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Der Umgang mit Netzwerken in René Polleschs "Kill Your Darlings". Eine Analyse

"Es fehlt etwas. Es reicht uns nicht." Was ist "es" und warum fehlt es?

Title: Der Umgang mit Netzwerken in René Polleschs "Kill Your Darlings". Eine Analyse

Term Paper (Advanced seminar) , 2015 , 19 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: B.A. Sabrina Rode (Author)

German Studies - Miscellaneous
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Es gibt einen Vorwurf an das zeitgenössische Theater und die darstellenden Künste allgemein, der besonders von Journalisten und Theatermachern älterer Generationen publiziert wird: Das Theater heutzutage sei unpolitisch geworden. Es wird der Wunsch nach einer klaren Gesellschaftskritik deutlich, wie sie einst im freien Theater praktiziert wurde – politisches Theater heutzutage sei vielmehr nur eine Aufarbeitung politischer Stücke, eine Transformation alter Dramen in die heutige Zeit.

Wie modernes, politisches Theater aussehen kann, das zeigt René Pollesch (*1962).3 Er gilt als einer der bedeutendsten, zeitgenössischen Dramatiker in Deutschland, der deutlich macht, wie ein veränderter Umgang mit modernen, technischen Medien auch eine Möglichkeit sein kann, politisches Theater auf die Bühne zu bringen.

Um neue, technische Medien, vielmehr die digitalen, sozialen Netzwerke wie Facebook und Co, geht es auch in seinem Stück „Kill Your Darlings! Streets of Berladelphia“, das am 18.01.2012 an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin Premiere feierte. Jedoch kommen diese auf der Bühne nicht direkt zum Einsatz.

Wie stellt Pollesch Netzwerke in „Kill Your Darlings! Streets of Berladelphia“ dar? Wie werden sie thematisiert, präsentiert, womöglich sogar kritisiert? Welche Auswirkungen von Netzwerken auf das Lebens des Einzelnen werden dargestellt und welche Mittel der Darstellung werden eingesetzt, um die Wirkung von Netzwerken zu unterstreichen?

Diese Fragen sollen im Laufe dieser Arbeit beantwortet werden.

Zunächst gebe ich eine Erklärung des Begriffs „Netzwerke“, um eine Grundlage zu schaffen, auf der ich das Stück „Kill Your Darlings! Streets of Berladelphia“ im Hinblick auf René Polleschs Umgang mit der Thematik analysieren werde. Die Analyse wird sich fünf Teile gliedern, zunächst wird vorgestellt, wie René Pollesch „Kill Your Darlings! Streets of Berladelphia“ erarbeitet hat, dann folgt eine Untersuchung zum Titels des Stücks. Im Anschluss kommt es zur Analyse der Monologe von Fabian Hinrichs, danach wird die Bedeutung des Chores für das Stück vorgestellt. Auch die räumliche Ausgestaltung wird in einem eigenen Unterkapitel genauer beleuchtet. Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Beantwortung der aufgestellten Fragen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Netzwerk – eine Definition

3. „Ich brauche eine Nahwelt“

3.1 Herangehensweise

3.2 Der Titel

3.3 Die Monologe – Fabian Hinrichs

3.4 Die Turner

3.5 Der Raum

4. Das fehlt also – Ein Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert den Umgang des Dramatikers René Pollesch mit der Thematik von Netzwerken im Theaterstück „Kill Your Darlings! Streets of Berladelphia“. Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, wie Pollesch die Auswirkungen digitaler und kapitalistischer Netzwerke auf das Individuum darstellt und inwieweit er diese kritisch hinterfragt oder als gesellschaftliche Gegebenheit präsentiert.

  • Die begriffliche Definition und Einordnung von Netzwerken in der modernen Gesellschaft.
  • Die Analyse der Rolle des Individuums gegenüber kapitalistischen Netzwerkstrukturen.
  • Die Untersuchung der spezifischen Darstellungsformen des „zornigen Diskurstheaters“ durch Monologe und Choreografie.
  • Die kritische Beleuchtung des Spannungsfeldes zwischen digitaler Vernetzung und dem menschlichen Bedürfnis nach einer „Nahwelt“.

Auszug aus dem Buch

3.3 Die Monologe - Fabian Hinrichs

Fabian Hinrichs ist nicht wie der Chor, die Turner, gekleidet. Er trägt eine regenbogenfarbene, glitzernde Leggins, ein deutliches Zeichen, dass er sich von den Akrobaten, die die Netzwerke darstellen sollen, abhebt. Er repräsentiert ein Individuum, frei von den Zwängen der kapitalistischen Gesellschaft und führt das Publikum mit seinen Monologen durch das Stück.

Zu Beginn des Stückes, nachdem er und die Turner an Seilen auf den Bühnenboden herabgelassen wurden, läuft Hinrichs durch den turnenden Chor. Während jeder Turner mit seiner Übung beschäftigt ist, läuft Hinrichs orientierungslos über die Bühne, dies bestätigt den bisherigen Eindruck, dass Hinrichs offensichtlich nicht Teil dieses Chores ist, sondern für sich allein steht. Zur Melodie von „Streets of Philadelphia“ von Bruce Springsteen beginnt er seinen Monolog, der als Einführung in die Problematik verstanden werden kann:

„Ich bin die Straße hinunter gegangen, an den Reihenhäusern vorbei, und ich hätte dir gern gesagt: In keines dieser hell erleuchteten Fenster würde ich hinein wollen und reden mit den Leuten dahinter, nirgendwo auf der Welt, auch nicht on the Streets of Berladelphia.“23

Er macht deutlich, dass er nicht weiß, wo er hin gehört. Es fehlt ihm etwas, das Leben hinter den Fenstern reicht ihm nicht, es ist ihm zu abstrakt. Er fragt sich, warum sich niemand mehr aus Liebe umbringt und stellt fest, dass hinter den Fenstern so wenig Leben ist.24 Direkt zu Anfang des Stückes schafft René Pollesch also einen Anstoß zum Reflektieren über digitale, soziale Netzwerken. Hinrichs vergleicht die Straßen seines Neologismus „Berladelphia“ mit den sozialen Netzwerken. Sowohl Berlin, als auch Philadelphia sind Metropolen mit mehreren Millionen Einwohnern. Ähnlich funktionieren auch digitale, soziale Netzwerke wie Facebook und Co., sie haben Millionen Benutzer weltweit, die miteinander vernetzt sind. Hinrichs kritisiert nun, dass dort zu wenig Leben sein. Denn das echte Leben, das spielt sich nun mal nicht in den digitalen, sozialen Netzwerken ab, auch wenn diese eigentlich genau dies suggerieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Netzwerkgesellschaft ein und stellt die Forschungsfrage nach der Darstellung und Kritik von Netzwerken in Polleschs Stück.

2. Netzwerk – eine Definition: Das Kapitel definiert den Begriff Netzwerk als netzartige Verbindung und beleuchtet dessen Bedeutung in verschiedenen Lebensbereichen sowie als Metapher der Moderne.

3. „Ich brauche eine Nahwelt“: Dieser Hauptteil analysiert die ästhetischen und inhaltlichen Mittel des Stücks, darunter die Monologe von Fabian Hinrichs, die symbolische Rolle des Chors und die räumliche Gestaltung als Spiegel kapitalistischer Verhältnisse.

4. Das fehlt also – Ein Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Netzwerke im Stück als kapitalistisch geprägte Strukturen identifiziert werden, die das Individuum einschränken, wobei Pollesch auf eine eindeutige moralische Wertung zugunsten einer spielerischen Infragestellung verzichtet.

Schlüsselwörter

René Pollesch, Kill Your Darlings, Netzwerkgesellschaft, Kapitalismuskritik, Fabian Hinrichs, Diskurstheater, Nahweltbedarf, Digitalisierung, soziale Netzwerke, Individualisierung, Entfaltungsmöglichkeiten, Performativität, Moderne, Theateranalyse, Identitätsverlust.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das Theaterstück „Kill Your Darlings! Streets of Berladelphia“ von René Pollesch und dessen kritische Auseinandersetzung mit der Wirkung von Netzwerken auf das moderne Individuum.

Welche zentralen Themenfelder werden in der Analyse behandelt?

Im Zentrum stehen die Auswirkungen des Kapitalismus, die Veränderung menschlicher Beziehungen durch digitale Plattformen, das Spannungsfeld zwischen Individualität und Uniformierung sowie der Wunsch des Einzelnen nach einer „Nahwelt“.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Die Autorin möchte aufzeigen, wie Pollesch soziale Netzwerke in seinem Stück thematisiert, ob er diese kritisiert und welche Mittel er einsetzt, um die Wirkung dieser Netzwerke auf das Leben des Einzelnen greifbar zu machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?

Es handelt sich um eine theaterwissenschaftliche Analyse, die den Text und die Inszenierung des Stücks in Bezug zu theoretischen Diskursen (z. B. von Foucault, Luhmann oder Boltanski/Chiapello) setzt.

Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Titels, der Monolog-Struktur von Fabian Hinrichs, die symbolische Funktion der auftretenden „Turner“ (des Chors) sowie die Bedeutung des Bühnenraums.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Kapitalismuskritik, Diskurstheater, soziale Netzwerke, Nahweltbedarf und Entindividualisierung.

Wie unterscheidet sich Fabian Hinrichs in seiner Rolle von den „Turnern“?

Hinrichs agiert als Individuum, das sich den Zwängen der kapitalistischen Netzwerke bewusst entzieht, während die Turner mit ihrer einheitlichen Kleidung und choreografierten Bewegungen die uniformierenden, systemkonformen Netzwerke symbolisieren.

Warum verwendet Pollesch den Begriff „Nahweltbedarf“?

Dieser Begriff spiegelt die Sehnsucht der Figur nach echten, analogen und tiefgehenden menschlichen Beziehungen wider, die in der als oberflächlich und abstrakt empfundenen Welt der (digitalen) Netzwerke verloren gegangen sind.

Warum wird Polleschs Inszenierung als „zorniges Diskurstheater“ bezeichnet?

Weil die Schauspieler in Polleschs Stücken keine klassischen fiktiven Rollen einnehmen, sondern große gesellschaftliche und philosophische Fragen monologisch verarbeiten, um den Zuschauer zum Reflektieren anzuregen, ohne ihn direkt zu belehren.

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Details

Title
Der Umgang mit Netzwerken in René Polleschs "Kill Your Darlings". Eine Analyse
Subtitle
"Es fehlt etwas. Es reicht uns nicht." Was ist "es" und warum fehlt es?
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"
Grade
2,0
Author
B.A. Sabrina Rode (Author)
Publication Year
2015
Pages
19
Catalog Number
V315237
ISBN (eBook)
9783668142046
ISBN (Book)
9783668142053
Language
German
Tags
René Pollesch Politisches Theater Kill Your Darlings Zeitgenössisches Theater Netzwerke Theater Modernes Theater Fabian Hinrichs Chor im Theater
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
B.A. Sabrina Rode (Author), 2015, Der Umgang mit Netzwerken in René Polleschs "Kill Your Darlings". Eine Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315237
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