Im vorgetragenen Referat zum Thema Repräsentationen und Konstruktionen von Männlichkeit in Wirtschaft und Politik wurde von mir versucht, einen kurzen historischen Abriss von Männlichkeitsentwürfen in Wirtschaftstheorien und "westlicher" politischer Philosophie unter Einbeziehung feministischer Genderkritik zu geben, und diesen einer Gegenwartsanalyse, wie sie R.W. Connell und Julian Wood in ihrem Beitrag Globalization and Business Masculinities vorstellen, gegenüberzustellen.
In Connell und Woods Beitrag wurden Identitäten und Männlichkeit in gegenwärtigen globalisierten Manageretagen Australiens sowohl untereinander als auch mit Symptomatiken älterer Modelle, also den Generationen davor, verglichen. Connell geht davon aus, dass die neuen globalen Arbeitsbedingungen einen neuen Typus erfordert und erschaffen hätten, der sich vom "älteren, konservativeren" durch einige Merkmale deutlich unterscheide. Connell bezeichnete diesen neueren Typus als "Transnational Business Masculinity".
In dieser Seminararbeit wird nun eine Zusammenfassung der im Referat vorgestellten Analysen und Interpretationen gegeben.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einführung: Wirtschaft und Politik sind Männerdomänen
Zum Verhältnis von Wirtschaft und Politik
Das 20. Jahrhundert: Paternalismus in Unternehmen
Globalization and Business Masculinities
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die historischen und gegenwärtigen Konstruktionen von Männlichkeit im Kontext von Wirtschaft und Politik. Dabei wird aufgezeigt, wie traditionelle westliche Männlichkeitsbilder durch liberale Ökonomiemodelle und politische Philosophien institutionalisiert wurden, um diese anschließend dem modernen, globalisierten Typus der sogenannten „transnational business masculinity“ gegenüberzustellen.
- Historischer Abriss der Männlichkeitsentwürfe in der Wirtschaftstheorie
- Feministische Genderkritik an liberalen Staats- und Kontraktualismustheorien
- Analyse des Paternalismus in Unternehmen des 20. Jahrhunderts
- Untersuchung von Identitätsmustern moderner Manager in einer globalisierten Welt
- Gegenüberstellung von traditioneller bürgerlicher Männlichkeit und transnationalen Geschäftsidentitäten
Auszug aus dem Buch
Globalization and Business Masculinities
Veränderungen im Kapitalistischen Wirtschaftssystem finden statt- als zwei der signifikantesten Trends behandelt Connell, wie viele andere Theoretiker auch, globalisierte Marktstrategien und die Ablösung von Familienunternehmen durch Aktiengesellschaften (‘corporates’).
Connell und Woods sehen Manager als Kerngruppe ‘moderner Männlichkeiten’ auf globaler Skala. 1995 wurde von der US-amerikanischen Glass Ceiling Comission das Topmanagement der "top U.S. corporations" evaluiert: 95-97 % der Topmanager waren Männer. Auch in Australien, das Land in dem Connell und Wood ihre Studie durchführten, stellen Männer die Mehrheit der Manager dar- vor allem im "upper upper" Topmanagement. Connells Untersuchung beschreibt eine ‘transnational business masculinity’, welche sich von anderen "machtorientierten Männlichkeiten" bereits bei oberflächlicher Betrachtung durch Verhaltensmerkmale im Umgang mit Rasse und Gender unterscheidet.
"There is a significant distance here from other power-orientated masculinities where race and gender hierarchy is a major part of the mix"
- diese Beobachtung stellt Connell seiner Studie, basierend auf 11 Interviews mit in der Wirtschaft tätigen Männern in Australien zwischen 1997 und 2000, bereits voran.
Als wesentlicher Aspekt einer postmodernen Managerkarriere muss der MBA als Schlüsselqualifikation genannt werden. Einer der Interviewten sagte dazu:
Yeah, that is the thing about the MBA, ...it is a funny qualification; it gives you The ability to be dangerous at most things without necessarily being competent at any....I think they are very conscious of making it an international program, so they do try and mix up the case studies....They put you in cross-cultural groups. In my study group, there was a Greek, a Russian, a Belgian, probably a couple of Poms [English], and maybe an American. [C]
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Die Autorin erläutert ihre Absicht, historische Männlichkeitsbilder der Wirtschafts- und Politiktheorie einer modernen Analyse nach Connell und Wood gegenüberzustellen.
Einführung: Wirtschaft und Politik sind Männerdomänen: Es wird dargelegt, wie männliche Dominanz in ökonomischen und politischen Sphären historisch durch Bildung und Erbrecht zementiert und philosophisch durch das Konzept des „separativen Selbst“ gerechtfertigt wurde.
Zum Verhältnis von Wirtschaft und Politik: Anhand feministischer institutioneller Kritik werden die dualistischen Konstruktionen (öffentlich vs. privat) aufgezeigt, die Wirtschaft und Familie trennen und männliches Handeln als rational und objektiv definieren.
Das 20. Jahrhundert: Paternalismus in Unternehmen: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung von betrieblichen Paternalismus-Strukturen, die Arbeiter an Unternehmen banden, sowie den Wandel zu modernen Management-Identitäten.
Globalization and Business Masculinities: Es wird das moderne Konzept der „transnational business masculinity“ vorgestellt, das sich durch Merkmale wie globale Mobilität, spezifische Bildungswege (MBA) und eine neue Form der neoliberalen Identität auszeichnet.
Schlüsselwörter
Männlichkeit, Wirtschaft, Politik, Genderkritik, transnationale Geschäftsmännlichkeit, Globalisierung, Paternalismus, feministischer Institutionalismus, Manager, Arbeitsteilung, Machtstrukturen, Identität, Neoklassik, Rationalität, Karriere
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Konstruktion und Repräsentation von Männlichkeit im historischen und modernen wirtschaftspolitischen Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die feministische Kritik an ökonomischen Theorien, die Rolle des Paternalismus in Unternehmen des 20. Jahrhunderts und die Entstehung neuer Management-Identitäten durch die Globalisierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie historische, „bürgerliche“ Männlichkeitsbilder durch einen modernen Typus der „transnational business masculinity“ in globalisierten Märkten abgelöst oder transformiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse historischer und philosophischer Texte sowie eine Zusammenfassung und Interpretation von empirischen Studien (insbesondere von R.W. Connell und Julian Wood).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der liberalen Philosophie und Ökonomie, eine Untersuchung von Unternehmenskulturen im 20. Jahrhundert und eine aktuelle Analyse von Manageridentitäten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „separative Autonomie“, „transnational business masculinity“, „Genderdualismus“ und „neoliberales Management“ charakterisiert.
Was besagt die Kritik am „separativen Selbst“?
Die Kritik besagt, dass liberale Theorien den Menschen fälschlicherweise als autonom und unabhängig definieren, während sie gleichzeitig die notwendige Sorge- und Reproduktionsarbeit (traditionell als weiblich markiert) ausblenden.
Wie unterscheidet sich die „transnational business masculinity“ von älteren Modellen?
Im Gegensatz zur älteren bürgerlichen Männlichkeit zeigt der neue Typus eine größere Offenheit für kulturelle Diversität und ist weniger an traditionelle patriarchale Strukturen wie Patriotismus oder Religiosität gebunden, fokussiert jedoch stark auf globale Profitmaximierung.
- Arbeit zitieren
- Sahra Gabriele Foetschl (Autor:in), 2008, Repräsentationen und Konstruktionen von Männlichkeiten in Wirtschaft und Politik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315791