Um den Anforderungen der modernen Arbeitswelt gerecht zu werden, genügt es nicht mehr, den Lernenden theoretisches Wissen allein, welches in Fächern streng voneinander getrennt und vom beruflichen Handeln losgelöst ist, im theoretischen Ausbildungsbereich zu vermitteln. Durch das 1996 von der Kultusministerkonferenz (KMK) eingeführte Lernfeldkonzept wurde die Fächersystematik in der theoretischen Ausbildung aufgebrochen und durch Lernfelder ersetzt, die sich am beruflichen Handeln orientieren. Das Leitziel der beruflichen Bildung im Lernfeldkonzept ist die Entwicklung einer umfassenden beruflichen Handlungskompetenz, deren Herausbildung durch einen handlungsorientierten Unterricht realisiert wird.
Auch in der Pflegeausbildung findet dieses Konzept Anwendung, da die professionell Pflegenden mit ständig neuen Anforderungen in ihrem beruflichen Bereich konfrontiert werden, denen sie adäquat begegnen müssen, um eine professionelle Pflege durchzuführen. Durch die Lernfeldstruktur sollen die Auszubildenden befähigt werden, ihr eigenes Handeln besser zu reflektieren, den Bedürfnissen der Patienten entsprechende Pflegemaßnahmen zu entwickeln, und zu lernen, im Team erfolgreich zu kooperieren.
Eine von Witzenbacher 1985 zitierte Untersuchung, die von der American Audiovisuell Society durchgeführt wurde, zeigt eine positive Auswirkung von Handeln auf die Gedächtnisleistung (vgl. Gudjons 2008, S. 61). Den Ergebnissen dieser Untersuchung zu Folge speichern wir 20%, wenn wir es hören, 30%, wenn wir es sehen, 80%, wenn wir es selber formulieren und sogar 90%, wenn wir selber eine Handlung durchführen (vgl. Gudjons 2008, S. 61). Dieser Studie nach sind Handlungen besonders gut geeignet, wenn es darum geht, Wissen im Gedächtnis langfristig abzuspeichern und reproduzierbar zu machen. Nach lernpsychologischer Perspektive steht der Mensch in einer dialektischen Person – Umwelt – Beziehung. Ergo, Person und Umwelt werden als eine untrennbare Einheit verstanden (vgl. ebd., S. 70). Umgang, Aufbau, Veränderungen sowie die Gestaltung und Herstellung von materieller und sozialer Umwelt sind nur durch Handlungen möglich (vgl. ebd., S. 70). Dabei schließt sich Gudjons Aeblis Grundhaltung an: „Denken geht aus dem Tun hervor und wirkt als Handlungsregulation auf dieses zurück.“ (Gudjons 2008, S. 70) „Der handelnde und der denkende Mensch reflektieren im Zuge des Handelns und Denkens laufend ihr eigenes Tun.“ (Aebli 1993, S.27) [...]
Gliederung
1 Einleitung
1.1 Wissenschaftliche Problemstellung
1.2 Forschungsfrage und Forschungsziel
1.3 Aufbau und Methodik
1.4 Literaturrecherche
1.5 Stand der Forschung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Rechtliche Rahmenbedingungen der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung
2.2 Pflegedidaktische Modelle im Unterricht
2.3 Gestaltungsmerkmale handlungsorientierten Unterrichts in der beruflichen Bildung
2.4 Komplexe Unterrichtsverfahren
3 Forschungshypothesen
3.1 Formulierung der Arbeitshypothesen
3.2 Erstellung der Hypothesenpaare
3.3 Operationalisierung der Hypothesen
4 Methodisches Vorgehen
4.1 Forschungsdesign
4.2 Studienteilnehmer
4.3 Erhebungsmethode
4.4 Der Fragebogen
4.4.1 Fragebogengestaltung
4.4.2 Frageart und Skalenniveau
5 Vorbereitung und Durchführung der Befragung
5.1 Genehmigung wissenschaftliches Forschungsvorhaben
5.2 Pretest und Studienablauf
6 Datenerfassung und Datenaufbereitung
7 Darstellung und Interpretation der Ergebnisse
8 Hypothesenprüfung
8.1 Hypothesenprüfung zu AH1
8.2 Hypothesenprüfung zu AH2
8.3 Hypothesenprüfung zu AH3
8.4 Hypothesenprüfung zu AH4
8.5 Hypothesenprüfung zu AH5
9 Kritische Reflexion
10 Zusammenfassung und Ausblick
11 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Studie ist es, die Unterrichtspraxis an staatlichen berufsbildenden Schulen in Thüringen zu untersuchen, um zu erforschen, wie komplexe Unterrichtsverfahren in den theoretischen Teil der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung integriert werden, welche Einflussfaktoren dabei eine Rolle spielen und ob Defizite in diesem Bereich bestehen.
