Bild und Text bei William Blake


Seminararbeit, 2001

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Blake: Genie oder Wahnsinniger?

2. William Blake’s Leben

3. Blake: Dichter und Drucker
3.1. Vom Symbolismus zur Privatmythologie
3.2. Blake’s Privatmythologie

4. Das Verhältnis von Bild und Text am Beispiel von Marriage of Heaven and Hell
4.1. Verbindung von Bild und Text
4.2. The Marriage of Heaven and Hell
4.3. Plate 1: Titelseite
4.4. Plate 2: The Argument
4.5. Plate 3

5. Blake: A Poet-Painter

Abbildungen

Literaturverzeichnis

1. Blake: Genie oder Wahnsinniger?

William Blake hat sein ganzes Leben lang, aber auch noch viele Jahre nach seinem Tod, kaum Ansehen genossen. Nicht nur seine Dichtung sondern auch seine Theorien und Gedanken wurden oft nicht ernst genommen oder als Fantasien eines verrückten Mannes angesehen.

Still, if the value of Blake’s thought is granted, the value of his poetry remains questionable. Suppose a thing is Truth; is it necessarily Art? Blake would say yes, but not many people would agree with him. One may reasonably charge that the Prophetic Books ‘are marvellously strange and powerful; but, exept for passages of rare energy and magnificence, almost smothered in the obscurity and involution of their context, they are notably deficient in lucidity, in wholeness, in vitality, and in beauty – in all the essentials of great literature and great art.’ If it were so, it were a grievous fault.[1]

Warum wäre es ein schwerwiegender Fehler das anzunehmen? Selbst wenn es wirklich schwierig sein mag Blake’s komplizierte Symbolik und Metaphorik aufzulösen, sind die Anschuldigungen bezüglich eines Mangels an Gesamtheit, Schönheit und Lebhaftigkeit sehr fragwürdig. William Blake, nicht nur ein Dichter sondern auch ein begnadeter Kupferstecher und Illustrator, erschuf doch gerade eben durch die kunstvolle Kombination von Bild und Text ein in sich geschlossenes Gesamtwerk, das durch die vielen Bezüge zwischen Text und seiner illustrierten Darstellung noch zusätzlich an Lebhaftigkeit gewinnt.

Aber wie genau sieht die Verbindung von Bild und Text bei William Blake aus, durch was wurde sie beeinflusst und wie hat sie sich im Laufe seines Lebens entwickelt?

2. William Blake’s Leben

William Blake wurde am 28. November 1757 in London geboren. Er war der zweite Sohn des Strumpfwarenherstellers James Blake und seiner Frau Catherine.

Blake ging nie zur Schule, wo er vermutlich auch nicht glücklich gewesen wäre.

„[H]e would have been completely out of place, for, from an early age, William claimed to have seen visions, and such a lad would have become the butt of his schoolfellows’ unthinking wit.[2]

Neben Lesen und Schreiben, was ihm wahrscheinlich seine Mutter beigebracht hat, lernte er auch das Malen. Seine Begabung schien so groß, dass er im Alter von zehn Jahren auf Henry Pars’s Zeichenschule geschickt wurde, wo er vor allem das Kopieren antiker Vorlagen übte.[3] Nebenbei begann er allerdings schon eigene Gedichte und Illustrationen zu entwerfen. Im Anschluss machte er eine Lehre bei James Basire, einem Kupferstecher bei der Society of Antiquaries, der zwar sehr liberal eingestellt und umgänglich war, allerdings einen sehr mechanischen und formalen Stil lehrte. Basire ließ ihn unter anderem Denkmäler innerhalb alter Kirchen und Kathedralen in London malen, woran Blake mit Freude arbeitete. „[H]e worked [there] for some years acquiring a knowledge and a fervent love of Gothic art which profoundly influenced him through life.“[4]

Nach siebenjähriger Ausbildung verließ William Blake Basire’s Werkstatt und begann mit kommerziellen Illustrationen seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er schrieb sich für kurze Zeit bei der erst neu gegründeten Royal Academy ein, blieb aber dort nicht lange, da er sich unter anderem nicht für das Zeichnen lebendiger Figuren begeistern konnte. Später sagte er: „’Natural objects always did and do now weaken, deaden and obliterate imagination in me’“[5]. Er entdeckte schon früh in seinem Leben diese erstaunliche Vorstellungskraft, die er anfangs als Visionen deutete, später allerdings als eidetische Gabe erkannte, die ihm erlaubte sich nahezu jeden Sachverhalt bildlich und plastisch vorzustellen.[6]

