Persönlichkeitspsychologie. Sensation Seeking, Selbstwirksamkeit, Angststörung

Einsendeaufgabe im Fach Persönlichkeitspsychologie


Hausarbeit, 2015

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Teilaufgabe C1

2. Teilaufgabe C2

3. Teilaufgabe C3

Literatur- und Quellenverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten1

Im Laufe der Arbeit werden in auf einer Seite aufeinanderfolgenden Fußnoten die Literaturangaben der vorigen Fußnote durch „ebd.“ wiederholt, wobei die Seitenangabe in jeder Fußnote erneuert wird, es sei denn die Seitenzahlen sind identisch.

1. Teilaufgabe C1

Der US-Amerikaner Marvin Zuckerman debattiert in seiner Publikation „Sensation Seeking: Beyond the Optimal Level of Arousal“ aus dem Jahr 1979 das Konstrukt des Sensation Seeking, welches er bereits am Anfang der 1960er Jahre eingeführt hatte2. Er definiert das zu den Persönlichkeitsmerkmalen zu zählende Konstrukt wie folgt: „Sensation seeking is a trait defined by the need for varied, novel, and complex sensations and experiences and the willingness to take physical and social risks for the sake of such experience“3.

Im Mittelpunkt der Definition stehen die Adjektive, welche die erzielten Situationen und Erfahrungen beschreiben.Variedwird hier im Sinn von Abwechslung verstanden, wobeinovelals neuartig, unvorhersehbar oder als im Kontrast zu vorhergegangen Erfahrungen stehend betrachtet werden kann.Complexbezieht sich auf die Vielzahl der auf das Individuum einwirkenden Stimuli4.

Sensation seeker, wie Zuckerman sie nennt, setzen sich derartigen Situationen aus, auch wenn ein hohes Risiko besteht, physische Verletzungen (physical risks) davonzutragen oder sich Peinlichkeiten, Erniedrigungen oder dem Verlust von Wertschätzung (social risks) stellen zu müssen.

In seiner Definition bezeichnet Zuckerman das Konstrukt des Sensation Seeking als einen über mehrere Situationen hinweg stabilen Wesenszug (engl.trait). Er nimmt jedoch ebenso vorweg, dass es sich hierbei sowohl um einen Wesenszug als auch um einen situationsabhängigen Zustand (engl.state) des Individuums handeln kann.

Zuckermans Ansatz basiert auf Überlegungen zur sensorischen Deprivation und unter anderem auf Theorien von Yerkes und Dodson zum optimalen Level von Erregung, welches ein Sensation Seeker zu überschreiten sucht5. Zusammenfassend handelt es sich beim Sensation Seeking um die interindividuelle Bereitschaft, Risiken auf sich zu nehmen, um ein optimales Erregungsniveau zu erreichen. Auch das optimale Erregungsniveau variiert interindividuell: ist das Erregungsniveau in der Regel niedrig, so wird eine hohe Stimulation, welche zum Teil mit Risiken verbunden ist, nötig, um das Optimum zu erreichen. Menschen mit einem hohen Erregungsausgangsniveau vermeiden hohe Stimulation, da diese sich bereits auf dem optimalen Niveau befinden6.

Persönlichkeitskonstrukte und -merkmale werden erfasst durch verschiedenste Methoden. Zur Messung des Ausmaßes von Sensation Seeking dient die Sensation Seeking Scale (SSS). Nach mehreren Ansätzen stellte sich die fünfte Version, die Sensation Seeking Scale V (SSS V), als die verlässlichste Methode heraus, welche sich großer Beliebtheit erfreut. Hierbei handelt es sich um einen forced-choice Fragebogen, den der Proband selbständig auszufüllen hat: der Proband wählt denjenigen von zwei Aussagesätzen, welcher ihm eher zutreffend erscheint7.

SSS V untersucht in vermischter Reihenfolge die vier Subskalen „Thrill and Adventure Seeking“, „Experience Seeking“, „Disinhibition“ und „Boredom Susceptibility“8:

Beim „Thrill- and Adventure Seeking“ (Nervenkitzel- und Abenteuersuche) handelt es sich um die Suche nach hoher Stimulation durch physische Aktivitäten und Abenteuer, wie beispielsweise durch Extremsportarten. „Experience Seeking“ (Erfahrungssuche) betrifft die Suche nach sensorischen Erfahrungen, beispielsweise durch Drogenkonsum oder auch kulinarische Neuheiten. Es geht hierbei um kognitive Stimulationen jeglicher Art. Die dritte Subskala „Disinhibition“ (Enthemmung) untersucht die Suche nach Stimulation durch soziale Kontakte.

In der vierten Kategorie „Boredom Susceptibility“ (Anfälligkeit für Langeweile) wird untersucht, welche sozialen und kognitiven Situationen Langeweile beim Probanden erregen, wie beispielsweise das Anschauen von Filmen mit vorhersagbarer Handlung.

Da das gesamte Konzept des Sensation Seeking in vier Subskalen aufgeschlüsselt werden kann, kann nicht ein prototypischer Sensation Seeker beschrieben werden.

Zuckerman beschreibt die Subskalen als Subfaktoren, welche unterschiedlich ausgeprägt sein können9. Verhaltensweisen, die für ein Suchen nach einem hohen Erregungsniveau sprechen, lassen sich jedoch wie bereits beschrieben finden.

Was allen Arten von Sensation Seeking gleich ist, ist eine gewisse Nonkonformität in Bezug auf gesellschaftliche Normen und Regeln. Sensation Seeker suchen einerseits das Risiko durch die Ausübung von Extremsportarten wie Bergsteigen oder Fallschirmspringen10, andererseits suchen sie das Neuartige auf vielerlei andere Weisen, wie durch die Teilnahme an Experimenten, Einnahme von berauschenden Substanzen, Reisen an exotische

Orte oder durch das Kennenlernen von neuen Freunden auf wilden Parties11.

Neben den physischen Risiken durch Extremsport stellen vor allem der gesteigerte Konsum von Alkohol und anderen Drogen ein ernstzunehmendes gesundheitliches Risiko dar.

Aus Studien geht hervor, dass besonders Menschen, die einen hohen Wert auf der Sensation Seeking Scale aufweisen, eine Tendenz zum Konsum von Alkohol, Marihuana und anderweitigen Drogen haben, wobei diese besonders im Subfaktor „Thrill and Adventure Seeking“ festzumachen sind. Es ist davon auszugehen, dass ebendieser Sachverhalt für die Gesundheitspsychologie im Sinne der Prävention von großem Interesse ist. Eine Prävention ist allgemein betrachtet eine Intervention medizinischer, psychologischer oder erzieherischer Art, welche zur Vermeidung oder Verringerung der negativen Effekte einer Krankheit eingesetzt wird12. Da vor allem jüngere Menschen bis zu den Mittzwanzigern besonders hohe

Werte auf der Sensation Seeking Scale aufweisen13 , sollten verstärkt auf diese Zielgruppe präventive Maßnahmen ausgerichtet werden. Beobachtete Auffälligkeiten, die auf ein hohes Ausmaß von Sensation Seeking hindeuten, sollten Anlass dafür sein, einen Sensation Seeking Test durchzuführen. Fallen die Resultate positive aus, so sollte der Testperson gegenüber erklärt werden, welche Risiken dieses Persönlichkeitsmerkmal mit sich bringt und wie der Drang nach hoher Stimulation schaden kann.

Steht ein Mensch bereits in der Situation, Alkohol und Drogen zu missbrauchen, so wird dieser, vorausgesetzt er hat eine hohe Punktzahl auf der Sensation Seeking Scale, dies unter anderem aus der Vermeidung von Gewöhnlichkeit tun. In der Betreuung sollte möglicherweise ein Test nach SSS V durchgeführt werden, um eine Tendenz hinsichtlich der Subskalen festzustellen. Zudem sollte man sich bei der Behandlung stets vor Augen halten, dass der Drang, außergewöhnliche Erfahrungen zu erleben, persönlichkeitsbedingt ist und somit nicht einfach abgeschaltet werden kann. Viel mehr sollte man sich darauf konzentrieren, einen adäquaten Ersatz für die hohe Stimulation durch Drogen für den jeweiligen Menschen zu finden. Eine angemessene Substitution sollte ein nicht schädliches Verhalten des Betroffenen sein.

2. Teilaufgabe C2

Der Begriff der Selbstwirksamkeit stammt von Albert Bandura. Das Konstrukt der Selbstwirksamkeit publiziert er eingebettet in die kognitive Persönlichkeitstheorie zum sozialen Lernen. Der bis zu Bandura vorherrschenden Meinung, dass der Mensch und dessen Verhaltensweise weitgehend von externen Faktoren bestimmt sei, setzt Bandura das Selbstsystem entgegen, das eine selbstregulative Funktion auf das Verhalten hat und somit auch der Zielerreichung dient14.

Das Konzept der Selbstwirksamkeit (self-efficacy) beschreibt die Überzeugung und Erwartung eines Menschen, dass dieser aufgrund seiner persönlichen Fähigkeiten ein Ziel erreichen oder eine Aufgabe vervollständigen kann, selbst wenn die Rahmenbedingungen dies zu erschweren scheinen15. Aus diesem Grund spricht man auch von Selbstwirksamkeitserwartung (SWE). Bandura wendet dieses Konzept lediglich auf spezifische Lern-, Lehr- und Erziehungssituationen an, wobei Jerusalem und Schwarzer von einer generellen Selbstwirksamkeit ausgehen16. Im Mittelpunkt aller Anwendungen steht die Zielerreichung und die Motivation bei der Aufgabenerledigung. Die Selbstwirksamkeitserwartung stützt die Motivation und trägt dazu bei, eine Aufgabe wiederaufzunehmen, selbst wenn Rückschläge die Erledigung derselben beeinträchtigen17.

Es konnten positive Korrelationen zwischen einer hohen Selbstwirksamkeit und besseren akademischen Leistungen18, einem höheren Widerstand gegen Ablenkung und Prokrastination19, einer besseren Prognose bei chronischen Schmerzerkrankungen und einer generell schnelleren, wenn auch nicht akkurateren Entscheidungsfindung nachgewiesen werden20. Es ist anzumerken, dass die positiven Effekte der Selbstwirksamkeit unabhängig vom tatsächlichen Intellekt der Person sind21.

Die Selbstwirksamkeit und Performanz beeinflussen sich gegenseitig. Bei hoher SWE steigt die Performanz, wobei die Erledigung einer Aufgabe durch hohe Performanz die SWE wiederum positiv beeinflusst und anhebt22. Ein wichtiger Aspekt hierbei ist, dass Strategien gefunden werden, um eine scheinbar nicht zu bewältigende Aufgabe erledigen zu können. Menschen mit höherer SWE bedienen sich solcher Strategien, indem sie beispielsweise eine große Aufgabe in mehrere Teile und somit Unterziele (subgoals) aufteilen, welche nach und nach erreicht werden können.

Die SWE speist sich aus hauptsächlich vier Quellen :

An erster Stelle ist die physiologische Rückmeldung des eigenen Körpers zu nennen. Reagiert der Körper in einer neuartigen Situation mit verschwitzten Händen oder einem geröteten Kopf, so kann das Subjekt diese Anzeichen auf den eigenen Mangel an Kompetenz zurückführen, was die SWE senkt. Eine zweite Quelle der SWE ist die verbale Rückmeldung.

[...]


1 Vgl. Zuckerman, M.: 1979, S. 95.

2 ebd., S. 10

3 Vgl. ebd., S. 11.

4 Vgl. ebd., S. 54f.

5 Vgl. Becker, B.: 2014, S. 69.

6 Vgl. Zuckerman, M.: 1979, S. 449ff.

7 Vgl. ebd., S. 102f und 107ff.

8 Vgl. Zuckerman, M.: 1979, S. 102f.

9 Vgl. ebd., S. 206.

10 Vgl. ebd., S. 297.

11 Vgl. Blümel, S. et al.: 2011, S. 437.

12 Vgl. Zuckerman, M.: 1979, S. 125.

13 Vgl. Larsen, R. et al.: 2013, S. 318.

14 Vgl. Becker, B.: 2014A, S. 80.

15 Vgl. Becker,B.: 2014A, S. 81.

16 Vgl. ebd., S. 82.

17 Vgl. Larsen, R. et al.: 2013, S. 318.

18 Vgl. Becker, B.: 2014A, S. 82.

19 Vgl. Larsen, R. et al.: 2013, S. 318.

20 Vgl. Becker, B.: 2014A, S. 82.

21 Vgl. Larsen, R. et al.: 2013, S. 318.

22 Vgl. Heindle, B.: 2009, S. 27ff.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Persönlichkeitspsychologie. Sensation Seeking, Selbstwirksamkeit, Angststörung
Untertitel
Einsendeaufgabe im Fach Persönlichkeitspsychologie
Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen
Veranstaltung
Persönlichkeitspsychologie
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V315705
ISBN (eBook)
9783668156302
ISBN (Buch)
9783668156319
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
persönlichkeitspsychologie, sensation, seeking, selbstwirksamkeit, angststörung, einsendeaufgabe, fach
Arbeit zitieren
Friedemann B. Götz (Autor), 2015, Persönlichkeitspsychologie. Sensation Seeking, Selbstwirksamkeit, Angststörung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315705

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