Rahmenbedingungen zur Realisierung von Eingewöhnungsmodellen in der Kita


Seminararbeit, 2015

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung Warum Eingewöhnungsmodelle alleine nicht ausreichen

2. Zur Bedeutung einer hochwertigen Eingewöhnung

3. Rahmenbedingungen
3.1 Personelle Rahmenbedingungen
3.2 Institutionelle Rahmenbedingungen
3.2.1 Gruppengröße
3.2.2 ErzieherIn-Kind-Relation
3.2.3 Qualifikation

4. Analyse des Berliner Eingewöhnungsmodells

5. Fazit

Literatur

Internetquellen

1. Einleitung Warum Eingewöhnungsmodelle alleine nicht ausreichen

Eingewöhnungsmodelle finden beim Übergang von der Familie in die Kita oft Anwendung, allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass pädagogische Modelle und Konzepte ohne Sicherstellung der notwendigen Rahmenbedingungen nicht in einem qualitativ hochwertigen Ausmaß umsetzbar sind, von dem die Kinder profitieren können.

Cord Wellhausender, stellvertretender Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes, greift genau diese Problematik auf, um die es in dieser Seminararbeit geht:

„Was nützen die Bildungspläne, wenn die Rahmenbedingungen in den Kitas nicht verbessert werden (…). Wem das notwendige Werkzeug fehlt, der kann auch mit der besten Gebrauchsanleitung nichts anfangen“ (vgl. Goers 2009, o.S.).

Im Rahmen dieser Seminararbeit wird darum auf das notwendige „Werkzeug“ eingegangen, über das Kinderkrippen und Kindergärten zur qualitätsvollen Eingewöhnung verfügen sollten. Die Angaben in dieser Seminararbeit beziehen sich ausschließlich auf deutsche und österreichische Literatur.

Die konkrete Forschungsfrage Welche personellen und institutionellen Rahmenbedingungen sind notwendig, um Modelle zur Eingewöhnung in die Kita realisieren und anwenden zu können?“ bildet den Grundstein dieser Seminararbeit und wird anschließend im Kapitel 5. Fazit nochmals zusammenfassend reflektiert, diskutiert und problematisiert. In dieser Arbeit sind unter der Definition Kita die österreichischen sowie deutschen Kinderkrippen, Kindergärten und Tagesstätten für Kinder bis zum Schuleintritt zu verstehen.

Nur wenn die erforderlichen Rahmenbedingungen gegeben sind, kann von einer adäquaten Betreuung gesprochen werden. Auch bei der Anwendung von pädagogischen Modellen, wie Eingewöhnungsmodellen, ist es notwendig, vorher zu prüfen, unter welchen Bedingungen diese umsetzbar sind. Sind diese nicht in einem ausreichenden Ausmaß gegeben, so kann die Eingewöhnung nicht zum Vorteil des einzugewöhnenden Kindes realisiert werden. In Kapitel 2. Zur Bedeutung einer hochwertigen Eingewöhnung werden Studien dargelegt, die darauf hinweisen wie wichtig eine angemessene Eingewöhnung für Kinder ist.

Auf der einen Seite wird in dieser Seminararbeit auf die notwendigen personellen Rahmenbedingungen eingegangen, welche zur Anwendung und Realisierung von Eingewöhnungsmodellen notwendig sind. Diese beziehen sich in dieser Arbeit auf:

- Die Fähigkeit, eine tragende Bindungsbeziehung zum Kind aufzubauen
- Einen regelmäßigen Austausch mit den Eltern

Auf der anderen Seite werden die institutionellen Rahmenbedingungen vorgestellt, die sich in dieser Arbeit auf folgende Punkte konzentrieren:

