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Erfahrungen mit Gewaltprävention im öffentlichen Raum

Versuch einer Zwischenbilanz

Title: Erfahrungen mit Gewaltprävention im öffentlichen Raum

Master's Thesis , 2015 , 72 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Gerhard S. Müller (Author)

Sociology - Law and Delinquency
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Summary Excerpt Details

Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen, Platzverweise und restriktivere Gesetze sind gängige Maßnahmen zur kommunalen Gewaltprävention. Die Erfahrungen mit formellen Eingriffen von Polizei, Städten und Kommunen zur Gewaltprävention und die möglichen Auswirkungen dieser Formalisierung im öffentlichen Raum auf die Betroffenen ist Thema dieser Arbeit.

Zuerst werden die Begrifflichkeiten geklärt, durch die Definitionen eine Abgrenzung vorgenommen und der Fokus deutlich gemacht.

In Kapitel 3 werden für das Thema relevante theoretische Grundlagen beleuchtet.

Im Hauptteil werden zuerst die Erfahrungen der verschiedenen Ansätze zur Gewaltprävention im öffentlichen Raum aufgezeigt. Der Fokus liegt auf den Maßnahmen der öffentlichen Hand. Außerdem werden die für die Gewaltprävention relevanten Erfahrungen der Polizei analysiert. Insbesondere wird eine Analyse der vorherrschenden Delikte, der Schwierigkeiten von privater und öffentlicher Sicherheit und Auswirkungen von Polizeipräsenz auf die Kriminalitätsfurcht der Bevölkerung vorgenommen.

In einem zweiten Teil werden die Erfahrungen in der kommunalen Gewaltprävention beleuchtet und die Veränderungen der Sicherheitslage durch Videoüberwachung, Stadtpolizeieinsätze, gesetzlich verankerte Alkoholverbote und die Vergabe hoheitlicher Aufgaben an private Sicherheitsleute, analysiert.

Es werden Auswirkungen auf die Gewalt im öffentlichen Raum ergründet. Insbesondere, ob es zu Verdrängungseffekte von speziellen Personengruppen oder räumliche Verlagerung der Gewaltdelikte durch initiierte Projekte und Maßnahmen kam.
In einem Exkurs wird eine Auswertung eines Printmediums über einen Zeitraum von 5 Monaten beschrieben und beleuchtet.

Im Abschlusskapitel wird aus den aufgezeigten Erfahrungen eine Zwischenbilanz gezogen und die Notwendigkeit von Anpassungen zukünftiger gewaltpräventiver Maßnahmen und Projekte diskutiert. Kriminalpräventive Maßnahmen werden häufig als Reaktion auf spezifische Problemgruppen oder bei einer Häufung von Deliktarten, installiert. Die Recherchen zeigten, dass die Evaluation der Auswirkungen und strukturellen Folgen von Maßnahmen, nur unzureichend vorgenommen werden.

Die vorhandenen Erfahrungen sollten genutzt werden, um zu prüfen, ob die installierten Präventionsansätze noch aktuell und passend sind oder in wieweit sich Deliktarten bzw. die Nutzung des öffentlichen Raumes, geändert haben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärungen

3. Theoretische Grundlagen

3.1 Psychologische Gewalttheorien

3.1.1 Frustrations-Aggressions-Theorie

3.1.2 Lerntheorie

3.2 Soziologische Gewalttheorien

3.2.1 Anomietheorie

3.2.2 Etikettierungstheorie

3.2.3 Theorie der sozialen Kontrolle

3.2.4 Erfahrungen der Perspektivlosigkeit

3.3 Ungleichheit und Gewalt

3.4 Kommunale Ansätze der Gewaltprävention

3.4.1 CEPTED – Crime Prevention through Environmental Design

3.4.2 ISIS und ISAN - Präventionsmodelle der integrierten Stadtgestaltung

3.4.3 Soziale Stadt

4. Erfahrungen im sozialräumlichen Sicherheits- und Kontrollmanagement

4.1 Gewaltpräventionserfahrungen der Polizei

4.1.1 Forschungsergebnisse der Polizeiprävention

4.1.2 Polizeipräsenz im öffentlichen Raum

4.1.3 Kriminalitätsfurcht und Sicherheit

Exkurs: Gewaltberichterstattung in Printmedien

4.1.4 Gewaltprävention in virtuellen Räumen

4.2 Präventionsansätze der Kommunen

4.2.1 Koordinationsstellen

4.2.2 Städtebauliche Präventionsmaßnahmen

4.2.3 Stärkung sozialer Kontrolle vs. formeller Kontrolle

4.2.4 Sozialarbeit

4.3 Gewaltpräventive Videoüberwachung

4.4 Erfahrungen aus verschiedenen Gewaltpräventionsprojekten

5. Zwischenbilanz

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Erfahrungen mit formellen Eingriffen von Polizei, Städten und Kommunen zur Gewaltprävention im öffentlichen Raum sowie deren Auswirkungen auf die Betroffenen. Das zentrale Ziel ist eine Zwischenbilanz der Wirksamkeit dieser Präventionsmaßnahmen, unter besonderer Berücksichtigung von Verdrängungseffekten und dem Einfluss auf die Kriminalitätsfurcht.

  • Soziologische und psychologische Erklärungsmodelle von Gewalt
  • Kommunale Konzepte zur Kriminalprävention (z.B. CPTED, Soziale Stadt)
  • Polizeiliche Ansätze wie Community Policing und Polizeipräsenz
  • Rolle der Videoüberwachung und deren präventive Effektivität
  • Einfluss von Medienberichterstattung und Alkohol auf das Sicherheitsgefühl

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Frustrations-Aggressions-Theorie

An der Yale Universität formulierten Wissenschaftler um John Dollard 1939 ihre Hauptthesen zur Frustrations-Aggressions-Theorie, die besagt: 1. Aggression ist immer eine Folge von Frustration. 2. Frustration führt immer zu einer Form von Aggression. Frustration wurde als Störung einer zielgerichteten Aktivität definiert, die ein verletzendes Verhalten, also Aggression zur Folge hat.

Die Thesen wurden nach kurzer Zeit in ihrer Absolutheit revidiert, da empirische Beobachtungen und Versuche ergaben, dass Frustration nicht immer zu Aggressionen führt und auch nicht jede Aggression auf Frustration zurückzuführen war. Auf Frustration folgten auch Ängste oder Rückzug (vgl. DOLLARD et al., 13-28 und NOLTING, 39ff). Es gibt drei Typen von Frustration: 1. Störung einer zielgerichteten Aktivität (Hindernisfrustration). 2. Mangelzustände (Entbehrung). 3. Schädigende Reize (Angriffe, Schmerz).

Der sicherste Weg Aggression auszulösen ist, die Frustration in Form von schädigenden Reizen auszuüben. Dies geschah durch Versuche mit Tieren, denen Schmerz zugefügt wurde und Versuche mit Menschen, die durch Anrempeln auf der Straße oder verbale Attacken, gereizt wurden (vgl. NOLTING, 40f). Bei diesen „erfolgreichen“ Reizen handelte es sich eindeutig um physische oder psychische Gewalt, auf die mit Aggression bzw. Gegengewalt reagiert wurde. Auch bei der Hindernisfrustration kommt es häufig zu Aggressionen. Dagegen führt Entbehrung oder Mangel nicht automatisch zu Aggression. Doch ist die Reizbarkeit, also die Auslösbarkeitsschwelle von Aggression deutlich niedriger (vgl. ebd., 40f.).

Die Entstehung von Aggression ist von der Wahrnehmung des Betroffenen abhängig. Wird Frustration als störend, bedrohlich oder aversiv bewertet, kommt es zu Wut, Zorn und letztendlich zu Aggression. Demnach ist es ausschlaggebend, ob eine Person etwas als echte Behinderung wahrnimmt oder nicht (vgl. HAHN et al., 150).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung des Themas, des Fokus auf formelle Eingriffe im öffentlichen Raum und der methodischen Herangehensweise der Arbeit.

2. Begriffsklärungen: Definition und Abgrenzung der zentralen Begriffe „Gewalt“, „Aggression“ und „öffentlicher Raum“.

3. Theoretische Grundlagen: Erläuterung psychologischer und soziologischer Gewalttheorien sowie Vorstellung kommunaler Präventionsmodelle wie CPTED und „Soziale Stadt“.

4. Erfahrungen im sozialräumlichen Sicherheits- und Kontrollmanagement: Analyse polizeilicher und kommunaler Präventionspraktiken, einschließlich Videoüberwachung und Projekten wie „Nachtwanderer“.

5. Zwischenbilanz: Kritische Reflexion der Ergebnisse, Diskussion über Effizienz von Prävention und Empfehlungen für zukünftige, zielgruppenorientierte Strategien.

