Die Faustgeschichte diente in der Vergangenheit für viele Schriftsteller als Vorbild für eigene Werke. In der russischen Literatur lassen sich zahlreiche bekannte Schriftsteller finden, die auf den Fauststoff zurückgriffen. Einer dieser Schriftsteller war Michail Bulgakow, der sogar des Öfteren die Motive des Faust-Dramas aufnahm.
Aus diesem Grund beschäftigt sich diese Hausarbeit mit dem Faustmotiv in der Erzählung "Hundeherz" von Michail Bulgakow. Beim Lesen der Erzählung fallen direkt Analogien einiger Figuren zum Faust-Drama auf, die eine gleiche Stellung innerhalb der Personenkonstellation einnehmen. Allerdings besteht die Annahme, dass die Figuren nicht in derselben Funktion, wie im Faust-Drama auftreten. Daher wird mithilfe eines Vergleichs ein Fokus auf die Figuren der Erzählung, als auch der Faust-Dramen gelegt, damit die Funktionen dieser deutlich gemacht werden können.
Zu Beginn wird im zweiten Kapitel kurz ein Einblick in das Leben des Autoren Michail Bulgakows gegeben. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der Handlung der Erzählung "Hundeherz" und eine literaturgeschichtliche Einordnung wird vorgenommen. Kapitel vier liefert sodann einen ausführlichen Vergleich der Hauptfiguren aus der Erzählung und den Faust-Dramen und geht auf weitere, in der Erzählung auftauchende, Motive ein. Abschließend erfolgt in den Schlussbemerkungen ein Fazit zu der eingangs genannten These.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Über den Autoren Michail Bulgakow
2.1 Sein Leben
3. Die Erzählung „Hundeherz“
3.1 Inhaltsübersicht
3.2 Literaturgeschichtliche Einordnung
4. Die Faustmotive in der Erzählung „Hundeherz“
4.1 Professor Filipp Filippowitsch Preobrashenski vs. Faust
4.2 Doktor Iwan Arnoldowitsch Bormental vs. Wagner
4.3 Polygraf Polygrafowitsch Bellow vs. Homunkulus
4.4 Weitere Motive in der Erzählung
5. Schlussbemerkungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Parallelen zwischen Michail Bulgakows Erzählung „Hundeherz“ und Johann Wolfgang von Goethes Faust-Dramen. Das primäre Ziel ist es, die spezifischen Faustmotive in Bulgakows Werk zu analysieren, die Funktionsweise der analogen Figurenkonstellationen herauszuarbeiten und zu prüfen, inwieweit Bulgakow diese Vorlage nutzt, um Kritik an der damaligen gesellschaftspolitischen Entwicklung in der Sowjetunion zu üben.
- Analyse der Analogien zwischen den Hauptfiguren aus „Hundeherz“ und dem Faust-Drama.
- Untersuchung des Homunkulus-Motivs als Warnung vor unkontrolliertem Eingreifen in die Evolution.
- Kritische Auseinandersetzung mit der politischen Situation Russlands in den 1920er Jahren.
- Vergleich der Rollen von Assistentenfiguren wie Bormental und Wagner.
- Einordnung der Erzählung in den literaturgeschichtlichen Kontext.
Auszug aus dem Buch
4.1 Professor Filipp Filippowitsch Preobrashenski vs. Faust
Die Figur des Professor Filipp Fillippowitsch Preobrashenski aus der Hundeherz Erzählung weist eine gewisse Kongruenz mit der Figur des Faust aus den Faust-Dramen auf. Beide Figuren sind Gelehrte, Professor Preobrashenski ist Arzt und führt an seinen Patienten Verjüngungsoperationen durch (vgl. BULGAKOW 1994, 202). Neben seiner Praxis arbeitet der Professor weiterhin als Wissenschaftler und forscht im Bereich der Eugenik. Sein Ziel ist die „Verbesserung der menschlichen Art“ (ebd., 279). Zu diesem Zwecke verpflanzt er einem Hund menschliche Hoden und Hypophyse, um die Auswirkungen einer Verjüngung des menschlichen Organismus herauszufinden (vgl. ebd., 236).