- Die Gruppengröße
- Die ErzieherIn-Kind-Relation
- Die Qualifikation

Kinder erleben viele Übergänge in ihren ersten Lebensjahren. Das Bildungssystem ist im deutschsprachigen Raum von Übergängen zwischen der Familie und diversen Bildungseinrichtungen geprägt (vgl. Griebel 2013, S. 101). Übergänge, auch Transitionen genannt, sind komplexe, ineinander übergehende und sich überblendende Wandlungsprozesse, in denen Lebenserfahrungen eine markante Umstrukturierung erfahren. In vielen Bereichen müssen Anpassungen und Veränderungen geleistet und innerpsychische Prozesse und Beziehungen zu anderen Personen gestaltet werden. Dadurch kann eine Anhäufung vieler verschiedener Belastungsfaktoren begünstigt werden (vgl. Griebel 2013, S. 102). Um diese Belastungsfaktoren im Vorhinein so gering als möglich zu halten, müssen die Einrichtungen über die notwendigen Rahmenbedingungen verfügen, die dazu beitragen, dass das Kind sich an die neue Situation anpassen kann. Dabei muss das pädagogische Fachpersonal über die Fähigkeit verfügen, eine tragbare und sichere Bindungsbeziehung zum Kind aufzubauen. Wie in Kapitel 3.1 Personelle Rahmenbedingungen dargestellt wird, können Kinder nur durch eine sichere Bindung in der Einrichtung ihre Umwelt erforschen und sich entwickeln. Diese Bedingungen müssen schon vorweg vorhanden sein. Sobald ein Kind das erste Mal die Einrichtung betritt, muss dafür gesorgt werden, dass es einen bestmöglich gestalteten Übergang erlebt. Ebenso bedeutsam ist der regelmäßige Austausch und Kontakt mit den Eltern, damit sich die Kinder ausgezeichnet in der Kita entwickeln können. Eine starke Zusammenarbeit zwischen dem pädagogischen Fachpersonal und den Eltern ermöglicht eine bestmögliche Förderung der Kinder.

In Kapitel 3.2 Institutionelle Rahmenbedingungen wird auf die Bedeutung der richtig gewählten Gruppengröße sowie die ErzieherIn-Kind-Relation eingegangen. Beide Punkte sind entscheidend für die Qualität in den Kitas, denn eine passende Gruppengröße wirkt sich positiv auf die Entwicklungschancen der Kinder aus. Ebenso wird in diesem Kapitel auf die Qualifikation pädagogischer Fachkräfte näher eingegangen sowie die Verschiedenheit der österreichweiten Anforderungen an pädagogische Fachkräfte aufgezeigt. Während in einigen Bundesländern keine spezifische Qualifikation vorausgesetzt wird, müssen in anderen Bundesländern Ausbildungen von bis zu 300 Stunden absolviert werden, um in der Kita arbeiten zu dürfen. Je besser und intensiver die Ausbildung gestaltet ist, desto besser wirkt sich dies auf die Qualität in den Kitas aus. Durch eine Verlegung der Ausbildung auf Hochschulen, wie es in Deutschland und vielen Ländern der OECD bereits möglich ist, könnte die Qualität weiter gesteigert werden.

Das folgende Zitat aus einem Leitfaden für die Aufnahme von Kindern in die Kita macht das diskutierte Thema sichtbar:

‚Fachwissenschaftliche Kenntnisse zum Beispiel über motorische, sozial-emotionale, kognitive und sprachliche Wahrnehmungs- und Sinnesentwicklung werden dafür [Anm.d.Verf.: für die Aufnahme von Kindern] ebenso gebraucht wie pädagogische Konzepte zum Beispiel zur Eingewöhnung (…)‘ (Amt für Kinder und Familien 2006, S. 10).

Vielfältige Kenntnisse über die Entwicklung von Kindern bilden eine wichtige Rahmenbedingung, die in weiterer Folge die Anwendung von pädagogischen Konzepten ermöglicht. Das Zitat zeigt auf, dass Konzepte, wie solche zur Eingewöhnung, hilfreich und nützlich sein können, aber alleine nicht ausreichen. Denn es braucht noch viel mehr als vorgegebene und strukturierte Konzepte. Das pädagogische Fachpersonal muss eine tiefgründige Ausbildung absolviert haben und über die Bedürfnisse und die Entwicklung der Kinder Bescheid wissen, um auf diese bestmöglich eingehen zu können.

