Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein, einige wesentliche Faktoren und Hintergründe der Kinderprostitution in Deutschland freizulegen und diese kritisch zu hinterfragen. Dazu bietet sich die deduktive Vorgehensweise an, bei der die relevanten Arbeitshypothesen anhand von empirischen Materialien verifiziert oder falsifiziert werden. Da der aufgeworfenen Thematik eine Vielzahl von Wissenschaftsbereichen inhärent ist und diese sich somit als äußerst komplex darstellt, werden im Folgenden zwei Hypothesen ins Zentrum der Betrachtungen gestellt:
(1) Frühkindliche Missbrauchserfahrungen fördern den Einstieg Minderjähriger in die Prostitution.
(2) Zwischen Drogenkonsum und Kinder-/Jugendprostitution besteht ein unmittelbarer Zusammenhang
Der gewählte Themenbereich umfasst nur wenig deutschsprachiges Schrifttum, da, wie bereits erwähnt, sich diese Art der Prostitution vornehmlich in den Graubereichen außerhalb der Gesellschaft zeigt. Folglich ist es notwendig, Literatur aus den unterschiedlichsten Fach-bereichen zu konsultieren, sowie Berichte von Betroffenen oder etwaigen Hilfsorganisationen heranzuziehen. Darüber hinaus basieren viele Aussagen im Zusammenhang mit diesem Thema auf Schätzungen und Vermutungen und können je nach Autor variieren.
Kinderprostitution verbindet man meist mit Sextourismus in weit entfernten Ländern. Doch es gibt sie auch hier in Deutschland. Wie weit sie konkret verbreitet ist, ist allerdings wenig bekannt und oftmals ist es schwierig, den Betroffenen zu helfen. Gemäß den Schilderungen der „Mitternachtsmission“, einer Dortmunder Hilfsorganisation für Prostituierte, sei etwa jede elfte hilfesuchende Person minderjährig. Einen Kontakt zu den Opfern zu finden gestaltet sich schwierig, denn die Betroffenen wenden sich in den seltensten Fällen an eine Hilfsorganisation.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG IN DAS THEMA
2. ZENTRALE BEGRIFFSDEFINITIONEN
2.1. DEFINITION PROSTITUTION
2.2. KINDER- UND JUGENDPROSTITUTION
2.2.1. ALLGEMEINE DEFINITION
2.2.2. JURISTISCHE DEFINITION
2.3. SEXUELLER KINDESMISSBRAUCH
2.3.1. ALLGEMEINE DEFINITION
2.3.2. JURISTISCHE DEFINITION
3. KINDER- UND JUGENDPROSTITUTION – REKURS AUF MISSBRAUCHSERFAHRUNGEN UND DROGENKONSUM
3.1. FRÜHE MISSBRAUCHSERFAHRUNGEN UND DER EINSTIEG IN DIE PROSTITUTION
3.2. DROGENKONSUM UND PROSTITUTION
3.3. KONSUMORIENTIERTE PROSTITUTION
4. SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die persönlichen und strukturellen Hintergründe, die zum Einstieg minderjähriger Mädchen in die Prostitution führen, mit dem Ziel, die Komplexität dieser Problematik sowie die treibenden Faktoren kritisch zu hinterfragen.
- Zusammenhang zwischen frühkindlichen Missbrauchserfahrungen und dem Einstieg in die Prostitution.
- Die Rolle von Drogenkonsum und die daraus resultierende Beschaffungsprostitution.
- Einfluss gesellschaftlicher Wert- und Konsumvorstellungen auf die konsumorientierte Prostitution.
- Darstellung der sozialen Wirklichkeit und der Gefährdung minderjähriger Mädchen in Deutschland.
- Bedarf an speziellen Hilfsangeboten und Ansätzen für die soziale Arbeit.
