Akteure in der Politik. Aufbereitung eines Textes aus der Politischen Bildung für Schüler mit Deutsch als Zweitsprache


Hausarbeit, 2016

28 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Textvorlage

3. Bedarfsanalyse
3.1 Kompetenzzuwachs laut Rahmenlehrplan
3.2 Sprachliche Stolpersteine

4. Vor dem Lesen
4.1 Hinführung
4.2 Textentlastung

5. Während des Lesens

6. Verdeutlichung fachsprachlicher Strukturen

7. Nach dem Lesen

8. Fazit

9. Abkürzungsverzeichnis

10. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund im Schul- und Vorschul­alter nimmt seit Jahren zu, in den Stadtstaaten betrifft dies mittlerweile beinahe ein Drittel aller Vorschulkinder unter sechs Jahren. 2013 stamm­ten in Berlin beispielsweise 30,5 Prozent aller Vorschulkinder aus Einwan­dererfamilien, in denen nicht vorrangig Deutsch gesprochen wurde; in Bremen betrug der Anteil dieser Kinder 29,6 Prozent.[1] Die lawinenartige Masseneinwanderung seit 2015 dürfte diese Situation nochmals verschär­fen, allein im Land Berlin mussten 7.000 Kinder von Asylbewerbern in be­helfsmäßig eingerichteten Willkommensklassen unterrichtet werden, weil in Deutschland alle Kinder der Schulpflicht unterliegen. Die Nachfrage nach speziellen Unterrichtsformaten für Lerner mit Deutsch als Zweitspra­che (DaZ) dürfte in der Folge deutlich ansteigen.

Gerade in den Geistes- und Sozialwissenschaften sehen sich Lernende nichtdeutscher Erstsprache besonderen Herausforderungen gegenüber, die mit dem spezifischen Fachwortschatz der unterschiedlichen Themen­gebiete Zusammenhängen. Während in den Naturwissenschaften das Vo­kabular spiral-curricular - d. h. stofflich wiederholend und aufbauend durch die gesamte Schullaufbahn - vermittelt wird, weisen die Bildungsinhalte in den Geschichts- und Politikwissenschaften eine eigenständige Terminolo­gie auf, die extrem abhängig von den rechtlichen, wirtschaftlichen und so­zialen Kontexten einer Zeitepoche oder eines Politikfeldes sind. Daraus resultieren bei der Behandlung von Sachtexten Verständnisschwierigkei­ten oder Fehlleistungen, die Lehrkräften mitunter nicht gleich auffallen und zur Überschätzung des Texterfassungsvermögens von DaZ-Lernern ver­leiten können.[2] Die nachfolgende Aufbereitung eines Textes aus der Poli­tischen Bildung zum Thema „Akteure in der Politik“ soll dem Vorbeugen und Handlungsmuster bzw. Lösungsstrategien für ähnlich gelagerte Prob­leme im künftigen Lehrerberuf entwerfen.

2. Textvorlage

Akteure in der Politik[3]

von Robert Geyer

„Politik zu machen“ bedeutet das zeitaufwendige Ringen um Kompromisse, an dessen Ende Gesetze, Verordnungen oder Regelungen stehen, die ein öffentliches Problem (im Idealfall langfristig) lösen.

Das Ausformulieren und Fällen politischer Entscheidungen ist nicht die Aufgabe einzelner Akteure, sondern ein Prozess, an dem eine Vielzahl von Institutionen und Organisationen beteiligt sind. Die Staatsorgane, aber auch Parteien, Lobby­gruppen und Medien haben trotz ihrer Unterschiede eines gemeinsam: Sie alle sind Akteure innerhalb des politischen Prozesses. Diese Vielfalt kann dazu führen, dass Entscheidungen manchmal etwas länger dauern; doch gleichzeitig wird si­chergestellt, dass bei der Politikgestaltung möglichst viele Interessen und Anlie­gen berücksichtigt werden.

Der Erfolg von Politik wird immer an ihren Ergebnissen gemessen. Für ein aus­gewogenes Urteil reicht es jedoch nicht, sich nur mit den Resultaten zu beschäfti­gen. Wichtig ist auch die Frage, was eigentlich während des Entscheidungspro­zesses passiert. Dann kann man sehen, dass Politik nicht gleich Politik ist. Dass es verschiedene politische Akteure gibt, die unterschiedliche Positionen vertreten, die unterschiedlichen Parteien angehören oder die unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen. Hinzukommen wirtschaftliche und gesellschaftliche Gruppen, die versuchen, die Politik zu beeinflussen. Auch sie haben ganz bestimmte Vorstel­lungen, welche Gesetze gut oder schlecht für ihre Interessen sind.

