In der vorliegenden Hausarbeit soll die Bedeutung der Perikope Lk 11,14-23 im Kontext der Reich-Gottes-Botschaft Jesu herausgearbeitet werden, da diese Perikope im Rahmen des dritten Evangeliums weitreichende Schlüsse auf die Bedeutung und den Zeichencharakter von Jesu heilenden und exorzistischen Taten zulässt. Neben dem befreienden und auf das Reich Gottes verweisenden Aspekt steht hier – eingebunden in den lukanischen Reisebericht – der Zeitpunkt des Eintreffens des erwarteten Reiches Gottes im Vordergrund sowie die Frage nach der Vollmacht Jesu angesichts der Beelzebul-Vorwürfe, mit denen ihn seine Gegner konfrontieren.
Zunächst sollen wesentliche vorbereitende Schritte der folgenden Auslegung auf der synchronen und der diachronen Ebene durchgeführt werden. Nach der Textabgrenzung und textkritischen Beobachtungen soll eine eigene - möglichst nah am griechischen Text gehaltene und nicht vorrangig nach stilistischen bzw. rezeptionsorientierten Kriterien gestaltete - Übersetzung als Folie dienen, auf der verschiedene deutsche Bibelübersetzungen miteinander verglichen werden können. Nach der Darstellung einer möglichen Gliederung des Textes in Sinneinheiten und der Einordnung in den Kontext des Lukasevangeliums werde ich in der synchronen Textanalyse die Perikope nach syntaktisch-semantischen bzw. pragmatischen Gesichtspunkten untersuchen, wobei auch die Frage nach der Gattungszuordnung gestellt wird. In der diachronen Analyse werden zum einen die soziokulturellen bzw. religiösen Hintergründe der Perikope beleuchtet, bevor im Zuge der Literarkritik ein synoptischer Vergleich durchzuführen ist.
Da jeder biblische Text - wie überhaupt jeder Text - in eine bestimmte historische Kommunikationssituation eingebunden ist und hinter ihm bestimmte Intentionen des Autors zu vermuten sind, soll der Sitz im Leben der Perikope im Hinblick auf die lukanische Gemeinde kurz erörtert werden, bevor die theologischen Schwerpunkte, die in den betreffenden Versen zum Ausdruck kommen, charakterisiert werden.
Abschließend werde ich versuchen, die bleibende Bedeutung der behandelten Perikope im Besonderen wie die Bedeutung des exorzistischen bzw. heilenden Handelns Jesu im Allgemeinen zu formulieren.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Vorüberlegungen zum Wunderbegriff in Geschichte und Gegenwart
3.) Zur Exegese von Lk 11,14-23
3.1. Textabgrenzung
3.2. Textkritik
3.3. Übersetzung der Perikope Lk 11,14-23
3.4. Textauflistung - Gliederung des Textes in Sinneinheiten
3.5. Vergleich der Übersetzungen Einheitsübersetzung - Lutherbibel - revidierte Elberfelder Bibel
3.6. Zur Situierung der Perikope im Kontext des Lukasevangeliums
4.) Synchrone Textanalyse
4.1. Situationsanalyse
4.1.1. Schauplatz und Zeit
4.1.2. Personenkonstellation
4.2. Semantische Analyse
4.2.1. Leitmotive und Schlüsselbegriffe
4.3. Beobachtungen zur Syntax und zum Tempusgebrauch
4.4. Erzählstruktur
4.5. Zur Erzählsituation
4.6. Pragmatische Untersuchung
4.6.1. Struktur und Argumentationsgang der Verteidigungsrede Jesu
4.7. Gattungsgeschichtliche Untersuchung
5.) Diachrone Analyse
5.1. Religiöser und soziokultureller Hintergrund
5.1.1. Konzepte von Krankheit und Gesundheit - Dämonenglaube in Israel zur Entstehungszeit der Evangelien
5.1.2. Charakteristika des Exorzismus in Abgrenzung von der Heilung
5.1.3. Jesus und die Wunderheiler seiner Zeit
5.2. Synoptischer Vergleich
5.3. Redaktionsgeschichte
5.4. Der „Sitz im Leben“
6.) Lk 11,14-23 im Kontext der lukanischen Theologie
6.1. Jesu befreiendes Wirken
6.2. Die Frage nach der Vollmacht
6.3. Die eschatologische Dimension von Lk 11,14-23
6.4. Eine Entscheidung ist unausweichlich - der Ruf zur Nachfolge
7.) Ausblick: Der existenzielle Sinn der Perikope Lk 11,14-26
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der Perikope Lk 11,14-23 innerhalb der Reich-Gottes-Botschaft Jesu, analysiert deren erzähltechnische Struktur sowie den traditionsgeschichtlichen Hintergrund und beleuchtet die theologische Dimension des exorzistischen Handelns Jesu.
- Exegetische Analyse der Perikope Lk 11,14-23
- Die Rolle von Exorzismen im Kontext des Wirkens Jesu
- Synchrone und diachrone Untersuchung der lukanischen Textebene
- Der Zusammenhang zwischen der Vollmacht Jesu und dem anbrechenden Reich Gottes
- Die existenziellen Implikationen der Perikope für den Glauben
Auszug aus dem Buch
4.1.2. Personenkonstellation
Die Grundstruktur des Personeninventars der vorliegenden Perikope ist durch jeweils zwei sich gegenüberstehende Pole gekennzeichnet. Im Zentrum steht jeweils Jesus als Hauptakteur, dem zunächst der stumme Dämon als Gegenspieler gegenübersteht, bevor sich aus dem Zuschauerkreis nicht näher bestimmte (V.15 τινὲς δὲ ἐξ αὐτῶν, V.16 ἕτεροι δὲ) Personen zu Wort melden. Während mit Jesus und dem stummen Dämon göttliche und widergöttliche Sphäre konfrontiert werden, stehen die Zuschauer der Szene als „Zwischenspieler“ an der Schnittstelle zwischen beiden Sphären.22 Die Akteure werden in ihrer Identität nur knapp beschrieben, wobei der Charakterisierung des Dämonen als „stumm“ (κωφός) von zentraler Bedeutung für die christologische Deutung der entsprechenden Szene ist, wie später zu zeigen sein wird. Die Massen (οἱ ὄχλοι) werden ebenfalls nicht näher bestimmt, während die entsprechende Stelle wahrscheinlich schon in Q als Ankläger die „Pharisäer“ nennt (vgl. par Mt 12,23; Mt 9,34; vgl. auch Mt 12,28). Offensichtlich dagegen ist, dass der Exorzismus in großer Öffentlichkeit stattfindet, was durch die Verwendung des Begriffs „ὄχλοι“ deutlich wird. Die Unbestimmtheit der handelnden Personen muss jedoch relativiert werden, wenn man mit Reinhard von Bendemanns These von der charakteristischen narrativen Wiederholungsstruktur des lk Reiseberichts davon ausgeht, dass alle erzählten Akteure und Gruppen bereits eingeführt und bekannt sind.23
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz von Jesu Exorzismen ein und stellt die Absicht dar, die Perikope Lk 11,14-23 im Kontext der Reich-Gottes-Botschaft zu analysieren.
2.) Vorüberlegungen zum Wunderbegriff in Geschichte und Gegenwart: Es werden unterschiedliche Wunderverständnisse und deren historische Bedingtheit dargelegt, insbesondere im Hinblick auf den Dämonenglauben zur Zeit Jesu.
3.) Zur Exegese von Lk 11,14-23: Dieses Kapitel umfasst die Textabgrenzung, Textkritik, eine eigene Übersetzung, die Gliederung in Sinneinheiten sowie einen Vergleich gängiger Bibelübersetzungen und die kontextuelle Situierung der Perikope.
4.) Synchrone Textanalyse: Eine tiefgehende Untersuchung der narrativen Struktur, der Sprache, der Syntax sowie der erzählerischen und pragmatischen Gestaltung des Textes.
5.) Diachrone Analyse: Die Untersuchung befasst sich mit den soziokulturellen Hintergründen, dem Exorzismus-Verständnis im antiken Judentum, synoptischen Vergleichen und der redaktionsgeschichtlichen Einordnung.
6.) Lk 11,14-23 im Kontext der lukanischen Theologie: Theologische Auswertung der Exegese hinsichtlich der Befreiungswirkung Jesu, der Frage nach seiner Vollmacht, der eschatologischen Dimension und der Aufforderung zur Nachfolge.
7.) Ausblick: Der existenzielle Sinn der Perikope Lk 11,14-26: Abschließende Reflexion über die Bedeutung der Perikope für den heutigen Glauben und die existentielle Grundsituation des Menschen.
Schlüsselwörter
Lk 11,14-23, Jesus, Exorzismus, Reich Gottes, Dämonenaustreibung, Vollmacht, Lukanische Theologie, Wundererzählung, Nachfolge, Beelzebul, Wunderglaube, Biblische Exegese, Historischer Jesus, Stumme, Reich Gottes Botschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer exegetischen Untersuchung der Perikope Lk 11,14-23, die einen Exorzismus Jesu und die darauf folgende Auseinandersetzung mit seinen Kritikern schildert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Studie umfasst das Wunderverständnis, die Analyse der lukanischen Theologie, die eschatologische Bedeutung von Jesu Handeln und die Frage nach dem historischen Sitz im Leben der Gemeinde.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Bedeutung der Perikope Lk 11,14-23 im Kontext der Botschaft vom Reich Gottes herauszuarbeiten und zu klären, welchen Zeichencharakter die heilenden und exorzistischen Taten Jesu haben.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit kombiniert historisch-kritische Methoden, insbesondere synchrone und diachrone Textanalysen, sowie literaturwissenschaftliche Ansätze zur Untersuchung der Erzählstruktur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte textkritische Exegese, eine synchrone Analyse (Struktur, Syntax, Erzählweise), eine diachrone Untersuchung des historischen Kontexts und eine theologische Auswertung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Dämon, Exorzismus, Vollmacht, Finger Gottes, Reich Gottes, lukanischer Reisebericht und die eschatologische Dimension der Wunder.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Exorzismus und Heilung in dieser Arbeit relevant?
Der Text betont, dass im antiken Kontext eine präzise Differenzierung zwischen der Austreibung von Dämonen (Exorzismus) und der Heilung von Krankheiten notwendig ist, um die spezifische Art des Wirkens Jesu korrekt zu erfassen.
Was bedeutet der „Finger Gottes“ in Lk 11,20?
Der Ausdruck dient als Metapher für die unmittelbar durch Gott verliehene Vollmacht Jesu, durch die die Herrschaft Gottes in der Gegenwart konkret wirksam und erfahrbar wird.
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- Rebecca Weber (Autor), 2008, Exegese von Lk 11, 14-23. Jesu Dämonenaustreibung im Kontext seiner Verkündigung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315531