Pädagogische Kritik an der Mutter-Tochter-Beziehung in den Werken „Die Ilse ist weg“ von Christine Nöstlinger und „Defne'yi Beklerken“ von Asli Der


Magisterarbeit, 2015

99 Seiten, Note: 1,25


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ÖZET

ABSTRACT

ZUSAMMENFASSUNG

DANKSAGUNG

EINLEITUNG
1.1 Grundlagen der Arbeit
1.2 Das Ziel der Arbeit
1.3 Das Problem
1.4 Hypothese

TEIL 2 ZUM BEGRIFF DER JUGENDLITERATUR
2.1 Die Jugendliteratur
2.2 Der Adoleszenzroman

TEIL 3 DIE WEIBLICHE PUBERTÄT IN DER GESELLSCHAFT
3.1 Die Pubertätsphasen und die Besonderheiten
3.2 Die Wirkung der Familien auf die Pubertät
3.2.1 Die Rolle der Mutter als Vorbild
3.3 Die Rolle der sozialen Umgebung in der Pubertätszeit
3.3.1 Der Freundeskreis
3.3.2 Die Rollenübernahme in der Schule

TEIL 4 DIE ASPEKTE DER MUTTER-TOCHTER BEZIEHUNG
4.1 Biologische Aspekte
4.2 Psychologische Aspekte
4.3 Soziologische Aspekte

TEIL 5 DIE ZUSAMMENFASSUNG DER AUSGEWÄHLTEN ROMANEN
5.1. Die Biographie von Christine Nöstlinger
5.2 Die Ilse ist weg
5.3. Die Biographie von Asli Der
5.4. Defne`yi beklerken

TEIL 6 DIE FAMILIENSTRUKTUR IN DEN WERKEN „DIE ILSE IST WEG“ UND „DEFNE´YI BEKLERKEN“
6.1 Die Familiendynamik
6.1.1 Die Mutterfiguren
6.1.2 Die Tochterfiguren

TEIL 7 DIE PÄDAGOGISCHEN REFLEKTIONEN DER MUTTER-TOCHTER BEZIEHUNG IN BEIDEN ROMANEN
7.1 Pädagogik und die Rolle in der Jugenderziehung
7.2 Die Ilse ist Weg
7.2.1 Die Erziehung in der Familie
7.2.2 Die Erziehung außerhalb der Familie
7.3 Defne`yi beklerken
7.3.1 Die Erziehung in der Familie
7.3.2 Die Erziehung außerhalb der Familie

TEIL 8 SCHLUSSBETRACHTUNG

QUELLENVERZEICHNIS

ÖZET

CHRISTINE NÖSTLINGER`IN „ILSE IST WEG“ VE ASLI DER`øN „DEFNE`Yø BEKLERKEN“ YAPITLARINDA ANNE-KIZ øLøŞKøSøNøN PEDAGOJøK

ELEŞTøRøSø.

Ondokuz Mayıs hniversitesi, Eǧitim Bilimler Enstitüsü Alman Dili Eǧitimi, Yüksek Lisans, Aralɪk/2015

Aile içinde gerçekleşen eğitimde annenin rolü önemlidir. Özellikle kız çocuklarının sosyal rollerinin ediniminde annelerin rol model olma gerekliliği vardɪr. Ancak Kadınlar üretim etkinliklerine katılmalarıyla hem aile içinde hem de dışɪnda yoğun bir uğraş içerisine girmişlerdir. Bir eş bir anne, bir çalışan olarak bu rollerin bazılarını öne almak zorunda kalmışladır. Özellikle evdeki ‘anne’ rolündeki etkisizlik, onları çocuklara karşı otoriter tutum sergilemeye ve tahammül düzeyi düşük, toleransı olmayan anne modelini oynamaya zorlamıştır. Bu otoriter tutum, kuşaklar arası çatışmaya ve özellikle ergenlik çağındaki çocukların kendi yollarını aramasına yol açmıştır.

Bu bağlamda, bu tezde de Christine Nöstlinger’in „Ilse Evden Kaçtı“ (Die Ilse ist weg) ve Asli Der ‘in „Defne’ yi Beklerken“ adli yapıtlarında ergenlik çağındaki kız çocukları ve anneleri arasında yaşanan sorunlar ve bu sorunlarɪn yol açtığı çatışmalar pedagojik değerler açısından ele alınıp ve incelenmiştir.

Toplumsal cinsiyetin oluşması bağlamında yapıt kahramanların yüz yüze kaldıkları otoriter tutum anlayışının yol açtığı olumsuz soruların yapıtlar yardımıyla ortaya konması ve eleştiriye açılıp değerlendirilmesi, bu tezin temel amaçlarınɪ oluşturur.

Anahtar kelimler: Anne rolü, otoriter, çatışma, pedagojik değerler

ABSTRACT

PEDAGOGICAL CRITICISM OF THE MOTHER-DAUGHTER RELATIONSHIP IN THE WORKS OF CHRISTINE NÖSTLINGER "ILSE LEFT HOME" AND ASLI DER “DEFNE`YI BEKLERKEN”.

Ondokuz Mayıs Univrsity, Educational Science Institute German Language Education, Master, December/2015

The role of mothers is important on the education that realize in family. Especially there is a necessity of being role model by mothers about Girls, social roles. However, the women joined the productivity activities and they started a big struggle both in family and outside. They must take some of them to the first position as a wife, a mother or an employee. Especially the effectiveness of mother role at home has forced then behave children authoritarian and play the role of mother that has no patient and tolerance. This authoritarian behavior may lead conflict of generation and especially children that are puberty choose their way by themselves.

In this context on this thesis in Christine Nöstlinger`s book called “ Ilse left home” (Die Ilse ist weg) and Asli Der`s book called “Defne`yi beklerken” problems and the conflicts that they caused occurred between puberty girls and their mothers have examined at the aspect of pedagogical values.

In the context of occurring the social considering the negative problems that resulting from the authoritarian behavior that composition characters are face to face by the help of compositions and evaluating by criticizing is one of the aims of this thesis.

Key words: role of mother, authoritarian, conflict, pedagogical values

ZUSAMMENFASSUNG

PÄDAGOGISCHE KRITIK AN DER MUTTER-TOCHTER BEZIEHUNG IN DEN WERKEN VON CHRISTINE NÖSTLINGER „DIE ILSE IST WEG“ UND ASLI DER „ DEFNE`YI BEKLERKEN“

Ondokuz Mayıs Universität, Erziehungswissenschafliche Institut Deutschlehrerausbildung, Magisterarbeit, Dezember/2015

Die Rolle der Mutter zeigt in der Familie eine wichtige Aufgabe auf. Besonders stellen die Mutterrolle- und modelle, bei den jungen Mädchen für ihr Erwerb von sozialen Rollen eine Erforderlichkeit auf. Jedoch sind die Frauen mit ihren Produktionsaktivitäten auch in der Familie, als auch außerhalb dicht in einer Beschäftigung. Sie müssen als eine Mutter oder als eine Arbeiterin in manchen Rollen in den Vordergrund ziehen. Insbesondere unwirksame Mutterrolle zu Hause, zeigt gegenüber den Kindern Autorität und keine Toleranz, was die Rolle der Mutter zum Spielen forciert. Diese Autoritäre Haltung führt zwischen den Generationen zu Konflikten, und die Kinder in der Pubertätsphase suchen nach dem eigenen Weg.

In diesem Zusammenhang wurde durch diese Arbeit in den Werken von Christine Nöstlinger „ Die Ilse ist Weg“ und Aslɪ Der „ Defne`yi Beklerken“ nach den pädagogischen Werten der Pubertätsphase des Mädchens zwischen der Mutter entstehender Konflikte und Probleme untersucht.