Schlüsselwörter

Gewaltprävention, öffentlicher Raum, Kriminalität, Polizei, Community Policing, Soziale Stadt, Videoüberwachung, Jugendkriminalität, Sicherheitsgefühl, Kriminalitätsfurcht, Präventionsräte, Sozialarbeit, Zivilcourage, Evaluation, Stadtplanung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Masterarbeit befasst sich mit den Erfahrungen der formellen Gewaltprävention durch staatliche Akteure wie Polizei und Kommunalverwaltungen im öffentlichen Raum und untersucht deren Wirkung auf die betroffene Bevölkerung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen von Gewalt, kommunale und polizeiliche Strategien zur Kriminalitätsbekämpfung, die Auswirkungen von Überwachungsmaßnahmen sowie der Einfluss von Medien und Alkohol auf das Sicherheitsklima.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist eine fundierte Zwischenbilanz zu ziehen, inwiefern bisherige kriminalpräventive Maßnahmen tatsächlich erfolgreich sind und welche strukturellen Probleme (wie mangelnde Evaluation oder Verdrängungseffekte) dabei existieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche, der Auswertung polizeilicher Kriminalstatistiken (PKS) sowie einer eigenen empirischen Auswertung von Printmedienberichten zum Thema Gewalt im öffentlichen Raum.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Praxis von Polizeipräsenz, städtebaulichen Maßnahmen, Videoüberwachung und spezifischen Präventionsprojekten sowie deren teils widersprüchliche Ergebnisse hinsichtlich realer Sicherheit und subjektivem Sicherheitsempfinden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den Kernbegriffen zählen Gewaltprävention, öffentlicher Raum, Community Policing, Kriminalitätsfurcht, Soziale Stadt, soziale Kontrolle und Evaluation.

Warum wird die Rolle der Polizei so intensiv diskutiert?

Die Polizei fungiert als zentraler Akteur der formellen Kontrolle; die Arbeit beleuchtet das Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach Sicherheit durch Präsenz und der Gefahr der Entfremdung von Bürgern sowie der Notwendigkeit einer bürgernahen Kommunikation.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Videoüberwachung?

Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass Videoüberwachung oft als probates Mittel beworben wird, jedoch empirisch kaum nachhaltige präventive Effekte erzielt und stattdessen primär der Verdrängung unerwünschter Randgruppen dient.

Was hat es mit dem Exkurs zur Medienberichterstattung auf sich?

Der Exkurs zeigt mittels einer eigenen Auswertung der Stuttgarter Zeitung auf, dass die mediale Darstellung von Gewalt oft reißerisch ist und nicht immer mit den tatsächlichen statistischen Kriminalitätsraten korreliert, was wiederum Ängste in der Bevölkerung schürt.

Warum ist eine "Zwischenbilanz" für die Prävention wichtig?

Die Zwischenbilanz ist notwendig, um kritisch zu prüfen, ob die teils ad-hoc initiierten Projekte wirklich funktionieren oder ob durch fehlende Evaluation Ressourcen in ineffektive Maßnahmen investiert werden.

Excerpt out of 72 pages  - scroll top

Details

Title
Erfahrungen mit Gewaltprävention im öffentlichen Raum
Subtitle
Versuch einer Zwischenbilanz
College
University of Hagen  (Soziologie)
Course
Abschlussarbeit
Grade
1,7
Author
Gerhard S. Müller (Author)
Publication Year
2015
Pages
72
Catalog Number
V315494
ISBN (eBook)
9783668143869
ISBN (Book)
9783668143876
Language
German
Tags
Erfahrungen Gewaltprävention öffentlichen Raum Gewalttheorien Ungleichheit Gewalt Polizeiprävention Polizeipräsenz Prävention Videoüberwachung öffentlicher Raum Polizei kommunale Ansätze virtueller städtebaulich formelle Kontrolle soziale Soziologie Sicherheit psychiologische soziologische ISIS ISAN CEPTED jugendtypisch Delikte Gefühl bauliche Veränderungen Alkohol Community Policing Präventionsplanung Kriminalstatistik Kriminalitätsfurcht Sicherheitsgefühl Gewaltberichterstattung öffentliche Plätze Jugendliche Gewaltpräventionsprojekte Deliktanalyse Migranten Körperverletzung Berichterstattung Evaluationsstudien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Gerhard S. Müller (Author), 2015, Erfahrungen mit Gewaltprävention im öffentlichen Raum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315494
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