Evidenzbasierte Therapie von Patienten mit Rotatorenmanschettenläsionen


Hausarbeit, 2015
17 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Abkürzungsverzeichnis

2. Einleitung

3. Beschreibung der Einrichtung und des Praktikums

4. Krankheitsbild: Rotatorenmanschettenläsion
4.1. Anatomische Grundlagen
4.2. Typische Entstehungsmechanismen
4.3. Zusammenhang zwischen Trainingszustand und Verletzungsrisiko

5. Behandlungsplanung
5.1. Behandlungsziele & verfügbare Kompetenzen und Ressourcen
5.2. Entwicklung der evidenzbasierten Richtlinie
5.3. Fokus: verletzungsspezifisches Gerätetraining

6. Schlussreflexion mit Zukunftsperspektive

7. Literaturverzeichnis

1. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Einleitung

Die Hausarbeit zum Hauptpraktikum stellt die physiotherapeutische Praxis „Physiofitnesszentrum Jürgen-Ohl-Hof“ vor. Es wird auf die Fragestellung nach einer evidenzbasierten Therapie von Patienten mit Rotatorenmanschettenläsionen und deren Realisierung eingegangen. Das Ziel ist die Erstellung eines adäquaten Therapieplans für die physiotherapeutische Behandlung des Krankheitsbildes durch Analyse von personellen und institutionellen Ressourcen.

Die Rotatorenmanschettenläsion beschreibt eine Verletzung der schulterumgebenden Muskulatur. Da die Schulter nur gering ligamentär und gar nicht knöchern gesichert ist, sorgt die sogenannte „Manschette“, bestehend aus M. supraspinatus, M. infraspinatus, M. subscapularis und

M. teres minor, für die Hauptsicherung des Schultergelenks. „Der M. deltoideus kann fakultativ zur Rotatorenmanschette gezählt werden, da er ebenfalls zur Stabilisierung des Humeruskopfs in der Fovea glenoidalis beiträgt“ (Mayer, Siems 2011: 174). Die Verletzung lässt sich in den Einriss und den kompletten Abriss eines Muskels einteilen. Bei Letzterem bezeichnet man dieses Krankheitsbild auch als Rotatorenmanschettenruptur (vgl. Mayer, Siems 2011: 174).

Zunächst wird im dritten Kapitel die Praxis „Physiofitnesszentrum Jürgen- Ohl-Hof“ mit ihrer Struktur und den Leistungsbereichen vorgestellt. Es folgt eine Beschreibung des Praktikums mit allen Aufgaben und Anforderungen. Das vierte Kapitel befasst sich mit dem speziellen Krankheitsbild. Die Anatomie der Schulter, Entstehungsursachen und der Zusammenhang zwischen Training und Verletzung werden thematisiert. Es folgt die Behandlungsplanung im fünften Kapitel, in der Ressourcen und Kompetenzen analysiert werden, auf dessen Grundlage die Richtlinie für die Therapie in dieser Praxis erstellt wird. Vertiefend wird die Medizinische Trainingstherapie dargestellt. Das sechste und letzte Kapitel schließt die Hausarbeit mit einer Schlussreflexion und beinhaltender Zukunftsperspektive ab.

3. Beschreibung der Einrichtung und des Praktikums

Das „Physiofitnesszentrum Jürgen-Ohl-Hof“ ist eine Praxis in der Stadt Goslar mit physiotherapeutischem Schwerpunkt. Es werden jedoch auch Ergotherapie und Wellnessbehandlungen angeboten. Zurzeit arbeiten elf Physiotherapeuten/innen, zwei Ergotherapeuten, vier Arzthelferinnen und eine Buchhalterin dort. Die Inhaberin ist seit fünf Jahren Janet Dünnhaupt. Des Weiteren übernimmt Kerstin Barner als leitende Physiotherapeutin einige administrative Aufgaben.

Zu den Leistungsbereichen in der Physiotherapie zählen Krankengymnastik, KGG, MTT, Manuelle Therapie, Kiefergelenksbehandlung, Kinesio-Taping, MLD, Massagen, Marnitz- Massagen, Wärmetherapie (Fango, Heißluft), Kryotherapie, Bobaththerapie für Erwachsene und Kinder, Skoliosetherapie nach Schroth, Atemtherapie, Mucoviscidosetherapie, Schlingentisch, Elektrotherapie, Psychomotorik und Dorn/Breuss-Therapie. Des Weiteren werden Präventionskurse wie Pilates, Aerobic, Yoga, Nordic Walking, PMR, Autogenes Training, Rückenschule, Beckenbodengymnastik, Bauch-Beine-Po-Workout, Qi Gong, Cardiofitness, Parkinson-Gymnastik und Rehabilitationssport angeboten. Auch das SRT-Zeptoring gehört zu den neuen, innovativen Trainings- und Therapiemöglichkeiten im Gerätebereich. Durch die enge Zusammenarbeit mit allen gesetzlichen Krankenkassen ist diese große Auswahl an Kursen realisierbar. Einen weiteren, großen Patientenbereich bilden die Haus- und Heimpatienten. Jeder Therapeut ist vertraglich dazu verpflichtet, Hausbesuche mit seinem eigenen Auto durchzuführen.

