Die Tendenz zu Armut und Arbeitslosigkeit trotz Sozialstaat. Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs durch präventive frühkindliche Bildung?


Hausarbeit, 2015

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Situation in Deutschland- frühkindliche Bildung
2.1 Was ist frühkindliche Bildung?
2.2 Warum wird der Fokus auf die frühkindliche Bildung gelenkt?

3. Bildung- Basisinvestition im modernen Sozialstaat zur Existenzsicherung

4. Die Lebenslügen und die Versprechungen des Sozialstaats

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Die Tendenz zu Armut und Arbeitslosigkeit trotz des deutschen Sozialstaats- Kann frühkindliche Bildung präventiv dagegen wirken?

1. Einleitung

„Sozialer Aufstieg ist nur durch gute Bildung möglich. Bildung findet nicht erst in der Schule oder Ausbildung statt, sondern bereits im frühkindlichen Alter in der Kita.“1 In Deutschland stehen die frühkindliche Bildung und die neuen Bildungspläne für den Kindergarten im Fokus des Alltagsgeschehens. Die Politiker sind der Auffassung, dass durch frühkindliche Bildung die Arbeitslosigkeit gesenkt werden kann und gute Bildung den sozialen Aufstieg garantiert und vor Armut innerhalb der Gesellschaft schützt.2 Doch ist der soziale Aufstieg durch frühkindliche Bildung überhaupt möglich und schützt diese vor Arbeitslosigkeit und Armut? Bei Betrachtung einer anderen Perspektive auf die Ausgangslage, wird eine gegenseitige Stellungnahme in den Vordergrund gestellt. „Gleichzeitig tut man so, als verhindere eine gute Schulbildung oder Berufsausbildung automatisch, dass jemand arm wird.“3 Der Fokus dieser Arbeit soll die Frage beinhalten, inwiefern frühkindliche Bildung präventiv gegen Armut und Arbeitslosigkeit vorgehen kann und ob durch die frühkindliche Bildung ein sozialer Aufstieg machbar ist.

Zu Beginn der vorliegenden Arbeit soll eine Einleitung in das beschriebene Thema einführen, um zu verdeutlichen, was frühkindliche Bildung beinhaltet und wie sie in Deutschland umgesetzt wird. Im Vordergrund steht hierbei, warum frühkindliche Bildung in Deutschland von einer besonders hohen Relevanz geprägt ist. Darauffolgend wird ein Bezug dargestellt zu den Zielen des deutschen Sozialstaats und es wird versucht zu erklären, inwiefern die Ziele des Sozialstaats im engen Zusammenhang mit der frühkindlichen Bildung stehen. Zur Veranschaulichung wird dieses Kapitel untermauert durch ein exemplarisches Beispiel des Berufsfeldes der Sozialen Arbeit und deren Auswirkungen und Folgen auf das Berufsfeld durch die frühkindliche Bildung und die Prinzipien und Prioritäten des Sozialstaats. Das abschließende Kapitel dieser Arbeit beschäftigt sich mit den Versprechungen und Prognosen des Sozialstaats durch die frühkindliche Bildung. Hierbei werden die Folgen fokussiert und auf Randgruppen innerhalb des neuen Bildungsprozesses in der frühen Kindheit eingegangen. Am Ende der Arbeit soll ein Fazit die differenzierten Perspektiven gegeneinander stellen und somit eine Antwort auf die Eingangsfrage erlangt werden.

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2. Situation in Deutschland- frühkindliche Bildung

2.1 Was ist frühkindliche Bildung?

Die frühkindliche Bildung umfasst die die Bildung von Kindern von Geburt an bis ins Vorschulalter. Bei der frühkindlichen Bildung geht es um die Förderung der Entwicklung von Kindern in jungen Jahren.4 Ebenfalls steht sie in enger Verbindung mit der Betreuung und Erziehung des Kindes. Besonders relevant ist sie für den Bereich der Kindertageseinrichtungen.5 Alle Bundesländer haben mittlerweile einen Bildungsplan für Kindertageseinrichtungen vorgelegt bekommen.6 Die Bildungspläne für die Förderung der Kinder in jungen Jahren erfüllen eine bestimmte Funktion. Sie fokussieren die Gestaltung des pädagogischen Alltags und legen diesbezüglich verbindliche Qualitätsstandards fest, die für alle Träger und alle Einrichtungen gelten. Beispielsweise geht es neben der Beobachtung und Dokumentation, um die Perspektiven der Planung und die Auswertung der professionellen Tätigkeit in Bezug auf die individuelle Förderung jedes Kindes.7

Das eher mittelmäßige Abschneiden Deutschlands bei der Pisa-Studie gab der Debatte um die frühkindliche Bildung einen endgültigen Auftrieb.8 Auch hierbei liegt der Fokus auf der frühkindlichen Bildung, um jedem Individuum die Chance zu geben sich im Sinne der Gesellschaft zu bilden.9 Am 8. August 2013 beschloss das Kinderförderungsgesetz, dass jedes Kind bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres Anspruch auf frühkindliche Förderung in einer Kindertagesstätte hat.10