Auszug aus dem Buch
3.1. Frühe Missbrauchserfahrungen und der Einstieg in die Prostitution
Betrachtet man diverse Studien und Untersuchungen zu den Einstiegskriterien in die Prostitutionstätigkeit, lässt sich feststellen, dass im Normalfall fast immer eine prägende biographische Erfahrung vorrausgeht. Größtenteils sind belastende oder traumatisierende Vorkommnisse wie der sexuelle Missbrauch von Kindern in der frühen Entwicklung festzustellen. Diese Vorkommnisse haben oft Persönlichkeitsveränderungen der Kinder zur Folge und damit verbunden die Zerstörung ihrer Würde, ihrer Kindheit und ihrer Zukunft. (BERGMANN 2002, 17) Nach Schätzungen polizeilicher Kriminalstatistiken, handle es sich bei 90 Prozent der männlichen Sexualtäter um nahstehende Verwandte in familiärem Kontext oder dem sozialen Nahfeld. (BRAKHOFF 1989, 13) Damit wird jede zweite erfasste Tat von Verwandten oder näheren Verwandten begangen (BUNDESMINISTERIUM DES INNEREN, POLIZEILICHE KRIMINALSTATISTIK (PKS) 2013, 29) Die große Mehrheit der Täter sind Männer, bei denen es sich zumeist nicht um Psychopathen oder krankhaft veranlagte Männer handelt, sondern die lediglich den Missbrauch an Kindern als ihr gutes Recht ansehen. Die Männer stützen sich hierbei auf ihre Machtposition, die ihnen in der Gesellschaft gegenüber Frauen und Kindern inhärent ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG IN DAS THEMA: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeit, das Ausmaß der Kinderprostitution in Deutschland zu erfassen, da sie oft im Verborgenen stattfindet, und formuliert die zentralen Arbeitshypothesen.
2. ZENTRALE BEGRIFFSDEFINITIONEN: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Fundierung und klare begriffliche Abgrenzungen für die Prostitution, Kinder- und Jugendprostitution sowie sexuellen Kindesmissbrauch aus allgemeiner und juristischer Sicht.
3. KINDER- UND JUGENDPROSTITUTION – REKURS AUF MISSBRAUCHSERFAHRUNGEN UND DROGENKONSUM: Der Hauptteil untersucht die biographischen und suchtbezogenen Auslöser für den Einstieg in das Prostitutionsmilieu, insbesondere den Zusammenhang zwischen Missbrauch, Suchtmittelkonsum und ökonomischen Anreizen.
4. SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK: Das Fazit bestätigt die aufgestellten Hypothesen, betont den hohen Handlungsbedarf für die soziale Arbeit und fordert eine verstärkte Sensibilisierung der Öffentlichkeit sowie niederschwellige Hilfsangebote.
Schlüsselwörter
Kinderprostitution, Jugendprostitution, sexueller Missbrauch, Drogenkonsum, Beschaffungsprostitution, Zwangsprostitution, soziale Arbeit, Prävention, Hilfsangebote, Minderjährige, traumatische Erfahrungen, gesellschaftliche Normen, Machtgefälle, Dunkelziffer, Loverboy-Strategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die persönlichen und strukturellen Hintergründe, die minderjährige Mädchen in Deutschland dazu bewegen, in die Prostitution einzusteigen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Schwerpunkte sind frühkindliche Missbrauchserfahrungen, die Abhängigkeit durch Drogenkonsum (Beschaffungsprostitution) und die konsumorientierte Prostitution bei Jugendlichen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die komplexen Ursachen des Einstiegs in die Prostitution freizulegen und die aufgestellten Hypothesen zu diesen Faktoren kritisch zu verifizieren oder zu falsifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine deduktive Vorgehensweise, bei der Arbeitshypothesen anhand empirischer Materialien, Statistiken und wissenschaftlicher Untersuchungen analysiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Einstiegsursachen in drei Sektoren unterteilt: biographische Hintergründe (Missbrauch), ökonomische Not (Drogen/Beschaffung) und konsumorientiertes Handeln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Kinderprostitution, sexueller Missbrauch, Drogenabhängigkeit, Prävention und soziale Arbeit beschreiben.
Welche Rolle spielt die „Loverboy-Strategie“ bei der Anbahnung?
Die Loverboy-Strategie dient als häufige Form der Zuhälterei, bei der Mädchen emotional abhängig gemacht, von ihrem sozialen Umfeld isoliert und dann systematisch zur Prostitution gezwungen werden.
Warum ist die Abgrenzung von „herkömmlicher“ Prostitution schwierig?
Die Abgrenzung ist schwierig, da starre Altersgrenzen im SGB VIII oft nicht die psychische oder soziale Entwicklung berücksichtigen und sich die Szene meist außerhalb gesellschaftlicher Wahrnehmung bewegt.
- Arbeit zitieren
- Janine Fabian (Autor:in), 2015, Prostitution Minderjähriger in Deutschland. Zusammenhang mit Drogenkonsum und Missbrauchserfahrungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316117