Der Untergang des Hedgefonds "Long-Term Capital Management"

Schwerpunktbetrachtung Liquiditäts- und Leverage- Risiko bei dem LTCM - Hedgefonds inkl. Präsentationsfolien


Hausarbeit, 2013

15 Seiten, Note: 1,7

Christian König (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Liquiditätsrisiko bei Hedgefonds … 1

2. Leverage - Risiko bei Hedgefonds … 2

3. Liquiditäts- und Leveragerisiko und der Untergang von LTCM … 3

4. Zusammenfassung … 6

5. Literaturverzeichnis: 7

6. Anhang Präsentationsfolien (1-14) … 8

1. Liquiditätsrisiko bei Hedgefonds

Ein Wertpapiermarkt ist liquide wenn eine Wertpapierposition sehr schnell gekauft und verkauft werden kann, ohne dass dies eine deutliche Marktbewegung verursacht.[1] Befindet sich der Markt in einer Stresssituation, können Hedgefonds Liquiditätskrisen auslösen. Muss ein Hedgefonds plötzlich eine für diesen Markt sehr große Wertpapierposition auflösen, kann dies einen erheblichen Preisverfall auf dem Markt verursachen.[2] Insbesondere in weniger liquiden Märkten kann dies „zum Austrocknen der Marktliquidität führen.“[3] Diese Problematik wird noch verstärkt, wenn andere Marktteilnehmer ähnliche Handelsstrategien insbesondere in kleineren und weniger liquiden Marktsegmenten ausführen, um dort gleiche Renditechancen zu nutzen (crowded trades). Sollten diese gleichgerichteten Marktpositionen gleichzeitig aufgelöst werden müssen, gefährdet das die Marktliquidität erheblich.[4] Zudem besteht das Risiko, dass sich Liquiditätsrisiken vor allem in Krisensituationen über andere Märkte ausbreiten können.[5]

Neben dem eben beschriebenen Liquiditätsrisiko des Marktes, besteht für das „Unternehmen Hedgefonds“ das Risiko, durch fehlende Liquidität insolvent zu werden. Liquidität für das „Unternehmen“ bedeutet, jederzeit mittels eines diesem zur Verfügung stehenden Cash Bestandes sowie durch kurzfristige Liquidierung von Wertpapieren, vertragliche Zahlungsverpflichtungen erfüllen zu können.[6] In diesem Zusammenhang soll im Folgenden auf das sogenannte Margin-Call Risiko eingegangen werden, welches eine Unterform des Liquiditätsrisikos darstellt. [7]

Hedgefonds nehmen zur Finanzierung ihrer Handelspositionen bei anderen Handelspartnern Fremdkapital auf. Als Sicherheit werden häufig Wertpapiere hinterlegt. Sinkt der Wert der hinterlegten Sicherheit unter eine zwischen den Vertragspartnern ausgehandelte Grenze, fordert der Kreditgeber den Kreditnehmer dazu auf, weitere Sicherheiten zu hinterlegen (Margin-Call). Hat der Hedgefonds keine Liquiditätsreserven mehr, um Margin-Calls erfüllen zu können, müssen Wertpapierpositionen unter Umständen mit hohen Verlusten liquidiert werden. [8] Die Liquidation von großen Positionen kann auf dem jeweiligen Markt einen weiteren Preisverfall auslösen, was wiederum weitere Nachschusspflichten nach sich ziehen kann.[9] Im ungünstigsten Fall lassen sich Positionen in illiquiden Märkten überhaupt nicht liquidieren. Existentiell bedrohlich wird es für den Hedgefonds, wenn sich für einen Großteil oder sogar für das gesamte Fondsvermögens keine Käufer finden, um die Finanztitel rechtzeitig liquidieren zu können.[10] Kann der Hedgefonds dem Margin-Call nicht nachkommen bzw. kann er den fällig gestellten Kredit mangels Liquidität nicht zurückzahlen, droht ihm die Insolvenz.[11]

2. Leverage - Risiko bei Hedgefonds

Das Liquiditätsrisiko wird durch den sogenannten Leverage (englisch leverage = Hebel) verstärkt.[12] Der (bilanzielle) Leverage bezeichnet die Hebelwirkung die eine Aufnahme von Fremdkapital auf die Eigenkapitalrendite hat. Ein positiver Leverage und somit eine positive (erwartete) Eigenkapitalrendite besteht jedoch nur solange, wie die Gesamtkapitalrendite der Investition größer als der Fremdkapitalzins ist. Bei Hedgefonds versteht man unter dem bilanziellem Leverage „die Finanzierung, die nötig ist, um ein bestimmtes Level an Positionen (Exposure) über das Anlagevolumen des Fonds hinaus zu erreichen“.[13]

Eine hohe Fremdkapitalfinanzierung ermöglicht es dem Hedgefonds, die verfolgten Anlagestrategien mit einem hohen finanziellen Volumen umzusetzen.[14]

Zudem wird bei Hedgefonds mit dem Leverage der „instrumentelle Hebel“ beschrieben, unter dem man „das Eingehen von Positionen mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz, z.B. mit Hilfe von Derivaten “[15] versteht. Hier besteht der Leverage darin, dass die Entwicklung des Derivatewertes sich zwar an der Entwicklung des Wertes des zugrundeliegenden Basiswertes orientiert, die Anschaffungskosten des Derivates aber deutlich unter dem des Basiswertes liegt.[16]