1782 heiratete William Blake Catherine Boucher und eröffnete zwei Jahre später einen eigenen Laden für Drucke, indem auch sein jüngerer Bruder Robert mitarbeitete, der sehr früh verstarb. In den folgenden Jahren verbesserte er seine Drucktechnik immer weiter und stellte die ersten seiner Illuminated Books fertig, wobei er weiterhin Werke anderer Autoren illustrierte. Nach einem sehr produktiven Aufenthalt in Lambeth, der sieben Jahre dauerte, folgte er der Einladung William Haleys, einem damals sehr populären Dichter, nach Felpham zu kommen und dessen Werke mit Illustrationen zu versehen.[7] Nach einiger Zeit sah Blake sich aber gezwungen nach London zurückzukehren, da er unter Haley keine Möglichkeit zu seiner eigenen Entfaltung sah. Er schreibt in einem Brief an James Blake: „’The truth is, As a Poet he is frighten’d at me & as a Painter his views & mine are opposite’”.[8]

Die weiteren Lebensjahre Blake’s waren von Armut und geringem öffentlichem Ansehen geprägt. 1809 versuchte er nochmals mit einer Ausstellung an die Öffentlichkeit zu gehen, hatte damit aber auch wenig Erfolg. Erst spät in seinem Leben fand er einen neuen Gönner, John Linnell, der ihn auch mit einer Gruppe junger Künstler in Kontakt brachte, die ihn respektierten.[9]

William Blake starb am 12. August 1827.

3. Blake: Dichter und Drucker

3.1. Vom Symbolismus zur Privatmythologie

Schon mit dem zwölften Lebensjahr begann Blake eigenständig lyrische Texte zu verfassen. 1783 wurde eine Sammlung dieser Texte unter dem Namen Poetical Sketches mit der finanziellen Unterstützung von Freunden veröffentlicht.[10] Aufgrund seiner radikalen politischen und religiösen Ansichten aber war es fast unmöglich für Blake einen Verleger zu finden.

Artists who work for quick success must rise on a tide of fashion, or possess social graces and tact, or private means. [...] A radical in politics, Swedenborgian in religion, with no interest whatever in making money, Blake was clearly destined for worldly failure.[11]

Daher begann Blake seine Texte selbst zu veröffentlichen, auch wenn das nur ein Auslöser für diese Entscheidung gewesen sein mag.

Die Songs of Innocence, die 1789 fertiggestellt wurden, gelten zusammen mit den 1794 hinzugefügten Songs of Experience als erste erfolgreiche Illuminated Books. Die Songs of Innocence stellen die Unschuld und Freuden der Kindheit dar[12], wohingegen die Songs of Experience für die Phase der menschlichen Entwicklung stehen, in der man die Unschuld der Kindheit überwindet und durch die erbärmliche Realität und die moralischen Konventionen desillusioniert wird.[13]

In Innocence and Experience Blake intended to slip behind people’s ‘reason and prudence’ in order to reach the intuition, which in an ‘ecstasy’ either of delight or of horror would recognize his truths about the human soul.[14]

Der Stil der Songs ist von Einfachheit, Klarheit und auch didaktischer Absicht geprägt, wie man ihn aus der pastoralen Symbolik kennt und wie er auch in einer damals frisch erschienenen Sammlung von nursery rhymes auftaucht. „Technically, Blake could find in the children’s songs a flowering of clear, bright, everyday imagery comparable to that of the Bible but with more urban material.”[15]

[...]


[1] Alicia Ostriker, Vision and Verse in William Blake (Madison, 1965), S. 109.

[2] Raymond Lister, William Blake. An Introduction to the Man and to his Work (New York, 1969), S. 1 – 2.

[3] Nach: Kathleen Raine, William Blake (London, 1970), S. 12.

[4] Dictionary of National Biography, hg. Leslie Stephen (London, 1886), S. 181.

[5] Ebd.

[6] Nach: Ebd.

[7] Nach: Ebd., S. 182.

[8] Raymond Lister, S. 92.

[9] Nach: Dictionary of National Biography, S. 183.

[10] Nach:Raymond Lister, S.15.

[11] Kathleen Raine, S. 41.

[12] Nach: Raymond Lister, S.28 ff.

[13] Nach: Ebd., S. 55 ff.

[14] Alicia Ostriker, S. 45.

[15] Alicia Ostriker, S. 52.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Bild und Text bei William Blake
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Anglistik)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
17
Katalognummer
V316
ISBN (eBook)
9783638102278
Dateigröße
1223 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ein umfassender Überblick zum Leben und Werk von William Blake, speziell hinsichtlich seiner Doppelbegabung als Autor und Kupferstecher.
Schlagworte
Blake
Arbeit zitieren
Markus Fellner (Autor), 2001, Bild und Text bei William Blake, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316

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