Welchen Wandel haben die Bildungschancen der Frau, insbesondere im Bereich der Hochschule, im 20. Jahrhundert und 21. Jahrhundert erfahren? Im Rahmen dieser Arbeit besteht das Erkenntnisinteresse darin, den Wandel der
Bildungschancen der Frau im Zusammenhang mit dem sich veränderten Frauenbild aufzuzeigen und zu vergleichen.
Die Art und Weise, wie zuvor von vielen Schriftstellern und Pädagogen argumentiert wurde, um den Frauen den Zugang zu einer freien Hochschulbildung zu verwehren, war keineswegs sensibel. Häufig beschäftigte sich Literatur in diesem Jahrhundert darüber, inwiefern Frauen aufgrund ihrer natürlichen Ausstattung nicht dazu befähigt wären, eine Bildung, welche über die ehelichen und häuslichen Pflichten hinausgeht, zu erhalten.
Die Vertreter (z.B. Rousseau, Pestalozzi) dieser Argumentation schraken auch nicht davor zurück, die Zulassung der weiblichen Studenten mit dem Untergang der Universität gleichzusetzten, da durch den Wegfall der Zugangsbeschränkung auch die Qualität der Bildung leiden würde. Neben Rousseau und Pestalozzi war ein weiterer Vertreter dieser Argumentation Theodor Bischoff.
Er war ein angesehener Anatomieprofessor und war der Meinung, dass Frauen aufgrund des leichteren Gewichts ihres Gehirnes eine gemilderte Leistungsfähigkeit haben würden. Frauen seien, im Gegensatz zu Männern, nach Bischoff somit nicht in der Lage, logisch und wissenschaftlich denken zu können.
Durch die Anfänge der Frauenbildung rückte geschlechtsspezifische Heterogenität in den Blick der Forschung. Die Rebellion gegen die andro- und phallozentrischrische Weltsicht seitens der Frauenforschung führte zu umfangreichen Rekonstruktionen der Weiblichkeit und der Rolle der Frau in der Geschichte. Ihrer (der Frauenforschung) Ansicht nach, ist Geschlechterdifferenz ein soziales Phänomen bzw. ein Konstrukt. Das Ziel der Frauenforschung ist es, die Geschichte des Ausschlusses der Frau aus dem Bildungswesen und die Benachteiligung von Frauen in allen Gesellschaftsbereichen aufzuzeigen und zu überwinden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. „Die tüchtige Hausfrau: gebildet aber nicht gelehrt“ – Anfänge der Frauenbildung
1.1 Das bürgerliche Frauenbild im frühen 19. Jahrhundert
1.2 Historische Entwicklung der Frauenbildung
2. Das Frauenstudium an der Universität Wien
3. Die neuzeitliche Entwicklung der Bildungsbeteiligung von Frauen an der Hochschule
3.1 Die Frauenbeteiligung an österreichischen Universitäten und Kunsthochschulen in der Nachkriegszeit von 1955 bis einschließlich 1996
3.1.1 Das Bundes- Gleichbehandlungsgesetz
3.1.2 Die Fachhochschulen Österreichs
3.1.3 Studienabschlüsse
3.1.4 Wissenschaftliches Personal
3.2 Aktuelle Studien und Ergebnisse um die Bildungsbeteiligung von Frauen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen und gegenwärtigen Wandel der Bildungschancen von Frauen im österreichischen Hochschulwesen. Ziel ist es, die Entwicklung von den restriktiven Rahmenbedingungen des frühen 20. Jahrhunderts bis hin zur modernen Situation im 21. Jahrhundert zu analysieren und dabei die persistente Unterrepräsentanz von Frauen, insbesondere in wissenschaftlichen Führungspositionen, kritisch zu beleuchten.
- Historische Konstruktion des bürgerlichen Frauenbildes und dessen Einfluss auf den Bildungszugang.
