Funktionsverbgefüge im Deutschen und im Arabischen

Versuch eines Vergleichs


Masterarbeit, 2014

67 Seiten, Note: 2,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I] Theoretischer Teil

1. Einleitung 3

2. Phraseologie 4
2.1. Zum Begriff Phraseologie 4
2.2. Kriterien der Phraseologismen 6

3. Funktionsverbgefüge 10
3.1. Definition 10
3.2. Form der FVG 12
3.3. Bedeutung der FVG 13
3.3.1. Das Nomen im FVG 13
3.3.2. Das Funktionsverb im FVG 16
3.3.3. Bedeutung der FVG 16
3.4. Abgrenzung: Sind FVG syntaktisch frei oder Phraseologisch? 17

4. Syntaktische Merkmale der FVG 19
4.1. Herkunft des Nominalen Bestandteils 20
4.2. Paraphrasierbarkeit und Substituierbarkeit 20
4.3. Kommutationsverhältnis zwischen FV und NFVG 21
4.4. Anaphorisierbarkeit und Erfragbarkeit 22
4.5. Artikelgebrauch und Numerus Singular/Plural 24
4.6. Erweiterung durch Attribute und Negation 25
4.7. Stellungseigenschaften 27
4.8. Sonstige Kriterien 27
4.9. Zusammenfassung 28

5. Die Valenz der FVG (obligatorisch/fakultativ) 29
5.1. Obligatorische und fakultative Elemente 29
5.2. Semantisch notwendige adjektivische Attribute 31
5.3. Wahl der Präposition 32

6. Schwerpunkt der FV vs. Vollverben 33

Semantische und kommunikative Leitungen der FVG 33

II] Praktischer Teil:

7. Funktionsverbgefüge Im Arabischen 35
7.1. Einleitung 35
7.2. Arabische Termini für FV 36

8. Gegenüberstellung 37

9. Äquivalenz 45
9.1. Definition 45
9.2. quantitative Äquivalenz 46
9.3. qualitative Äquivalenz 47
9.4. Ermittlung des Äquivalenzgrads 49
9.5. Tabelle 55
9.6. Auswertung der Tabelle 61

10. Schlussfolgerung 61

Benutzte Literatur 63

1. Einleitung:

Die vorliegende Arbeit ist eine vergleichende Studie im Rahmen der interlingualen kontrastiven Sprachwissenschaft. Das Thema ist - wie der Titel lautet – „Funktionsverbgefüge im Deutschen und im Arabischen, Versuch eines Vergleiches“. Nomen-Verb-Verbindungen solcher Art in Bewegung kommen, Protest erheben, zur Diskussion stellen werden Funktionsverbgefüge, und die Verben, die in solchen Verbindungen auftreten, Funktionsverben genannt. Diese Verbindungen weisen stets ähnliche morphologische Formen und ähnliche syntaktische Strukturen auf bzw. haben die Eigenschaft der morphosyntaktischen Festigkeit. Deswegen können die FVG als Phraseologismen betrachtet und untersucht werden. Sie werden zur Phraseologie im weiteren Sinne gezählt, dies weil sie zwei Kriterien von Phraseologismen erfüllen: Polylexikalität und Festigkeit. Die Tendenz zum Nominalstil in der deutschen Gegenwartsprache, vor allem in der Fachsprache erfordert, dass auf dem Gebiet (FVG) mehr Forschungen angestellt werden sollen und zwar nicht nur einzelsprachlich sondern auch interlingual vergleichend.

Diese Arbeit hat die Aufgabe, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen deutschen und arabischen FVG zu ermitteln und zu untersuchen. Sie setzt sich zum Ziel, im Bereich der Übersetzung, der Lexikographie und des Fremdsprachenunterrichts einen Beitrag zu leisten.

Zu diesem Zweck wird es versucht, zunächst FVG im deutschen relativ ausführlich darzustellen, damit man sich über das Untersuchungsgebiet einen umfassenden Überblick verschafft. Es folgt eine semantisch-syntaktische Gegenüberstellung der FVG in beiden Sprachen. Diese Gegenüberstellung dient schließlich zur Feststellung von Äquivalenz und deren Grad.

Die vorliegende Arbeit teilt sich in zwei Teile: Ein theoretischer und ein praktischer Teil. Der theoretische Teil befasst sich mit theoretischen Begriffen, wie Phraseologie, FVG und andere theoretische Termini. Das soll die Grundlage des anschließenden Vergleiches legen. Der praktische Teil gibt einen Überblick über FVG im Arabischen mit den arabischen Termini. Im Anschluss daran erfolgen eine semantische und eine syntaktische Gegenüberstellung der FVG in den beiden Sprachen.

Beim Vergleich werden vornehmlich arabische FVG, die zum Ausdruck von Emotionen und Gefühlen fungieren, herangezogen. Diese Klasse von arabischen FVG hat Elhannach schon systematisch gegliedert und beschrieben. Deswegen ist es sinnvoll, dabei vom Arabischen auszugehen. Schließlich erfolgt die Ermittlung von Äquivalenz und deren Grad. Zu diesem Zweck werden die deutschen FVG und ihre Entsprechungen im Arabischen, wie sie im Schregle vorkommen, aufgelistet. Dann wird der Äquivalenzgrad im Hinblick auf bestimmte Äquivalenzparameter bestimmt.

2. Phraseologie

2.1. Zum Begriff Phraseologie

Der im lexikalischen System einer Sprache gegebene Bereich, der aus Phraseologismen bzw. phraseologischen Einheiten besteht, heißt Phraseologie. Die Phraseologismen sind phraseologische Einheiten des Lexikons, die polylexikalisch sind bzw. aus zwei oder mehr Wörtern bestehen, und die Bedeutung eines Einzellexems haben können. Die Phraseologie ist eine linguistische Teildisziplin, die sich mit Phraseologismen befasst. 1

Die Phraseologie als sprachwissenschaftliche Teildisziplin ist im deutschsprachigen Raum relativ jung. Die ersten Untersuchungen in diesem Bereich wurden von der russischen Sprachwissenschaft gemacht, die als Vorfahr dieser Teildisziplin betrachtet wird. Die russischen Linguisten haben mit der Erforschung der Phraseologie schon in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. begonnen. Die russische Phraseologieforschung gab den deutschsprachigen Linguisten die ersten Impulse, um sich mit diesem sprachwissenschaftlichen Gebiet auseinanderzusetzen. So entstand eine sprachwissenschaftliche Wende, die sich seit Anfang der siebziger Jahre sowohl im deutschsprachigen Raum als auch in mehreren europäischen Ländern mit Phraseologie beschäftigte. Die Phraseologieforschung fand zu dieser Zeit ein breites Interesse, wobei zahlreiche Linguisten diesem Bereich ihr Interesse widmeten.2

Palm definiert die Phraseologie als

„die Wissenschaft oder Lehre von den festen Wortverbindungen einer Sprache, die im System und Satz Funktion und Bedeutung einzelner Wörter (Lexeme) übernehmen können.“3

Nach ihr dienen Phraseologismen zur Erweiterung des Wortschatzes einer Sprache. Diese Bereicherung erfolgt durch die Verbindung zwischen den verschiedenen Wortklassen. Die Phraseologismen bringen vorzugsweise die menschlichen Emotionen, mentalen Größen, Einstellungen, (negativen) Verhaltensweisen zum Ausdruck.4

Null Bock haben ⇒ lustlos sein

ein rotes Tuch ⇒ Irritationsmoment, Stein des Anstoßes

unter die Räder kommen ⇒ sozial absteigen, in schlechte Gesellschaft geraten

ein Auge zudrücken ⇒ großzügig jmdm. etwas verzeihen, etwas durchgehen lassen

Baden gehen ⇒ scheitern

Wann ist von phraseologischen Einheiten die Rede und wann werden die Wortverbindungen phraseologisch?

Folgendes Zitat von Burger gibt uns Antwort:

„Phraseologisch ist eine Verbindung von zwei oder mehr Wörtern dann, wenn (1) die Wörter eine durch die syntaktischen und semantischen Regularitäten der Verknüpfung nicht voll erklärbare Einheit bilden, und wenn (2) die Wortverbindung in der Sprachgemeinschaft, ähnlich wie ein Lexem, gebräuchlich ist.“ 5

Es ist zunächst zwischen Phraseologismen im engeren und im weiteren Sinne zu unterscheiden.

„Phraseologismen im engeren Sinne sind durch das Merkmal der Idiomatizität gekennzeichnet und sind satzgliedwertig“. 6

Die Phraseologie im engeren Sinne befasst sich ausschließlisch mit Idiomen bzw. Phrasemen, die eine zentrale Unterklasse innerhalb dieses Bereichs bilden. Palm grenzt die Phraseologie im engeren Sinne überzeugend ein, indem er sie folgendermaßen definiert hat:

„Als zentrale Gruppe der phraseologischen Einheiten, Phraseme oder Idiome definieren wir […] nicht satzwertige Wortgruppen mit unterschiedlicher syntaktischer Struktur und mehr oder weniger ausgeprägter Umdeutung der Komponenten […]. Ein Phrasem hat die Minimalstruktur einer Wortgruppe, d.h. es besteht aus mindesten zwei Einheiten des lexikalischen Systems, Lexemen (Wörtern). Die Verknüpfung dieser Lexeme kann regulär oder irregulär sein. Regulär verknüpfte Phraseme haben in der Regel auch eine Bedeutung als freie Wortgruppe.“7

jmdm. den Zahn ziehen ⇒ wörtliche Bedeutung

⇒ phraseologisch: „jmd. einer Illusion berauben“

Bahnhof verstehen ⇒ nur phraseologisch: „nicht verstehen“

Die Phraseologismen im weiteren Sinne weisen alle Arten von festen Wortverbindungen, sei es mit Satzgliedcharakter, Satzcharakter oder Textcharakter auf und schließen Kollokationen, Sprichwörter und formellhafte Texte ein. Routineformeln werden nach Grad der Idiomatizität teils den Idiomen teils den Kollokationen zugerechnet.8 Palm aber rechnet die Sprichwörter und Funktionsverbgefüge nicht zu den Phrasemen und damit zu den Phraseologismen im weiteren Sinne.

Die festen Wortverbindungen, die diesem Bereich angehören und als phraseologische Einheiten charakterisiert werden, sollen bestimmte Merkmale aufweisen. Diese Merkmale dienen zur Abgrenzung der phraseologischen Einheiten gegenüber den anderen freien Wortverbindungen und zu ihrer Identifikation im Sprachsystem.

2.2. Kriterien der Phraseologismen:

Die Merkmale selber sind in der Literatur terminologisch uneinheitlich, jedoch weisen sie inhaltlisch große Ähnlichkeiten auf. Ich beziehe mich im Folgenden auf Burger, der drei Kriterien nennt9:

- Polylexikalität
- Festigkeit
- Idiomatizität

Es wird kurz auf die jeweiligen Kriterien eingegangen.

a) Polylexikalität:

Burger definiert sie wie folgt: „Der Phraseologismus besteht aus mehr als einem Wort“.10

Dieses Kriterium ist leicht definierbar. Die Phraseologismen sind polylexikalisch, d. h. sie bestehen mindestens aus zwei Wörtern. Die Minimalstruktur der Phraseologismen ist eine aus zwei Wörtern bestehende Verbindung.

Die Wörter innerhalb der Phraseologismen können sowohl Autosemantika (Hand, Mauer, Streit, groß …) als auch Synsemantika ( in, der, da, wie…) sein11.

Burger zählt auch Verbindungen, die nur aus Synsemantika bestehen, wie bei weitem, an sich, im Nu zu den Phraseologismen, obwohl sie keine Autosemantika enthalten.

Beispiele:

kalter Kaffee : Autosemantika (zwei Komponenten)

im Nu : Synsemantika (zwei Komponenten)

Die Maximalstruktur eines Phraseologismus kann über die Satzgrenze hinausgehen. Sie kann sich bis zu einem Text ausdehnen.

Beispiel:

Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß, sagt der Ochse, als er gebraten wurde. 12

b) Festigkeit:

Burger definiert sie so: „Wir kennen den Phraseologismus in genau dieser Kombination von Wörtern, und er ist in der Sprachgemeinschaft – ähnlich wie ein Wort- gebräuchlich“13.

Er unterscheidet zwischen drei Ebenen der Festigkeit, nämlich der psycholinguistische Festigkeit, der strukturelle Festigkeit und der pragmatische Festigkeit.

Die psycholinguistische Festigkeit:

„Der Phraseologismus ist mental als Einheit „gespeichert ähnlich wie ein Wort, er kann als ganzer abgerufen und produziert werden“ 14.

Der Phraseologismus ist in dieser Hinsicht fest, weil er im sprachlichen Gedächtnis bzw. im mentalen Lexikon der Sprachbenutzer als feste Kombination von Wörtern gespeichert ist und je nach Situation jeweils verwendet wird. Er steht dem Sprecher – gleich einem Wort – fertig formuliert zur Verfügung.

Die syntaktische Festigkeit:

Die Phraseologismen kennen wir genau in einer bestimmten morphosyntaktischen Form sowie mit bestimmten lexikalischen Komponenten.

zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen

wir können allerdings nicht sagen:

*15drei Fliegen mit einer Klappe schlagen

*zwei Mücken mit einer Klappe schlagen

*zwei Fliegen mit einer Klappe verscheuchen

Durch diese Verwendung verlieren die Phraseologismen ihre idiomatische Bedeutung und werden zu freien Wortverbindungen.

Eine wichtige Facette der Festigkeit ist die Irregularität in der Morphologie und Syntax bei einigen Phraseologismen. 16

Beispiele:

auf gut Glück statt auf gutes Glück

Diese strukturelle Festigkeit ist allerdings relativ, weil einige Phraseologismen Variationen und Modifikationen in Bezug auf die lexikalische Besetzung aufweisen.

Unter Variation versteht man, dass ein Element innerhalb des Phraseologismus gegen ein anderes Element austauchbar ist.

ein Gesicht wie drei/ sieben/ vierzehn Tage Regenwetter machen .17

Unter Modifikation versteht man, dass ein Phraseologismus durch die Substituierung eines Elements durch ein anderes zu einem neuen Phraseologismus wird. Dadurch entsteht eine Umwandlung der Bedeutung.

Beispiel:

Schlechter Rat ist teuer“ wird zu „Guter Rat ist teuer

Die pragmatische Festigkeit:

Sie besagt, dass die Phraseologismen situationsabhängig sind. z. B. Grüß-, Glückwunschfomeln wie guten Tag, Tschüs,auf Wiedersehen und Eröffnungs- oder Beendigungsphase eines Gesprächs wie ich eröffne die Verhandlung. 18

c) Idiomatizität

„Damit ist gemeint, dass die Komponenten eine durch die syntaktischen und semantischen Regularitäten der Verknüpfung nicht voll erklärbare Einheit bilden.“ 19

Um diesen zentralen Begriff in der Phraseologie zu erklären, bringt Fleischer folgendes Beispiel.

(1) Gustav hat bei seinem Vater ein Auto in der Garage

(2) Gustav hat bei seinem Vater einen Stein im Brett

Die Bedeutung vom Beispiel (2) ist „bei jmdm. sehr beliebt sein, sich jmds. Hochschätzung erfreuen“. Das Verhältnis zwischen den jeweiligen Komponenten und der Bedeutung des ganzen Satzes ist irregulär. Die denotative Bedeutung der Wörter (hier: Stein und Brett) tragen nicht zu der Gesamtbedeutung des Satzes bei. Burger bezeichnet die Ausdrücke als idiomatisch im semantischen Sinne,

„Wenn überhaupt eine Diskrepanz zwischen der phraseologischen Bedeutung und der wörtlichen Bedeutung des ganzen Ausdrucks besteht [...]. Je stärker die Diskrepanz zwischen den beiden Bedeutungsebenen ist, umso stärker idiomatisch ist der Phraseologismus.“20

Wenn es eine Diskrepanz zwischen der wörtlichen und der phraseologischen Bedeutung der Wörter gibt, dann liegt Idiomatizität vor. Sie ist graduell, d. h. der Grad der Idiomatizität bei den Phraseologismen ist unterschiedlich. Burger unterscheidet zwischen drei Graden der Idiomatizität 21:

Idiomatisch : wenn eine völlige Diskrepanz zwischen der wörtlichen und der phraseologischen Bedeutung des Ausdrucks besteht, ist der Phraseologismus in diesem Fall idiomatisch. 22

Öl ins Feuer gießen „einen Streit noch verschärfen, jmds. Erregung verstärken“

sich die Haare raufen „völlig verzweifelt sein“

Teil-idiomatisch : Der Phraseologismus ist teilidiomatisch, wenn ein Element seiner Konstituenten seine wörtliche Bedeutung beibehält.

einen Streit vom Zaun brechen

Nicht-idiomatisch : wenn der Phraseologismus keine Differenz zwischen der freien und der phraseologischen Bedeutung aufweist, ist er nicht-idiomatisch, wie Kollokationen.

sich die Zähne putzen

3. Funktionsverbgefüge:

3.1. Definition:

Die aus einem Nomen bzw. einer Präpositionalphrase und einem Verb bestehenden Verbindungen wie in Ordnung bringen, die bestimmte semantische und syntaktische Charakteristika aufweisen, nennt man Funktionsverbgefüge.

„Das Verb in solchen Verbindungen nennt man Funktionsverb und die ganze Konstruktion wurde als Funktionsverbgefüge bezeichnet. Es wurde auch früher als Funktionsverbfügung oder Streckverb genannt, sind aber weitgehend veraltet.“23

In der gegenwärtigen Literatur findet ausschließlich die Benennung „Funktionsverbgefüge“ noch Anwendung. Wir werden später versuchen, die FVG gegenüber anderen Nomen-Verb-Verbindungen abzugrenzen (siehe 2.4.4.). Eine einheitliche Definition ist in der Literatur und Grammatikbüchern nicht vorhanden. Das ist darauf zurückzuführen, dass Funktionsverbgefüge aus verschiedenen linguistischen Blickwinkeln betrachteten werden und je nach Zielsetzung, ob theoretisch oder praktisch - wie Fremdsprachenunterricht, Wörterbücher - unterschiedlich definiert werden. Es seien im Folgenden einige Definitionen von unterschiedlichen Autoren zitiert, damit wir zunächst einen umfassenden Blick über den Gegenstand gewinnen können.

Helbig/Buscha (2001):

„Ein FVG besteht aus einem FV und einem nominalen Bestandteil (in der Regel Substantiv im Akkusativ oder Präpositionalgruppe), die beide zusammen eine semantische Einheit darstellen und als solche das Prädikat bilden. Das FV kann nicht ohne den nominalen Teil des FVG vorkommen (und umgekehrt); dieser wird nach seinem Satzgliedcharakter als lexikalischer Prädikatsteil aufgefasst.“24

In Duden Grammatik (2009):

„Das FVG bildet eine Einheit, die einem einfachen Vollverb entsprechend, als Prädikat im Satz dienen kann. Dabei bildet das Verbalsubstantiv den sachverhaltsbeschreibenden lexikalischen Kern, während das Funktionsverb als Träger der verbalen Morphologie allgemeine verbale Bedeutungsaspekte ausdrückt.“25

In Duden Grammatik (1984):

„Funktionsverben sind den Hilfsverben insofern verwandt, als sie das Prädikat nicht allein, sondern nur in Verbindung mit anderen sprachlichen Elementen (Akkusativobjekt oder Präpositionalgruppe) bilden können.“26

Detges (1996):

„Funktionsverbgefüge sind komplexe Prädikate, deren verbale Formative keine lexikalischen Vollverben, sondern Funktionsverben sind. Diese treten nur zusammen mit nominalen Formativen NFVG auf, denen sie keinen Aktantenstatus, sondern die Funktion von Prädikatskernen zuweisen. Auf syntaktischer Ebene sind NFVG keine E[rgänzung] der FV und aus diesem Grund weder erfragbar noch anaphorisierbar.” 27

Die letzte Definition von Detges scheint mir viel umfassender und präziser als die oben aufgeführten Definitionen, jedoch ergänzen sie sich.

Zusammenfassend können FVG so definiert werden:

Funktionsverbgefüge sind Nomen-Verb-Verbindungen. Sie enthalten ein komplexes Prädikat, das aus einem Nomen bzw. einer Präpositionalphrase ((deverbative oder deadjektivische Nominalisierung) wie (in Vergessenheit, in Wut)) und aus einem Funktionsverb (geraten) besteht. Die beiden Konstituenten dieser Konstruktion bilden zusammen eine semantische Einheit, wo das Nomen semantisch der Schwerpunkt ist, während das Verb mit seiner eingebüßten, allgemeinen Bedeutung und seinem Ausdruck des Aspekts den Inhalt der Konstruktion vervollständigt. Die FVG haben im Normalfall mehr oder weniger die Bedeutung eines Vollverbes (zum Abschluss bringen =⇒ abschließen) aber mit einer wesentlichen Nuancierung und Schattierung des Inhalts. Das ist eben das, was FVG charakterisiert und ihren Schwerpunkt (den Ausdruck einer Aktionsart) bildet. (Siehe 4.2.)

3.2. Form der FVG

Funktionsverbgefüge bestehen aus einem Funktionsverb (kommen, bringen, geraten, stellen, stehen, sich befinden…) und aus einem Nomen bzw. Präpositionalphrase (Anerkennung, einen Beitrag, in Widerstand, zum Ausdruck…).

Wir können wie im Duden28 FVG in Haupttypen einteilen:

a) FVG, die aus einem FV und einem akkusativischen Verbalsubstantiv bestehen:

einen Beitrag leisten

eine Antwort geben

Anerkennung finden

eine Zusicherung bekommen

Die Hoffnung haben

b) FVG, die aus einem FV und einer Präpositionalphrase bestehen:

Unter Beobachtung stellen

Zur Verzweiflung bringen

In Vergessenheit geraten

Zur Debatte stehen

In Besitz haben

[…]


1 Vgl. Burger, Dobrovol’skij, Kühn, Norrick (2007), S. 6
2 Vgl. Fleischer (1982), S. 10f.
3 Palm (1997), S.1
4 Vgl. Ebenda S.1
5 Burger (1982) S. 1
6 Burger (2007), S. 2
7 Palm (1997), S.1
8 Vgl. Burger (2007), S. 2 und 4
9 Fleischer (1982), S. 35
10 Burger (2007), S.14
11 Vgl. Ebenda S.15f.
12 Erläuterung: Was ich nicht weiß, das interessiert mich auch nicht /das macht mich auch nicht nervös. http://www.redensarten-index.de/suche.php?suchbegriff=Was+ich+nicht+wei%C3%9F%2C+macht+mich+nicht+hei%C3%9F%2C+sagt+der+Ochse%2C+als+er+gebraten+wurde&bool=relevanz&gawoe=an&suchspalte%5B%5D=rart_ou (am 27.04.2013)
13 Burger (2007), S. 14
14 Ebenda S.17
15 Das Zeichen (*) bedeutet hier „nicht phraseologisch“
16 Vgl. Burger (2007), S. 20
17 Ebenda S. 25
18 Vgl. Burger (2007), S.29
19 Ebenda S. 15
20 Ebenda S. 31
21 oBurger (2007), S.32
22 Ebenda S. 31
23 Van Pottelberge (2007), S. 436
24 Helbig (2001), S.68
25 Duden, Die Grammatik (2009), S. 418
26 Duden, Grammatik der deutschen Gegenwartsprache (1984), S.113
27 Zitiert nach Heike Winhart (Detges 1996, 19), S.5
28 Duden. Die Grammatik (2009), 419 ff.

Ende der Leseprobe aus 67 Seiten

Details

Titel
Funktionsverbgefüge im Deutschen und im Arabischen
Untertitel
Versuch eines Vergleichs
Note
2,2
Autor
Jahr
2014
Seiten
67
Katalognummer
V315327
ISBN (eBook)
9783668140912
ISBN (Buch)
9783668140929
Dateigröße
681 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Funktionsverbgefüge, Funktionverben, Phraseologie, Vergleich, Deutsch Arabisch, Äquivalenz, Kollokationen, Nomen-Verb-Verbindungen
Arbeit zitieren
Mohammed Lakehal (Autor), 2014, Funktionsverbgefüge im Deutschen und im Arabischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315327

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