3. Bedarfsanalyse

3.1 Kompetenzzuwachs laut Rahmenlehrplan

Der Fachtext zielt aus Sicht des Verfassers auf den Sozialkundeunterricht in der Jahrgangsstufe 9/10 - also dem Ausgangsbereich der Sekundarstu­fe I. Der Rahmenlehrplan (RLP) des Landes Berlin veranschaulicht die Kompetenzziele für das Fach Sozialkunde grafisch.[4]

Analyse kom petenz

Methodenkompetenz

Um diese Kompetenzen zu entwickeln, wird im RLP ein Ansatz der kate- gorialen Bildung verfolgt. Die Schüler sollen sich in der Jahrgangsstufe 9/10 bspw. die vier Themenfelder Demokratie als Herrschaftsform, Wirt­schafts- und Arbeitsleben, Europäische Union und Internationale Politik mithilfe dichotomer Kategorien wie Individuum und Gesellschaft, Rechte und Pflichten, Macht und Herrschaft, Konflikt und Konsens, Gemeinwohl und Partikularinteressen, Recht und Gerechtigkeit, Utopie und Realität,

Frieden und Gewalt, Effizienz und Legitimität, Kosten und Nutzen usw. erschließen.[5]

Der ausgewählte Text lässt sich im Themenfeld Demokratie als Herr­schaftsform verorten. In diesem Themenfeld sollen sich die Schüler u. a. mit Formen der Partizipation in Vereinen, Parteien, Bürgerinitiativen, Inte­ressenverbänden und sonstigen zivilgesellschaftlichen Korporationen be­schäftigen. Für den Kompetenzerwerb definiert der RLP unterschiedliche Standards, die sich an dem ursprünglich dreigliedrig ausdifferenzierten deutschen Schulsystem orientieren. Die Progression dieser Standards lässt sich im direkten Vergleich leicht erkennen:

Das einfache Anspruchsniveau (Haupt- und Gesamtschule) will die Schü­ler befähigen, „Formen und Möglichkeiten politischer Beteiligung“ zu erklä­ren und „Stellung zu Formen politischer Kultur und Werthaltungen“[6] zu beziehen. Im mittleren Standard (Real- und Gesamtschule) soll das Wis­sen nicht nur reproduziert, sondern auch handlungsorientiert umgesetzt werden. Dort heißt es, die Schüler „erklären Formen der politischen Betei­ligung, setzen diese in Ansätzen um, beziehen Stellung zu Formen politi­scher Kultur und erarbeiten die zugrunde liegenden Werthaltungen“.[7] Beim erweiterten Standard (Gymnasium und Gesamtschule) müssen Schüler überdies noch selbst gewählte Fallbeispiele zur Erläuterung heranziehen. Ihnen wird mit den Operatoren „untersuchen“ und „erörtern“ Analyse- und Urteilskompetenz abverlangt.[8]

Der vorliegende Text demonstriert, wie viele Akteure mit unterschiedlichen Interessen an demokratischen Entscheidungsprozessen beteiligt sein können. Ein angemessenes Textverständnis ermöglicht es Schülern, den gesellschaftlichen Pluralismus in einer Demokratie zu verstehen und sich selbst auf der Grundlage dieses Wissens aktiv daran zu beteiligen.

3.2 Sprachliche Stolpersteine

Der oben skizzierte Kompetenzerwerb nach dem RLP setzt ein angemes­senes Textverständnis bei den Schülern nichtdeutscher Erstsprache vo­raus. Ihnen liegen oftmals sprachliche Stolpersteine im Wege, die die Texterschließung erschweren. Entgegen einem weitverbreiteten Vorurteil handelt es sich dabei nicht nur um unbekanntes Fachvokabular, sondern auch um gehäuft auftretende orthographische, morphologische, lexikali­sche, syntaktische oder typographische Eigenheiten im Wortmaterial von Fachtexten. Zu nennen sind an dieser Stelle

- Präfixe, Infixe, Suffixe
- Fremdwörter, Abstrakta, mehrgliedrige Komposita
- ungewöhnliche Adjektive
- Systeme fachsprachlicher Bezeichnungen mit Ober- und Unterbe­griffen
- Funktionsverbgefüge
- Passiv- und Passiversatzformen
- Partizipial- und Infinitivkonstruktionen
- Nominalisierungen (Nominalstil)
- Genitivattribute
- Präpositionalattribute
- komplexe Satzreihen und -gefüge (Hypotaxen)
- Proformen für einzelne Wörter, Satzglieder und ganze Sätze
- koordinierende und subordinierende Konjunktionen
- Tabellen, Grafiken, Spiegelstriche, Kursivierungen, Fettdrücke usw.[9]