Das weit verbreitete Berliner Eingewöhnungsmodell, welches in Kapitel 4. Analyse des Berliner Eingewöhnungsmodells dargestellt wird, gibt genauestens vor, wie die Eingewöhnung ablaufen soll. Jedoch muss dieses auf seine Verwirklichungsbedingungen und -möglichkeiten vor der Anwendung untersucht werden. Dazu werden Rahmenbedingungen notwendig, die dafür sorgen, dass der Grundstein für eine qualitativ hochwertige Eingewöhnungsphase gelegt wird. Sind diese Bedingungen vorhanden und werden diese eingehalten, so können passende Eingewöhnungsmodelle eine wirkende Anwendung finden.

Ehe auf all diese genannten Rahmenbedingungen näher eingegangen wird, wird vorerst die Bedeutung einer hochwertigen Eingewöhnung dargestellt.

2. Zur Bedeutung einer hochwertigen Eingewöhnung

Wilfried Datler, Nina Hofer-Reisner und Maria Fürstaller weisen darauf hin, dass besonders Kleinkinder der Gefahr ausgesetzt sind, traumatische Erfahrungen durch die plötzliche Trennung der gewohnten Bezugspersonen zu machen. Wenn diese vertrauten Bezugspersonen plötzlich nicht mehr vorhanden sind und die Kinder sich für ein paar Stunden an einem fremden Ort mit fremden Menschen aufhalten sollen, drohen belastende Gefühle der Angst und des Verlorenseins beim Kind traumatisch zu werden. Sie sind diesen Gefühlen ausgesetzt und können sie selbst noch nicht lindern (vgl. Datler / Hofer-Reisner / Fürstaller 2010, S. 161).

Wie bedeutend eine hohe Qualität der Eingewöhnung in die Kinderkrippe ist, zeigt ein Forschungsprojekt aus den Jahren 1984 und 1985, welches an der Freien Universität Berlin durchgeführt wurde. Es wurde aufgezeigt, welche negativen Auswirkungen eine fehlende Eingewöhnung auf das Kind haben kann. Kinder, welche nicht gemeinsam mit den Eltern in die Kinderkrippe eingewöhnt wurden, fehlten in den ersten sieben Monaten nach der Aufnahme bis zu vier Mal länger wegen einer Erkrankung, als Kinder, die von ihren Eltern in der Eingewöhnungsphase begleitet wurden. Die nicht eingewöhnten Kinder zeigten ein deutlich ängstlicheres Verhalten und konnten die Möglichkeiten der neuen Umgebung weniger nutzen. Es wurde festgestellt, dass diese Kinder einen viel geringeren Entwicklungsstand und Irritationen in ihren Bindungsbeziehungen aufwiesen (vgl. Laewen 2006, o.S. zit.n. Braukhane / Knobeloch 2011, S. 4).

Die Wiener Krippenstudie (2007) wurde am Wiener Institut für Bildungswissenschaft initiiert und setzte sich im Zuge der Forschung mit der frühen Kindheit auseinander. Es wurden die Zusammenhänge zwischen dem Belastungserleben der Kinder, der Qualität der Einrichtungen und dem Verhalten der BetreuerInnen sowie der Eltern untersucht. Gesamt wurden Daten von 104 neu in Kinderkrippen aufgenommenen Kindern über die Dauer von einem Jahr erfasst. Nach Wilfried Datler und Lieselotte Ahnert gilt eine Eingewöhnung dann als gelungen, wenn die Kinder Verhaltensweisen zeigen, die darauf schließen lassen, dass sie

- ihre Situation in der Krippe als angenehm erleben
- sich den Menschen und Gegenständen in der Krippe konzentriert zuwenden und
- zunehmend in dynamische soziale Austauschprozesse mit Kindern und Erwachsenen treten (vgl. Stamm / Edelmann 2013, S. 202).