Die Entstehung des Sozialgeschlechts hinsichtlich zu den Werkshelden, die unter der Face to face autoritäre Handlung, die negative Fragen aufweisen, wurden mit Hilfe der Arbeit hervorgebracht und zur Kritik mit Eröffnung untersucht, was das Ziel dieser Arbeit darstellt.

Schlüsselwörter : Mutter - Tochter Beziehung, Konflikt, Pädagogische Erziehungswert

DANKSAGUNG

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die zur Entstehung dieser Arbeit beigetragen haben.

Ein besonderer Dank gilt an Herrn Doz. Dr. Birkan KARGI für die Unterstützung und Betreuung dieser Arbeit, sowie für die Bereitstellung der Materialien für die Untersuchung.

Des Weiteren danke ich Frau Cigdem KIRCA die als Lektorin an der Erziehungwissenschaflichen Fakultät tätig ist, für die Begleitung meiner ganzen Arbeit und Ihre mutmachenden Worte haben mich zur Fertigstellung der Arbeit motiviert.

Weiterhin bedanke ich mich herzlich bei dem Hilfsdozent Nevzat BAKIR für die Durchführung der Datenerhebung und deren Auswertung

Außerdem bedanke ich mich recht herzlich bei der Autorin Asli DER für ihre Unterstützung und Hilfe bei der Bearbeitung und Analyse Ihres Werkes.

Mein größter Dank gilt an meinen Schulleiter der Doga Schule Murat YILMAZ für die Unterstützung und seine stets mutmachenden Worte; und für sein bedingungsloses Vertrauen in mir.

Von ganzem Herzen möchte ich mich bei meinem Ehemann Selcuk TANAYDIN bedanken. Während dieser teilweise beschwerlichen Zeit hat er mich in den richtigen Momenten motiviert, war für mich da und hat immer an mich geglaubt.

EINLEITUNG

In der vorliegenden Magisterarbeit werden zwei Jugendbücher nach den pädagogischen Kriterien der Mutter - Tochter Beziehung, zwischen einem deutschen und einem türkischen Werk verglichen. Der erste Grund, weshalb ein Vergleich gemacht wird, besteht darin, dass deutschsprachige Literaturwissenschaft als 'interkulturelle' Disziplin verstanden wird. Der zweite Grund ist, dass in den Werken von Christine NöstlingeräDie Ilse ist Weg“ und Asli DeräDefne`yi beklerken“ sich in Hinsicht auf ihre Inhalte Ähnlichkeiten aufweisen. Und noch ein Grund dazu besteht darin, die Anpassung der Multikultur im Rahmen der Europäischen Union hervorzuheben.

Obwohl die Autoren keine Zeitgenossen sind, zeigen sich trotzdem Merkmale an der Mutter - Tochter Konflikten vor und werden somit im Bereich türkischer und deutscher Kultur zu einem Vergleich gebracht. Dieser Vergleich Bezieht sich auf die Rolle der Mutter, Erziehung der Tochter, weibliche Pubertät, auf das Hauptthema 'Mutter und Tochter Beziehung' im Blickwinkel, mit der Pädagogik. Somit wird sich zusätzlich auch mit dem Frauenbild und der Erziehung im Jahre 1974 in der deutschen Gesellschaft, und der heutigen modernen Erziehung der Frau in der türkischen Gesellschaft befasst. Die Mädchenpsychologie in der Pubertätsphase wird ebenfalls behandelt.

Die Methode, die in der Arbeit verwendet wird, lässt sich folgendermaßen beschreiben: Das Hauptaugenmerk richtet sich auf die Werke selbst. Das heißt, die Interpretationen und die Vergleichsaspekte und die eklektische Methode richten sich auf die oben genannten Romane. Die Konzentration liegt viel mehr auf den Romanen, jedoch wird an erforderlichen Stellen auch auf die Autoren und literaturgeschichtlich - gesellschaftliche Bedingungen Bezug genommen.

Diese Arbeit ist in acht Teile gegliedert. Im ersten Teil wird die Grundlage das Problem, das Ziel und die Hypothese wiedergegeben.

Die Grundlage weißt erst die deutschen gesellschafspolitischehintergründe der antiautoritären Erziehungskonzepte in der Kinder- und Jugendliteratur auf. Diese Zeitwende brachte auch die türkische Jugendliteratur zum Aufschwung. In dem heutigen, zwanzigsten Jahrhundert wird die Sozialkritik der Jugendliteratur mit denselben Problemen der deutschen wiedergespiegelt. Die Familienstruktur zeigt eine Veränderung, sie lässt sich als moderne Familienstruktur nennen, vobei die Mutterrolle keine Hausfrau mehr darstellt, sondern eine beschäftigte, Äarbeitende Mutter.

Der zweite Teil beginnt in einem ersten Kapitel mit der Definition der Jugendliteratur und im zweiten Kapitel wird der Adoleszenzroman erläutert. In diesem Teil wird die Jugendliteratur allgemein bearbeitet und tiefer in den Adoleszenzroman weit eingegriffen, weil dieser Bereich für die Arbeit als eine wichtige Stelle steht.

Der dritte Teil behandelt die weibliche Pubertät in der Gesellschaft, indem die Pubertätsphasen und die Wirkung der Familien auf die Pubertät und die Rolle der Mutter als Vorbild im ersten Kapitel erfasst werden. Danach wird die Rolle der sozialen Umgebung und deren Bereiche, Freundeskreis und die Rollenübernahme in der Schule ausgeführt. Dieser Teil zeigt die Besonderheiten der Pubertätsphase der jungen Mädchen auf. Insbesonders im 14./15. Lebensjahr stellt sich ein Höhepunkt fest, was in der Arbeit weiterverbreitet und erläutert wird. Die Wirkung der Familie setzt eine große Rolle der Pubertätsphase auf, da die jungen Mädchen in diesem schwierigen Zeitraum sich Vorbilder anschaffen müssen und benötigen. Die soziale Umgebung verändert sich gleichzeitig schnell und interessant, wie die Jugendliche selbst. Ganz besonders in der Schule lernen sie verschiedene Charaktere kennen und versuchen das Gute und das Schlechte zu vergleichen und experimentieren.

Im vierten Teil befasst man sich mit den Aspekten der Mutter - Tochter Beziehung. Diese weist drei Unterteile auf, und zwar die biologische, psychologische und soziologischen Aspekte zusammen. Das Mädchen in der Pubertät kommt mit ihren Körper zum Wandel, sozusagen zur Veränderung. Diese körperliche Veränderung beginnt etwa zwischen dem neunten und zwölften Lebensjahr. Gleichzeitig verändert sich auch die Psychologie der Mädchen. Sie versuchen ihren neuen Körper zu erkennen, die Welt um sich zu erforschen und alles zu vergleichen. Auch in ihrer sozialen Umgebung möchten sie Populär sein oder sind unzufrieden mit sich selbst. Die Freunde stehen im Mittelpunkt oder sie stehen als Außenseiterin dar.

Und im fünften Teil wird die Zusammenfassung der beiden Romane mit den Biographien der Verfasser beschrieben. Hier wird kurz über die Autoren informiert, wie war ihre Weltauffassung, was wollten sie in ihren Werken ausdrücken und betonen.

Im sechsten Teil wird die Familienstruktur der beiden Werke nach der Familiendynamik, den Mutterfiguren und den Tochterfiguren mit den emotionalen Besonderheiten analysiert. Hier werden die Werke inhaltlich verglichen. Zuerst werden die Merkmale, die nicht identisch sind erläutert und danach die gleichen Besonderheiten erwähnt. Obwohl die Familienstrukturen, die Muttercharaktere und Tochterfiguren Verschiedenheiten aufweisen, zeigen sich gleiche Probleme und Merkmale auf.

