Laut dem Bundesministerium für Gesundheit (BfG, 2015) und der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. (DAlzG, 2014) leben aktuell rund 1,6 Millionen demenziell erkrankte Menschen in Deutschland. Jährlich kommen etwa 300 Tausend Neuerkrankungen hinzu, sodass für das Jahr 2050 eine Verdopplung der Erkrankten prognostiziert wird (BfG, 2015). Etwa 60 bis 80 Prozent der demenziell erkrankten Menschen kommen im Verlauf ihrer Erkrankung in eine stationäre Pflegeeinrichtung (Alzheimer Gesellschaft Oldenburg e. V., undatiert). Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels wird das Thema Ernährung im Alter zunehmend wichtiger, da Mangelernährung bereits heute ein weitverbreitetes Problem für stationäre Pflegeeinrichtungen darstellt, welches auch zukünftig kaum an Relevanz verlieren wird (MDS, 2014a). Gemäß Jordan et al. ( 2012) sind aktuell mehr als 50 Prozent der Bewohner in stationären Pflegeeinrichtungen gefährdet eine Mangelernährung zu erleiden. Deutlich erhöht ist das Risiko zudem bei Bewohnern mit einer höheren Pflegestufe oder einer Demenzerkrankung (Heseker und Stehle, 2008).
Im Rahmen dieser Bachelor-Thesis wird der Frage nachgegangen, wie sich die aktuelle Nahrungs- und Nährstoffaufnahme bei demenziell erkrankten Menschen in stationären Pflegeheimen darstellt und welche Maßnahmen erforderlich sind, um den tatsächlichen Bedarf der Menschen sicherzustellen und decken zu können. Die Arbeit gliedert sich in sieben Kapitel. Im ersten Kapitel erfolgt die Einleitung in die Thematik sowie die Beschreibung relevanter Begrifflichkeiten. Das zweite Kapitel erläutert die Ausgangslage und bildet das aktuelle Ernährungsverhalten der deutschen Bevölkerung ab. Darüber hinaus beinhaltet es Informationen über ernährungsbedingte Krankheiten, Nahrungsbestandteile sowie deren ernährungswissenschaftlichen Wirkung, Ernährung im Alter, Ernährung bei Demenz sowie Mangelernährung und dessen Auswirkungen. Das dritte Kapitel stellt das Krankheitsbild Demenz sowie deren Einflussfaktoren dar. In Kapitel vier erfolgt eine ausführliche Beschreibung der Akteure sowie der institutionellen Rahmenbedingungen als Instrumente der Qualitätssicherung der Ernährungsversorgung. Kapitel fünf beschreibt die aktuelle Ernährungs- und Nährstoffsituation von demenziell erkrankten Menschen in Pflegeheimen mittels einer Literaturanalyse...
Inhaltsverzeichnis
1 Begriffserteilung
1.1 Demenz
1.2 Gesunde Ernährung
1.3 Besonderheiten der Ernährung
2 Ausgangslage
2.1 Ernährungsverhalten der deutschen Bevölkerung
2.2 Ernährungsbedingte Krankheiten
2.3 Ernährung im Alter
2.4 Ernährung und Demenz
2.5 Mangelernährung und deren Auswirkungen
3 Demenz
3.1 Demenzerkrankungen
3.2 Prävalenz und Inzidenz der Demenzerkrankung in Deutschland
3.3 Risikofaktoren Demenz
4 Qualitätssicherung der Ernährungsversorgung
4.1 Medizinischer Dienst der Krankenkassen (MDK)/ Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS)
4.2 Bundeskonferenz zur Qualitätssicherung im Gesundheits- und Pflegewesen (BUKO-QS)
4.3 Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung (DNQP)
4.4 Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) Qualitäts-standard
5 Situation in stationären Pflegeheimen
5.1 Ernährung älterer Menschen in stationären Einrichtungen (ErnSTES) Studie
5.2 `Malnutrition in care home residents with dementia`
5.3 Der erste `NutritionDay` in Pflegeheimen
6 Handlungsempfehlung
7 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Bachelor-Thesis untersucht die ernährungsphysiologischen Herausforderungen bei demenziell erkrankten Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen, analysiert den aktuellen Status der Nährstoffversorgung anhand bestehender Studien und leitet daraus notwendige Handlungsempfehlungen für die Praxis ab, um Mangelernährung zu verhindern und die Lebensqualität zu sichern.