Aufgrund der Ergebnisse wurde festgestellt, dass die Eingewöhnung individuell auf jedes Kind abzustimmen sei. Einige Kinder litten noch Monate nach dem Krippeneintritt unter der Trennung der Eltern, vor allem aber in belastenden Situationen. Die fremdbetreuten Kinder waren häufiger krank und sie verzeichneten einen Stillstand bzw. Rückschritte in der Entwicklung. Die gesamte Energie der Kinder floss in die Bewältigung der Trennung (vgl. Herbst 2011, o.S.).

Da sich im Zuge der Wiener Krippenstudie herausstellte, dass die Teams sich bei der Eingewöhnung kaum an wissenschaftlich fundierten Eingewöhnungskonzepten orientierten, entstand daraufhin das Forschungsprojekt „ WiKO - Ein Wiener Projekt zur Entwicklung von standortbezogenen Konzepten der Eingewöhnung von Kleinkindern in die Kinderkrippe und den Kindergarten“. Ziel dessen war es, die pädagogische Qualität in der Eingewöhnungsphase zu verbessern, indem spezielle Weiterbildungsangebote für Teams entwickelt und realisiert werden sollten (vgl. Stamm/Edelmann 2013, S. 202). Auf die genauen Bedingungen zur Aus- und Fortbildung in der Steiermark wird in Kapitel 3.2.3 Qualifikation näher eingegangen.

3. Rahmenbedingungen

Rahmenbedingungen sind notwendig, um die Eingewöhnung möglichst qualitätsvoll gestalten und um bestehende Konzepte umsetzen zu können. Sie sollen gewährleisten und sicherstellen, dass den Kindern der notwendige konstante und stabile Rahmen gegeben wird, um sich mit den Veränderungen in ihrem Leben anfreunden zu können. Die Eingewöhnung stellt ein Qualitätsmerkmal in den pädagogischen Einrichtungen dar (vgl. Suess / Burat-Hiemer 2009, S. 146f.). Eine sichere, vertrauensvolle und akzeptierende Atmosphäre stellt die Basis für das Sammeln von Erfahrungen sowie den Aufbau von Beziehungen zu anderen Kindern und den ErzieherInnen dar. Die anfängliche Herausforderung an das Kind, einen passenden Platz in der Kindergruppe zu finden, kann sowohl als bereichernde als auch entwicklungsfördernde Möglichkeit gesehen werden. Ein positiv erlebter Start in den bevorstehenden Lebensabschnitt dient als Grundlage für das langanhaltende Wohlbefinden des Kindes in der Kita sowie für eine erfolgreiche pädagogische Arbeit (vgl. Tietze et al. 2013, S. 233).

Im folgenden Kapitel werden die erforderlichen Rahmenbedingungen vorgestellt, welche sich in dieser Arbeit in personelle und institutionelle Rahmenbedingungen unterteilen lassen.

3.1 Personelle Rahmenbedingungen

Die personellen Rahmenbedingungen können unter dem Begriff der Prozessqualität zusammengefasst werden. Dies sind Leistungen, die beschreiben, wie die Pädagogik in der Einrichtung ausgeübt wird. Dazu zählt auch die Eingewöhnung (vgl. Stamer-Brandt / Tofern 2012, o.S.). Die Prozessqualität schließt die sozialen Beziehungen und Interaktionen der Kinder in der Kita-Betreuung ein. Dazu zählen Interaktionen mit den anderen Kindern und dem Personal. Ebenso geht es um Entwicklungsanregungen, die die materielle und soziale Umwelt bietet (vgl. Stamm 2010, S. 151). Dabei ist im Umgang mit Kindern eine besondere Aufmerksamkeit, Antwortbereitschaft und Einfühlsamkeit erforderlich. Es muss gewährleistet werden, dass die Kinder stabile Bindungen und Beziehungen zu den Fachkräften aufbauen und erfahren können. Diese sicheren Bindungen und Beziehungen stellen grundlegende Voraussetzungen für positive Bildungs- und -entwicklungsprozesse von Kindern dar. Die Verlässlichkeit und Kontinuität der Beziehungen zwischen den Kindern und ErzieherInnen sowie mit gleichaltrigen Kindern muss gewährleistet sein (vgl. Lenke / Sinnigen / Stock 2012, S. 6).