Der siebte Teil beschäftigt sich mit den Reflektionen der Mutter - Tochter Beziehungen in den beiden Werken. Hier werden zuerst die Informationen über die Pädagogik und dem Jugenderziehung dargestellt. Die pädagogischen Kriterien werden mit den Hauptvoraussetzungen ins Licht gebracht, und mit den Vergleichspunkten der beiden Werke erläutert. Gleichzeitig stehen die Erziehungswerte im Mittelpunkt und werden dann in den beiden Werken inhaltlich verglichen und pädagogisch erläutert. Dieser Teil besteht aus acht Kapiteln und beruht auf den inhaltlichen Bereichen der beiden Werke und bezieht sich auf die Haupt - Bereiche der Erziehung in der Familie und außerhalb, die Rolle der Mutter in der Familie, die Pubertätsphase der Töchter und die Mutter- Tochter Beziehung.

Im achten Teil (Schlussteil) der Arbeit werden die Ergebnisse zusammengefasst, somit werden die Pädagogischen Kriterien an der Mutter - Tochter Beziehungen ergriffen, um die Problematik der Erziehung bei den heranwachsenden jungen Mädchen in der Pubertätsphase mit Erziehungsstilen heraus zu arbeiten. Die beiden Jugendbücher und die Erziehungsstile werden miteinander verglichen, die zur Klärung der pädagogischen Kriterien beitragen.

Die deutsche Übersetzung des Werkes ÄDefne`yi Beklerken“ wurde mit der Zusammenarbeit der Autorin Aslɪ Der auf Deutsch übersetzt.

1.1 Grundlagen der Arbeit

Der gesellschaftspolitische Umbruch in Deutschland nach 1968 führte den Studenten-, Frauen-‚ Friedensbewegung und der antiautoritären Erziehungskonzepte auch in der Kinder - und Jugendliteratur zu einem radikal veränderten Bild von Kindheit und Familie, von Erziehung und Autorität. Dabei kam es zu einem tiefgreifenden Wandel in der Wahl der Themen und Darstellungsformen und zu einer heftigen Kritik an der Jugendliteratur.

Die sozialkritischen Autorinnen der realistischen problemorientierten Jugendliteratur der 70er Jahre, wie Christine Nöstlinger, nahmen ihre jungen Leser ernst und sahen sie als mündige Partner an, deren soziale Probleme, Ungerechtigkeiten und oft unlösbaren Probleme aufgeklärt werden müssen. Kinder und Erwachsene leben in einer Welt, die oftmals bedrückend und ungerecht ist. Kinder werden in dieser Welt mit den Problemen konfrontiert, die in erster Linie die Probleme der Erwachsenen sind und von diesen verantwortet werden müssen.

Das Motiv der Mädchenliteratur, insbesonders die Mutter- Tochter Beziehung in dieser Zeit stellte die Familienstrukturen meistens mit Fällen mit autoritären ÄBefehlshaushalten“ , in denen Eltern- und Kinderrollen nach traditionellem Muster geschlechtsspezifisch verteilt sind; Unzufriedene Mütter ,die als ÄNur Hausfrau“ ihr Leben in den Dienst der Familie stellen und ihrer Töchter diese Dienste mit Autorität weiterleiten.

Diese Zeitwende brachte auch eine Veränderung der türkischen Jugendliteratur, durch die Förderung von Symposien und Seminaren der Universitäten und verschiedenen Institutionen kam die türkische Jugendliteratur zu einem großen Aufschwung. Im heutigen zwanzigsten Jahrhundert wird die Sozialkritik der Jugendliteratur mit denselben Problemen der deutschen wiedergespiegelt. Die Familienstruktur zeigt eine Veränderung, sie lässt sich als moderne Familienstruktur nennen, vobei die Mutterrolle keine Hausfrau mehr darstellt, sondern eine beschäftigte, Äarbeitende Mutter“, die ihren Kindern keine Zeit investieren kann. Jedoch werden die Kinder in dieser Welt mit denselben sozialen Problemen, Ungerechtigkeiten begegnen. Der Grund dafür ist, dass die Vorbildsperson ÄMutter“ die Erziehung mit Autorität an ihre Töchter gibt, wobei sie dabei nicht als Ratgeberin erscheint, sondern als Verursacherin in der Erziehung.

1.2. Das Ziel der Arbeit

Ziel dieser Arbeit ist es, in den Werken ÄDie Ilse ist Weg“ und ÄWarten auf Defne“ zwei verschieden Kulturen mit deren Familienstruktur und Wirkung auf die Erziehung der Tochter festzustellen.

In wieweit sich Unterschiede in der Jugendliteratur aufzeigt und der Blick auf die Mutter-Tochter Beziehung wird in dieser Arbeit anhand von zwei Jugendbüchern verglichen. Die Ausgangspunkte für diesen Vergleich sind das deutsche Jugendbuch ÄDie Ilse ist weg“ von Christine Nöstlinger und das türkische Jugendwerk ÄWarten auf Defne“ von Asli Der.

1.3 Das Problem

Wie genau der Blick auf die Mutter-Tochter Beziehung den Konflikt reflektiert, soll der Vergleich der Werke mit Hilfe folgender Fragestellungen zeigen: Wie wird die Mutterrolle dargestellt? Wie ist die Familienstruktur aufgebaut? Wie wird das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter dargestellt? Welche Verhältnisse zeigt die junge Tochter?

Welche Aspekte sind gleich, welche ändern sich in der Darstellung, um den jungen Mädchen Selbstwertgefühl, Wertorientierung, Charakterentwicklung, Weltansicht, Handlungswillen und Handlungsfähigkeit zu vermitteln mit dem Ziel, die individuelle Mündigkeit und ihre Kompetenz im gesellschaftlichen, sozialen Leben zu ermöglichen?

Im Werk von Christine Nöstlinger steht eine Mutterrolle in der Position ÄHausfrauÄ mit autoritärer Erziehung, welche zu Hause jegliche Strafen und Regeln vorzieht und diese ständig kontrolliert. Im Werk von Asli Der befindet sich eine Mutterrolle in der Position ÄKarrierefrau“ die ihre Autorität für zu Hause und Schule teilweise kontrollieren kann, weil sie kaum Zeit besitzt.

1.4 Hypothese

Die Arbeit basiert auf folgende Hypothesen:

Im Werk von Christine Nöstlinger ÄDie Ilse ist Weg“ werden die Bedürfnisse und Gefühle des Mädchens verdrängt. Sie stellt eine Welt dar, in der das Mädchen als ein schutzbedürftiges Wesen fungiert. Ihre Darstellungsweise stellt Autoritäre Gesellschafts-und Bildungsstrukturen dar.

In dem Jugendbuch von Asli Der ÄWarten auf Defne“ werden die Gefühle und das Verhalten des Mädchens, mit Autorität und Eigensucht der Mutter unterdrückt. Die Darstellung weist autoritäre Gesellschaft und Bildungsstrukturen auf.

Die Erziehungspraktiken sind von verschiedenen psychologischen und soziologischen Bedingungen abhängig und haben dementsprechend auch Folgen für den Erzogenen. Wesentlich stehen bei der Erziehung die Begriffe ÄBeziehung“ und ÄSelbstwertgefühlÄ im Mittelpunkt.

TEIL 2 ZUM BEGRIFF DER JUGENDLITERATUR

2.1 Die Jugendliteratur

Die Definitionen von Kinder- und Jugendliteratur stimmt darin überein, dass sie ihren Gegenstand als ein Korpus von Texten, mit einem Bestand von literarischen Werken und mit bestimmten Gemeinsamkeiten mehreren identischen Merkmalen angesehen wird. Die Kinder- und Jugendliteratur stellt einen Ausschnitt, einen abgegrenzten Teil aus dem literarischen Gesamtangebot dar.