Logistisch kann die Praxis in Warte-, Rezeptions-, Therapie- und Bürobereich eingeteilt werden. Der Wartebereich besteht aus einem Wartezimmer direkt am Eingang der Praxis. Es schließt sich ein Flur mit Rezeptionsbereich an. Der Therapiebereich besteht aus einem Gruppengymnastikraum, zehn Therapieräumen und einem großen Gerätebereich für KGG und MTT. Der Bürobereich befindet sich im Keller und wird vorrangig von der Buchhaltung genutzt. Dort befinden sich auch eine Küche und ein Pausenraum, sowie das Materiallager. Zu diesen Arealen kommen zwei Toiletten, zwei Umkleidekabinen und zwei Abstellkammern hinzu.

Als Physiotherapeut absolvierte ich ein 20-wöchiges Praktikum in dieser Praxis. Zu meinen Aufgaben gehörten die Therapieformen Krankengymnastik, Lymphdrainage, Massagen mit Wärmetherapie und Elektrotherapie. Aufgrund einer Fortbildung war ich ebenfalls in der Lage, Kinesio-Tapes zu applizieren. Alle Therapien waren sowohl in der Praxis, als auch als Hausbesuch durchzuführen.

Weiterhin war die Betreuung im Geräteraum ein Schwerpunkt. Wenn ein neuer Patient eine Verordnung über KGG oder MTT übergab, bekam dieser vor Trainingsbeginn eine Einweisung über eine Trainingsstunde. In dieser Zeit wurde ein Fitnesscheck gemacht, in welchem wichtige Punkte seiner Erkrankung, seines Gesundheitszustandes und seines Trainingszustandes erfasst wurden. Es wurden ebenfalls verschiedene Parameter wie BMI, Körperfettanteil und Trainingspuls gemessen und ermittelt. Anschließend fand die Erklärung der Geräte statt, wobei der Trainingsplan parallel vom Therapeuten geschrieben wurde.

Darüber hinaus bekam ich das Altenpflegeheim „Curanum“ in Vienenburg zugewiesen. Dort war ich auf allen Stationen der Haupttherapeut und hatte drei Präsenszeiten in der Woche. Zu den dortigen Kompetenzen zählten die Behandlung der Heimbewohner mit Verordnung, die Dokumentation im Pflegebericht und die Kommunikation mit dem Pflegepersonal über Probleme, Therapieinhalte und Fortschritte.

4. Krankheitsbild: Rotatorenmanschettenläsion

Um die Anatomie der Rotatorenmanschette und die Funktion zu verstehen, ist die nachfolgende Beschreibung der Schulter unablässig.

4.1. Anatomische Grundlagen

„Die Schulter oder lat. Articulatio humeri ist das beweglichste Kugelgelenk des Menschen“ (Zalpour 2010: 328). Der Arm kann in Ante- und Retroversion, in Innen- und Außenrotation, als auch in Ab- und Adduktion bewegt werden. Die artikulierenden Anteile sind relativ inkongruent zueinander, da die kleine, schwach konkave Schulterpfanne (lat. Cavitas glenoidalis) dem großen, halbkugeligen Oberarmkopf (lat. Caput humeri) gegenübersteht. Um diesem Verhältnis entgegenzuwirken, befindet sich an der Cavitas ein Faserknorpelring, genannt Labrum glenoidale. Dieser sorgt für eine Kontaktflächenvergrößerung, sodass die beiden knöchernen Partner eine bessere Verbindung zueinander haben. Wie in der Einleitung erwähnt, weist die Schulter keine knöchernen Strukturen zur Sicherung auf. Auch ligamentär sind die Führungen mit drei Bändern eher schwach ausgeprägt und nicht in der Lage, den Humeruskopf in der Schulterpfanne zu stabilisieren (vgl. Zalpour 2010: 328).

