Das osmanische Militärwesen an der Wende vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit


Hausarbeit, 2004
16 Seiten, Note: 1-

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung

II. Das osmanische Jahrhundert 1453 – 1566

III. Das osmanische Heer 1 – Zentraltruppen oder stehendes Heer

IV. Das osmanische Heer 2 – Provinzialtruppen

V. Bewaffnung und Logistik

VI. Die osmanische Marine

VII. Auswirkungen, Begünstigungen und Notwendigkeit der osmanischen

Expansion – Schlussbetrachtung

VIII. Literatur

I. Einleitung

Einhergehend mit dem endgültigen Ende des Oströmischen Reiches, tauchte für die christlich europäische Staatenwelt ein bis dahin unbedeutender Staat auf, der sich im folgenden Jahrhundert als ernsthafte Bedrohung für das Abendland erweisen sollte: das Osmanische – oder auch Türkische – Reich. Innerhalb einer kurzen Zeitspanne von nicht einmal 100 Jahren wurde es zur größten Bedrohung, nicht nur für die europäische Staatenwelt, sondern auch für den christlichen Glauben.

In der folgenden Arbeit soll daher erörtert werden, wie dieser Machtaufstieg erfolgte und möglich war. Diese Arbeit bezieht sich auf den Zeitraum von der Mitte des 15. bis etwa zur Hälfte des 16. Jahrhunderts. Hervorzuheben sein wird hierbei, dem Titel der Arbeit entsprechend, besonders die Rolle der osmanischen Armee, ohne die keine Expansion stattgefunden hätte, und deren Aufbau. War sie den Streitkräften anderer Staaten überlegen und wie war sie organisiert und finanziert? Sind Unterschiede im Vergleich zu den europäischen Streitkräften feststellbar oder gab es nennenswerte Faktoren, die eine scheinbar problemlos laufende Expansion der Osmanen begünstigten, bzw. ein noch schnelleres Ausdehnen des Machtbereiches blockierten? Die Rolle der Waffen, der Logistik des Heeres im Allgemeinen, sowie die Wirkung und Tätigkeit der osmanischen Marine sind ebenso zu untersuchen, wie die Frage nach der Notwendigkeit der expansiven osmanischen Politik im benannten Zeitraum.

Literatur zum Osmanischen Reich und zu seiner Armee ist, sowohl deutsch- als auch englischsprachig, reichlich vorhanden. Es ist hierbei jedoch festzustellen, dass teilweise sehr große Differenzen in den Angaben vorliegen, beispielsweise bei Zahlen, die Truppenstärke betreffend.

Annähernde Antworten, auf oben gestellte Fragen, werden insbesondere unter zu Hilfenahme der Werke „Das Osmanische Reich. Grundlinien seiner Geschichte“ von Josef Matuz, sowie dem ebenfalls allgemein gehaltenen, aber viele wichtige Informationen enthaltenden Buch „Der Osmanische Staat 1300 – 1922“ von Klaus Kreiser zu finden versucht.

Aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Arbeit wird die Entwicklung der europäischen Staaten während des zu untersuchenden Zeitraumes, sowie die gesellschaftliche Struktur im Osmanischen Reich bestenfalls am Rande erwähnt.

II. Das osmanische Jahrhundert 1453 – 1566

Zu Beginn der europäischen Neuzeit teilt sich das islamische Gebiet, mit Ausnahme einiger Randlandschaften (u.a. Mittelasien und Indonesien), in drei Großreiche auf. Diese sind das „Reich der Großmoguln“ in Indien (ab 1525), Persien unter dem Safawidenschah und das Osmanische Reich unter dem Sultan. Die Türken waren bereits rund ein halbes Jahrhundert zuvor zum mächtigsten Staat der islamischen Welt aufgestiegen. Unter Sultan Mehmed II.[1] konnten sie am 29. Mai 1453 nach sechswöchiger Belagerung die Stadt Konstantinopel erobern. Der Fall des ehemaligen Byzanz, unter dem Namen Istanbul nun neue Hauptstadt, bildete sowohl das Ende des Oströmischen (oder Byzantinischen) Reiches[2], als auch den Beginn einer Eroberungswelle der Türken.

Um 1460 fallen die letzten christlichen Gebiete auf der Peloponnes und 1461 Trapezunt (heute Trabzon), am Schwarzen Meer gelegen, in osmanische Hand. Bis 1463 werden Serbien und Bosnien als osmanische Provinzen eingegliedert. 1468 folgt Karaman, der bedeutendste türkische Kleinstaat Anatoliens. Der Chan der Krim, Mengli Girai I. (1466-1515), unterstellt sich 1475 freiwillig dem Sultan. Einzig Albanien unter Gjergj Skanderbeg leistet bis zu dessen Tod 1468 erfolgreich Widerstand. Mehrfach fallen die Türken zwischen 1473 und 1483 in Kroatien, der Krain und Kärnten ein.[3] Insgesamt soll Mehmed II. 12 Reiche und rund 200 Städte unterworfen haben.[4]

Bei Amtsantritt erhält sein Nachfolger Báyezíd II. ein beachtliches Territorium, welches innenpolitisch „ausgesprochen absolutistische Tendenzen“[5] aufweist und aus der nun auch geographisch zentral gelegenen Hauptstadt, zentralistisch geführt wird. Der Sohn Mehmeds II. trägt kaum zur territorialen Vergrößerung bei. Seine militärischen Aktivitäten beschränken sich im Wesentlichen auf die Verteidigung. Báyezíds Sohn Selim I., der seinem Vater die Macht bereits 1512, noch während dessen Lebzeit, entreißt, gilt als der eigentliche Gründer des Osmanischen (Groß-) Reiches.[6] Seine Eroberungen Syrien, Ägypten und Teile Arabiens festigen die osmanische Stellung und dienen vor allem der Eindämmung der safawidischen Gefahr aus dem Osten.