Der Hebeleffekt bei Hedgefonds verstärkt die Renditeaussichten aber auch die Risiken der eingesetzten Anlagestrategie. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass nicht nur das für die Anlagestrategie eingesetzte Kapital verloren geht, sondern dass zusätzliches Vermögen des Fonds bis hin zu einem Totalverlust angegriffen wird. Mit zunehmendem Hebeleffekt wird das Kapital der Investoren anteilsmäßig zur gesamten Investition immer geringer. Verluste können durch das Anlagekapital schwerer aufgefangen werden und Risiko einer Insolvenz des Hedgefonds steigt.[17]

3. Liquiditäts- und Leveragerisiko und der Untergang von LTCM

Da der Hedgefonds Long-Term Capital Management (LTCM) mit seinen Anlagestrategien mit jeder einzelnen Position jeweils nur minimale Gewinne erwirtschaftet hat, wurde sehr viel Fremdkapital aufgenommen und ein hohes Volumen für die jeweiligen Anlagegeschäfte eingesetzt, um die Eigenkapitalrendite zu erhöhen (Leverage). Vor der Krise im September 1998 hatte LTCM ein Eigenkapital von 4,8 Mrd. US-Dollar und Kredite von über 125 Mrd. US-Dollar und somit einen Leverage von 25:1.[18]

Die meisten dieser Kredite waren besicherte Kredite, wobei Wertpapiere als Sicherheit hinterlegt wurden.[19] Hierbei handelte es sich vor allem um Wertpapierpensionskredite (Repo-Vereinbarungen).[20] Daneben hatte LTCM auch noch sehr umfangreiche Kredite bei verschiedenen Banken aufgenommen, die nicht besichert werden mussten. Die Kreditgeber ließen aufgrund des guten Rufes von LTCM und dem Bedürfnis, die Anlagestrategien von LTCM kopieren zu können, wichtige Risikoprüfungen außer Acht. Die mangelnde Transparenz von LTCM erschwerte zudem eine Risikoeinschätzung.[21]

[…]


[1] Vgl. Wentrup, Christian, Abhandlungen zum Deutschen und Europäischen Gesellschafts-und Kapitalmarktrecht in: Die Kontrolle von Hedgefonds, Berlin, 2007, S. 84.

[2] Vgl. Bloss, Michael, Dietmar Ernst, Joachim Häcker, Nadine Eil: Die Weltwirtschaft nach der

Finanzkrise, in: Von der Wall Street zur Main Street, München, 2009, S. 266

[3] Bloss, Michael u.a., in: Von der Wall Street zur Main Street, München, 2009, S. 266.

[4] Vgl. Wentrup, Christian, in: Die Kontrolle von Hedgefonds, Berlin, 2007, S. 85.

[5] Vgl. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Jahresgutachten 2005/06, Wiesbaden, Dez. 2005, S. 470.

[6] Vgl. Bösch, Martin: Finanzwirtschaft Investition, Finanzierung, Finanzmärkte und Steuerung, München, 2009, S. 416.

[7] Vgl. Kaiser, Dieter G., Entmystifizierung einer Anlagekategorie, in: Hedgefonds, Wiesbaden, 2009, S. 127.

[8] Vgl. ebd.

[9] Vgl. ebd., S.266

[10] Vgl. Kaiser, Dieter G., Entmystifizierung einer Anlagekategorie, in: Hedgefonds, Wiesbaden, 2009, S. 126.

[11] Vgl. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, Januar 1999, S. 11 f.

[12] Vgl. Kaiser, Dieter G., in Entmystifizierung einer Anlagekategorie, in: Hedgefonds, Wiesbaden, 2009, S. 23.

[13] Kaiser, Dieter G., Entmystifizierung einer Anlagekategorie, in: Hedgefonds, Wiesbaden, 2009, S. 43.

[14] Vgl. Kaiser, Dieter G., Entmystifizierung einer Anlagekategorie, in: Hedgefonds, Wiesbaden, 2009, S. 51.

[15] Bloss, Michael, u.a., in: Von der Wall Street zur Main Street, München, 2009, S. 235.

[16] Vgl. Schmies Christian, in: Studien zum Bank-, Börsen- und Kapitalmarktrecht, Baden-Baden, 2010, S. 54.

[17] Vgl. ebd., S. 54 f.

[18] Vgl. Schmies Christian: in: Studien zum Bank-, Börsen- und Kapitalmarktrecht, Baden-Baden, 2010, S. 129.

[19] Vgl. ebd., S. 130.

[20] Vgl. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, Januar 1999, S. 2.

[21] Vgl. ebd, S. 10 f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Untergang des Hedgefonds "Long-Term Capital Management"
Untertitel
Schwerpunktbetrachtung Liquiditäts- und Leverage- Risiko bei dem LTCM - Hedgefonds inkl. Präsentationsfolien
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Veranstaltung
VWL Internationale Wirtschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V315575
ISBN (eBook)
9783668153844
Dateigröße
976 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
LTCM, Long Term Capital Management, Hedgefonds, Liquiditätsrisiko, Leverage - Risiko, Liquiditätsgrad, Margin Call, Wertpapiere, Repurchase Agreement, Repo, Wertpapierpensionsgeschäft, Collateral, Accrued Interest, Repo - Zinsen, Liquiditätsreserven, Insolvenz, Liquiditätskrise, Markteffekt, Kursverlust, Leverage - Effekt, Leverage bei Derivaten, Call Option, Optionsprämie, Zinsspreats, Marktliquidität, crowded trades, illiquide Märkte
Arbeit zitieren
Christian König (Autor), 2013, Der Untergang des Hedgefonds "Long-Term Capital Management", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315575

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