Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der sozialen Konstruktion von deviantem Verhalten am Beispiel migrationsgezeichneter Jugendlicher. Ein besonderer Fokus wird dabei auf den Aspekt der Kriminalität gelegt. In den Medien und im politischen Diskurs wird abweichendes Verhalten migrationszeichneter Jugendlicher gerne als ernst zu nehmendes Problem dargestellt. Solche Äußerungen verfestigen ein negatives Bild und begünstigen eine doppelte Stigmatisierung der Jugendlichen.
Eine einführende Definition soll klären, was unter den Begriffen der Norm und der Abweichung verstanden werden kann und welche definitorischen Implikationen in dieser Arbeit Berücksichtigung finden sollen. Darauffolgend soll erläutert werden, inwieweit die Aussagen der gefühlten Kriminalität migrationsgezeichneter Jugendlicher mit dem realen Vorkommen derselben übereinstimmen. Anhand der Theorie der Anomie nach Merton werden dann mögliche Entstehungsfaktoren für das Auftreten von Delinquenz aufgezeigt. Es wird untersucht werden, inwieweit Kriminalität durch gesellschaftliche Faktoren konstruiert wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Klärung der zentralen Begriffe Norm und Abweichung
3. Deviantes Verhalten unter migrationsgezeichneten Jugendlichen
3.1. Zur Kategorie der Devianz im Jugendalter
3.2. Situationsbeschreibung: Kriminalität unter migrationsgezeichneten Jugendlichen
4. Theoretischer Bezug
4.1. Die Theorie der Anomie
4.2. Anomische Tendenzen in der Postmoderne
4.2. Das ätiologische Paradigma
4.3. Kritische Anmerkungen zur Theorie der Anomie nach Merton
4.4. Folgerungen aus der Kritik
5. Anwendungen der theoretischen Bezüge auf ein Fallbeispiel
5.1. Darstellung des Fallbeispiels
5.2. Folgerungen für den Umgang mit kriminellen Verhalten migrationsgezeichneter Menschen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die soziale Konstruktion von deviantem Verhalten bei migrationsgezeichneten Jugendlichen und analysiert, inwieweit Kriminalität durch gesellschaftliche Faktoren und Stigmatisierungsprozesse generiert wird.
- Soziologische Definition von Normen und Abweichung
- Anomietheorie nach Merton und deren kritische Überprüfung
- Einfluss von sozialer Ungleichheit und Migrationshintergrund
- Konstruktcharakter von Kriminalitätszuschreibungen
- Präventive Ansätze im Bildungs- und Sozialbereich
Auszug aus dem Buch
Der imaginäre Fall „Mirko“
Mirko wurde am 24.04.1987 in Bratislava geboren. Seine Eltern hatten genug Geld für das Nötigste, lebten auf einem alten Bauernhof, wo sie den Großteil ihrer Nahrung selbst anbauten. Der Vater arbeitete jeden Tag viele Stunden auf den Feldern, die Mutter kümmerte sich um Mirko und seine 4 Geschwister und versuchte außerdem, sich um die Ernte zu kümmern. Da blieb nicht viel Zeit für Zuwendungen oder das Teilen von schönen Momenten. Die älteren Geschwister verbrachten ihre Zeit damit, auf dem Hof zu helfen. Durch das Erbe von den Großeltern kam die Familie zu etwas Geld und beschloss, die Slowakei zu verlassen und sich in einem anderen Land eine zweite Heimat zu suchen. Damals war Mirko vier Jahre alt.
In diesem fremden Land lebte die Familie zunächst in einem Asylheim, da zunächst unklar war, ob sie das Recht bekommen würden, zu bleiben. Dort mussten sie sich den beengten Wohnraum mit vielen Anderen teilen. Mirko konnte schlecht schlafen, weil die anderen Kinder immer so viel weinten. Er merkte, wie seine Eltern von der Situation mitgenommen wurden. Sein Vater konnte noch nicht arbeiten, so lange die Aufenthaltssituation noch nicht geklärt war. Zuerst genehmigte er sich mit den anderen Männern immer nur hier und da einen Schnaps, aber bald wurde es zur Gewohnheit. Wenn er getrunken hatte, wurde er leicht sauer und laut. Er brüllte auch oft seine Mutter an, die immer stiller und trauriger zu werden schien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der sozialen Konstruktion von Kriminalität bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund ein und skizziert den theoretischen sowie methodischen Rahmen.
2. Klärung der zentralen Begriffe Norm und Abweichung: Es werden soziologische Grundlagen definiert, die verdeutlichen, dass Abweichung kein festes Attribut, sondern ein durch soziale Regeln und Zuschreibungsprozesse entstandenes Phänomen ist.
3. Deviantes Verhalten unter migrationsgezeichneten Jugendlichen: Das Kapitel beleuchtet Jugendkriminalität als normales Phänomen und kritisiert die stigmatisierende öffentliche Debatte um Täter mit Zuwanderungsstatus.
4. Theoretischer Bezug: Hier werden die Anomietheorie nach Merton sowie das ätiologische Paradigma vorgestellt und kritisch auf ihre Eignung zur Erklärung moderner Kriminalitätsphänomene geprüft.
5. Anwendungen der theoretischen Bezüge auf ein Fallbeispiel: Anhand eines konstruierten Fallbeispiels wird illustriert, wie soziale Ungleichheit und Etikettierung zu delinquentem Verhalten führen können.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Kriminalität migrationsgezeichneter Menschen als gesellschaftlich konstruiert betrachtet werden muss und fordert ein Umdenken in der Präventionspolitik.
Schlüsselwörter
Anomie, soziale Konstruktion, Jugendkriminalität, Migration, Stigmatisierung, Devianz, soziale Ungleichheit, Etikettierung, Delinquenz, Normsetzung, Prävention, kulturelles Kapital, soziale Kontrolle, Machtstrukturen, Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Analyse abweichenden Verhaltens und untersucht, wie Kriminalität bei migrationsgezeichneten Jugendlichen entsteht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Theorie der Anomie, soziale Stigmatisierung, die Rolle von Normen und der Einfluss gesellschaftlicher Rahmenbedingungen auf das Individuum.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die einseitige mediale und politische Darstellung von Jugendkriminalität bei Migranten durch eine soziologische Perspektive zu hinterfragen und als konstruierten Prozess aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein theoretisch-analytischer Ansatz gewählt, der durch Literaturarbeit und ein konstruiertes Fallbeispiel eine deduktive Analyse der Zusammenhänge ermöglicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Ansätze zur Devianz, diskutiert deren Stärken und Schwächen und wendet diese Erkenntnisse auf das Fallbeispiel eines Jugendlichen namens Mirko an.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Anomie, Stigmatisierung, Etikettierung, soziale Ungleichheit und gesellschaftliche Konstruktion.
Warum wird im Fallbeispiel die Figur Mirko verwendet?
Mirko dient als ideales Beispiel, um aufzuzeigen, wie strukturelle Benachteiligung, mangelnde Anerkennung und Etikettierung einen jungen Menschen in eine delinquente Karriere drängen können.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor in Bezug auf Präventionsmaßnahmen?
Der Autor plädiert für einen Abbau von Vorurteilen in Institutionen und Betrieben sowie für eine Stärkung der sozialen Teilhabe statt einer einseitigen Fokussierung auf Strafe.
- Citation du texte
- Sarina Wippermann (Auteur), 2015, Konstruktion von deviantem Verhalten in migrationsgezeichneten Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315746