Bienenprodukte erleben in den letzten Jahren eine Renaissance, auch bei uns in Deutschland. Dabei kommt ihrer Anwendung bei der Apitherapie als naturheilkundlich tradiertem Verfahren der Heilung und Linderung von Beschwerden eine große Rolle zu. Die vorliegende Arbeit soll aktuelle wissenschaftliche Einsichten mit bekanntem Wissen verknüpfen und eine Übersicht über den heutigen Forschungsstand zu Bienenprodukten, ihr bislang wissenschaftlich belegtes ernährungsphysiologisches Potenzial sowie den Nutzen in der Medizin und Apitherapie aufzeigen.
Die westliche Honigbiene (Apis Mellifera Linnaeus) fasziniert den Menschen, seit es geschriebene Geschichte gibt und vermutlich schon sehr viel länger. Wer schon einmal einem Imker bei seiner ruhigen und bedachten Arbeit zugesehen hat, versteht die große Faszination des geordneten Zusammenlebens tausender von Bienen in einem Volk und des eindrucksvoll regelmäßigen geometrischen Musters ihrer Waben. Zudem erfahren sie Wertschätzung als Lieferanten von Produkten wie Honig, Pollen und Propolis sowie Gelée Royale, Bienengift und Wachs. Ähnlich wie im Ernährungsbereich ist auch im medizinisch heilenden Bereich eine gesellschaftliche Rückbesinnung auf die Natur zu verzeichnen.
Mit dieser Bachelorarbeit soll ein Beitrag zum Verständnis der Welt der Bienen beigetragen werden. Vielleicht überrascht zunächst der rein quantitative Umfang der Auseinandersetzung mit der Biologie unserer heimischen Honigbiene und doch ist es wesentlich, in diesem Teil der Arbeit etwas Entscheidendes zu verdeutlichen: Thema kann nicht nur die Auseinandersetzung mit den Produkten eines Insektes sein – vielmehr geht es um den ungeheuer komplex funktionierenden Gesamtorganismus. Erst durch die auf vielen verschiedenen Ebenen zugleich stattfindende Organisation und Kommunikation der einzelnen Teile dieses „Superorganismus Bienenstaat" können die Produkte entstehen, die uns Menschen ernährungsphysiologisch und medizinisch seit Jahrtausenden begleiten und zum Teil von hohem Nutzen sind – und hier naher untersucht werden sollen.
Inhaltsverzeichnis
Teil 1 : Grundlagen
1 Einleitung und gesellschaftliche Relevanz
2 Methode
3 Kurze Entwicklungsgeschichte der Biene
4 Biologie der Honigbiene Apis Mellifera L.
4.1 Zoologische Einordnung der Honigbiene Apis Mellifera L.
4.2 Aufbau des Bienenkörpers und Sinnesorgane
4.2.1 Kopf
4.2.2 Brust
4.2.3 Hinterleib
4.3 Organisation und Aufgaben des Bienenvolks
4.4 Lebensdauer und Vermehrung
4.5 Reproduktive Arbeitsteilung und Nahrungsgrundlage der Bienen
4.6 Kommunikation durch Pheromone und Tanzsprache
4.6.1 Pheromone
4.6.1.1 Nassanoff`sche Drüse
4.6.1.2 Alarmpheromone
4.6.1.3 Königinnenpheromon
4.6.2 Tanzsprache
4.7 Bienengehirn und Orientierung in der Landschaft
4.7.1 Das Gehirn der Bienen und ihre Gedächnisleistung
4.7.2 Orientierung in der Landschaft durch das visuelle und olfaktorische System
4.8 Nutzen der Bienen
4.8.1 Ökologischer und ökonomischer Wert der Honigbienen
4.8.2 Honigverzehr in Deutschland
4.9 Bienensterben
4.9.1 Varroose
4.9.2 Flügeldeformationsvirus und Akuter Bienen-Paralyse-Virus
4.9.3 Überalterte Königinnen
4.9.4 Pflanzenschutzmittel
4.9.5 Nahrungsmangel
Teil 2 : Produkte des Bienenvolks
1 Honig
1.1 Honigsorten
1.2 Gewinnung, Verarbeitung und Anwendungsformen
1.3 Zusammensetzung der Inhaltsstoffe und der Ernährungsbedarf
1.4 Ernährungsphysiologischer und medizinischer Nutzen für den Mensch
1.5 Nutzen für das Bienenvolk
1.6 Fazit
2 Gelée Royale
2.1 Gewinnung, Verarbeitung und Anwendung
2.2 Zusammensetzung der Inhaltsstoffe und Ernährungsbedarf
2.3 Ernährungsphysiologischer und medizinischer Nutzen für den Mensch
2.4 Nutzen für das Bienenvolk
2.5 Fazit
3 Propolis
3.1 Gewinnung, Verarbeitung und Anwendung
3.2 Zusammensetzung der Inhaltsstoffe
3.3 Ernährungsphysiologischer und medizinischer Nutzen für den Mensch
3.4 Nutzen für das Bienenvolk
3.5 Fazit
4 Pollen
4.1 Gewinnung, Verarbeitung und Anwendung
4.2 Zusammensetzung der Inhaltsstoffe und Ernährungsbedarf
4.3 Ernährungsphysiologischer und medizinischer Nutzen für den Mensch
4.4 Nutzen für das Bienenvolk
4.5 Fazit
5 Zusammenfassung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Bachelorarbeit zielt darauf ab, ein umfassendes Verständnis für die Honigbiene (Apis mellifera L.) zu schaffen, um deren Produkte als funktionelle Lebensmittel und Heilmittel zu bewerten. Im Fokus steht dabei die Analyse der biologischen Grundlagen, der ökologischen Bedeutung sowie der gesundheitlichen Potenziale von Honig, Gelée Royale, Propolis und Pollen für den Menschen.
- Biologische Funktionsweise des "Superorganismus" Bienenstaat
- Ernährungsphysiologische und medizinische Potenziale der Bienenprodukte
- Ökologischer und ökonomischer Wert der Bestäubungsleistung
- Ursachen und Faktoren des Bienensterbens
- Anwendungsmöglichkeiten in der Apitherapie
Auszug aus dem Buch
4.2.3 Hinterleib
Der Hinterleib (Abdomen) besteht bei den Weibchen aus sechs, bei den Männchen, den Drohnen, aus sieben sichtbaren Segmenten, die je aus einem Rückenteil (Tergit) und einem Bauchteil (Sternit) bestehen. Die übrigen Hinterleibsegmente sind vollständig ins Körperinnere verlagert und sowohl am Aufbau des Giftstachels als auch der Eierstöcke (Ovarien) des Weibchens und des Geschlechtsapparats der Männchen beteiligt. Im Hinterleib liegen der Verdauungstrakt, das Herz, die Geschlechtsorgane und mehrere wichtige Drüsen: Giftdrüse, Dufoursche Drüse, Nasanoff`sche Drüse, Wachsdrüsen, etc.. Teil des Verdauungstraktes ist die Honigblase, in welcher die Bienen während ihrer Sammeltätigkeit den Nektar speichern. Feine Schläuche, sogenannte Malpighische Gefäße, die vom Darm in den Hinterleib hineinragen, nehmen die Abfallstoffe auf und führen sie über den Darm ab. Das Herz der Bienen ist eine gegliederte Röhre, die im Rückteil des Hinterleibs verläuft und mit einem Fortsatz bis zum Kropf reicht. Bienen besitzen kein Blut, wie es bei uns Menschen oder anderen Wirbeltieren durch die Adern fließt; ihre Körperflüssigkeit besteht aus Hämolymphe, bei der es keine Trennung zwischen Blut (Hämo) und Gewebsflüssigkeit (Lymphe) gibt. Sie dient dem Transport von Nährstoffen, Abbauprodukten, Hormonen und Wärme. Bienen besitzen jedoch ein offenes Kreislaufsystem. Das bedeutet, dass die Hämolymphe nicht in einem geschlossenen System von Adern fließt. Stattdessen wird sie vom Herzen gesammelt, um dann anschließend freizirkulierend im Inneren des Körpers die Organe und Gewebe mit Nährstoffen zu versorgen.
Von dort fließt die Hämolymphe wieder in den Hinterleib zurück und wird dann durch Klappen im Herzschlauch wieder aufgenommen. Die Sauerstoffversorgung der Organe und des Gewebes erfolgt dabei durch pumpende Atembewegungen des Hinterleibs, bei dem der Sauerstoff zunächst an seitlichen Luftlöchern (Stigmen) der Brust und des Hinterleibs vorbei und dann von dort durch die verästelten Luftröhren (Tracheen) transportiert wird (Honigmacher, 2014; Tautz, 2003). Die Giftdrüse und die Dufoursche Drüse mit ihrer alkalischen Gleitflüssigkeit stehen mit ihren Ausfuhrgängen in Verbindung mit dem Giftstachel.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und gesellschaftliche Relevanz: Die Einleitung beleuchtet die historische Faszination des Menschen für die Honigbiene und die Renaissance von Bienenprodukten in der modernen Apitherapie.
2 Methode: Hier wird der methodische Ansatz der Literaturrecherche über Bibliotheken und wissenschaftliche Online-Datenbanken erläutert.
3 Kurze Entwicklungsgeschichte der Biene: Dieses Kapitel beschreibt die evolutionäre Entwicklung der Bienen von Grabwespen-ähnlichen Vorfahren bis zur heutigen Abhängigkeit vom Menschen.
4 Biologie der Honigbiene Apis Mellifera L.: Ein ausführlicher biologischer Teil, der den Körperbau, die Organisation als Superorganismus, die Kommunikation und die Orientierung der Bienen detailliert darstellt.
Teil 2 : Produkte des Bienenvolks: Dieser Abschnitt widmet sich der detaillierten Untersuchung von Honig, Gelée Royale, Propolis und Pollen hinsichtlich Gewinnung, Inhaltsstoffen und Nutzen.
5 Zusammenfassung: Eine komprimierte Darstellung der wesentlichen Erkenntnisse über Bienenprodukte und deren Potenzial in der medizinischen Forschung.
6 Fazit: Das abschließende Kapitel betont die fundamentale Bedeutung der Bienen für Ökosystem und Mensch sowie die dringende Notwendigkeit, deren Lebensräume zu schützen.
Schlüsselwörter
Honigbiene, Apis mellifera L., Apitherapie, Bienenprodukte, Honig, Gelée Royale, Propolis, Pollen, Bestäubung, Superorganismus, Inhaltsstoffe, Varroose, Bienensterben, Ernährung, Gesundheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der biologischen Erforschung der Honigbiene und der wissenschaftlichen Beurteilung der ernährungsphysiologischen sowie medizinischen Wirkungen ihrer Produkte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Biologie des Bienenstaates, die Bestäubungsleistung, die Analyse von Honig, Gelée Royale, Propolis und Pollen sowie die Ursachen des Bienensterbens.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, den gesundheitlichen Nutzen der Bienenprodukte auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse zu evaluieren und ihre Rolle als natürliche Alternative oder Ergänzung zur Schulmedizin zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Recherche von Primär- und Sekundärliteratur in Universitätsbibliotheken und Online-Datenbanken sowie auf einem praktischen Einführungskurs in die Imkerei.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die biologischen Grundlagen des Bienenstaates und eine detaillierte Analyse der vier Bienenprodukte inklusive deren Inhaltsstoffe und therapeutischer Einsatzgebiete.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Honigbiene, Apitherapie, Bestäubungsleistung, Superorganismus, Varroose, natürliche Heilmittel und funktionelle Lebensmittel.
Wie wirkt sich die Bestäubung durch Bienen auf die Wirtschaft aus?
Die Bestäubung durch Honigbienen ist von unschätzbarem wirtschaftlichem Wert; sie erhöht die Erträge im Pflanzen- und Obstbau signifikant und sichert die Ernährungsgrundlage vieler Tierarten.
Welche Rolle spielt die 10-Hydroxy-2-decensäure (10-HDA) in Gelée Royale?
10-HDA ist ein exklusiver Inhaltsstoff von Gelée Royale, der als maßgeblicher biologisch aktiver Wirkstoff gilt und antibakterielle sowie antikarzinogene Eigenschaften aufweist.
- Quote paper
- Jannis Manz (Author), 2014, Ernährungsphysiologisches und medizinisches Potenzial von Bienenprodukten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315323