- Analyse des Zusammenhangs zwischen Demenz und Ernährungssituation
- Untersuchung der Versorgungslage in stationären Pflegeeinrichtungen
- Evaluierung bestehender Qualitätssicherungsinstrumente (DGE, MDK, DNQP)
- Erstellung von Handlungsempfehlungen für Pflege-, Küchen- und Servicepersonal
Auszug aus dem Buch
Ernährung und Demenz
Eine ausgewogene Ernährung ist nicht nur für gesunde Menschen wichtig, sondern ebenso für die Gesundheit demenziell erkrankter Menschen. Eine zentrale Aufgabe in der täglichen Betreuung von demenziell Erkrankten ist laut Kolb et al. (2012), eine adäquate Ernährung in den unterschiedlichen Krankheitsstadien sicherzustellen. Während etwa 20 Prozent der Betroffenen durch übermäßiges Essen zunehmen, etwa weil sie denken, noch nicht gegessen zu haben, verlieren laut Albarède et al. (2000) etwa 40 Prozent der leicht bis mittelgradig demenziell erkrankten Menschen an Gewicht. Die Ursachen für den Gewichtsverlust sowie die damit einhergehende Mangelernährung sind vielfältig und bis heute nicht eindeutig geklärt laut Kolb et al. (2012). Klinische Studien lassen jedoch auf ein multifaktorielles Geschehen schließen (siehe Abbildung 2).
Zu Beginn von Demenz führen die Erkrankten oftmals noch ein relativ selbstständiges Leben in der eigenen Wohnung. Dennoch lassen sich beim Einkaufen erste Probleme erkennen, sodass diese kaum frische Lebensmittel kaufen und die vorhandenen Lebensmittel teilweise bereits ungenießbar sind. Dies führt laut Sieber und Wirth (2011) zu einer einseitigen und unzureichenden Ernährung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Begriffserteilung: Definition zentraler Begriffe wie Demenz und gesunde Ernährung als Basis für das Verständnis der Arbeit.
2 Ausgangslage: Darstellung des aktuellen Ernährungsverhaltens in Deutschland, krankheitsbedingter Auswirkungen sowie der Bedürfnisse älterer Menschen.
3 Demenz: Erläuterung des Krankheitsbildes, der Stadien, Prävalenzraten in Deutschland sowie relevanter Risikofaktoren.
4 Qualitätssicherung der Ernährungsversorgung: Analyse der Rollen und Standards von MDK/MDS, BUKO-QS, DNQP und DGE in der stationären Versorgung.
5 Situation in stationären Pflegeheimen: Auswertung wissenschaftlicher Studien (ErnSTES, NutritionDay) zur Ernährungssituation und den Mangelernährungsrisiken bei Demenzpatienten.
6 Handlungsempfehlung: Konkrete Maßnahmenkataloge für Einrichtungsträger, Pflegepersonal, Küchenmitarbeiter und Servicekräfte zur Optimierung der Ernährungsversorgung.
7 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Diskussion des dringenden Handlungsbedarfs bei der Ernährungssicherung in Pflegeheimen.
Schlüsselwörter
Demenz, Mangelernährung, stationäre Pflege, Ernährungsversorgung, Gewichtsverlust, Qualitätssicherung, Ernährung im Alter, Nährstoffaufnahme, DGE-Standard, Pflegeeinrichtung, Essverhalten, Ernährungstherapie, Malnutrition, ErnSTES-Studie, NutritionDay.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die Ernährung von demenziell erkrankten Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen verbessert werden kann, um Mangelernährung vorzubeugen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit verbindet die medizinische Perspektive des Krankheitsbildes Demenz mit ernährungswissenschaftlichen Grundlagen und den institutionellen Rahmenbedingungen der Qualitätssicherung in der Pflege.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Hauptziel besteht darin, den aktuellen Ernährungsstatus von Heimbewohnern mit Demenz kritisch zu beleuchten und daraus praxisnahe Empfehlungen für verschiedene Berufsgruppen in der Pflege abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Literaturanalyse relevanter Fachliteratur, Studien und Richtlinien sowie der Auswertung von Daten zur Versorgungssituation.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Begriffen, die Darstellung der Ausgangslage, die Analyse der Qualitätssicherungsinstrumente sowie die Auswertung empirischer Studien zur Ernährungssituation.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Mangelernährung, stationäre Pflege, Demenz, Ernährungssicherung und Qualitätssicherung.
Welche Rolle spielt die DGE in diesem Kontext?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) liefert die wissenschaftlichen Standards für eine ausgewogene Ernährung, deren Umsetzung in stationären Einrichtungen ein zentrales Kriterium für die Qualitätssicherung darstellt.
Warum ist das NutritionDay-Projekt für die Arbeit relevant?
Das NutritionDay-Projekt dient als wichtiges Fallbeispiel, um die Zusammenhänge zwischen Ernährungszustand und medizinischem Outcome bei Heimbewohnern empirisch zu belegen.
Welche Herausforderungen identifiziert die Autorin bei der Ernährung von Demenzkranken?
Neben physiologischen Veränderungen (Apraxie, Dysphagie) spielen psychische Faktoren, veränderte Wahrnehmung und der erhöhte Energiebedarf durch motorische Unruhe eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Mangelernährung.
Welche Rolle spielt das Personal in der Küche und Pflege?
Das Personal fungiert als entscheidender Multiplikator; die Autorin betont, dass eine umfassende Schulung und das Verständnis für die Essbiografie der Bewohner die Kernvoraussetzungen für eine erfolgreiche Ernährungstherapie sind.
- Citation du texte
- Yvonne Diomandé (Auteur), 2016, Gesunde Ernährung für demenziell erkrankte Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316016