[...] Die Texte sind überwiegend informierend und enthalten nur gelegentlich kleinere anleitende Passagen. Im ersten Teil meiner Arbeit steht die Übersetzung und sprachliche Analyse des historischen Textdokuments. Im zweiten Teil beschreibe ich die Entwicklung von fachsprachlichen Texten aus dem Bereich Medizin und die Miterfindung und Weiterentwicklung des Buchdruckes durch Peter Schöffer, der als Drucker des vorliegenden Textes überliefert ist und dem eine wichtige Bedeutung in der Zusammenarbeit mit Gutenberg zukommt. Das 15.Jahrhundert ist für die Entwicklung von Fachsprachen besonders wichtig, da der auch in Deutschland um sich greifende Humanismus eine ganz neue Sicht von Natur, Geist und Wissen mit sich brachte, und so die damals entstandenen wissenschaftlichen und technischen Schriften weiter in die Nähe neuzeitlicher Auffassungen zum Beispiel über Theorie und Methode rückte. Symptome sind eine langsame Abkehr vom Traditionalismus und die erste Entwicklung einer privaten städtischen Buchkultur, ein Zeichen zudem für einen veränderten Teilnehmerkreis an Wissenschaft und Technik. Mit dem Bereich der medizinischen Fachtexte des Mittelalters im allgemeinen und den im vorliegenden Text angegeben Bezügen auf Galen, einer der wichtigsten Quellen mittelalterlicher Medizin, setzt sich der zweite Teil meiner Arbeit auseinander. Der Hintergrund für diese Buchkultur war aber die Erfindung des Buchdrucks, der etwa 1445 mit dem überlieferten Fragment vom Weltgericht erste technische Erfolge hatte. Zunächst wurden literarische Massenartikel gedruckt aber auch schon in Richtung fachsprachlicher Kommunikation gehende Werke: 1457 ein Aderlass- und Laxierkalender aus der Werkstatt Gutenbergs, 1474 Bartholomäus Metlingers "wie die kind in gesuntheit und in krankheiten gehalten werden sollen". dessen lateinische Fassung nur ein Jahr zuvor ebenfalls, und zwar bei Schöffer in Mainz, gedruckt worden war. Der „Gart der Gesundheit“ – zuerst 1484 in lateinischer Fassung, dann 1485 in deutscher Übersetzung in Mainz bei Peter Schöffer erschienen– erfuhr bis zum Ende des 15. Jahrhunderts 15 Nachdrucke. Auf die entstehende Technik des Buchdrucks um 1445 und das damit verbundene Verlagswesen gehe ich in der Erweiterung der Textumfeldanalyse ein, die sich im Besonderen auf den Drucker des vorliegenden historischen Textes, Peter Schöffer aus Gernsheim, und seinen Beitrag zur Gutenbergschen Entwicklung der beweglichen Lettern bezieht.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Teil: Textinterne Analyse
I.1. Übersetzung
I.2. Graphemik
I.3 Phonologie
I.4 Syntax und Wortschatz
Ergebnis der textinternen Analyse
II. Teil: Textumfeldanalyse
II.1.1 Zur Entstehung von medizinischen Fachtexten
II.1.2 Die wichtigsten Quellen mittelalterlicher medizinischer Fachliteratur
II.2 Der Drucker Peter Schöffer aus Gernsheim am Rhein
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert einen medizinischen Fachtext des 15. Jahrhunderts aus dem „Gart der Gesundheit“ sowohl sprachwissenschaftlich als auch in seinem historischen Kontext. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Entwicklung medizinischer Fachsprachen sowie der Rolle des Druckers Peter Schöffer bei der technischen Verbreitung dieses Wissens.
- Sprachliche Untersuchung eines frühneuhochdeutschen Textdokuments
- Entwicklung und Wandel von medizinischen Fachtexten im Mittelalter
- Historische Einordnung antiker medizinischer Einflüsse (Galen, Serapio)
- Die Bedeutung von Peter Schöffer für die Perfektionierung des Buchdrucks
Auszug aus dem Buch
I.1. Übersetzung
Cepe latine. grece bulbus. arabice basal. Der Meister Diascorides beschreibt uns in dem Kapitel „bulbus id est Cepa“ (= diese Zwiebel ist die Cepa) und sagt, dass es davon zwei Sorten gibt. Die einen sind von roter Farbe, die anderen weiß. Und er sagt, dass Zwiebeln heißer Natur sind und roh gegessen die Kehle scharf machen und den Magen aufblähen. Zwiebeln sind für Ydropicis , das sind die Wassersüchtigen, von gutem Nutzen, die (Wassersucht, die) von Kälte kommt, weil sie die Schwellung zertrennen.
