Wenn die Laus über die Leber läuft. Analogien von Redewendungen und dem Modell der Wandlungsphasen in der Traditionellen Chinesischen Medizin


Hausarbeit, 2013
33 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1 Einleitung

2 Sprüche und Redewendungen
2.1 Redewendungen in der etymologischen Betrachtung
2.2 Klassifizierung von Redewendungen
2.3 Redewendungen im Shiatsu

3 Wandlungsphasen – eine Einführung
3.1 Wandlungsphasen im Kontext der TCM
3.2 Elemente oder Wandlungsphasen?
3.3 Eigenschaften der Wandlungsphasen
3.4 Wandlungsphasen im Shiatsu

4 Redewendungen im Spiegel der Wandlungsphasen
4.1 Wandlungsphase Holz
4.1.1 Ist dir eine Laus über die Leber gelaufen?
4.1.2 Sich grün ärgern
4.1.3 Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen
4.2 Wandlungsphase Feuer
4.2.1 Vor Freude (an die Decke) springen
4.2.2 Feuer und Flamme sein
4.2.3 Durchs Feuer gehen
4.3 Wandlungsphase Erde
4.3.1 Aus dem Vollen schöpfen
4.3.2 Etwas schmackhaft machen
4.3.3 Schwer im Magen liegen
4.4 Wandlungsphase Metall
4.4.1 Jemandem etwas husten
4.4.2 Aus der Haut fahren
4.4.3 Die Nase (gestrichen) voll haben
4.5 Wandlungsphase Wasser
4.5.1 Sich hängen lassen
4.5.2 Mit dem Rücken zur Wand stehen
4.5.3 Stille Wasser sind tief

5 Zusammenfassung und Ausblick

6 Literaturverzeichnis

7 Verzeichnisse
7.1 Abbildungsverzeichnis
7.2 Tabellenverzeichnis
7.3 Abkürzungsverzeichnis

Zusammenfassung

Sprichwörter und Redewendungen entstammen jahrhundertealtem Erfahrungswissen der Menschen und bilden eine Form, Erfahrung über Generationen hinweg zu bewahren. Auch bei den Wandlungsphasen, einem Erkenntnismodell der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), handelt es sich um jahrtausendealtes Erfahrungswissen, das jedoch in einem völlig anderen Kulturkreis entstanden ist.

In der vorliegenden Arbeit werden die wissenschaftlichen Grundlagen der beiden Modelle dargestellt und anhand von Beispielen untersucht, welche Gemeinsamkeiten sich in der Interpretation der Redewendungen in etymologischer Sicht und nach dem Modell der Wandlungsphasen erkennen lassen.

Das Ergebnis zeigt eine deutliche Kongruenz dieser Ansätze. Die Analyse der Ursachen hierfür lässt Raum für weitere Forschung. Für die praktische Arbeit im therapeutischen Kontext der TCM und verwandter Methoden, z.B. im Shiatsu, können Redewendungen aufgrund der vorhandenen Analogien gut verwendet werden, um Klienten Zusammenhänge aus einem für sie oftmals fremden Kontext in einer für sie verständlichen Sprache darzustellen und erleichtern so die therapeutische Kommunikation.

1 Einleitung

Sowohl Sprichwörter und Redewendungen als auch die Erkenntnisse der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) - von dem hier das Modell der fünf Elemente oder Wandlungsphasen betrachtet wird - basieren auf jahrtausendealtem Erfahrungswissen, allerdings völlig unterschiedlicher Kulturkreise. Im Laufe meiner Ausbildung zur Shiatsu-Praktikerin bin ich immer wieder über frappierende Übereinstimmungen dieser, auf den ersten Blick zusammenhanglosen, Modelle gestoßen. Hierbei erkannte ich das Potential der Redewendungen, mit geläufiger „Alltags“-Sprache Zugang zu (noch) unbekannten Erklärungsansätzen und Modellen zu erhalten und so die Verbindung von vorhandenem Wissen mit neuer Erkenntnis zu erleichtern.

Die Systematik dieser Zusammenhänge wird in der vorliegenden Arbeit anhand einiger Beispiele genauer beleuchtet.

Beginnend mit einem Überblick über die Herkunft und die Verwendung von Sprichwörtern und Redewendungen und ihrer sprachwissenschaftlichen Bedeutung im zweiten Kapitel, führt das dritte Kapitel in das Modell der Wandlungsphasen im Kontext der TCM ein.

Im vierten Kapitel werden, nach dem Modell der 5 Elemente strukturiert, exemplarisch einige Redewendungen vorgestellt und auf Analogien zu den Erklärungsansätzen des Wandlungsphasenmodells hin untersucht. Die Reihenfolge orientiert sich am Zyklusmodell der Wandlungsphasen, beginnend mit Holz über Feuer, Erde und Metall bis zum Wasser. Der Bogen spannt sich von der Laus, die einem über die Leber laufen kann bis zur Erkenntnis, das stille Wasser tief sind.

In der abschließenden Zusammenfassung werden die Ergebnisse des Vergleichs beleuchtet und Möglichkeiten der praktischen Verwendung im therapeutischen Kontext diskutiert.

Da es bei dieser Arbeit um Sprache und Sprachgebrauch geht, werden an vielen Stellen – vielleicht häufiger als in einer wissenschaftlichen Arbeit üblich – Texte als direkte Zitate übernommen.

2 Sprüche und Redewendungen

Redewendungen beruhen auf uralten Erfahrungen der Menschen und haben häufig einen Bezug zu körperlichem Geschehen. Neben vielen anderen Funktionen stellen sie eine Möglichkeit dar, mit Klienten in ihrer Sprachwelt in Kommunikation zu treten, bieten Anregungen zu einer besseren oder veränderten Wahrnehmung von Situationen, unterstützen das Erkennen von Zusammenhängen und bereichern so den diagnostischen und therapeutischen Alltag (vgl. Kühne2011, S. 9ff).

2.1 Redewendungen in der etymologischen Betrachtung

Bei der Verwendung von Sprache werden seit jeher neben der wörtlichen Bedeutung einzelner Wörter auch festgelegte Wortgruppen verwendet, deren Bedeutung über die reine Begrifflichkeit der verwendeten Wörter hinausgeht oder sich aus diesen nicht oder nur schwer erschließt. Diese Wortgruppen sind in der Regel über lange Zeit stabil, es werden jedoch auch immer neue Gruppen gebildet. Die Verwendung erstreckt sich von der Umgangssprache bis in die gehobene Sprache, wobei in letzter häufig fremdsprachliche Ausdrücke verwendet werden. Redewendungen entstammen den verschiedensten Lebensbereichen und bieten die Möglichkeit, einen „Blick in die Vergangenheit“ und auf frühere Lebensweisen zu werfen. Auch wenn der historische Bezug heute nicht mehr besteht oder nicht mehr bekannt ist, finden sie weiterhin Verwendung (vgl. Duden2008, Vorwort).

Redewendungen, die u.a. auch als Idiome bezeichnet werden, sind durch folgende Merkmale gekennzeichnet (vgl. Duden2008, S. 9f, Kühne2011, S. 10).

- Sie bilden einen „bildhaften Ausdruck“ (Kühne2011, S. 10).
- Sie bestehen aus mehr als einem Wort (wenn auch im umgangssprachlichen Gebrauch gelegentlich einzelne Wörter ebenfalls als Redewendung bezeichnet werden).
- Sie besitzen in der Regel eine „feste, nur begrenzt veränderbare Struktur“ (Duden2008, S. 9).
- Die Bedeutung ist aus den Bedeutungen der Einzelbestandteile nicht oder nur teilweise zu erkennen.
- Der Wendung ist eine eindeutige, fest stehende, übertragene Bedeutung zugeordnet, die neben der ursprünglichen, wörtlichen Interpretation existiert.

Redewendungen lassen sich von ähnlichen Sprachkonstrukten der deutschen Sprache anhand verschiedener Merkmale abgrenzen.

Im Gegensatz zu freien Wortgruppen, zu denen auch literarische Metaphern zählen, können Redewendungen nicht wörtlich interpretiert oder als Umschreibung für einen Gegenstand oder ein Naturphänomen verstanden werden. Metaphern können sich allerdings im Zeitverlauf verfestigen und zu Redewendungen entwickeln. Die Erweiterung von Wortgruppen durch Austausch einzelner Begriffe oder Veränderung, z.B. durch die Verwendung von Attributen, ist bei Redewendungen ebenfalls nicht oder nur unter bestimmten Umständen möglich (vgl. Duden2008, S. 9ff).

Neben dieser relativ klaren Abgrenzung existieren noch verschiedene Grenzgebiete, die eine eindeutige Abgrenzung im Einzelfall schwierig machen. Hierzu zählen beispielsweise formelhafte Vergleiche, fremdsprachige Wendungen und Sprichwörter bzw. Zitate. Anhand der Frage, ob einzelne Elemente des Wortkonstrukts austauschbar sind, lässt sich in der Regel eine Unterscheidung treffen, die in Zweifelsfällen jedoch schwammig bleiben wird. Sprichwörter und Zitate hingegen bilden in der Regel „selbstständige Sätze (mit einem Verb in der Personalform)“, während es sich bei Redewendungen häufig um Satzteile handelt (vgl. Duden2008, S. 11ff).

2.2 Klassifizierung von Redewendungen

Wie viele Sprachkonstrukte lassen sich auch Redewendungen nur begrenzt systematisieren, es existieren jedoch einige Vorschläge (vgl. Duden2008, S. 13f).

- Nach dem Grad der Abstraktion der Bedeutung vom eigentlichen Wortsinn in vollidiomatische und teilidiomatische Wendungen (z.B. „das Kind mit dem Bade ausschütten“ versus „fressen wie ein Scheunendrescher“).
- Funktional in ganze Sätze (z.B. „Wer’s glaubt, wird selig“) und syntaktische Verknüpfungen (z.B. „auf die lange Bank schieben“), die als Satzglieder verwendet, auf verschiedene Weise an den jeweiligen Satzkontext angepasst werden können und die nach strukturellen oder syntaktischen Merkmalen weiter differenziert werden können.

2.3 Redewendungen im Shiatsu

Shiatsu (japanisch, wörtlich übersetzt Finger-Druck) ist definiert als „ein eigenständiges System energetischer Körperarbeit und Lebenskunde zur Förderung und Begleitung von Menschen durch achtsame, tief wirkende Berührung mit Händen, durch eine entsprechende Haltung und im Gespräch“ (Schmidt 2012, 11). Neben der „klassischen“ Behandlung mit physischem Kontakt beinhaltet diese Definition auch die Umsetzung von Shiatsu im Gespräch.

Ziel der Behandlung ist es, die Selbstwirksamkeit des Klienten zu erhöhen und ihn in Kontakt mit seinem Fühlen und Erfahrungen zu bringen. Da die dem Shiatsu zugrunde liegenden Konzepte und die damit verbundene Ausdrucksweise für viele Klienten zumindest ungewohnt sind, behindern Erläuterungen im „Fachchinesisch“ eher die gewünschte Integration des Klienten in den Prozess. Ziel der Shiatsu-Praktikerin sollte es daher sein, eine Sprachebene zu finden, die die für sie relevanten Inhalte so zum Klienten transportiert, dass dieser sie aufnehmen und umsetzen kann. Redewendungen stellen hierbei ein probates Mittel dar, zumal sie durch ihre Bildhaftigkeit eine zusätzliche Verankerung erzeugen können.

3 Wandlungsphasen – eine Einführung

Das Modell der Wandlungsphasen ist Teil der chinesischen Philosophie und beschreibt die wechselseitigen Verbindungen und Beziehungen zwischen den einzelnen Elementen, die sowohl in der Natur als auch für den Menschen wirksam sind (vgl. Seefelder2010, S. 14). Die einzelnen Wandlungsphasen „stehen in einer Verbindung zueinander und beeinflussen sich gegenseitig“ (Seefelder2010, S. 29).

3.1 Wandlungsphasen im Kontext der TCM

„Der SINN erzeugt die Eins.

Die Eins erzeugt die Zwei.

Die Zwei erzeugt die Drei.

Die Drei erzeugt alle Dinge.“

(Laotse2004, S. 85)

Der Sinn oder „das Eine“, auch als Dao oder Tao bezeichnet, bildet den Kosmos. Aus ihm entstehen die Polaritäten Yin und Yang („die Zwei“, z.B. Hell und Dunkel). Die Spannung zwischen diesen erzeugt Bewegung und damit Energie („Chi“ oder „Ki“). Yin, Yang und Ki („die Drei“) bilden die Basis allen Lebens.

Die Zahlensymbolik wird erweitert auf die Zahl Vier, die auch in vielen anderen Kulturen Verwendung findet, z.B. in den altgriechischen Grundelementen (Feuer, Wasser, Luft, Erde) oder den Himmelsrichtungen. Im chinesischen Weltbild werden die vier Richtungen durch die Erde als Zentrum ergänzt (vgl. Platsch2009, S. 2ff).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: System der Elemente ( 4er-System)

Ausgehend von diesem System entsteht das dynamische System der Fünf Wandlungsphasen, in dem die Erde ihre zentrale Stellung verliert und Teil des stetig fließenden Universums wird (vgl. Platsch2009, S. 6).

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Details

Titel
Wenn die Laus über die Leber läuft. Analogien von Redewendungen und dem Modell der Wandlungsphasen in der Traditionellen Chinesischen Medizin
Hochschule
Steinbeis-Hochschule Berlin  (Institut für körperbezogene Therapien)
Veranstaltung
KT2 Grundlagen Psychologie allgemein
Note
1,5
Autor
Jahr
2013
Seiten
33
Katalognummer
V315683
ISBN (eBook)
9783668145085
ISBN (Buch)
9783668145092
Dateigröße
713 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Shiatsu, Wandlungsphasen, 5 Elemente, TCM, Kommunikation, Sprichwörter, Redewendungen, Gespräch, Gesprächsführung, therapeutische Kommunikation, Ost-West, Komplementärtherapie, komplementäre Methoden, Japan
Arbeit zitieren
Karin Koers (Autor), 2013, Wenn die Laus über die Leber läuft. Analogien von Redewendungen und dem Modell der Wandlungsphasen in der Traditionellen Chinesischen Medizin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315683

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