzeichnis
1. Inhalt
2. Einleitung
3. Hauptteil
3.1. Formale Kategorisierung
3.2. Die Mosaikmethode und Komposita
3.3. Suffixe
3.4. Assoziationen und Prestigewörter
3.5. Personennamen und geographische Namen
3.6. Kurz- und Kunstwörter
4. Schlussbemerkungen
5. Literaturangaben
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Systematik der Warennamenbildung und vergleicht diese exemplarisch anhand von Produktnamen aus der ehemaligen DDR und der ehemaligen BRD. Das Ziel ist es, die strukturellen Unterschiede in der Namensgebung sowie deren soziokulturelle Hintergründe unter onomastischen Gesichtspunkten zu beleuchten.
- Formale Kategorisierung von Produktnamen (Mosaikmethode, Komposita, Suffixe).
- Analyse von Assoziationen und der Verwendung von Prestigewörtern in der Markenbildung.
- Einsatz von Personennamen und geographischen Bezeichnungen als Marketinginstrumente.
- Untersuchung der Bedeutung von Kurz- und Kunstwörtern im Wettbewerb.
- Vergleich der Auswirkungen von Planwirtschaft versus freier Marktwirtschaft auf die Kreativität der Namensgebung.
Auszug aus dem Buch
3.2. Die Mosaikmethode und Komposita
Die Mosaikmethode ist die am häufigsten angewandte Methode zur Bildung von Warennamen. Im Zuge dieser werden ein oder mehrere Wörter auseinandergenommen und die Bestandteile neu zusammengesetzt. Oft passiert es, dass nur noch Eingeweihte die einzelnen Bestandteile des Namens kennen. Für Außenstehende sehen diese Produktnamen dann wie Kunstwörter aus. Die Mosaikmethode stammt aus dem Bereich der Chemie und findet demzufolge vor allem in der chemisch- pharmazeutischen Industrie großen Anklang. In der ehemaligen BRD sind zum Beispiel folgende Medikamentennamen zu finden:
- Baypen (Penicillin- Präparat der Firma Bayer)
- Butaphen (entzündungshemmende Salbe mit dem Wirkstoff Phenylbutazon)
- Contradol (Schmerzmittel; contra: lat. gegen; dolores: lat. Schmerzen)
- Dulcolax (Mittel gegen Verstopfung; dulcis: lat. weich, angenehm; laxare: lat. erleichtern, lockern; das o wir verwendet um die Bestandteile zu verbinden und dem ganzen einen noch weicheren Klang zu geben)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Inhalt: Auflistung der Gliederungspunkte der Arbeit.
2. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage, der onomastischen Zielsetzung und der Eingrenzung der Produktbereiche.
3. Hauptteil: Detaillierte Analyse und Kategorisierung der Warennamenbildung unter Einbeziehung von Modellen von Gerhard Koß und Andreas Lötscher.
3.1. Formale Kategorisierung: Theoretische Herleitung der Gliederungsstruktur durch Kombination verschiedener onomastischer Ansätze.
3.2. Die Mosaikmethode und Komposita: Untersuchung der Zusammensetzung von Warennamen mit Fokus auf die chemisch-pharmazeutische Industrie.
3.3. Suffixe: Analyse der Verwendung von Suffixen zur Signalwirkung und zur Erzeugung von Assoziationen.
3.4. Assoziationen und Prestigewörter: Erläuterung, wie Marken durch Prestigewörter und gezielte Gedankensprünge gesellschaftliche Wünsche ansprechen.
3.5. Personennamen und geographische Namen: Betrachtung der Verwendung von Eigennamen und Ortsbezeichnungen im Marketingvergleich.
3.6. Kurz- und Kunstwörter: Analyse des Trends zu originellen, meist einsilbigen Markennamen zur Steigerung der Einprägsamkeit.
4. Schlussbemerkungen: Zusammenfassender Vergleich der Warennamen in DDR und BRD unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Wirtschafts- und Gesellschaftsformen.
5. Literaturangaben: Verzeichnis der verwendeten onomastischen und lexikalischen Quellen.
Schlüsselwörter
Onomastik, Warennamen, Produktnamen, DDR, BRD, Mosaikmethode, Komposita, Suffixe, Assoziation, Prestigewörter, Markenbildung, Sprachwissenschaft, Marketing, Namenforschung, Konsumgüter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der systematischen Bildung von Produktnamen und vergleicht diese unter linguistischen sowie soziokulturellen Gesichtspunkten zwischen der ehemaligen DDR und der BRD.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die formale Kategorisierung, die Verwendung von Suffixen, der Einsatz von Assoziationen und Prestigewörtern sowie die Rolle von Orts- und Personennamen im Branding.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Systematik der Warennamenbildung offenzulegen und aufzuzeigen, wie sich wirtschaftliche und politische Unterschiede (Planwirtschaft vs. Marktwirtschaft) in der Namensgebung widerspiegeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine formale onomastische Analyse durchgeführt, wobei bestehende Theorien von Forschern wie Gerhard Koß und Andreas Lötscher kombiniert und auf den empirischen Vergleich angewendet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Wortbildungstypen wie Mosaikmethode, Komposita, Kurz- und Kunstwörter sowie die Analyse der rhetorischen Strategien hinter den Markennamen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Typische Schlüsselbegriffe sind Onomastik, Markenbildung, Mosaikmethode, Prestigewörter und der Vergleich der beiden deutschen Staaten.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Planwirtschaft und Marktwirtschaft bei Warennamen relevant?
Die Arbeit zeigt auf, dass der fehlende Wettbewerb und das Fehlen von Werbung in der DDR zu einer nüchterneren Namensgebung führten, während in der BRD kreative und assoziative Namen zur Käuferansprache essenziell waren.
Welche Rolle spielen Suffixe in der Untersuchung?
Suffixe werden als Mittel analysiert, um eine wissenschaftliche oder hochwertige Anmutung (besonders in der Pharmazie) oder kindgerechte Diminutive zu erzeugen.
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- Jenny Maus (Author), 2003, Die Bildung von Warennamen - ein exemplarischer Vergleich der Produktnamen in der ehemaligen DDR und der ehemaligen BRD, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31513