Zwiebeln mit Honig gemischt nehmen die Schmerzen des bösen (kranken) Magens. Die Meister sagen, dass der Mensch nicht (so) viele Zwiebeln essen sollte, weil sie den Gelenken schaden und zu stark die Feuchtigkeit des Leibes austrocknen. Galienus im siebenten Buch mit dem Titel simpliciu farmacaru in dem Kapitel Cepa und Serapio sagen, dass Zwiebeln heiß machen im vierten Grade. Außerdem ätzen Zwiebeln, welche mit Essig gemischt und darüber gelegt werden, die Hämorrhoiden auf. Ebenso wachsen dem, der die Zwiebeln auf die kahle Stelle streicht, dort die Haare.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in den „Gart der Gesundheit“ und die Zielsetzung der Analyse von Sprache und historischem Kontext.
I. Teil: Textinterne Analyse: Detaillierte sprachwissenschaftliche Untersuchung von Übersetzung, Graphemik, Phonologie sowie Syntax und Wortschatz des ausgewählten Kapitels.
Ergebnis der textinternen Analyse: Zusammenfassende Einordnung der Sprachstufe des Frühneuhochdeutschen in den Übergang zum Neuhochdeutschen.
II. Teil: Textumfeldanalyse: Untersuchung des soziokulturellen Rahmens sowie der Entwicklung der Fachprosa.
II.1.1 Zur Entstehung von medizinischen Fachtexten: Erläuterung der zunehmenden Verbreitung wissenschaftlicher Texte durch Übersetzungen im 15. Jahrhundert.
II.1.2 Die wichtigsten Quellen mittelalterlicher medizinischer Fachliteratur: Darstellung der antiken medizinischen Wurzeln durch den Einfluss von Hippokrates, Dogmatikern und Empirikern.
II.2 Der Drucker Peter Schöffer aus Gernsheim am Rhein: Würdigung des Druckers Peter Schöffer und seiner maßgeblichen Rolle bei der technischen Entwicklung und Etablierung des Buchdrucks.
Schlüsselwörter
Gart der Gesundheit, medizinischer Fachtext, Frühneuhochdeutsch, Johann Wonnecke von Kaub, Peter Schöffer, Buchdruck, Fachprosa, Säftelehre, Galen, Serapio, Sprachgeschichte, Medizingeschichte, Textlinguistik, Humanismus, Gutenberg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das medizinische Kapitel über Zwiebeln aus dem „Gart der Gesundheit“ (1485) sprachlich und historisch.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf historische Linguistik (Frühneuhochdeutsch), Medizingeschichte des Mittelalters und die Pionierzeit des Buchdrucks.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist eine sprachliche Analyse des Quelltextes sowie die Einbettung der Entstehung dieses Textes in den Kontext des 15. Jahrhunderts und der Verlagsgeschichte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine textlinguistische Analyse durchgeführt, die graphemische, phonologische und syntaktische Aspekte sowie eine fachliche Einordnung des Textumfelds umfasst.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte textinterne Untersuchung und eine umfassende Textumfeldanalyse, die auch die Rolle der antiken Medizin und die Entwicklung des Buchdrucks beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Gart der Gesundheit, Frühneuhochdeutsch, Peter Schöffer, Medizingeschichte und Säftelehre.
Welche Rolle spielte Peter Schöffer bei der Verbreitung medizinischen Wissens?
Schöffer war als Drucker maßgeblich an der technischen Perfektionierung des Buchdrucks beteiligt, was eine weite Verbreitung fachsprachlicher Texte wie dem „Gart der Gesundheit“ erst ermöglichte.
Warum beziehen sich die mittelalterlichen Texte auf antike Ärzte?
Die mittelalterliche Medizin basierte stark auf antiken Traditionen wie denen von Galen oder der hippokratischen Säftelehre, die als maßgebliche wissenschaftliche Autoritäten galten.
- Quote paper
- Sarah Kraushaar (Author), 2003, Cepe zwobeln - Analyse eines medizinischen Fachtextes des 15. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31606