Das Gedicht „Zuviel verlangt“ entstand 1987 und wurde erstmalig in dem Gedichtband „Körper in Cafés“ veröffentlicht. Robert Gernhardt, der vor allem durch seinen komischen Schreibstil bekannt wurde, veröffentlichte mit „Körper in Cafés“ seinen bis dahin komik-ärmsten Gedichtband. Er wird im Wandel seines Schaffens gar als „Spaßmacher und Ernstmacher in Personalunion“ bezeichnet, die ab dem erwähnten Gedichtband deutlicher hervortritt.
In dem Entstehungsprozess seiner Gedichte achtete Robert Gernhardt stark auf ein Zusammenspiel von „handwerklicher Vollkommenheit und Plausabilität“ und überließ nichts dem Zufall. So hielt er sich bei seinen komischen Gedichten auch strikt an ein Ordnungssystem und ließ seine Gedichte oft mit einer Pointe enden.
In der vorliegenden Arbeit soll Robert Gernhardts Gedicht ZUVIEL VERLANGT im besonderen Hinblick auf die Verwendung und Bedeutung von Oppositionen analysiert werden. Zunächst wird in Kapitel 2 auf den Autoren und in Kapitel 3 auf die Begrifflichkeit der Opposition näher eingegangen. Kapitel 4 enthält das Gedicht ZUVIEL VERLANGT, dass im folgenden Kapitel (Kapitel 5) formal und sprachlich näher betrachtet wird. In Kapitel 6 steht die inhaltliche Analyse im Mittelpunkt (Kapitel 6.1). Daraufhin werden in Kapitel 6.2 die Oppositionen näher beleuchtet. In einem abschließenden Fazit (Kapitel 7) werden die Ergebnisse der Interpretation mit dem Schwerpunkt der Oppositionen zusammengefasst und hinsichtlich Gernhardts Ordnungsformen zusammengeführt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Autor Robert Gernhardt
3. Der Oppositionsbegriff
4. Gedicht „Zuviel verlangt“
5. Formale Aspekte
6. Analyse
6.1 Inhaltliche Analyse
6.2 Verwendung und Bedeutung von Oppositionen
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Gedicht „Zuviel verlangt“ von Robert Gernhardt unter besonderer Berücksichtigung der Verwendung und Bedeutung von Oppositionen. Ziel ist es, die strukturellen und inhaltlichen Gegensätze innerhalb des Dialogs zwischen einem männlichen und einem weiblichen Sprecher zu analysieren und deren Funktion für die Dynamik des Gedichts sowie die Darstellung geschlechtsspezifischer Rollenbilder herauszuarbeiten.
- Analyse der sprachlichen Gestaltung und formalen Struktur des Gedichts.
- Untersuchung von Oppositionen und Antonymen als ordnende und inhaltliche Elemente.
- Interpretation des Dialogs zwischen Mann und Frau und der daraus resultierenden Konflikte.
- Reflektion über die Entwicklung vom komischen Gedicht zur ernsten Auflösung.
- Bedeutung der geschlechtsspezifischen Rollenbilder und deren Klischeebedienung.
Auszug aus dem Buch
6. Analyse
Zu Beginn des Gedichts fordert das lyrische Ich sein Gegenüber auf, sich klein und groß zu machen, um ihm Einlass zu gewähren beziehungsweise es loszulassen. In der zweiten Strophe wünscht sich das lyrische Ich, dass sein Gegenüber sich jung und alt macht, damit dieser ihm Schwung und Halt gibt.
Bei der letzten Strophe soll das Gegenüber das lyrische Ich anmachen und auch ranlassen, gleichzeitig jedoch auch fort machen und nicht dort sein. Inhalt des Gedichts ist ein Dialog zwischen zwei Personen, die in einem Zwiegespräch miteinander sind. Bei den Personen handelt es sich offenbar um Mann und Frau, die jeweils ein unterschiedliches Interesse an den jeweils Anderen bekunden. Dies führt zu einer Art Diskussion zwischen den Beiden, die beendet wird, indem ein Gesprächspartner mehr verlangt und deshalb zum Gehen aufgefordert wird. Der Titel des Gedichts „Zuviel verlangt“ greift thematisch das Interessenproblem auf. Für eine Person ist das Interesse an ihr zu viel. Es wird deutlich, dass der Gegenstand der Diskussion auch Thema des Gedichts ist.