Während der Eingewöhnung in die Kita sind personelle Rahmenbedingungen erforderlich, damit der Übergang von der Familie in die Kita schonend und für das Kind hochwertig gestaltet werden kann. Dazu zählt der Aufbau einer sicheren Bindung von einer/einem BezugspädagogIn zum Kind sowie der regelmäßige Kontakt und Austausch mit den Eltern.

Die Eingewöhnung ist eine sehr feinfühlige Kontakt- und Beziehungsaufnahme zwischen der Mutter, dem Kind sowie der/dem ErzieherIn. Dabei sollte der gewohnte Rhythmus der Interaktion zwischen Mutter und Kind von der/dem ErzieherIn weiter übernommen werden. Die Dauer der Eingewöhnungsphase variiert individuell je nach den Bedürfnissen von Mutter und Kind. Wenn das Kind seine/n BezugspädagogIn als sichere Basis anerkannt und akzeptiert hat, war die Eingewöhnung erfolgreich (vgl. Suess / Burat-Hiemer 2009, S. 146f.). Bei dieser feinfühligen Kontaktaufnahme zwischen dem Kind und seiner/seinem neuen BezugspädagogIn kann es vorteilhaft sein, sich an einem strukturierten Eingewöhnungsmodell zu orientieren. Dieses kann jedoch nur dann umgesetzt werden, wenn verschiedene Bedingungen erfüllt sind.

Bevor ein Kind in die Kita aufgenommen wird, muss die Aufnahme mit den Eltern besprochen und die ErzieherInnen auf die Bedürfnisse des Kindes eingestellt und informiert werden. Diese Vorbereitung ist grundlegend damit die darauf folgende Eingewöhnung ohne Komplikationen und zum Vorteil des Kindes ablaufen kann. Vor der Aufnahme des Kindes informiert sich die/der BezugspädagogIn in einem ausführlichen Vorgespräch mit den Eltern über bestehende Problematiken und die besonderen Bedürfnisse des Kindes. So kann gewährleistet werden, dass bestmöglich vom ersten Tag an auf das Kind eingegangen werden kann. Die/der ErzieherIn informiert sich in diesem Gespräch über das Alter des Kindes, das Geschlecht, eventuelle Geschwisterkonstellationen, den derzeitigen Entwicklungsstand, Ess- und Schlafgewohnheiten, das Temperament, Empfindlichkeiten, gesundheitliche Aspekte, bestehende Rituale und bisherige Erfahrungen in Gruppen. Wichtig ist dabei auch, die individuelle Familiensituation zu berücksichtigen. Dabei sollte besprochen werden, wie es um die Beziehung der Eltern zu ihrem Kind steht sowie welche Probleme zum aktuellen Zeitpunkt mit dem Kind bestehen. Ebenso erhalten die ErzieherInnen dabei Informationen über die eigene Lebensplanung, Werte und Normen zur Erziehung des Kindes und die Berufstätigkeit sowie über eine Bereitschaft zur Mitarbeit (vgl. Amt für Kinder und Familien 2006, S. 17f.). Fachkräfte sollen sich vor dem ersten Tag des Kindes in der Kita darum bemühen, ihre Arbeitsbedingungen der neuen Situation anzupassen. Dafür soll eine/ein ErzieherIn für die Gruppe zur Verfügung stehen und frühzeitig Absprachen für Elterngespräche treffen. Diese Gespräche sollen in einem separaten Raum, ohne Störungen und am besten ohne dem Kind stattfinden. So kann die Zeit genutzt werden, dass einerseits die Eltern gut beraten sind und beruhigt loslassen können und andererseits dass das Kind einen guten Anschluss in der Kindergruppe finden kann (vgl. Braukhane / Knobeloch 2011, S. 9). Die/der BezugspädagogIn trägt die Verantwortung für die Entwicklungsbeobachtung und verwaltet die Dokumentation über den Entwicklungsverlauf. Weitere Aufgaben sind unter anderem, die Entwicklungsgespräche mit den Eltern zu führen und diesen als eine/ein vertrauensvolle AnsprechpartnerIn zur Verfügung zu stehen (vgl. Suess / Burat-Hiemer 2009, S. 148f.).

