Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

Die "Hamletmaschine" von Heiner Müller und deren Inszenierung von Robert Wilson

"Was der Text sagt, sagt der Text"

Title: Die "Hamletmaschine" von Heiner Müller und deren Inszenierung von Robert Wilson

Thesis (M.A.) , 1999 , 166 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Daniel Manthey (Author)

German Studies - Modern German Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

„Am Ende standen sie Hand in Hand an der Rampe, das wohl seltsamste Paar des zeitgenössischen Theaters: der schmächtige Dichter aus Eppendorf/Sachsen und der baumlange Mann aus Waco/Texas.“ Der Kritiker der „Zeit“, Benjamin Henrichs, schreibt über die Zusammenarbeit des deutschen Dramatikers Heiner Müller und Robert Wilson anläßlich der Inszenierung der HAMLETMASCHINE2 in Hamburg, auf der Werkstatt-Bühne des Thalia Theaters. Nicht nur äußerlich bestehen große Unterschiede zwischen den beiden Theaterschaffenden, ihre Zusammenarbeit ist von gegensätzlichen Voraussetzungen geprägt. Laurence Shyer schreibt darüber: „A more unlikely and mutually contradictory collaboration could hardly be imagined than that of Robert Wilson and the East German playwright Heiner Müller.“

Der Regisseur aus Amerika, „political naif“, inszeniert das Stück eines „Marxist poet“. Während Müller in historischen Zusammenhängen verwurzelt ist, unter zwei Diktaturen in Deutschland leben mußte, ist Wilson in der vergleichsweise heilen Welt einer amerikanischen Kleinstadt aufgewachsen. Wilsons Theaterkonzeption ist die Gleichberechtigung der einzelnen Theaterkünste, der Text tritt also aus seiner Hauptrolle zurück, der Autor Müller verliert an Wichtigkeit gegenüber den anderen Elementen des Theaters. Trotzdem ist Müller mit der Inszenierung durch den amerikanischen Regisseur sehr zufrieden. Wilson reüssiert mit einem Stück, an dem vor ihm viele Regisseure gescheitert sind. Heiner Müller selbst bezeichnete die HAMLETMASCHINE als unspielbar.

Unter literaturwissenschaftlichen Aspekten interessiert zunächst einmal der Text des Stückes, von Heiner Müller 1977 fertiggestellt, der sich einer oberflächlichen, rein unterhaltsamen Lektüre sperrt, oder wie Marie-Louisa Kobus schreibt: „Der erste Eindruck hinterläßt ein Gefühl des Nichtverstehens.“

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Der Text

II.1 Vorbemerkungen zu Heiner Müllers Theaterkonzeption

II.1.1 Interpretierbarkeit der HAMLETMASCHINE

II.1.2 „Emanzipieren vom diktierten Ergötzen“

II.1.3 „Vom Welterretter zum Apokalyptiker“: Heiner Müllers Reaktion auf die Stagnation der DDR-Politik