- Chronologische Analyse der Öffnung österreichischer Hochschulfakultäten für Studentinnen.
- Empirische Untersuchung der Bildungsbeteiligung in der Nachkriegszeit bis in die 1990er Jahre.
- Evaluation aktueller Gleichstellungsmaßnahmen und des Frauenförderungsplans an Universitäten.
- Diskussion über die Vereinbarkeit von Studium, Karriere und Familienplanung im Kontext heutiger Geschlechterrollen.
Auszug aus dem Buch
Einleitung
„Man wird erst wissen, was die Frauen sind, wenn ihnen nicht mehr vorgeschrieben wird, was sie sein sollen, Es ist nicht leicht, unter der konventionellen Außenseite, die wie ein glatter Überzug über die wohlerzogene Frauen gebreitet ist, die wahren Konturen ihrer Individualität zu entdecken. Gewöhnt an eine ständige Kontrolle jeder Lebensäußerung, mit tausend unsichtbaren Fäden schlimmer als mit Ketten gebunden, durch die Herrschaft sittlicher Normen genötigt, sich über sich selbst zu täuschen, sich divergierende Empfindungen nicht einzugestehen, gehen sie stumm den Weg den ein stärkerer Wille ihnen vorgezeichnet hat“ (Bubenicek 1986, 42).
Dieses Zitat macht die Stellung der Frau und die Verteilung der Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern im späten 19. Jahrhundert deutlich. Die Art und Weise wie von vielen Schriftstellern und Pädagogen argumentiert wurde um den Frauen den Zugang zu einer freien Hochschulbildung zu verwehren war keineswegs sensibel. Häufig beschäftigte sich Literatur in diesem Jahrhundert darüber, inwiefern Frauen aufgrund ihrer natürlichen Ausstattung nicht dazu befähigt wären eine Bildung, welche über die ehelichen und häuslichen Pflichten hinausgeht, zu erhalten. Die Vertreter (z.B. Rousseau, Pestalozzi) dieser Argumentation schraken auch nicht davor zurück, die Zulassung der weiblichen Studenten mit dem Untergang der Universität gleichzusetzten, da durch den Wegfall der Zugangsbeschränkung auch die Qualität der Bildung leiden würde (Simon 1997, 37). Neben Rousseau und Pestalozzi war ein weiterer Vertreter dieser Argumentation Theodor Bischoff. Er war ein angesehener Anatomieprofessor und war der Meinung, dass Frauen aufgrund des leichteren Gewichts ihres Gehirnes eine gemilderte Leistungsfähigkeit haben würden. Frauen seien, im Gegensatz zu Männern, nach Bischoff somit nicht in der Lage logisch und wissenschaftlich denken zu können. Diese These beschrieb Bischoff ausführlich in seinem Werk „Das Studium und die Ausübung der Medizin durch Frauen“ im Jahre 1872 (Schubert [06.01.2012], 1f.).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die geschichtliche Ausgangslage der Frauenbildung im 19. Jahrhundert und führt in die zentrale Forschungsfrage der Arbeit ein.
1. „Die tüchtige Hausfrau: gebildet aber nicht gelehrt“ – Anfänge der Frauenbildung: Hier werden die gesellschaftlichen Konstruktionen des Frauenbildes und der Widerstand pädagogischer Instanzen gegen weibliche Bildung beleuchtet.
1.1 Das bürgerliche Frauenbild im frühen 19. Jahrhundert: Dieses Kapitel analysiert stereotype Rollenzuschreibungen und die Trennung von privaten und öffentlichen Lebensbereichen.
1.2 Historische Entwicklung der Frauenbildung: Eine chronologische Zeittafel veranschaulicht die sukzessive Öffnung der Fakultäten für Studentinnen zwischen 1848 und 1993.
2. Das Frauenstudium an der Universität Wien: Das Kapitel behandelt den mühsamen Prozess der Zulassung zu den klassischen Fakultäten, insbesondere der medizinischen und juristischen Studien.