Da eine sichere Bindung zu einer Bezugsperson als Grundlage für eine erfolgreiche Eingewöhnung angesehen werden kann, hat die/der ErzieherIn die Aufgabe, eine vertrauensvolle Basis zum Kind zu schaffen. Die/der ErzieherIn hat zudem die verantwortungsvolle Aufgabe, als BezugsbetreuerIn für ein neu einzugewöhnendes Kind da zu sein, die Eltern regelmäßig in die Eingewöhnung mit einzubeziehen und über Fortschritte oder Probleme zu informieren. Für einen erfolgreichen pädagogischen Prozess ist es notwendig, eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Kind und Erwachsenen aufzubauen und zu erhalten. Die eigenen Haltungen und Einstellungen der/des ErzieherIn sind dabei entscheidend. Wertschätzung spielt eine wichtige Rolle, da jeder Mensch geliebt und anerkannt werden möchte (vgl. Neuß 2010, S. 168f.). Kleine Kinder brauchen verlässliche Beziehungen zu nahe stehenden Menschen, um ihre Umwelt begreifen zu können. Um innere Sicherheit erleben zu können ist ein Kleinkind auf einen positiven engen Kontakt zu mindestens einer Bindungsperson angewiesen. Das Kind nimmt über den engen Bezug zu seinen vertrauten Personen die Welt wahr und kann so prägende Erfahrungen machen (vgl. Weiß 2007, S. 72).

Die/der BezugspädagogIn hat die Aufgabe, die Bedürfnisse des neu einzugewöhnenden Kindes wahrzunehmen, zu verstehen und sich liebevoll dem Kind zuzuwenden. Feinfühlige Bezugspersonen erkennen, wenn ein Kind mehr Zeit braucht, um Beziehungen aufzubauen. Nur wenn Kleinkinder eine sichere Basis zu einer Bezugsperson haben, können sie die Lust am Erkunden der Welt erleben. Sobald ein Kind eine Bindung aufgebaut hat, erkundet es neugierig die Umgebung und kommt zu seiner sicheren Basis zurück, wenn es sich unsicher fühlt, müde oder hungrig ist (vgl. Weiß 2007, S. 74). Die/der ErzieherIn hat also die Aufgabe, die Bedürfnisse der Kinder zu kennen und eine vertrauensvolle Bindungsperson zu sein. Wichtig ist dabei, dass die/der ErzieherIn über fachliche Kompetenz über das Bindungsverhalten verfügt, um somit bestmöglich auf das Kind eingehen zu können.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Rahmenbedingungen zur Realisierung von Eingewöhnungsmodellen in der Kita
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Sozialpädagogik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
24
Katalognummer
V315548
ISBN (eBook)
9783668149830
ISBN (Buch)
9783668149847
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kita, Rahmenbedingungen, Eingewöhnung
Arbeit zitieren
Astrid Pusch (Autor), 2015, Rahmenbedingungen zur Realisierung von Eingewöhnungsmodellen in der Kita, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315548

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Rahmenbedingungen zur Realisierung von Eingewöhnungsmodellen in der Kita



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden