Seinen Ursprung erlebt der Begriff Empowerment in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der schwarzen Minderheitsbevölkerung. Mit dem Empowerment Konzept sind zwei Komponente stark miteinander verbunden: zum einen die fundamentale Politik der Selbstvertretung und zum anderen der Anspruch nach gleichen Rechten der farbigen Bevölkerung in den 1960er Jahren. Es war eine Bewegung des Friedens und gleichzeitig ein Kampf gegen die kriegerischen Eingriffe des Imperialismus und die Souveränität weiterer Länder, genau wie bei der Frauenbewegung, bei den Ungleichheiten in der Macht zwischen Mann und Frau reduziert wurden.
Der erste Teil der Arbeit widmet sich einem allgemeinen Teil zum Thema Empowerment. Dabei bezieht sich dieses Kapitel auf zwei verschiedene Definitionsversuche nach Herriger und Stark. Weiterhin werden die Besonderheiten des Konzeptes hervorgehoben.
Im mittleren Teil der Ausarbeitung werden Chancen und Herausforderungen des Empowermentkonzeptes in der Sozialen Arbeit aufgezeigt. Dabei wird beschrieben welche Rolle Empowerment im Bereich der Sozialen Arbeit einnimmt. Anhand von Beispielen soll gezeigt werden, ob Empowermentprozesse in der praktischen Arbeit umgesetzt werden können oder ob sich bei diesem Konzept um ein nicht umsetzbare Theorie handelt. Dabei wird auf die Arbeit mit Jugendlichen bei stationärer Unterbringung mit Zwangskontext und die Arbeit mit Menschen mit Autismus eingegangen.
Der letzte Teil der Arbeit wendet sich der Position von Empowerment im Gesundheitswesen zu. Durch Beispiele aus der Praxis werden auch hier Stärken und Herausforderungen des Konzeptes herausgearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 EMPOWERMENT
2.2 EMPOWERMENT IM KONTEXT DER SOZIALEN ARBEIT
2.2.1 In Zwangskontexten
2.2.2 Menschen mit Autismus
2.2.3 Grenzen
2.3 EMPOWERMENT IM KONTEXT DES GESUNDHEITSWESENS
2.3.1 In der Pflege
2.3.2 In der kommunalen Gesundheitsförderung
2.3.3 Grenzen
3 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit und Funktionalität des Empowerment-Konzeptes als Managementstrategie und Handlungskonzept innerhalb des Sozial- und Gesundheitswesens. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob es sich um eine praxisnahe Methode zur Förderung von Selbstbestimmung oder lediglich um eine utopische Theorie handelt.
- Historische Herleitung des Empowerment-Begriffes
- Empowerment in der Sozialen Arbeit (Zwangskontexte und Autismus)
- Die Rolle von Empowerment im Gesundheitswesen
- Praktische Umsetzung in Pflege und Gesundheitsförderung
- Herausforderungen, Rollenkonflikte und Grenzen des Konzeptes
Auszug aus dem Buch
2.2.1 In Zwangskontexten
Die Ausübung von Zwang ist für jeden Betroffenen nicht zufriedenstellend. Auch nicht dann, wenn z.B. dadurch versucht wird, den Kindern ein gemeinsames Leben mit ihren Eltern zu bieten. Aus dem Blickwinkel der Sozialen Arbeit sind Selbstentschlossenheit, Autonomie und Anerkennung auch vor Entscheidungen unkonventioneller Lebensläufe grundlegende Bausteine. So sollte deshalb eine Anordnung von Zwangsmaßnahmen nur in Ausnahmefällen erfolgen und vor ihrem Einsatz legitimiert werden. Es gilt Vor- und Nachteile zu ermitteln und miteinander zu vergleichen. Die Voraussetzung eine Zwangsmaßnahme einzuleiten, ist die Perspektive, die Autonomie des Klienten zu einem späteren Zeitpunkt wiederherstellen zu können (Kähler/Zobrist 2013, S.88f.).
Pankofer (2000, S.177-180), veranschaulicht an einem Beispiel eines Jugendlichen der in einer Einrichtung der stationären Jugendhilfe untergebracht ist und auf Grund einer Straftat mit Zwangsmaßnahmen konfrontiert ist, wie nötig und möglich Empowerment in einem Zwangskontext ist. In dieser Situation meint Empowerment, dass der Professionelle für den Jugendlichen einsteht, zu ihm hält, auch wenn er sein Verhalten nicht akzeptieren kann. Es gilt auch dem Jugendlichen die Folgen seiner Tat aufzuzeigen und sein Verhalten zu sanktionieren. Der Soziarbeiter muss einen klaren Standpunkt einnehmen und diesen beibehalten und „zwischen Zwang als Mittel und Zwang als Sachverhalt unterscheiden“ (Pankofer 2000, S.180). Aus therapeutischer Sicht ist mit Hilfe von Zwangsmaßnahmen kein Erfolg in Sicht. Das ändert sich jedoch wenn entschlossen versucht wird, etwas zu tun, was zu einem bestimmten Zeitpunkt als unvermeidbar erkannt wurde (Wendt zit. n. Pankofer 2000, S.180). Im Beispiel mit dem Jugendlichen ist demnach psychologisches Empowerment des Individuums nötig.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet den historischen Ursprung von Empowerment in der Bürgerrechtsbewegung und definiert den Aufbau sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2 EMPOWERMENT: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen, Definitionen und Kernmerkmale des Empowerment-Konzeptes.
2.2 EMPOWERMENT IM KONTEXT DER SOZIALEN ARBEIT: Das Kapitel analysiert die Rolle von Empowerment als Einstellungs- und Arbeitsansatz innerhalb der sozialen Arbeit.
2.2.1 In Zwangskontexten: Es wird diskutiert, wie Empowerment und notwendige Zwangsmaßnahmen in der stationären Jugendhilfe miteinander vereinbart werden können.
2.2.2 Menschen mit Autismus: Dieser Abschnitt zeigt auf, wie ein ressourcenorientierter Ansatz bei Menschen mit Autismus Selbsthilfe und Teilhabe fördern kann.
2.2.3 Grenzen: Hier werden kritische Aspekte beleuchtet, insbesondere Rollenkonflikte für Fachkräfte und die Grenzen des humanistischen Menschenbildes.
2.3 EMPOWERMENT IM KONTEXT DES GESUNDHEITSWESENS: Das Kapitel widmet sich der Bedeutung der Selbsthilfebewegung und neuer Versorgungsstrukturen im Gesundheitssystem.
2.3.1 In der Pflege: Es wird die Bedeutung von Empowerment bei der Bewältigung chronischer Krankheiten und der pflegerischen Unterstützung beleuchtet.
2.3.2 In der kommunalen Gesundheitsförderung: Das Kapitel beschreibt Strategien zur Stärkung der Eigeninitiative und Gesundheitsförderung auf kommunaler Ebene.
2.3.3 Grenzen: Zusammenfassung der Herausforderungen wie Qualifikationsmangel, fehlende finanzielle Mittel und Akzeptanzprobleme.
3 FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet Empowerment als funktionierendes, wenn auch herausforderndes Handlungskonzept.
Schlüsselwörter
Empowerment, Soziale Arbeit, Gesundheitswesen, Selbsthilfe, Autonomie, Zwangskontext, stationäre Jugendhilfe, Autismus, Gesundheitsförderung, Patientenpflege, Ressourcenorientierung, Teilhabe, Selbstbestimmung, Praxisbeispiele, Lebensbewältigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept des Empowerment als Management- und Handlungsinstrument und bewertet dessen Praxistauglichkeit im Sozial- und Gesundheitsbereich.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Anwendung von Empowerment in der stationären Jugendhilfe, der Arbeit mit Menschen mit Autismus sowie in der professionellen Pflege und Gesundheitsförderung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Es soll geklärt werden, ob Empowerment lediglich ein theoretisches Ideal (eine Utopie) ist oder ob es als effektives Konzept zur Förderung der Selbstbestimmung in der Praxis funktioniert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der kritischen Reflexion von Praxisbeispielen aus den genannten Fachbereichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Definitionen, die praktische Umsetzung in speziellen Arbeitsfeldern sowie die Grenzen und Herausforderungen des Ansatzes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Empowerment, Soziale Arbeit, Gesundheitswesen, Autonomie, Selbsthilfe und Ressourcenorientierung.
Wie unterscheidet sich Empowerment von klassischen Defizitansätzen?
Während klassische Ansätze oft die Mängel und Probleme der Klienten fokussieren, stellt Empowerment die Stärken, Potenziale und die Selbstbefähigung des Individuums in den Mittelpunkt.
Warum ist Empowerment in Zwangskontexten besonders schwierig?
Weil der professionelle Helfer in einen Rollenkonflikt gerät: Einerseits soll er den Klienten voll akzeptieren, andererseits muss er sanktionierende Maßnahmen gegen dessen Willen durchsetzen.
Welche Rolle spielt die Selbsthilfebewegung für das Konzept?
Sie gilt als eine tragende Säule, da sie durch selbstorganisierte Strukturen zur Stabilisierung der Gesundheit und zum Ausbau von Expertenwissen in eigener Sache beiträgt.
Welche Rolle spielt die akademische Bildung für Empowerment in der Pflege?
Die Autorin betont, dass für die wirksame Umsetzung von Empowerment in der Pflege eine akademische Ausbildung der Pflegekräfte notwendig ist, um professionelle Kompetenzen zu erweitern.
- Citar trabajo
- Udo Brünner (Autor), 2014, Empowerment als Managementstrategie und Handlungskonzept in der Sozialen Arbeit und im Gesundheitswesen. Eine Utopie?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315387