Die unterschiedlichen Sprecher werden anhand verschiedener Kriterien deutlich. Zum einen weist das Reimschema in Form eines Kreuzreims auf zwei Sprecher hin. Die sich überkreuzende Verbindungen der Zeilen sind jeweils einem Sprecher zuzuordnen, sodass ein Sprecher für die Verse 1, 3, 5, 7, 9 und 11 steht und der andere Sprecher für die Verse 2, 4, 6, 8, 10 und 12. Der „Kreuzreim, indem die Reime […] strukturell gleichwertig sind“ lässt erkennen, dass es sich bei den Sprechern um gleichwertige Gesprächspartner handelt, die sich somit eher in einer privaten Atmosphäre begegnen. Ein äquivalenter Wortlaut der beiden Sprecher unterstreicht die Gleichwertigkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Gedicht, den Autor und die Zielsetzung der Analyse bezüglich der Oppositionen.
2. Der Autor Robert Gernhardt: Darstellung der Biografie und des literarischen Schaffens von Robert Gernhardt sowie seiner Komiktheorie.
3. Der Oppositionsbegriff: Theoretische Erläuterung der verschiedenen Arten von Oppositionen in der Linguistik.
4. Gedicht „Zuviel verlangt“: Wiedergabe des analysierten Originalgedichts.
5. Formale Aspekte: Untersuchung der formalen Struktur, des Metrums, der Reime und Anaphern sowie des Wortfeldes.
6. Analyse: Detaillierte inhaltliche Interpretation und Untersuchung der Oppositionen im Gedicht.
6.1 Inhaltliche Analyse: Interpretation des Dialogs und der unterschiedlichen Interessen von Mann und Frau.
6.2 Verwendung und Bedeutung von Oppositionen: Vertiefende Analyse der sprachlichen Gegensätze und deren Bedeutung für die Rollenbilder.
7. Fazit: Zusammenführung der Ergebnisse zur strukturellen und inhaltlichen Vollkommenheit des Gedichts.
Schlüsselwörter
Robert Gernhardt, Zuviel verlangt, Lyrikanalyse, Oppositionen, Antonyme, Dialog, Rollenverständnis, Gedichtanalyse, Komik, Literaturwissenschaft, Sprache, Struktur, Mann und Frau, Metrum, Anapher.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit im Kern?
Die Hausarbeit widmet sich einer detaillierten Lyrikanalyse des Gedichts „Zuviel verlangt“ von Robert Gernhardt, wobei insbesondere die Rolle von semantischen und strukturellen Gegensätzen untersucht wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die oppositionelle Wortwahl, geschlechtsspezifische Rollenkonflikte in Dialogen, formale lyrische Strukturen und die Entwicklung von komischen zu ernsten Inhalten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, wie Gernhardt durch den Einsatz von Oppositionen nicht nur die Struktur des Gedichts ordnet, sondern auch die inhaltliche Dynamik und das Scheitern eines zwischenmenschlichen Dialogs verdeutlicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es wird eine werkimmanente Textanalyse durchgeführt, unterstützt durch linguistische Ansätze zum Oppositionsbegriff und literaturwissenschaftliche Methoden der Gedichtinterpretation.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die formale Untersuchung des Aufbaus (Metrum, Reim, Anaphern) sowie eine tiefgehende inhaltliche Analyse des Zwiegesprächs zwischen den zwei Sprechern.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Analyse?
Schlüsselbegriffe wie Oppositionen, Antonyme, Rollenbilder, Dialogführung und strukturelle Ordnung definieren den Charakter dieser wissenschaftlichen Arbeit.
Wie lässt sich die Auflösung des Gedichts erklären?
Die Auflösung wird durch die Zuspitzung der unterschiedlichen Interessen erklärt, die in der letzten Strophe zum Bruch führen, wobei die weibliche Sprecherin das Gespräch durch eine bewusste Entscheidung beendet.
Warum wird im Gedicht mit Gegensätzen gearbeitet?
Gegensätze dienen der Verdeutlichung der inkompatiblen Wünsche beider Sprecher – während der Mann ein körperliches, triebgesteuertes Ziel verfolgt, sucht die Frau eine seelische, gereifte Verbundenheit.
- Citation du texte
- Maria Averkamp (Auteur), 2014, Verwendung und Bedeutung von Oppositionen. Lyrikanalyse von Robert Gernhardts "Zuviel verlangt", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315315