Unter Kinder- und Jugendliteratur wird die Gesamtheit der von Kindern und Jugendlichen tatsächlich konsumierten Literatur verstanden. Hierbei beschäftigt man sich mit einem charakteristischen Ausschnitt aus dem jeweiligen literarischen Gesamtangebot einer Epoche beschäftigt. Seinem gesamten Umfang nach dürfte dieser Ausschnitt freilich wenn überhaupt, dann nur annäherungsweise zu erfassen sein ( Lange, 2002: 2).

Es wird immer wieder Versuche gegeben, empirisch zu ermitteln, welche Titel von Kindern und Jugendlichen tatsächlich gelesen werden. In der neueren Kinder- und Jugendliteraturforschung hat sich zur Bezeichnung des von Kindern und Jugendlichen faktisch konsumierten Teils des literarischen Gesamtangebots der Terminus "Kinder- und Jugendlektüre" etabliert (Brüggemann, 1977: 21; Klingberg, 1973:25: "die gesamte von Kindern und Jugendlichen konsumierte Literatur"; Scherf, 1975:151; Doderer, 1977:161). Um das Gemeinte noch eindeutiger hervortreten zu lassen, soll von faktischer Kinder- und Jugendlektüre die Rede sein. "Lektüre" meint hierbei nicht den Akt der Literaturrezeption, sondern die von einer bestimmten Personengruppe gelesenen Titel. Nach älterem Sprachgebrauch geht es hier um die tatsächlichen Lesestoffe von Kindern und Jugendlichen.

Eingebürgert hat sich die zur faktischen Kinder- und Jugendlektüre nicht die Schullektüre, d.h. die Unterrichts- und die unterrichtsbegleitende Lektüre, sondern es zählen Texte, die im Unterricht eine Rolle spielen, diese werden jedoch von Kindern und Jugendlichen in Einzelfällen durchaus auch außerhalb des Unterrichts konsumiert, wie umgekehrt Freizeitlektüre von Kindern und Jugendlichen im Schulunterricht aufgegriffen wird. Die Kinder- und Jugendlektüre ist von der Schullektüre folglich allein durch ein situatives Kriterium abzugrenzen. Mit den faktischen Kinder- und Jugendlektüren wäre die Gesamtheit der von Kindern und Jugendlichen außerhalb des Unterrichts und auch nicht begleitend zu diesem gelesenen Texte gemeint. Mit diesem situativen Kriterium ist eine weitere Eigenschaft festgelegt: Die im Unterricht oder begleitend zu ihm konsumierte Lektüre ist somit eine Pflichtlektüre. Bei den faktischen Kinder- und Jugendlektüren spricht man mit einer freiwilligen Lektüre.

Ein anderes Textkorpus bildet die Literatur, die Kinder und Jugendliche lesen sollen, und zwar nach der Vorstellung der Gesellschaft, nach Auffassung von Autoren, Verlegern, Kritikern, Buchhändlern, Bibliothekaren, Geistlichen, Lehrern, Erziehern, Eltern etc. Auf diesem Ausschnitt aus dem literarischen Gesamtangebot bezieht sich eine andere Definition: Nach dieser umfasst die Kinder- und Jugendliteratur all die Titel, die von der Gesellschaft als eine geeignete Lektüre für Kinder und Jugendliche angesehen werden. Einem literarischen Werk, einer Gattung oder einem bestimmten Ausschnitt aus dem Gesamtangebot wird seitens der Gesellschaft die Qualität zugesprochen, eine geeignete Kinder- und Jugendlektüre zu sein. Für die Gesamtheit der mit dieser Qualität ausgezeichneten Texte oder Textgruppe wurde bislang eine Bezeichnung gewählt, die oft zu Missverständnissen geführt hat: Gesprochen wurde von intentionaler Kinder- und Jugendliteratur (Brüggemann, 1977: 2; Brüggemann/Ewers ,1982:3; Eckhardt, 1987:29; Ewers ,1995:13).

Das hier gemeinte Korpus umfasst die Gesamtheit der für Kinder und Jugendliche vorgesehenen Lektüren oder Lesestoffe. Darunter befindet sich eine Vielzahl von Werken, die ursprünglich nicht für diese Gruppe vorgesehen waren. Letztere sind durch Aufnahme in dieses Korpus aber nicht schon zur Kinder- und Jugendliteratur geworden. Es wäre deshalb weniger missverständlich, von intendierten Kinder- und Jugendlektüre zu sprechen. Für die Abgrenzung von der Schullektüre sollte auch hier das oben bereits erwähnte situative Kriterium genannt werden. Zu den intendierten Kinder- und Jugendlektüre sollten demnach nur Werke gezählt werden, die von Kindern und Jugendlichen in ihrer Freizeit, also außerhalb des Schulunterrichts und auch nicht begleitend zu diesem, gelesen werden sollen , eigentlich mehr oder weniger freiwillig.

Zu einer intendierter Kinder- und Jugendlektüre können ein Werk oder eine Gattung bereits durch eine bloße Leseempfehlung werden. Historisch gesehen existiert dieses Textkorpus zunächst nur als institutionalisierte Lektüre, die in Gestalt von Leselisten und Lektüreanweisungen festgehalten und tradiert wird. Mit Ausweitung und Binnendifferenzierung der Buchproduktion wird von der bloßen Lektüreempfehlung zu einer adressatenspezifischen Publikation der betreffenden Werke übergegangen. Die als geeignete Kinder- und Jugendlektüre angesehenen Werke werden nun in speziellen Ausgaben für Kinder und Jugendliche auf den Markt gebracht. Nach älterem Sprachgebrauch haben wir es bei der intendierten Kinder- und Jugendlektüre mit der Gesamtheit der für die Freizeitlektüre von Kindern und Jugendlichen bestimmten Lesestoffe zu tun. (Lange 2002: 3)

Auch wenn sie miteinander nicht deckungsgleich sind, überschneiden sich die Textkorpora der intendierten und der faktischen Kinder- und Jugendlektüre doch in erheblichem Maße. In vielen und allen Epochen wird ein großer Teil der für sie bestimmten Literatur von der Zielgruppe tatsächlich auch gelesen. Allerdings wollen die Jugendliche nicht alles annehmen, was als eine für sie geeignete Lektüre ausgegeben wird. Man kann über diese Werke von nicht erfolgreichen Lektüreangeboten sprechen, denen die erfolgreichen Lektüreangebote gegenüberzustellen wären. Jedenfalls möchten die Jugendliche jedoch die literarischen Werke konsumieren, die nicht ausdrücklich für sie bestimmt sind. Hier bietet es sich an von einer nicht-intendierten bzw. unbeabsichtigten Kinder- und Jugendlektüre zusprechen. Die unbeabsichtigte Kinder- und Jugendlektüre bleibt teils gänzlich unbemerkt (heimliche Lektüre), teils wird sie geduldet (tolerierte Lektüre), teils mit propagandistischem Aufwand als "Schmutz und Schund" bekämpft und aktiv unterbunden (verbotene Lektüre).

Diese Festlegung, was als eine geeignete Kinder- und Jugendlektüre gelten darf, genießen keineswegs alle Personen oder die gleiche Autorität. Was von Kindern und Jugendlichen gelesen werden soll, bestimmen historisch gesehen zunächst religiöse bzw. kirchliche Einrichtungen, bis sich der (absolutistischen) Staatsmacht dieses Geschäfts bemächtigen, die es wiederum an den Bildungswesens abgeben und die schließlich abgelöst werden von der pädagogischen Fachöffentlichkeit.

Wir stoßen in der Epoche auf andere Instanzen, die in Sachen Kinder- und Jugendlektüre Autorität genießen. Was von diesen gesellschaftlich autorisierten Einrichtungen für geeignete Kinder- und Jugendlektüre gehalten und als solche gekennzeichnet werden, stellt ein größter Teil der intendierten Kinder- und Jugendlektüre dar.

Die hier getroffene Auswahl kann als (positiv) sanktionierte Kinder- und Jugendlektüre bezeichnet werden. Die Formen der Auszeichnung, welche die zu diesem Korpus gehörenden Werke erfahren, reichen von der Nennung in Empfehlungs- oder Bestenlisten über die Auszeichnung mit Preisen aller Art bis hin zur Aufnahme in Klassikerreihen, um nur einige der Auszeichnungsmöglichkeiten zu erwähnen (Lange 2002: 4).

Nicht alles, was Kindern und Jugendlichen zur Lektüre empfohlen wird, besitzt den Status (positiv) sanktionierter Kinder- und Jugendlektüre. Leseempfehlungen werden auch von Personen oder Instanzen ausgesprochen, die dazu gesellschaftlich nicht autorisiert sind. Den dazu autorisierten Instanzen wächst sie frühzeitig und zwar mit Ausbreitung des literarischen Marktes, wie eine Konkurrenz heran die nämlich der Verleger, Drucker und Buchhändler, die in der Herstellung und im Vertrieb von separaten Kinder- und Jugendausgaben ein einträgliches Geschäft wittern.

Ein Teil von ihnen beginnt die Vorgaben der autorisierten Instanzen zu ignorieren und in der Publikation von Kinder- und Jugendschriften nach eigenem Gutdünken zu verfahren. Je größer dabei der Markterfolg ist, umso mehr wird ihnen von der Gegenseite das Recht streitig gemacht zu entscheiden, was eine geeignete Kinder- und Jugendlektüre sein könne. Die zentrale Begründung lautet, dass Verleger und Buchhändler vorrangig kommerzielle Interessen verfolgen.

Der Streit beider Seiten führt zu einer Aufspaltung der intendierten Kinder- und Jugendlektür, in die oben bereits erwähnte (positiv) sanktionierte Kinder- und Jugendliteratur. Die mit den Erwartungen der Geistlichen, der Pädagogen und/oder der literarischen Erzieher, und eine nicht (negativ) sanktionierte Kinder- und Jugendlektüre, die von einzelnen Verlegern unter Umgehung oder in Missachtung der gesellschaftliche anerkannten Bewertungsinstanzen auf den Markt gebracht wird.

Der Kampf der Literaturpädagogen gegen "Schmutz und Schund" bezieht sich nicht nur auf die unerlaubte, die verbotene Lektüre von Kindern und Jugendlichen; er richtet sich stets auch gelegentlich mit größerer Heftigkeit - gegen einen Teil der intendierten Kinder- und Jugendlektüre. Der Teil, der nicht unter ihrer Kontrolle steht ist der sich nicht ihren Normen unterwirft. Dieser Teil ist meistens als kommerzielle Kinder- und Jugendliteratur bezeichnet worden und zu eine Kategorisierung abwertenden Charakters. Dieser Begriff verdeckt nicht, dass auch die (positiv) sanktionierte Kinder- und Jugendliteratur eine kommerzielle Angelegenheit darstellt, was oft ein gutes Geschäft sein kann.

Bei der Bildung der bisher beschriebenen Textkorpora spielten die Herkunft und die Entstehungsweise der Werke keine wichtige Rolle. Es handelte sich um Werke, die bereits publiziert waren und damit schon zum literarischen Gesamtangebot gehörten. Ob sie vorher von anderen Lesergruppen konsumiert worden sind oder ebenso unerheblich wie die Vorstellungen, die sich ihre Verfasser ursprünglich bezüglich bestimmte Zielgruppen gemacht haben.

Zur Kinder- und Jugendlektüre wurden diese Werke erst gewissermaßen nachträglich entweder dadurch, dass sie von Kindern und Jugendlichen gelesen, oder dass sie von der Gesellschaft zu einer geeigneten potentiellen Kinder- und Jugendlektüre erklärt wurden. Den bisher entwickelten Definitionen stellt sich die Kinder- und Jugendliteratur als nachträgliche zielgruppenorientierte Verwendung eines bereits existierenden literarischen Angebots dar.

Es wird festgestellt, um eine potentielle Kinder- und Jugendlektüre zu sein, kann die Hervorbringung eines Textes jedoch vorausgehen. Sie entspricht einer Entscheidung des Produzenten und des Verfassers eines Werks. Für die von vornherein für Kinder und Jugendliche geschaffene und vom Beginn aus an als potentielle Kinder- und Jugendlektüre vorgesehene Literatur, wird hier der Begriff der originären Kinder- und Jugendliteratur vorgeschlagen. Die Entscheidung des Produzenten, wonach der von ihm zu verfassende Text eine geeignete potentielle Kinder- und Jugendlektüre sein soll, hat in der Regel Folgen für die Gestaltung eben dieses Textes.

Jugendliteratur als ein Instrument, das eine Kindheit schaffen hilft, die eine Entwicklung begünstigt, die nicht das Wohl des Kindes, sondern seine Einführung und Verzweckung im Auge hat; insgesamt eine Verschlechterung des Kinderlebens.

Beide Auffassungen sind wahr und falsch zugleich. Sie sind wahr, weil sie auf Intentionen verweisen, die tatsächlich existieren und Wirkungen hervorbrachen. Sie sind falsch, wenn sie für sich in Anspruch nehmen, die alleingültige und zutreffende Erklärung für das Phänomen Jugendliteratur zu sein. (Maier,1993:14)

2.2 Der Adoleszenzroman

Der Adoleszenzroman ist ein junges Genre, das sich im Bereich der Ausdifferenzierung der Kinder und Jugendliteratur in den 70er Jahren herausgebildet hat. In der Didaktik wird ihm der positive Effekt auf das Leseinteresse Jugendlicher und junger Erwachsener zugeschrieben und dadurch werden die Romane in ihrer Thematik auf besondere Weise zur Identifikation eingeladen.

Der Adoleszenzroman wird literaturhistorisch auf den Bildungs-, Entwicklungs- und Erziehungsroman, klassische Gattungen der Erwachsenenliteratur, zurückgeführt. Diese werden jedoch von Prozessen der Integration eines (jungen) Helden in die Gesellschaft (der Erwachsenen) erzählt und es verschiebt sich im Adoleszenzroman der thematische Schwerpunkt hin zu den Spezifika des Jugendalters und jugendlicher Subkultur. Insofern kann der Adoleszenzroman auch auf Prozesse gesellschaftlicher Modernisierung gesehen werden. Die Adoleszenzphase wird in den Romanen, als krisenhafter Prozess mit spezifischen Problemen, im Bereich der Orientierungslosigkeit und der Suche nach Identität, zugleich als eine Phase des Mit- und Gegeneinanders von körperlichen, physischen und sozialen Entwicklungen dargestellt. Sie birgt die besondere Entwicklungsaufgaben und -potenziale mit sich auf. Dabei wird das Genre als sensibler historischer Veränderungen einer auffallenden Dynamik unterworfen.

Die Problematik der Begriffsbildung wird dabei ebenso zu thematisieren sein wie die Offenheit zu anderen Genres der Jugendliteratur, sowie der Erwachsenenliteratur. Anhand ausgewählter Texte sollen unterschiedliche Typen des Genres beleuchtet werden und unter verschiedenen didaktischen Fragestellungen untersucht und auf Möglichkeiten ihres Einsatzes im Deutschunterricht hin befragt werden. Ein entscheidender thematischer Zugang soll dabei die Gestaltung und Problematisierung von Identität sein, die sowohl inhaltlich als auch im Hinblick auf die Erzähltechniken der Romane zu untersuchen ist.

Der Adoleszenz gilt allgemein als jene Phase, die den ÄAbschied von der Kindheit“ und den Eintritt in das Erwachsenenalter bezeichnet. Damit ist auch gesagt, dass die Besonderheiten dieser lebensgeschichtlichen Phase im Mit- und Gegeneinander von körperlichen, psychischen und sozialen Prozessen besteht. Es geht sozusagen um die ÄNeuprogrammierung“ der physiologischen, psychologischen und psychosozialen Systeme. Unter diesem Gesichtspunkt lässt sich in Anlehnung an Remschmidt (1992) die Vielschichtigkeit von Adoleszenz auf folgenden Ebenen erfassen:

- Physiologisch umfasst A. die Gesamtheit der somatischen Veränderungen, wobei die körperliche Entwicklung wie die sexuelle Reifung von besonderer Bedeutung sind.
- Psychologisch meint A. den Komplex individueller Vorgänge, die das Erfahren, die Auseinandersetzung und Bewältigung somatischer und sozialer Veränderungen betreffen, wobei psychosozialen Faktoren eine wichtige Rolle zukommt.
- Soziologisch betrachtet, definiert A. eine Art Zwischenstadium, in dem Jugendliche zu einer verantwortungsvollen, aktiven Teilnahme an gesellschaftlichen Prozessen motiviert werden, eine institutionelle Absicherung aber noch nicht besteht.

Remschmidts Ansatz wäre schließlich um die kulturgeschichtliche Determinante zu ergänzen, denn letztlich werden von ihnen die physiologischen, psychologischen und soziologischen Prozesse bestimmt. (Lange, 2002:360) Eine Festlegung des Alters in der Adoleszenz ist eine Zeitspanne zwischen dem 11./12. Bis zum 25. Lebensjahr zusehen. Die veränderten kulturellen Bedingung entspricht die sogenannte Postadoleszenz eine Bedeutung, die bis zu dritte und sogar zum vierten Lebensjahrzehnt hinreicht.

Dies hängt mit der Tatsache zusammen, dass junge Menschen zwischen 20 und 35 Jahren zwar eine politische, kulturelle, partiell soziale Selbstständigkeit erlangen, ohne allerdings über gesicherte Ressourcen zur Lebenssicherung zu verfügen. ( Kenneth, 1971)

Das Bedeutet, dass für sie Adoleszenz kulturhistorische Rahmenbedingungen eine Rolle spielen und von ihnen hängt es ab, ob die Adoleszenz als eigenständige Phase gefasst wird oder als eine Übergansphase. Im Bereich des Strukturwandels wird die Adoleszenz als eigenständiger Lebensabschnitt gesehen. Mit der ÄEntstrukturierung“ und ÄDestandardisierungäder Jugendphase bzw. dem ÄEnde der Jugend“ und postmodernen Bedingungen gewinnt Adoleszenz eine neue, eine andere Qualität. (Grills,1980:239) Sie wird zu einer Lebensphase eigener Form und eigener selbsterlebbarer Qualität. Die Adoleszenz ist unter den Bedingungen einer (post)modernen Gesellschaft weder eine simple Verlängerung der Kinderphase weder noch eine einfache Durchgangphase zum Erwachsenenalter.

Im Sinne der Aufklärung ist die problemorientierte Jugendliteratur eine engagierte Literatur und die Geschichten, die hier erzählt werden stehen exemplarisch für brisante Fragen, für einzelne Problemfelder, wodurch es zu einer Zerstückelung des Bildes der sozialen Wirklichkeit kommt und die Protagonisten sind exemplarische Charaktere. Im Unterschied zur Adoleszenzliteratur greift die problemorientierte Literatur ob ihrer aufklärerischen und zum Teil auch affirmativen Tendenz nicht über das jugendliterarische System hinaus. (Ewers, 2000) Es zu einer vermeintlichen Zusammenrückung der Begriffe Jugendroman und Adoleszenzroman. Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass hier der Begriff Jugendroman als Oberbegriff fungiert und entsprechend gattungstypologische Untergruppen umfasst, zu denen schließlich auch der Adoleszenzroman zählt. Des Weiteren werden die Grenzen zwischen der Erwachsenenliteratur und der Jugendliteratur durchlässiger.

Die Jugendliteratur reflektiert Probleme des Erwachsenwerdens. Der Adoleszenzroman entwickelte sich jedoch unter ganz anderen Vorzeichen. Wegen ihre prinzipiellen Unterschiede, wird sie sich nicht mit dem Paradigma der Jugendliteratur verträgt. Das Prinzipielle an dieser Unterscheidung ist, dass die Jugendliteratur im Grunde eine Sozialisierungsliteratur darstellt, wohingegen und entsprechend dem entwicklungspsychologischen Begriff der Adoleszenz, die Adoleszenzliteratur eine Individuationsliteratur darstellt. Die Intensivierung der Reflexion der spezifischen Merkmale dieser Art von Literatur, also vor allem die Problematik der jugendlichen Selbstfindung führt zur Herausbildung einer eigenen intentionalen jugendliterarischen Gattung des Adoleszenzromans.

Ziemlich unumstritten scheint auch der Umstand, dass es sich beim Adoleszenzroman um eine inhaltsspezifische bzw. stoffspezifische Typenbildung handelt. Hier fallen zwei Sachverhalte zusammen, jener eines spezifischen Gattungstyps und jener der Qualität einer eigenen Lebensphase, die sich erwiesenermaßen als eine existentielle Krise des Individuums erfassen lässt. Aber Adoleszenz ist mehr als eine Krise der Individuierung, es geht in ihr immer auch um den untrennbaren Zusammenhang von individueller und sozialer Veränderung. (Gansel, 1999:116)

Die Phase der Adoleszenz ist kulturgeschichtlich determiniert und dies Bedeutet einen Unterschied, von Adoleszenz im 18. Jahrhundert, um die Jahrhundertwende, den 1950er oder in den 1990er Jahren die Rede ist. Ebenso sind die Bestimmungen von Adoleszenz für die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von Bedeutung. Schließlich ist auch die Frage, unter welchem Stand von Modernisierung sich Adoleszenz vollzieht. Also ob unter vormodernen, modernen oder postmodernen Verhältnissen. Die Jugendbilder, die es innerhalb der Gesellschaft gibt, wie der reale Stand von Jugend, wird betont und eine entscheidende Bedeutung für die literarische Gestaltung von Adoleszenz gesetzt.

Entsprechend bedarf moderne Jugend eines offenen Problemraumes mit vielfältigen Entscheidungs- und Individualisierungsmöglichkeiten. Mit anderen Worten: Adoleszenz im modernen Sinne ist Produkt eines Prozesses von gesellschaftlicher Modernisierung (Lange, 2002:363). Selbstverständlich streckt die Modernisierung sich über einen langen historischen Prozess, der im 16./17. Jahrhundert wie im 18./19. Jahrhundert sowie in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, erhält sie entscheidende Schübe.

Mario Erdheim hat nun eine weitere Unterscheidung von Adoleszenz in Äkalten“ und Äheißen“ ÄGesellschaften“ bzw. ÄKulturen“ vorgenommen. Danach handelt es sich bei Äkalten Gesellschaften“ um solche, die ökonomisch betrachtet, als autarke, sich selbst versorgende Gesellschaften funktionieren, das heißt , Ädie Gruppe produziert alle für ihr Überlegen notwendigen Güter selbst, und ihre sämtlichen Mitglieder haben Zugang zu den natürlichen Ressourcen und dem Boden“ (Erdheim, 1984:289)

Mit kalten Gesellschaften sind vormoderne Gesellschaften gemeint. Eine Rolle spielt Adoleszenz in “industriellen Gesellschaften, die Erdheim Äheiße Gesellschaften.

Adoleszenzromane lassen sich an der Gestaltung ausgewählter Problembereiche bzw. Handlungsmuster erkennen, dazu gehören a) die Ablösung von den Eltern; die Ausbildung eigener Wertvorstellung (Ethik, Politik, Kultur usw.) , c) das Erleben erster sexueller Kontaktakte ; d) das Entwickeln eigener Sozialbeziehungen; e) das Hineinwachsen oder das Ablehnen einer eigenen sozialen Rolle( Kaulen, 1999:7)

TEIL 3 DIE WEIBLICHE PUBERTÄT IN DER GESELLSCHAFT

3.1 Die Pubertätsphasen und die Besonderheiten

Die Pubertät ist die Phase, in der Heranwachsende besonders einschneidende physiologisch-biologische Veränderungen durchmachen, sie werden so zu sagen geschlechtsreif. Es handelt sich dabei um eine längere und differenzierte Phase mit zeitlich offenen Grenzen. Insofern sind 13 oder 18 Jahre jeweils nur ungefähre Grenzen Markierungen.

“Jugendliche in Deutschland kommen immer früher in die Pubertät. So lag das Durchschnittsalter bei Mädchen zum Zeitpunkt ihrer ersten Menstruation vor knapp hundert Jahren noch bei 14,5 Jahren, heute setzt der Zyklus im Durchschnitt mit 12 Jahren ein, dann haben bereits 43 Prozent aller Mädchen ihre erste Regel bekommen. Vermutlich hängt die früher einsetzende Geschlechtsreife mit der guten Ernährungssituation sowie dem durchweg hervorragenden Gesundheitszustand von Mädchen und Jungen zusammen. Als nachgewiesen gilt: Je mehr Körperfett im weiblichen Körper vorhanden ist, desto eher setzt auch die erste Regelblutung ein. Im Großen und Ganzen verläuft der Pubertätsprozess bei Mädchen in drei Stadien:

1. Die Vorpubertät, die bei Mädchen etwa zwischen dem 9. und 11. Lebensjahr liegt; bei einigen aber auch erst zwischen 10 und 12 Jahren;
2. Die Kernphase der Pubertät, die sich etwa vom 12. oder 13. Lebensjahr bis zum 17.Lebensjahrerstreckt;
3. Die Nachpubertät oder auch Adoleszenz, die mit ihren Nachwirkungen sogar noch über das 20. Lebensjahr hinausgehen kann”(Braun,2012).

“Die Phasen werden in drei Prozesse unterteilt 1.Wachstum, 2. Entwicklung sekundärer Geschlechtsmerkmale und 3. Entwicklung primärer Geschlechtsmerkmale. Mit 13 Jahren beginnt der pubertäre Wachstumsschub, der von der Reifung der Geschlechtsmerkmale begleitet wird. Er hat seinen Höhepunkt etwa bei 15 Jahren; die physiologische - geschlechtliche Entwicklung ist in der Regel spätestens mit 17/18 Jahren beendet.” (Baacke,2003)

Die unmittelbare Pubertät ist meist schon beendet, ohne dass jedoch ihre sozialen und emotionalen Folgen bereits völlig bewältigt sind. Man spricht daher von Adoleszenz, indem man nicht nur das Ereignis der Pubertät meint, sondern eine längere gestreckte Phase einer Altersgruppe, die umgangssprachlich unter dem Terminus “Jugendliche” zusammengefasst wird. Die Pubertät erfolgt durchschnittlich mit etwa 13 Jahren, es wird die selbstverständliche Welthinnahme des Kindesalters abgeschlossen und eine Einheit aus physisch - psychischen Erlebnis - und Selbsterfahrungen entstanden, die zur wachsend bewussten Entwicklung eines Ich - Gefühls führen. Diese Entwicklung kann schon vor dem 13. Lebensjahr begonnen sein und sie ist in der Regel mit dem 18. Lebensjahr nicht abgeschlossen. Es handelt sich also nur um ungefähre Grenzmarken, die das Ende der Kindheit bzw. den Beginn eines strikteren Übergangs in das Erwachsenenalter anzeigen sollen. Mädchen sind manchmal schon vor dem 13. Lebensjahr geschlechtsreif.

“Für die jungen Mädchen fällt diese große Veränderung nicht leicht. Die Bedeutung des eigenen Körpers und die Einstellung dazu nimmt in der Pubertät ganz andere Dimensionen ein: junge Mädchen bekommen einen Äneuen Körper“ und müssen lernen ihn zu entdecken, zu akzeptieren und Äzu bewohnen“. Auch müssen die Heranwachsenden mit der eigenen Geschlechtlichkeit zurechtkommen, die sie noch nie zuvor so massiv gespürt und erlebt haben.” (Remschmidt,1992 ).

“Beobachtungen von außen sind für die jungen Mädchen wichtig, denn sie selbst hat oft nur unzureichende Vorstellungen vom Verlauf der Pubertät und der Individualität der Körperentwicklung. Die Selbsteinschätzung, die mit dem Vergleich der anderen Altersgenossen, ist somit zentraler Punkt in der Pubertät und kann in Ängsten und Überbewertungen münden. Fend weist darauf hin, dass es durch die heutige Propagierung von Idolen in den Massenmedien, sei es in Jugendzeitschriften (Girl, Bravo etc.) oder Jugendsendungen auf Fernsehkanälen wie MTV oder VIVA, für den Jugendlichen nicht gerade einfach ist, Körperdisharmonien während der Pubertät zu akzeptieren. Hier wird nämlich ein perfektes, schlankes, sportliches und attraktives Schönheitsideal entworfen.”(Fend ,2000).

Der Vergleich mit anderen Jugendlichen kann aus diesem Grund in der Pubertät positiv gewertet werden, da den Adoleszenten so die große Bandbreite an körperlichen Variationsmöglichkeiten aufgezeigt wird. Dieser positive Vergleich kann andererseits auch ins Gegenteil umschlagen, wenn nicht erkannt wird, welche Veränderungen im Bereich der Normalität liegen. Oft treten dann innere Konflikte auf, die zu Aggressionen, Depressionen oder gar psychopathologischen Auffälligkeiten führen können. “Die Hypersensibilität richtet sich bei Jugendlichen vor allem auf die Körpermerkmale, die sich am bedeutsamsten während der Pubertät verändern. Remschmidt beschreibt, dass sich die besorgniserregende Betrachtungsweise vor allem auf Größe, Gewicht, Körperwachstum, Proportionen, Haare, Gesichtsproportionen, Verhalten und Bewegungen richtet. Je nach Normvorstellung herrschen in unterschiedlichen Kulturen jedoch andere Schönheitsideale, außerdem setzen Jungen und Mädchen unterschiedliche Schwerpunkte beim Beurteilen ihrer Körpererscheinung.”(Remschmidt,1992)

Bei Mädchen wird mehr auf eine gute Figur, Haare, Haut und Gesicht geachtet. Die jungen Mädchen können von der in der Pubertät häufig auftretenden Akne betroffen sein, die meist eine Qual ist. Ob Mädchen ihre Menstruation als positiv oder negativ empfinden, hängt oftmals eng mit einer gelungenen Identifikation der ihnen bestimmten Weiblichkeit und Gebärfähigkeit zusammen. Wichtige Voraussetzung dafür, wie ein Mädchen auf seine erste Menstruation reagiert, ist das Verhältnis der Mutter zu ihrer eigenen Körperlichkeit.

Ein sehr wichtiger Aspekt in der weiblichen Pubertät ist die Psychologie. Der psychologischen Entwicklung während der Adoleszenz erfolgt auf der Grundlage des psychoanalytischen Ansatzes. Besonders durch diese Theorie werden die Vorstellungen von der Jugendphase als Krisenzeit bestimmt. Hier geht es um das ÄDrama“ der Adoleszenz, welches maßgeblich von der Beziehung zwischen Eltern und Adoleszent (Kind) geprägt ist.

“Die Entwicklungsaufgabe der Adoleszenz besteht vor allem darin, die engen emotionalen Bindungen zu den ersten Liebesobjekten, den Eltern, rückgängig zu machen, um somit außerfamiliäre, heterosexuelle Beziehungen eingehen zu können. Es erfolgt ein Prozess der Verwandlung des Kindes zum Erwachsenen, welcher Äein oft gewaltsamer Prozess mit Höhen und Tiefen, mit Rückschlägen und Fortschritten ist. Aber der harte Kampf der Ablösung wird als gesund und normal angesehen. Eine Verweigerung und nicht rebellisches Verhalten in dieser Phase würde einen Entwicklungsstillstand oder Regression bedeuten. Demzufolge ist Adoleszenz zwar eine Krise, die aber einen Reichtum an freier psychischer Energie bedeutet und für eine sich erweiternde Ich-Funktion charakteristisch ist.”(Fend ,2000)

Freud beschreibt in seinen ÄDrei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ eine Zweideutigkeit der sexuellen Entwicklung. Der erste Triebschub erfolgt nach ihm in der frühen Kindheit. Zu diesem Zeitpunkt konnte die sexuelle Entwicklung jedoch noch nicht abgeschlossen werden. Diese Aufgabe muss nun der zweite Triebschub der Pubertät leisten. Somit besitzt die Adoleszenz nicht nur Krisencharakter, sondern in ihr wird auch ’die zweite Chance’ für die seelische Entwicklung des Menschen gesehen.

Wie bereits erwähnt, läuft die sexuelle Entwicklung des Menschen in zwei Phasen ab. Es ist demzufolge wichtig die erste Phase, die in die Zeit der frühen Kindheit fällt, darzustellen und dann auf die zweite Phase, die mit der Pubertät beginnt, einzugehen.

3.2 Die Wirkung der Familien auf die Pubertät

“Unter einer Familie verstehen wir eine Gemeinschaft von verheirateten Erwachsenen (=Eltern) mit Kindern bzw., Jugendlichen, die dort erzogen werden”. Das Erziehungsziel der Familie ist, das Kind zur Gesellschaft Fähigkeit in einem Kulturkreis zu erziehen. Wir können in der Gegenwart von verschiedenen Familientypen sprechen und werden dieses Thema im nächsten Kapitel in die Hand nehmen. (Hobmair, 1996:.321)

Ein wichtiger Faktor im Leben eines Mädchens ist ihre Familie. Eltern und Geschwister liefern Rollenmuster, die in der Zukunft in den Beziehungen, in ihre Zukunftsträume und Erwartungen sehr stark beeinflussen. Das Mädchen entwickelt in der Familie ihr Selbstbild, wer sie ist und wer sie in der Zukunft werden möchte oder wird. Die Frage wie ein Mädchen die Pubertät erlebt, hängt davon ab wie diese neue Entwicklungsphase von der Familie verstanden und akzeptiert wird.

“Wenn die Familie sich freut und stolz darauf ist, dass das Mädchen wächst und reifer wird , und wenn sie sie ermutigt, ihre neuen Gedanken, Vorstellungen und Ideen zum Ausdruck zu bringen, dann hat das Mädchen alle Chancen, sich zu einer selbst - bewussten Frau zu entwickeln, einer Frau, die weiß, wer sie ist.”(Eagle und Colman,1995).

Am Reifungsprozess der Tochter sollten die Familien anstatt wenig Gefallen zu zeigen, mehr Gefallen zeigen, sonst wird für die Tochter das Wachstum eine Last. Sie fühlt sich unsicher und wahrscheinlich wird sie von nagenden Selbstzweifel geplagt. Die Familie sollte bereit sein für solch eine Phase, denn sie besteht aus einem Geflecht vielfältiger Beziehungen. Jedes Kind hat zu jedem Familienmitglied ein ganz besonders Verhältnis und das Mädchen hat vor allem mit jedem einzelnen Elternteil eine andere Beziehung.

3.2.1 Die Rolle der Mutter als Vorbild

“Mütter und Töchter sind auf einzigartige Weise verbunden und auch wenn diese Verbundenheit in der Pubertät sehr beansprucht und belastet wirkt, ist sie immer noch so stark und dauerhaft. In den ersten Lebenstagen, in denen alle Säuglinge - Jungen wie Mädchen - die Mütter als Teil ihrer selbst erfahren, nehmen sie ihre Umgebung teilweise durch die Gefühle der Mutter wahr. Ist die Mutter entspannt und glücklich, tut es dem Säugling gut. Ist sie nervös und aufgeregt, bekommt der Säugling dies zu spüren. Wenn die Mutter ihren weiblichen Säugling betrachtet, sieht sie einen Teil von sich selbst, und wenn die Tochter ihre Mutter betrachtet, bekommt sie eine Ahnung von der Frau, die sie einmal werden wird. Aus dieser Verbindung lernt ein Mädchen früh, was es heißt, weiblich zu sein. Sie lernt zu pflegen, liebevoll zu sein und nahe, bedeutsame Beziehungen aufzubauen und zu erhalten.“(Eagle und Colman,1995).

Für ein Mädchen in der Kindheit ist die Mutter das wichtigste Rollenvorbild. Viele Mädchen imitieren ihre Mütter - sie spielen verkleiden sich mit ihren Kleidungstücken und bemuttern ihre Puppe, so wie es von ihrer Mutter gesehen hat. Erst mit dem Eintritt ins Kindergarten richten die Mädchen ihre Aufmerksamkeit mehr auf die Außenwelt. Hier lockert sich das Band zwischen Mutter und Tochter, was sehr natürmäßig ist, da die Welt des Kindes größer wird. Trotzdem ist die Beziehung eng und für das Mädchen bleibt die Mutter eine positive weibliche Person - bis zur Pubertät.

Für die Mutter fällt es schwer, nach dieser engen Beziehung, in der Pubertät stürmerische Hauptlast zu tragen. Während die Tochter ihre eigene Identität versucht zu finden, bleibt die Mutter häufig als Negativfolie, die meist grausam zurückgewiesen wird. Aber gleichzeitig fühlt sich das Mädchen in ihrer neuen Rolle noch sehr unsicher und braucht eigentlich die Unterstützung der Mutter. Es ist sehr natürlich, dass Mädchen in der Pubertät sich einerseits heftig gegen ihre Mütter wehren und anderseits schon wenige Momente wieder Trost und Sicherheit suchen.

3.3 Die Rolle der sozialen Umgebung in der Pubertätszeit

Das Leben ist während der Pubertät ganz schön Abwechslungs - und ereignisreich, so ändert sich beispielsweise das Verhältnis auch zu Freunden. Früh aufstehen, Prüfungen und Referate: Der Unterricht ist nicht immer das, was junge Mädchen am allermeisten begeistert. Doch auch an der Schule gibt es viele positive Dinge, wie die Mitschülerinnen und Mitschüler in der Klasse oder im Schulhof.

[...]

Ende der Leseprobe aus 99 Seiten

Details

Titel
Pädagogische Kritik an der Mutter-Tochter-Beziehung in den Werken „Die Ilse ist weg“ von Christine Nöstlinger und „Defne'yi Beklerken“ von Asli Der
Hochschule
Ondokuz Mayıs Üniversitesi  (Erziehungswissenschaftliche Institut)
Note
1,25
Autor
Jahr
2015
Seiten
99
Katalognummer
V315620
ISBN (eBook)
9783668162327
ISBN (Buch)
9783668162334
Dateigröße
1170 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mutter-Tochter Beziehung, Konflikt, Pädagogische Erziehungwerte
Arbeit zitieren
Elif Halil (Autor), 2015, Pädagogische Kritik an der Mutter-Tochter-Beziehung in den Werken „Die Ilse ist weg“ von Christine Nöstlinger und „Defne'yi Beklerken“ von Asli Der, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315620

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