- Analyse des Einsatzes komplexer Unterrichtsverfahren im Pflegeunterricht
- Untersuchung von Zusammenhängen zwischen Lehrkraftmerkmalen (Alter, Geschlecht) und Methodennutzung
- Evaluierung des Kenntnisstandes der Lehrenden zu Unterrichtsverfahren und Kreativitätstechniken
- Erhebung des Fortbildungsbedarfs und der Fortbildungsteilnahme im Bereich komplexer Unterrichtsverfahren
Auszug aus dem Buch
1.1 Wissenschaftliche Problemstellung
Um den Anforderungen der modernen Arbeitswelt gerecht zu werden, genügt es nicht mehr, den Lernenden theoretisches Wissen allein, welches in Fächern streng voneinander getrennt und vom beruflichen Handeln losgelöst ist, im theoretischen Ausbildungsbereich zu vermitteln. Durch das 1996 von der Kultusministerkonferenz (KMK) eingeführte Lernfeldkonzept wurde die Fächersystematik in der theoretischen Ausbildung aufgebrochen und durch Lernfelder ersetzt, die sich am beruflichen Handeln orientieren. Das Leitziel der beruflichen Bildung im Lernfeldkonzept ist die Entwicklung einer umfassenden beruflichen Handlungskompetenz, deren Herausbildung durch einen handlungsorientierten Unterricht realisiert wird.
Auch in der Pflegeausbildung findet dieses Konzept Anwendung, da die professionell Pflegenden mit ständig neuen Anforderungen in ihrem beruflichen Bereich konfrontiert werden, denen sie adäquat begegnen müssen, um eine professionelle Pflege durchzuführen. Durch die Lernfeldstruktur sollen die Auszubildenden befähigt werden, ihr eigenes Handeln besser zu reflektieren, den Bedürfnissen der Patienten entsprechende Pflegemaßnahmen zu entwickeln, und zu lernen, im Team erfolgreich zu kooperieren.
Eine von Witzenbacher 1985 zitierte Untersuchung, die von der American Audiovisuell Society durchgeführt wurde, zeigt eine positive Auswirkung von Handeln auf die Gedächtnisleistung (vgl. Gudjons 2008, S. 61). Den Ergebnissen dieser Untersuchung zu Folge speichern wir 20%, wenn wir es hören, 30%, wenn wir es sehen, 80%, wenn wir es selber formulieren und sogar 90%, wenn wir selber eine Handlung durchführen (vgl. Gudjons 2008, S. 61). Dieser Studie nach sind Handlungen besonders gut geeignet, wenn es darum geht, Wissen im Gedächtnis langfristig abzuspeichern und reproduzierbar zu machen. Nach lernpsychologischer Perspektive steht der Mensch in einer dialektischen Person – Umwelt – Beziehung. Ergo, Person und Umwelt werden als eine untrennbare Einheit verstanden (vgl. ebd., S. 70). Umgang, Aufbau, Veränderungen sowie die Gestaltung und Herstellung von materieller und sozialer Umwelt sind nur durch Handlungen möglich (vgl. ebd., S. 70).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die theoretische Problemstellung hinsichtlich des Lernfeldkonzepts, definiert die Forschungsfragen und erläutert den Aufbau sowie die Methodik der Arbeit.
2 Theoretische Grundlagen: Bietet eine theoretische Fundierung zu den Rahmenbedingungen der Pflegeausbildung, pflegedidaktischen Modellen und den Gestaltungsmerkmalen handlungsorientierten Unterrichts.
