Die Europäische Union steht vor einer Vielzahl von Herausforderungen. Zunächst ist schon in der Charta der Grundrechte, insbesondere im Artikel 14 , festgelegt, dass jede Person das Recht auf Bildung, sowie auf Zugang zu beruflicher Aus- und Weiterbildung hat. Zudem haben die EU-Bürger das Recht auf Freizügigkeit (Artikel 15 der Charta ) auf dem europäischen Arbeitsmarkt, das heißt, die Menschen dürfen an jedem Ort im Gebiet der EU Wohnsitz nehmen und dort unter denselben Voraussetzungen wie Einheimische beruflich tätig werden. Die Bürger können dies derzeit jedoch nur begrenzt nutzen, da die nationalen beruflichen Qualifikationen bei ausländischen Unternehmen meist noch nicht anerkannt werden. Die europaweite rechtliche Anerkennung von Abschlüssen beschränkt sich bisher auf Berufe, die eine Zugangsvoraussetzung haben (z.B. bei Medizinern und Juristen). Ausgenommen sind aber beispielsweise alle Abschlüsse des Dualen Systems aus Deutschland. In diesem Fall wurden bisher nur bilaterale Abkommen mit Frankreich und Österreich geschlossen. Das und die enormen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen machen eine europaweite „Harmonisierung“ der Berufsbildungsgänge, d.h. eine europäische Dimension zu Bildung & Ausbildung, unumgänglich. Im Zuge der Entwicklung zu einer wissensbasierten Wirtschaft und nachhaltigem Wirtschaftswachstum ist vor allem auch die Personalentwicklung betroffen.
Die Globalisierung und das Zusammenwachsen Europas stellen neue Anforderungen, Möglichkeiten und Erfordernisse an die berufliche Aus- und Weiterbildung. Denn unter Globalisierung versteht man nicht nur international ausgerichtete Märkte und Arbeitsplätze, sowie Medien- und Fremdsprachenkompetenz, sondern auch zukünftiges grenzüberschreitendes Lernen und Arbeiten. Die Entscheidung zur verstärkten europäischen Kooperation in der Berufsbildung und die Forcierung gemeinsamer Bildungsziele hat auch in der deutschen Berufsbildungspolitik ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die politische Richtung wird zudem durch intensivere Zusammenarbeit in der Berufsbildungsforschung und die Kooperation mit europäischen Berufsbildungsinstitutionen bestimmt. Aus diesem Grund hat auch der Aus- und Weiterbildungsstandort Deutschland und das deutsche Berufsbildungssystem im internationalen Wettbewerb an Bedeutung gewonnen.
Gliederung
1. Einführung
2. Rechtliche Grundlage
2.1 Zielsetzung des Rates von Lissabon, März 2000
2.2 Zielsetzung des Rates von Stockholm, März 2001
2.3 Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates, 10. Juli 2001
2.4 Tagung des Europäischen Rates in Barcelona, März 2002
2.5 Tagung des Rates „Bildung/Jugend“, 30.Mai 200
2.6 Erklärung von Kopenhagen, 30. November 2002
3. Das Leonardo da Vinci-Programm
3.1 Erste Phase von Leonardo da Vinci
3.2 Zweite Phase von Leonardo da Vinci
3.3 Zentrale Ziele von Leonardo da Vinci
3.4 Förderungsmaßnahmen
3.4.1 Verfahrenseinteilung
3.4.2 Erläuterung der Maßnahmen
3.4.2.1 Mobilität
3.4.2.2 Pilotprojekte
3.4.2.3 Sprachenkompetenz
3.4.2.4 Transnationale Netze
3.4.2.5 Vergleichsmaterialien
3.4.2.6 Thematische Aktionen
3.4.2.7 Gemeinsame Aktionen
3.5 Förderungsvoraussetzungen
3.5.1 Transnationalität
3.5.2 Eigenfinanzierung
3.5.3 Akteursvielfalt
3.6 Beurteilung des Leonardo da Vinci-Programms
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Hausarbeit untersucht die Möglichkeiten und Herausforderungen einer Harmonisierung europäischer Berufsbildungsgänge und -abschlüsse unter besonderer Berücksichtigung des Aktionsprogramms „Leonardo da Vinci“.
- Rechtliche Grundlagen und politische Zielsetzungen der EU-Berufsbildungspolitik.
- Aufbau, Struktur und Zielsetzung des Leonardo da Vinci-Programms.
- Detaillierte Analyse der Förderungsmaßnahmen und deren Instrumente.
- Kritische Evaluation der Programmwirkung und Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.
Auszug aus dem Buch
3. Das Leonardo da Vinci-Programm
Das Leonardo da Vinci-Programm wurde 1994 ins Leben gerufen. Es entstand zu einer Zeit, als das Weißbuch „Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung“ der Kommission (1993) erschien. Darin wird die entscheidende Bedeutung der Berufsausbildung als ein Schlüsselfaktor eindringlich hervorgehoben, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Das Programm zielte darauf ab, auf die Forderung nach neuen Qualifikationen zu reagieren und sich auf diesem Weg zwei Herausforderungen zu stellen: Einerseits müssen die europäischen Bürger besser auf den Eintritt in den Arbeitsmarkt vorbereitet werden, um die Arbeitslosenzahlen zu reduzieren. Andererseits werden in der Wirtschaft qualifizierte Mitarbeiter benötigt, um mit dem weltweiten Wettbewerb und der rasanten wissenschaftlichen und technologischen Entwicklung mithalten zu können. Dies ist auch das vorrangige Ziel des Kommissionsweißbuches „Lehren und Lernen - auf dem Weg zur kognitiven Gesellschaft“(1995). Das Programm der Europäischen Kommission wird vor diesem Hintergrund auch als Innovationslabor im Bereich des lebenslangen Lernens bezeichnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung der Ausgangslage in der EU bezüglich des Rechts auf Bildung und der Notwendigkeit einer Harmonisierung der Berufsbildung aufgrund wirtschaftlicher Veränderungen.
2. Rechtliche Grundlage: Überblick über die politischen Beschlüsse und Ziele europäischer Gremien, wie Lissabon, Stockholm und Kopenhagen, die den Rahmen für die Berufsbildungspolitik bilden.
3. Das Leonardo da Vinci-Programm: Beschreibung des Programms, seiner Phasen, zentralen Ziele sowie der detaillierten Förderungsmaßnahmen und Voraussetzungen.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Effektivität des Leonardo da Vinci-Programms basierend auf externen Evaluierungen sowie ein Ausblick auf kommende Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Berufsbildung, Europäische Union, Leonardo da Vinci, Harmonisierung, Mobilität, Pilotprojekte, Arbeitsmarkt, Qualifikation, Weiterbildung, lebenslanges Lernen, Transparenz, Innovation, EUROPASS, Beschäftigungsfähigkeit, Strukturförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der europäischen Berufsbildungspolitik und analysiert, wie durch das Programm „Leonardo da Vinci“ eine Harmonisierung von Berufsbildungsgängen und -abschlüssen vorangetrieben werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit beleuchtet die rechtlichen Rahmenbedingungen der EU-Bildungspolitik, die operative Struktur des Leonardo da Vinci-Programms, verschiedene Förderinstrumente sowie die Beurteilung der Wirksamkeit dieser Maßnahmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Beitrag des Leonardo da Vinci-Programms zur Umsetzung einer gemeinschaftlichen Berufsbildungspolitik und zur Stärkung der europäischen Dimension in der beruflichen Bildung zu evaluieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse von offiziellen EU-Dokumenten, Berichten der Europäischen Kommission sowie einer kritischen Auswertung von Zwischenevaluierungen und Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die rechtlichen Grundlagen durch politische Gipfelbeschlüsse dargelegt, gefolgt von einer detaillierten Vorstellung der beiden Programmphasen des Leonardo da Vinci-Programms und der Analyse seiner verschiedenen Förderungsmaßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Berufsbildung, Harmonisierung, europäische Kooperation, Mobilität und lebenslanges Lernen charakterisiert.
Welche Rolle spielen die Nationalen Agenturen im Programm?
Die Nationalen Agenturen sind für die Umsetzung des Programms auf nationaler Ebene verantwortlich, verwalten einen Großteil der Fördermittel und fungieren als Ansprechpartner für Projektträger und Interessierte.
Welche Kritikpunkte werden in der Beurteilung des Programms angeführt?
Kritisiert werden insbesondere die in der ersten Phase sehr komplizierten Verwaltungsverfahren, die mangelnde Bekanntmachung von Projektergebnissen sowie die teils unzureichende Qualität von Projektanträgen bei gleichzeitigem Handlungsbedarf bei der Anerkennung von Qualifikationen.
- Quote paper
- Yvette Tresp (Author), 2004, Möglichkeiten der 'Harmonisierung' von Berufsbildungsgängen und -abschlüssen in der Europäischen Union am Beispiel des Leonardo da Vinci-Programms, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31583