[..]Studien belegen, dass qualitativ hochwertige Forschung frühkindliche Bildung die Basis für das weitere Lernen verbessern, Schulabbrüche verhindern, zu mehr Bildungsgerechtigkeit führen, und das allgemeine Kompetenzniveau steigern kann. Eine pädagogische qualifizierte Betreuung kann maßgeblich über Entwicklungs-, Teilhabe- und Aufstiegschancen entscheiden - vor allem bei Kindern aus benachteiligten Familien.11

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2.2 Warum wird der Fokus auf die frühkindliche Bildung gelenkt?

Die Vorstellung von einer guten Kindheit geht in unserer heutigen modernen Gesellschaft davon aus, dass eine gute Kindheit die Voraussetzung schafft, dass Kinder zu einem guten Erwachsenen heranwachsen, dies dient dazu, um in der Gesellschaft einen bestimmten Status zu erlangen. Langfristige Erwerbstätigkeit führt zu einem Status innerhalb der Gesellschaft.12 In der heutigen politischen Debatte wird oftmals betont, dass zu einer guten Kindheit die frühkindliche Bildung gehört. Diese Herausforderung bezieht sich nicht nur auf Kindertageseinrichtungen, sondern auch auf die unterschiedlichen Herkunftsfamilien der Kinder. Diese stehen, bei der frühkindlichen Bildung, in enger Verbindung zueinander.13

In den frühen Jahren der Entwicklung wird bildungstechnisch angesetzt, da die Kinder in dieser Phase als besonders zugänglich gelten und bereits in frühen Jahren eine enorme Leistungsbereitschaft zeigen und empfänglich für Lernprozesse sind. Die frühe Kindheit gilt als Lebensphase, in der die Kinder eine besonders große Lernfähigkeit besitzen.14

Das Kind gilt als eine von Anbeginn kompetente, lernfähige und lernbegierige Person, die ihre Entwicklung durch Selbsttätigkeit mitgestaltet und im Medium vom Spiel und Kreativität sowie im Medium von Interaktion und Kommunikation von Erwachsenen und anderen Kindern zur Aneignung der Welt, zu Autonomie und Gemeinschaftsfähigkeit gelangen kann, wenn sie in ihrer Umwelt Zuwendung und vielfältige Anregung erfährt.15

Die frühkindliche Bildung wird als Basisinvestition betrachtet für den weiteren Bildungsverlauf innerhalb des Lebens jedes Individuums.16 Allerdings entstehen in diesem Zusammenhang auch sozial bedingte Bildungsunterschiede bei Kindern, die sich zu Bildungsungleichheiten und Bildungsungerechtigkeiten verdichten können.17

Die frühkindliche Bildung, die mit Hilfe von Kindertageseinrichtungen umgesetzt werden soll, kann nur durch die enge Beziehung und einem guten Verhältnis zu der Herkunftsfamilie erfolgreich gestaltet und umgesetzt werden.18 Die Herkunftsfamilien haben einen besonders hohen und relevanten Einfluss auf die Bildungsprozesse des Kindes.19 Nach dem Beschluss des

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Kinderförderungsgesetz, dass alle unter Dreijährigen einen Anspruch auf einen Krippenplatz oder eine Tagesmutter haben, ist die Zahl derer, die eine Kindertagesbetreuung in Anspruch nehmen, um das doppelte gestiegen.20 Hierbei gibt es allerdings erhebliche Unterschiede zwischen den bildungsfernen und den bildungsnahen Familien. Kinder von weniger gebildeten Eltern sind in Kindertageseinrichtungen eher unterrepräsentiert. Demgegenüber werden Kinder von bildungsnahen Familien deutlich häufiger in Kindertageseinrichtungen betreut.21 Vorschulische Bildungsangebote werden eher angenommen von Familien mit einem akademischen Hintergrund. Familien mit einem niedrigen Bildungsabschluss tendieren zu einer familiären Betreuung außerhalb von Kindertageseinrichtungen.22 Mit dem Besuch von Kindertageseinrichtungen ist die Hoffnung verbunden, Sprachdefizite zu verringern und das Sozialverhalten positiv zu beeinflussen. Innerhalb dieser Einrichtung soll die kognitive Entwicklung bereits vor Schulbeginn gestärkt werden und die Möglichkeit erlangt werden, Bildungsprozesse zu durchlaufen.23 „Der Ausbau der vorschulischen Bildung (z.B. durch den gesetzlich garantierten Anspruch auf einen Kindergartenplatz) kann also - so die Hoffnung - zu einem wirksamen Instrument der Verringerung sozial ungleich verteilter Bildungschancen werden.“24