II.2 Interpretation

II.2.1 „Hamlet“: Müllers Zerstörung eines Klassikers

II.2.2 Fragmentarische Form, Monologe und Metaphern

II.2.3 Szene 1: „FAMILIENALBUM“

II.2.4 Szene 2: „DAS EUROPA DER FRAU“

II.2.5 Exkurs 1: Zur Geschlechterdifferenz bei Heiner Müller

II.2.6 Szene 3: „SCHERZO“

II.2.7 Exkurs 2: Anmerkungen zum Geschichtsbild Heiner Müllers

II.2.8 Szene 4: „PEST IN BUDA SCHLACHT UM GRÖNLAND“

II.2.9 Szene 5: „WILDHARREND/IN DER FURCHTBAREN RÜSTUNG/JAHRTAUSENDE“

II.2.10 Exkurs 3: „DAMIT ETWAS KOMMT MUSS ETWAS GEHEN“

II.2.11 „Das Denkmal liegt am Boden“

III. Die Hamburger Inszenierung von Robert Wilson

III.1 Weder Sozialistischer noch Psychologischer Realismus

III.2 Exkurs: Robert Wilsons „theatre of visions“

III.2.1 Robert Wilson und traditionelles Theater

III.2.2 Die Bühne in Wilsons Bildertheater

III.2.3 Wilsons Lichtgestaltung

III.2.4 Kombination Hören und Sehen

III.2.5 Die Zuschauer

III.2.6 Die Schauspieler

III.2.7 Text und Sprache, Inhalt und Illustration

III.2.8 Die Zeit

III.2.9 Medien und Motive

III.2.10 Hermeneutik der Sinne

III.3 Eine texanisch-sächsische Kollaboration

III.4 Wilsons Arbeitsweise am Beispiel HAMLETMASCHINE

III.5 Visuelle und sonore Parallelwelten

III.6 „Hohle Bombastik der Metaphern“ oder „theatrical masterpiece“: Wilsons Inszenierung in der Kritik

III.7 Mehr als nur ergänzende Teile

IV. Fazit: „Interpretation violates art“

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen dem Text der „Hamletmaschine“ von Heiner Müller und der Inszenierung durch Robert Wilson. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie beide Künstler durch die Abkehr von klassischen Interpretationsmustern und die Etablierung eigenständiger ästhetischer Ebenen ein neues, mündiges Theaterverständnis fordern.

  • Die Dekonstruktion des klassischen Hamlet-Mythos bei Heiner Müller.
  • Die theoretische Auseinandersetzung mit der DDR-Kulturpolitik und dem Sozialistischen Realismus.
  • Robert Wilsons Ästhetik des „theatre of visions“ und die Befreiung vom naturalistischen Theater.
  • Die Analyse der strukturellen Zusammenarbeit und Intertextualität beider Akteure.
  • Die Bedeutung von Zeit, Raum und Bildsprache in der theatralen Aufführung.

Auszug aus dem Buch

I. Einleitung

„Am Ende standen sie Hand in Hand an der Rampe, das wohl seltsamste Paar des zeitgenössischen Theaters: der schmächtige Dichter aus Eppendorf/Sachsen und der baumlange Mann aus Waco/Texas.“ Der Kritiker der „Zeit“, Benjamin Henrichs, schreibt über die Zusammenarbeit des deutschen Dramatikers Heiner Müller und Robert Wilson anläßlich der Inszenierung der HAMLETMASCHINE in Hamburg, auf der Werkstatt-Bühne des Thalia Theaters. Nicht nur äußerlich bestehen große Unterschiede zwischen den beiden Theaterschaffenden, ihre Zusammenarbeit ist von gegensätzlichen Voraussetzungen geprägt. Laurence Shyer schreibt darüber: „A more unlikely and mutually contradictory collaboration could hardly be imagined than that of Robert Wilson and the East German playwright Heiner Müller.“ Der Regisseur aus Amerika, „political naif“, inszeniert das Stück eines „Marxist poet“. Während Müller in historischen Zusammenhängen verwurzelt ist, unter zwei Diktaturen in Deutschland leben mußte, ist Wilson in der vergleichsweise heilen Welt einer amerikanischen Kleinstadt aufgewachsen. Wilsons Theaterkonzeption ist die Gleichberechtigung der einzelnen Theaterkünste, der Text tritt also aus seiner Hauptrolle zurück, der Autor Müller verliert an Wichtigkeit gegenüber den anderen Elementen des Theaters. Trotzdem ist Müller mit der Inszenierung durch den amerikanischen Regisseur sehr zufrieden. Wilson reüssiert mit einem Stück, an dem vor ihm viele Regisseure gescheitert sind. Heiner Müller selbst bezeichnete die HAMLETMASCHINE als unspielbar.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Zusammenarbeit zwischen Heiner Müller und Robert Wilson vor und skizziert die methodische Ausrichtung der Arbeit auf das Theater als emanzipatorischen Prozess.