3 Forschungshypothesen: Formuliert fünf zentrale Arbeitshypothesen sowie die daraus abgeleiteten Hypothesenpaare für die spätere statistische Überprüfung.
4 Methodisches Vorgehen: Beschreibt das Forschungsdesign der quantitativen Querschnittsstudie, die Auswahl der Studienteilnehmer und die Konstruktion des Fragebogens.
5 Vorbereitung und Durchführung der Befragung: Erläutert den Prozess der Genehmigung durch das Ministerium, die Durchführung des Pretests und den Ablauf der Befragung.
6 Datenerfassung und Datenaufbereitung: Detailliert die Vorgehensweise bei der Erfassung der Daten mit SPSS und deren Aufbereitung für die statistische Analyse.
7 Darstellung und Interpretation der Ergebnisse: Präsentiert die deskriptiven Ergebnisse der Lehrerbefragung mittels Tabellen und Grafiken.
8 Hypothesenprüfung: Überprüft die aufgestellten Hypothesen mittels induktiver Statistik (Chi-Quadrat-Tests) und interpretiert die statistischen Ergebnisse.
9 Kritische Reflexion: Reflektiert kritisch den Forschungsverlauf, aufgetretene methodische Schwierigkeiten und die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse.
10 Zusammenfassung und Ausblick: Führt die zentralen Erkenntnisse zusammen, beantwortet die Forschungsfragen und gibt Impulse für zukünftige Forschungen.
11 Literaturverzeichnis: Listet sämtliche in der Arbeit verwendeten Quellen, Lexika, Zeitschriftenartikel und Internetquellen auf.
Schlüsselwörter
Pflegeausbildung, Lernfeldkonzept, Handlungsorientierung, Komplexe Unterrichtsverfahren, berufliche Handlungskompetenz, empirische Studie, Lehrerbefragung, Case Study, Rollenspiel, Gruppenpuzzle, Projektmethode, Planspiel, Problemlösetechniken, Kreativitätstechniken, Fortbildungsbedarf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Masterarbeit befasst sich mit der Integration komplexer Unterrichtsverfahren in den theoretischen Teil der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung an staatlichen berufsbildenden Schulen in Thüringen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf das Lernfeldkonzept, handlungsorientierten Unterricht, den Einsatz komplexer Lehrmethoden, die Entwicklung beruflicher Handlungskompetenz sowie den Fortbildungsbedarf von Lehrkräften.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, die aktuelle Unterrichtspraxis zu erforschen und zu prüfen, welche Faktoren den Einsatz komplexer Unterrichtsverfahren beeinflussen und ob Defizite in der Umsetzung bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine quantitative Forschungsmethode in Form einer standardisierten Befragung (Querschnittsstudie) an staatlichen berufsbildenden Schulen in Thüringen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen der Pflegedidaktik, die Formulierung von Hypothesen, das methodische Vorgehen bei der Datenerhebung, die Darstellung der Ergebnisse sowie die statistische Hypothesenprüfung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Pflegeausbildung, komplexe Unterrichtsverfahren, Handlungsorientierung, berufliche Handlungskompetenz, Lehrerbefragung und Fortbildungsbedarf.
Warum spielt das Planspiel eine Sonderrolle in den Ergebnissen?
Die Ergebnisse zeigen, dass das Planspiel im Vergleich zu anderen Methoden (wie Fallstudien oder Rollenspielen) am seltensten eingesetzt wird, was vermutlich auf den hohen zeitlichen Vorbereitungs- und Durchführungsaufwand zurückzuführen ist.
Welchen Einfluss hat die Fortbildungsteilnahme auf den Methodeneinsatz?
Die statistische Hypothesenprüfung ergibt, dass der Einsatz komplexer Unterrichtsverfahren weitgehend unabhängig von der Teilnahme an spezifischen Fortbildungen ist, da viele Lehrkräfte die Methoden bereits ohne solche Angebote anwenden.
- Arbeit zitieren
- Dana Römhild (Autor:in), 2015, Einsatz komplexer Unterrichtsverfahren im Ausbildungsbereich der Gesundheits- und Krankenpflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316137