Besonders hervorzuheben ist, trotz des Ausbaus von Kindertageseinrichtungen und der Tendenz, dass mittlerweile beinahe 95 Prozent der Kinder eine Kindertageseinrichtung besuchen, die Relevanz des Bildungsort Familie. Innerhalb der Familie werden von Anfang an Bildungsprozesse initiiert, beziehungsweise je nach Herkunftsfamilie, Bildungsprozesse verhindert. Die Relevanz ist hierbei, wie bereits beschrieben, besonders groß.25 Bei Bildungsprofilen geht es heutzutage nicht mehr nur um das Erlangen der sogenannten Schulreife. Vielmehr geht es um den Erwerb der allgemeinen Lebensführungs- und Lebensbewältigungskompetenzen, die notwendig sind für den gesamten Lebensverlauf.26

[...]


1 Kampmann/Kristina: Bildung als Schlüssel zum sozialen Aufstieg. URL: http://www.christina- kampmann.de/html/32397/welcome/Bildung-als-Schluessel-zum-sozialen-Aufstieg.html /Download vom 15.06.2015

2 Vgl.:Rossmann/Dieter: Bildung. URL: http://www.spdfraktion.de/themen/bildung /Download vom 15.06.2015

3 Butterwegge/Christoph: Bildung schützt vor Armut nicht. URL: http://www.fronline.de/doku-debatte/kinder- bildung-schuetzt-vor-armut-nicht,1472608,2787946.html /Download vom 15.06.2015

4 Vgl.:Liegle/Ludwig. Pädagogische Konzepte und Bildungspläne. In: Kindergarten heute (2015) S.3ff

5 Vgl.:Ahlheim/Klaus, Ahlheim/Rose (2014) Frühe Bildung- früher Zugriff?. Frühkindliche Bildung und lebenslanges Lernen. Bd. 9. Hannover: Offizin. S.167ff

6 Vgl.:Liegle/Ludwig. Pädagogische Konzepte und Bildungspläne. In: Kindergarten heute (2015) S.3ff

7 Ebd.

8 Ebd.

99 Ebd.

10 Ebd.

11 Liegle/Ludwig. Pädagogische Konzepte und Bildungspläne. In: Kindergarten heute (2015) S.4 3

12 Vgl.:Büchner/Peter. Frühkindliche Bildung und soziale Ungleichheit. In: Ahlheim/Klaus, Ahlheim/Rose. Frühe Bildung- früher Zugriff? (2014) Bd.:9. Hannover: Offizin. S.72ff

13 Ebd.

14 Ebd.

15 Liegle/Ludwig. Pädagogische Konzepte und Bildungspläne. In: Kindergarten heute (2015) S.3

16 Vgl.:Büchner/Peter. Frühkindliche Bildung und soziale Ungleichheit. In: Ahlheim/Klaus, Ahlheim/Rose. Frühe Bildung- früher Zugriff? (2014) Bd.:9. Hannover: Offizin. S.72ff

17 Vgl.:Büchner/Peter. Frühkindliche Bildung und soziale Ungleichheit. In: Ahlheim/Klaus, Ahlheim/Rose. Frühe Bildung- früher Zugriff? (2014) Bd.:9. Hannover: Offizin. S.75ff

18 Ebd.

19 Ebd.

20 Ebd.

21 Vgl.:Büchner/Peter. Frühkindliche Bildung und soziale Ungleichheit. In: Ahlheim/Klaus, Ahlheim/Rose. Frühe Bildung- früher Zugriff? (2014) Bd.:9. Hannover: Offizin. S.79

22 Ebd.

23 Vgl.:Büchner/Peter. Frühkindliche Bildung und soziale Ungleichheit. In: Ahlheim/Klaus, Ahlheim/Rose. Frühe Bildung- früher Zugriff? (2014) Bd.:9. Hannover: Offizin. S.81ff

24 Büchner/Peter. Frühkindliche Bildung und soziale Ungleichheit. In: Ahlheim/Klaus, Ahlheim/Rose. Frühe Bildung- früher Zugriff? (2014) Bd.:9. Hannover: Offizin. S.81

25 Vgl.:Büchner/Peter. Frühkindliche Bildung und soziale Ungleichheit. In: Ahlheim/Klaus, Ahlheim/Rose. Frühe Bildung- früher Zugriff? (2014) Bd.:9. Hannover: Offizin. S.82ff

26 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Tendenz zu Armut und Arbeitslosigkeit trotz Sozialstaat. Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs durch präventive frühkindliche Bildung?
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V315579
ISBN (eBook)
9783668153486
ISBN (Buch)
9783668153493
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeitslosigkeit, Bildung, Kindergarten, frühkindliche Bildung, sozialer Aufstieg, Armut
Arbeit zitieren
Johanna Wittling (Autor), 2015, Die Tendenz zu Armut und Arbeitslosigkeit trotz Sozialstaat. Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs durch präventive frühkindliche Bildung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315579

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