Aufgrund dessen gehört die Rotatorenmanschette zu den wichtigsten Muskelführungen der Schulter. Diese Manschette kann auch als Muskelplatte bezeichnet werden, welche über dem Oberarmkopf liegt und ihn umschließt. Die Funktionen bestehen aktiv in den Dreh- und Hebebewegungen und passiv durch einen annähernd waagerechten Muskelverlauf in der Zentrierung des Schulterkopfes in der -pfanne (Zerres 2015: 52). Wie ebenfalls in der Einleitung erwähnt, bilden M. supraspinatus, M. infraspinatus, M. subscapularis und M. teres minor die genannte Rotatorenmanschette. Diese Muskeln entspringen alle an dem Schulterblatt (lat. Scapula) und ziehen quer zur Gelenkfläche zum hinteren Humeruskopf (vgl. Valerius, Frank, Kloster, Hamilton, Alejandre Lafont, Kreutzer 2009: 36-43). Durch Anspannung kommt es so zur aktiven Stabilisierung. Diese Funktion wird durch den M. deltoideus unterstützt, der kuppenartig über das Art. humeri zieht und somit gleichzeitig den Vorteil eines mechanischen Schutzes bietet. Schon allein der Grundtonus dieses Muskels bewirkt die Schulterstabilisation (vgl. Zalpour 2010: 326- 337).

4.2. Typische Entstehungsmechanismen

Da ich selbst den Handballsport betreibe und einige Verletzungen mit ansehen durfte, werden die Ursachen aus diesem Sportbereich in den Vordergrund gestellt. Der Handball gehört zu den Überkopfsportarten. Das heißt, dass die Arme ständig angehoben werden müssen. Durch wiederholte Wurfbewegungen können Mikrotraumen an den Schulterstrukturen entstehen. Wenn der Werfende vom Verteidiger behindert wird, werden Kräfte ruckartig gestoppt oder umgeleitet, sodass das Gelenk einen Kompensationsmechanismus einsetzen muss, welcher sich natürlich auf die passiven Strukturen auswirkt. Durch die Phase des Vordehnens und des ersten Krafteinsatzes wird der Kapsel-Band-Apparat verstärkt gedehnt, wobei die durch Mikrotraumen geschwächten Ligamente eine leichte Gleitbewegung des Humeruskopfes nach ventral zulassen. So muss die Rotatorenmanschette eine starke kompensatorische Wirkung aufbringen. Demnach entsteht bei Ermüdung der Stabilisatoren ein Teufelskreis aus Instabilität und Minimalverletzungen (vgl. Zalpour 2010: 338-339). „In der letzten Phase des Wurfes wirken exzentrische Kräfte auf den M. latissimus dorsi und den M. rhomboideus. Sind diese nicht kräftig genug, können Mikrorupturen an den Sehnen des M. infraspinatus und des M. teres minor entstehen“ (Zalpour 2010: 338). Hinzu kommt, dass sich die Supra- und Infraspinatussehne bei der Wurfbewegung verschieben und ineinander verdrehen. Dieses Phänomen führt ab dem 40. Lebensjahr zu vermehrten Verletzungen, da das Risiko ab diesem Alter enorm ansteigt.

Auch Sportarten wie Volleyball, Tennis, Basketball und Badminton werden meistens sehr einseitig trainiert und führen zu einer schnellen Überbelastung des Hauptarmes. Dennoch kann eine Verletzung auch beim Kraftsport durch zu schweres Heben oder beim Fußball bei einem Sturz auf den ausgestreckten Arm resultieren.

Andere Ursachen für eine Ruptur der Muskeln im Schulterbereich sind dementsprechend die langjährige Überlastung und mit dem Alter zunehmende Degeneration der Sehnen. Dieser Verschleiß setzt bereits mit dem 30. Lebensjahr ein und wird durch innere Faktoren, wie Tumore, entzündliche Prozesse im Schulterbereich (Bsp. Bursitis) oder Sehnenansatzreizungen vorangetrieben. Berufe, in welchen das Arbeiten meistens über dem Kopf stattfindet (Bsp. Maler, Lackierer und Zimmerer), gelten als besonders anfällig. Ist die Sehne erst einmal degenerativ verändert, genügt ein verhältnismäßig geringes Trauma für einen Riss (vgl. Onmeda-Redaktion 2014: 4).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Evidenzbasierte Therapie von Patienten mit Rotatorenmanschettenläsionen
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
2,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V315657
ISBN (eBook)
9783668153905
ISBN (Buch)
9783668153912
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
evidenzbasierte, therapie, patienten, rotatorenmanschettenläsionen
Arbeit zitieren
Rico Anders (Autor), 2015, Evidenzbasierte Therapie von Patienten mit Rotatorenmanschettenläsionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315657

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