II. Der Text: Dieser Abschnitt analysiert Müllers Theaterkonzeption, seine Kritik an der DDR-Kulturpolitik sowie die interpretatorischen Ansätze zu den einzelnen Szenen und thematischen Exkursen des Stückes.

III. Die Hamburger Inszenierung von Robert Wilson: Dieses Kapitel untersucht die spezifische Ästhetik der Wilson-Inszenierung, beleuchtet seine Arbeitsweise und diskutiert die konträren Kritiken an der Hamburger Aufführung.

IV. Fazit: „Interpretation violates art“: Das Fazit fasst zusammen, wie die Inszenierung durch Wilson dem Text den notwendigen Raum zur Entfaltung lässt, ohne ihn auf eine rein psychologische Deutung zu reduzieren.

Schlüsselwörter

Heiner Müller, Robert Wilson, Hamletmaschine, Theaterkonzeption, Bildertheater, Dekonstruktion, Postmoderne, DDR-Kulturpolitik, Sozialistischer Realismus, Regietheater, Intertextualität, Ästhetik, Zeitdehnung, Aufführungsanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Magisterarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Dramatiker Heiner Müller und dem US-amerikanischen Regisseur Robert Wilson am Beispiel der Inszenierung der „Hamletmaschine“ und beleuchtet die literatur- und theaterwissenschaftlichen Aspekte dieses Projekts.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen Müllers Verständnis von Theater als Prozess, die Abkehr vom Sozialistischen Realismus, das Konzept des Bildertheaters sowie die Frage, wie ein schwieriger Text durch eine eigenständige, visuelle Ästhetik auf die Bühne gebracht werden kann.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Zusammenwirken von Müllers komplexem Text und Wilsons architektonisch-bildhafter Inszenierung eine neue Theaterform konstituiert, die das Publikum nicht belehrt, sondern zum eigenständigen Denken anregt.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Es handelt sich primär um eine literaturwissenschaftliche Untersuchung, die durch theaterwissenschaftliche Aufführungsanalysen ergänzt wird, um die Transformation von der Textvorlage zur performativen Umsetzung zu verstehen.

Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Textinterpretation, die geschichtliche Einordnung Müllers, eine exakte Analyse der Theaterkonzeption Robert Wilsons und die Untersuchung der konkreten Hamburger Inszenierung.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Dekonstruktion, Fragmentierung, Bildertheater, Autonomie der Theaterkünste, intertextuelle Kollaboration und die kritische Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit.

Wie bewertet der Autor Müllers Einstellung zu seinen Interpreten?

Der Autor zeigt auf, dass Müller seinen Interpreten skeptisch gegenübersteht und ironisch darauf reagiert, wenn sein Werk auf eine eindeutige Lehre oder Moral reduziert wird, da er keine autoritären Deutungen wünscht.

Warum gilt die „Hamletmaschine“ als unspielbar?

Heiner Müller selbst bezeichnete das Stück aufgrund seiner fragmentarischen, monologischen Struktur und des Verzichts auf eine stringente Fabel als unspielbar, was Wilson jedoch als produktive Herausforderung begriff.

Excerpt out of 166 pages  - scroll top

Details

Title
Die "Hamletmaschine" von Heiner Müller und deren Inszenierung von Robert Wilson
Subtitle
"Was der Text sagt, sagt der Text"
College
University of Hannover  (Seminar für deutsche Sprache und Literatur)
Grade
1,0
Author
Daniel Manthey (Author)
Publication Year
1999
Pages
166
Catalog Number
V31626
ISBN (eBook)
9783638325615
ISBN (Book)
9783638901857
Language
German
Tags
Text Heiner Müller Robert Wilson Text Inszenierung Hamletmaschine
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Manthey (Author), 1999, Die "Hamletmaschine" von Heiner Müller und deren Inszenierung von Robert Wilson, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31626
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  166  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint