Gegenstand der vorliegenden Arbeit sind die Richtlinien in Bezug auf das Werbe- und Wettbewerbsrecht in der Europäischen Union.
Heutzutage umgibt Werbung die Verbraucher in nahezu allen Situationen – egal ob als Werbeplakat in der Stadt, als Anzeige in einer Tageszeitung, als Werbebanner auf Internetseiten oder als Pop-up Benachrichtigung auf einem Smartphone. Zudem ist Werbung derzeit deutlich direkter und persönlicher als noch vor einigen Jahren. Aber wird die Werbung dadurch auch intensiver beziehungsweise aufmerksamer durch den Verbraucher wahrgenommen?
Gleichzeitig ist der Informationsbedarf eines Verbrauchers gestiegen. Der Elektronische Geschäftsverkehr begünstigt diese Entwicklung durchaus, dann der Kunde kann sich selbst informieren und selbstständig verschiedene Angebote vergleichen. Fraglich ist, ob die im Internet vorgetäuschte Anonymität der Vertragspartner die Irreführung der Verbraucher durch Werbung erleichtert.
Des Weiteren wird der Verbraucherschutz in der Europäischen Gemeinschaft zunehmend betont. Eine Vielzahl an Richtlinien, Verordnungen o.ä. befasst sich mit einer verbraucherfreundlichen Gestaltung des Wettbewerbsrechts: Neben der Richtlinie (RL) 2005/29/EG über unlautere Geschäftspraktiken und der RL 2006/114/EG über irreführende und vergleichende Werbung, gibt es die RL 2000/31/EG über die Dienste der Informationsgesellschaft, aber auch die RL 2000/13/EG über die Etikettierung und Aufmachung von Lebensmitteln sowie die Werbung hierfür.
Demnach lautet die zentrale Fragestellung dieser Ausarbeitung: Ist der stetige Fortschritt des Elektronischen Geschäftsverkehrs ein Hemmnis für den Verbraucherschutz in der Europäischen Union?
Der Gang der Untersuchung gliedert sich wie folgt: Vorab werden die für das Verständnis der vorliegenden Arbeit notwendigen Begriffe definiert. Während zum Einen das interdisziplinäre Verständnis der Begriffe erwähnt wird, werden zum Anderen Legaldefinitionen nach europäischem und nationalem Recht vorgestellt. Darauf folgt eine Darstellung der Verbraucherschutzpolitik in der Europäischen Union nach Vorstellung des zugrunde liegenden Verbraucherleitbildes. Hier findet ebenfalls die Berücksichtigung von Besonderheiten im elektronischen Geschäftsverkehr Anerkennung. Anschließend wird der Bezug zum europäischen Werberecht auf Basis einer Auswertung der ökonomischen Relevanz des Werberechts für den Europäischen Binnenmarkt hergestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Zentrale Fragestellung und Gang der Untersuchung
2 Der Begriff Werbung im rechtlichen Kontext
2.1 Definition des Begriffes Werbung nach Europäischem Recht
2.2 Definition des Begriffes Werbung nach Deutschem Recht
2.2 Ergebnis für die vorliegende Ausarbeitung
3 Elektronischer Geschäftsverkehr / E-Commerce
4 Die Notwendigkeit von Verbraucherschutz
4.1 Das Verbraucherleitbild in der Europäischen Union
4.2 Die Relevanz von E-Commerce in der Verbraucherschutzpolitik
5 Die ökonomische Relevanz der Ausgestaltung des Werberechts im Europäischen Binnenmarkt
5.1 Die Ziele und Grundfreiheiten des Binnenmarktes
5.2 Die Bedeutung der Verbraucherschutzes für den Europäischen Binnenmarkt
6 Irreführende Werbung nach Europäischem Recht
6.1 Unlautere Geschäftspraktiken
6.2 Der Tatbestand der Irreführung
7 Anwendungsbeispiele: Irreführende Werbung im elektronischen Geschäftsverkehr
7.1 Werbung mit Produkteigenschaften
7. 2 Manipulierte Kundenbewertungen
7.3 Die „Abofalle“
8 Fazit & Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern die zunehmende Digitalisierung und der stetige Fortschritt des E-Commerce den effektiven Verbraucherschutz in der Europäischen Union gefährden. Dabei wird analysiert, ob die bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen für das Werberecht ausreichen, um Verbraucher vor irreführenden Geschäftspraktiken in einem anonymisierten digitalen Umfeld zu schützen.
- Rechtliche Definition von Werbung im europäischen und nationalen Kontext
- Analyse des Verbraucherleitbildes und der Notwendigkeit von Verbraucherschutz
- Ökonomische Bedeutung des Werberechts für den europäischen Binnenmarkt
- Identifikation und Kategorisierung irreführender Geschäftspraktiken
- Fallstudien zu aktuellen Problematiken im E-Commerce (z.B. Abofallen, manipulierte Bewertungen)
Auszug aus dem Buch
7.3 Die „Abofalle“
Als prominentes Beispiel können die Werbemaßnahmen des amerikanischen Sportartikelherstellers Fabletics angeführt werden, für welchen die Schauspielerin Kate Hudson wirbt und als ein der Mitgründerinnen gilt. Das Unternehmen, Fabletics, ist mittlerweile auch in Europa tätig. Diesem wird vorgeworfen, den Kunden in Frankreich, Deutschland und England mittels irreführender Werbung ein VIP-Abo vermittelt zu haben, aufgrund dessen ein bestimmter Betrag monatlich von dem Konto der Kundin abgebucht wird, ohne, dass diese einen Artikel bestellt hat. Die VIP-Mitgliedschaft ist nach dem Absolvieren eines Quiz abgeschlossen worden – vermutlich ohne die explizite Einwilligung der Kunden. Des Weiteren sollen Werbeanzeigen auf Facebook veröffentlicht worden sein, die mit nicht realen, niedrigen Preisen werben.
Somit soll der Tatbestand der Irreführung vorliegen. Gemäß der o.g. Definition kann dieser Fall als Irreführung durch Unterlassen eindeutiger Kennzeichnung der dauerhaften Mitgliedschaft sowie der dadurch entstehenden monatlichen Gebühren eingeordnet werden. Es gilt jedoch zum heutigen Stand zu beachten, dass dieser Fall offiziell noch nicht entschieden ist. Der Sachverhalt wird derzeit von den zuständigen Gerichten am Standort der Mutterkonzerns JustFab in Kalifornien geprüft.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Zentrale Fragestellung und Gang der Untersuchung: Die Einleitung definiert den Untersuchungsgegenstand des europäischen Werberechts und leitet die Forschungsfrage bezüglich der Eignung des E-Commerce für den Verbraucherschutz ab.
2 Der Begriff Werbung im rechtlichen Kontext: Dieses Kapitel erörtert die Definitionen von Werbung im europäischen sowie deutschen Recht und grenzt diese für die weitere Arbeit ab.
3 Elektronischer Geschäftsverkehr / E-Commerce: Hier werden verschiedene Definitionen des E-Commerce beleuchtet und in den rechtlichen Rahmen eingeordnet.
4 Die Notwendigkeit von Verbraucherschutz: Der Autor beschreibt das Verbraucherleitbild in der EU und die spezifischen Herausforderungen, die der Online-Handel für den Schutz der Konsumenten mit sich bringt.
5 Die ökonomische Relevanz der Ausgestaltung des Werberechts im Europäischen Binnenmarkt: Dieses Kapitel erläutert die Ziele des Binnenmarktes und analysiert, warum ein wirksamer Verbraucherschutz für ein funktionierendes wirtschaftliches Handeln essenziell ist.
6 Irreführende Werbung nach Europäischem Recht: Die rechtlichen Grundlagen unlauterer Geschäftspraktiken und die Tatbestandsmerkmale der Irreführung werden hier detailliert auf Basis europäischer Richtlinien analysiert.
7 Anwendungsbeispiele: Irreführende Werbung im elektronischen Geschäftsverkehr: Anhand konkreter Beispiele wie Produktabbildungen, Kundenbewertungen und Abofallen wird die Praxisrelevanz der behandelten Rechtsprobleme illustriert.
8 Fazit & Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der E-Commerce zwar den Verbraucherschutz vor neue Herausforderungen stellt, die bestehenden Instrumente jedoch grundsätzlich greifen.
Schlüsselwörter
Europäische Union, Verbraucherschutz, E-Commerce, Irreführende Werbung, Wettbewerbsrecht, Richtlinie 2005/29/EG, Unlautere Geschäftspraktiken, Binnenmarkt, Verbraucherleitbild, Online-Handel, Irreführung, Abofalle, Kundenbewertungen, Werberecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das europäische Werbe- und Wettbewerbsrecht im Kontext des stetig wachsenden E-Commerce und untersucht, ob bestehende Regelungen ausreichen, um Verbraucher vor Täuschung zu schützen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Werbung, der Entwicklung der europäischen Verbraucherschutzpolitik, der Bedeutung des Werberechts für den Binnenmarkt sowie der rechtlichen Einordnung unlauterer Geschäftspraktiken im Internet.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet: Ist der stetige Fortschritt des Elektronischen Geschäftsverkehrs ein Hemmnis für den Verbraucherschutz in der Europäischen Union?
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Analyse europäischer Richtlinien, nationaler Gesetze (wie das UWG) sowie relevanter Rechtsprechung und verknüpft diese mit wirtschaftswissenschaftlichen Aspekten des Verbraucherschutzes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, die Darstellung der europäischen Verbraucherleitbilder, eine ökonomische Analyse des Binnenmarktes sowie eine detaillierte Prüfung von Tatbeständen der Irreführung anhand von Praxisbeispielen aus dem Online-Handel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind Europäisches Werberecht, E-Commerce, Verbraucherschutz, irreführende Werbung und unlautere Geschäftspraktiken.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Verbraucherleitbildes?
Der Autor stellt fest, dass in der EU ein marktliberales Leitbild dominiert, das den Verbraucher als "durchschnittlich informiert, verständig und aufmerksam" charakterisiert, was jedoch angesichts der Anonymität des Internets kritisch hinterfragt wird.
Welches Fazit zieht die Untersuchung in Bezug auf die "Abofalle"?
Der Fall Fabletics dient als prominentes Beispiel für irreführende Handlungen. Der Autor kommt zu dem Schluss, dass solche Fälle als Irreführung durch Unterlassen eingestuft werden können, wobei die endgültige juristische Bewertung noch aussteht.
- Citar trabajo
- Carina Reinfeld (Autor), 2015, Das Europäische Verbot irreführender Werbung. Verbraucherschutz und E-Commerce in der Europäischen Union, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315260