Bevor sich Lehrkräfte daher an die Didaktisierung schwer erschließbarer Fachtexte für die DaZ-Lerner machen, müssen sie die sprachlichen Schwierigkeiten eines Fachtextes analysieren. Für den vorliegenden Text soll dies mithilfe einer tabellarischen Übersicht und farblicher Markierun­gen am Text geschehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Akteure in der Politik von Robert Geyer „Politik zu machen“ bedeutet das zeitaufwendige fingen| um Kompromisse, an dessen| Ende Gesetze. Verordnungen oder Regelungen stehen. di| ein öffentliches

Problem (im Idealfall langfristig) lösen.

Das Ausformulieren und Fällen| politischer Entscheidungen ist nicht die Aufgabe einzelner Akteure, sondern ein Prozess, an dem eine Vielzahl von Institutionen und Organisationen beteiligt sind. Die Staatsorgane, aber auch Parteien, Lobby­gruppen und Medien haben trotz ihrei| Unterschiede eines gemeinsam: Sie alle dass Entscheidungen manchmal etwas länger dauern: doch| gleichzeitig wird si­chergestellt, dass bei der Politikgestaltung möglichst viele Interessen und Anlie­gen berücksichtigt werden. wahrnehmen Hinzukommen wirtschaftliche und gesellschaftliche Gruppen, versuchen, die Politik zu beeinflussen. Auch sie) haben ganz bestimmte Vorstel­lungen, Aelch| Gesetze gut oder schlecht für |hre Interessen sind.

Nominalkomposita: Idealfall, Staatsorgane (Fugenelemenf), Lobbygruppen, Politik­gestaltung, Entscheidungsprozesses (Fugenelemenf)

Substantivierungen]: Ringen, Ausformulieren, Fällen (Nominalstil)

Proformen: dessen (Demonstrativpronomen), die (Relativpronomen), dem (dito), ihrer (Possessivpronomen), eines (Indefinitpronomen), sie (Personalpronomen), alle (Indefinitpronomen), diese (Demonstrativpronomen), dazu (Adverb), dass (subordi­nierende Konjunktion), etwas (Indefinitpronomen), doch (Konjunktionaladverb), dass (subordinierende Konjunktion), ihren (Possessivpronomen), es (Personalprono­men), sich (Reflexivpronomen), was (Interrogativpronomen), dann (Adverb), man (Indefinitpronomen), dass (subordinierende Konjunktion), dass (dito), es (Personal­pronomen), die (Relativpronomen), die (dito), die (dito), die (dito), sie (Personalpro­nomen), welche (Interrogativpronomen), ihre (Possessivpronomen)

Passivformen: Politik zu machen (Passiversatz durch Infinitivkonstruktion), wird sichergestellt (Passivbildung mit werden), berücksichtigt werden (dito), wird gemes­sen (dito), sich zu beschäftigten (Passiversatz durch Infinitivkonstruktion) man (Pas­siversatz durch unpersönliches Indefinitpronomen), die Politik zu beeinflussen (Pas­siversatz durch Infinitivkonstruktion)

Nebensätze: Dass-Sätze (Konsekutivsätze) oder Relativsatzperioden

[...]


[1] Vgl. Integrationsministerkonferenz 2015, S. 34.

[2] Vgl. Müller 2005, S. 1.

[3] Text entnommen aus: Bundeszentrale für Politische Bildung 2009, S. 1.

[4] Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport 2006, S. 11.

[5] Vgl. ebd., S. 9

[6] Ebd., S. 32.

[7] Ebd.

[8] Vgl. ebd., S. 33.

[9] Vgl. Rösch 2001, S. 23f.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Akteure in der Politik. Aufbereitung eines Textes aus der Politischen Bildung für Schüler mit Deutsch als Zweitsprache
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Zentrum für Lehrerbildung)
Veranstaltung
Deutsch als Zweitsprache
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
28
Katalognummer
V315757
ISBN (eBook)
9783668155824
ISBN (Buch)
9783668155831
Dateigröße
786 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
akteure, politik, aufbereitung, textes, politischen, bildung, schüler, deutsch, zweitsprache
Arbeit zitieren
Dr. Christian Schwießelmann (Autor), 2016, Akteure in der Politik. Aufbereitung eines Textes aus der Politischen Bildung für Schüler mit Deutsch als Zweitsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315757

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