Dr. Heinrich Faust, ist Magister und Doktor (vgl. GOETHE 2000, V. 360) und hat neben anderen Wissenschaften auch Medizin studiert. Während Faust von einem ungestillten Wissens- und Erkenntnisdrang getrieben ist und in eine Erkenntniskrise verfällt (vgl. ebd. V. 364), strebt Professor Preobrashenskis ebenfalls nach einem wissenschaftlichen Fortschritt. Auch Preobrashenski erlebt eine Art Erkenntniskrise. Es ist der Moment, als er sich und seinem Assistenten Doktor Bormental eingesteht, sein Experiment sei gescheitert (vgl. BULGAKOW 1994, 278f.).
Während der Professor selbst die Verjüngungen an seinen Patienten vornimmt, wird Faust in der Szene in der Hexenküche durch eine Hexe selbst verjüngt (vgl. GOETHE 2000, V. 2583f.). Im Zusammenhang der Verjüngungen wird Preobrashenski selbst, von einem seiner Patienten als „ein Magier und Zauberer“ bezeichnet (BULGAKOW 1994, 201). In dieser Situation wird trotz der oppositionellen Funktion der beiden Figuren, eine Parallelität über die schwarze Magie geschaffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Faust-Thematik und Darlegung der These, dass Analogien zwischen „Hundeherz“ und dem Faust-Drama bestehen.
2. Über den Autoren Michail Bulgakow: Biografischer Abriss über das Leben und Schaffen des russischen Autors.
3. Die Erzählung „Hundeherz“: Zusammenfassung der Handlung der Erzählung und ihre Einordnung in den literaturgeschichtlichen Kontext Russlands.
4. Die Faustmotive in der Erzählung „Hundeherz“: Detaillierter Vergleich der Figurenkonstellationen und Analyse weiterer Motive im Bezug zum Faust-Stoff.
5. Schlussbemerkungen: Zusammenfassendes Fazit über die unterschiedlichen Funktionen der Figuren trotz ähnlicher Stellung im Gesamtgefüge.
Schlüsselwörter
Michail Bulgakow, Faust, Johann Wolfgang von Goethe, Hundeherz, Homunkulus, Verjüngungsexperiment, Preobrashenski, Bormental, Sowjetunion, Sozialistischer Realismus, Literaturgeschichte, Motivvergleich, Eugenik, politische Satire, Personenkonstellation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die inhaltlichen und figurenbezogenen Parallelen zwischen Bulgakows Erzählung „Hundeherz“ und Goethes „Faust“-Dramen.
Welche zentralen Themen werden behandelt?
Im Zentrum stehen das Motiv der wissenschaftlichen Hybris, die Parallelen in der Rollenverteilung der Charaktere und die gesellschaftspolitische Kritik am frühen sowjetischen Staat.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Bulgakow Faust-Motive adaptiert, um durch einen Vergleich die unterschiedlichen Funktionen der Figuren im Vergleich zum klassischen Drama zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, die Motive und Figuren aus Bulgakows Werk den entsprechenden Vorbildern aus Goethes „Faust I“ und „Faust II“ gegenüberstellt.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung des Autors, eine Zusammenfassung der Erzählung sowie eine detaillierte Analyse der Figuren Preobrashenski, Bormental und Bellow in Abgrenzung zu ihren Faust-Pendants.
Welche Keywords beschreiben die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Faust-Motiv, Bulgakow, Homunkulus-Thematik, literarischer Vergleich, sowjetische Satire und literaturgeschichtliche Einordnung.
Inwiefern unterscheidet sich Professor Preobrashenski von Faust?
Während beide nach wissenschaftlichem Fortschritt streben, fungiert Preobrashenski als aktiver Schöpfer eines neuen Wesens, wohingegen die Homunkulus-Schöpfung bei Goethe eher Wagner zuzuschreiben ist.
Welche Funktion hat die Figur des Bellow im Vergleich zum Homunkulus?
Bellow dient als missglückter Versuch der Vervollkommnung des Menschen und fungiert als Warnung vor dem willkürlichen Eingreifen in die natürliche Ordnung der Dinge.
- Citation du texte
- Maria Averkamp (Auteur), 2015, Das Faustmotiv in der Erzählung „Hundeherz“ von Michail Bulgakow, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315316