3. Die neuzeitliche Entwicklung der Bildungsbeteiligung von Frauen an der Hochschule: Dieses Kapitel beschreibt den Anstieg des Frauenanteils nach 1945 und diskutiert den Einfluss von Gesetzgebungen auf die Bildungsbeteiligung.
3.1 Die Frauenbeteiligung an österreichischen Universitäten und Kunsthochschulen in der Nachkriegszeit von 1955 bis einschließlich 1996: Eine statistische Analyse des Wachstums weiblicher Studierender und die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Fächerwahl.
3.1.1 Das Bundes- Gleichbehandlungsgesetz: Das Kapitel erläutert die rechtlichen Grundlagen zur Vermeidung von Benachteiligungen im universitären Alltag ab 1993.
3.1.2 Die Fachhochschulen Österreichs: Hier wird die geschlechtsspezifische Unterrepräsentanz an Fachhochschulen im Wintersemester 1995/96 dargestellt.
3.1.3 Studienabschlüsse: Dieses Kapitel thematisiert den Anstieg der Studienabschlüsse bei Frauen im Vergleich zu Männern bis zur Mitte der 1990er Jahre.
3.1.4 Wissenschaftliches Personal: Das Kapitel untersucht die geringe Repräsentanz von Frauen auf akademischen Hierarchieebenen wie Professuren.
3.2 Aktuelle Studien und Ergebnisse um die Bildungsbeteiligung von Frauen: Es werden Daten und Trends zur Bildungsbeteiligung im Wintersemester 2010/11 präsentiert.
4. Fazit: Das Fazit zieht einen Bilanzvergleich zwischen dem 19. Jahrhundert und der heutigen Situation und reflektiert die Persistenz struktureller Ungleichheiten.
Schlüsselwörter
Frauenbildung, Hochschulbildung, Geschlechterrollen, Bildungsbeteiligung, Gleichbehandlungsgesetz, Universität Wien, Studienabschlüsse, Wissenschaftliches Personal, Frauenförderung, Bildungsgeschichte, Geschlechtergerechtigkeit, akademische Laufbahn, Vereinbarkeit, Strukturwandel, Bildungsbenachteiligung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Proseminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen und gegenwärtigen Entwicklung der Bildungschancen von Frauen an österreichischen Hochschulen.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die Themen umfassen die Geschichte der Frauenbildung, die Öffnung der Fakultäten, die quantitative Bildungsbeteiligung sowie aktuelle Maßnahmen der Frauenförderung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, welchen Wandel die Bildungschancen der Frau im Bereich der Hochschule im 20. und 21. Jahrhundert erfahren haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorinnen nutzen eine historische und statistische Analyse, gestützt auf Literaturquellen und Daten von Statistik Austria.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, die Analyse der Frauenbeteiligung in der Nachkriegszeit und aktuelle Daten zur Studiensituation im 21. Jahrhundert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Frauenbildung, Hochschulwesen, Frauenförderung, Gleichbehandlung und akademische Karriere.
Wie unterscheidet sich das 21. Jahrhundert vom frühen 20. Jahrhundert im Hinblick auf das Frauenbild?
Während früher Gehorsam und häusliche Pflichten dominierten, steht heute die Vereinbarkeit von Karriere und Familie im Mittelpunkt, wobei jedoch traditionelle Einstellungen weiterhin präsent sind.
Welche Rolle spielen Gesetze wie das Universitätsgesetz 2002 für die heutige Universität?
Das Gesetz verpflichtet Universitäten zur Erstellung von Frauenförderungsplänen, um die Geschlechtergleichstellung zu forcieren und den Frauenanteil in allen Hierarchieebenen zu erhöhen.
- Citation du texte
- Nina Belkacem (Auteur), Martina Dunkl (Auteur), 2012, Der Wandel der Stellung der Frau in der Hochschulbildung des 20. und 21. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315839