Im Jahr 1520 folgt ihm Süleymán II.[7] auf den Thron. Durch die Eroberungen seines Vorgängers nach Osten und Süden gut abgeschirmt, widmet er sich der weiteren Expansion nach Mitteleuropa. 1521 nehmen die Türken Belgrad ein und nachdem in der Schlacht bei Mohács 1526 große Teile der Ungarn besiegt sind,[8] wird 1529 erstmals Wien belagert. Die letzte christliche Bastion vor Mitteleuropa fällt zwar nicht, aber erstmals wird den westlichen Staaten die von den Türken ausgehende Gefahr für die christliche Welt direkt vor Augen, bzw. vor die Tore geführt. Da die osmanische Armee üblicherweise wegen der Kälte in Europa von Frühling bis Herbst ihre Feldzüge absolviert,[9] anders als dies im Südosten des Reiches der Fall ist, wird die Belagerung abgebrochen. „This attitude probably saved Vienna for Austria and lost Bagdad for Persia [s.u.].“[10]

Süleymán II. führt zahlreiche Kampagnen persönlich an und verbringt insgesamt 10 Jahre im Feld.[11] Unter seiner Führung werden, bis zu seinem Tod 1566, auch im Osten weitere Gebietszugewinne erreicht. Im Südosten fallen Bagdad und Täbris zum osmanischen Machtbereich, aber auch im Mittelmeer steigt die ursprüngliche Landmacht Türkei zur führenden Seenation auf, wenn auch nur für einige Jahrzehnte. Als Verbündeter der Türken erweist sich Frankreich - u.a. werden hier Überwinterungsplätze für die osmanische Flotte bereitgestellt - das sich seinerseits von den Habsburgern eingekreist sieht. Der Frieden von Crépy 1544 zwischen Kaiser Karl V. und Francois I. beendet jedoch die kurzzeitige französisch-türkische Verbundenheit.[12]

Das Osmanische Reich hat sich durch die Einverleibung Ungarns und der Balkanhalbinsel von einer asiatischen, nun ebenfalls zu einer europäischen Großmacht entwickelt, die an Gewicht dem Spanien Philipps II. nicht nachsteht.[13] Süleymáns Großmachtpolitik geht über die eroberten Gebiete hinaus, so dass zahlreiche Anrainerstaaten zu Tributzahlungen verpflichtet sind. Die Auflehnung des Vasallenfürsten von Siebenbürgen hiergegen, entfacht 1566 den Krieg gegen Kaiser Maximilian II. Während der mehrmonatigen Belagerung der Festung Szigetvár in Südungarn stirbt der Sultan in einem Lager vor der Stadt. Sein Sohn Selim II. beendet zwei Jahre später den Krieg. In dem achtjährigen Waffenstillstand von Adrianopel wird gegenseitige Grenzanerkennung zugesichert, „aber auch die Verpflichtung des Kaisers zu Tributzahlungen an die Osmanen erneuert.“[14] Die osmanische Macht hat dennoch ihren Höhepunkt mit dem Tod Süleymáns II. überschritten.

[...]


[1] Mehmed II. Fátih („der Eroberer“) war Sultan von 1451-1481.

[2] vgl. Klaus Kreiser, Der osmanische Staat 1300-1922, München 2001, S. 24.

[3] vgl. ebd., S. 25.

[4] Werner Hilgemann / Hermann Kinder (Hrsg.), Dtv Atlas zur Weltgeschichte, Band 1, 34. Auflage, München 2000, S. 209.

[5] Kreiser, Staat, S. 24 f.

[6] vgl. Harm Klueting, Das Konfessionelle Zeitalter 1525-1648, Stuttgart 1989, S. 333.

[7] Süleymán II. („der Prächtige“ oder auch „der Große“) war Sultan von 1520-1566.

[8] In einer weiteren Schlacht bei Buda 1541, werden die Ungarn endgültig besiegt und der türkisch besetzte Teil wird zur osmanischen Provinz. Ungarn verliert damit bis ins Jahr 1918 seine Unabhängigkeit.

[9] vgl. Josef Matuz, Das Osmanische Reich. Grundlinien seiner Geschichte, 3. Auflage, Darmstadt 1994, S. 102 f.

[10] Albert Howe Lybyer, The government of the ottoman empire in the time of suleiman the magnificent, New York 1966, S. 113.

[11] vgl. Kreiser, Staat, S. 26.

[12] vgl. ebd., S. 27.

[13] vgl. H. Jansky, Das Osmanische Reich in Südosteuropa von 1453 bis 1648, in: Theodor Schieder (Hrsg.): Handbuch der europäischen Geschichte, Band.3: Die Entstehung des neuzeitlichen Europa, 1971, S. 1170-188.

[14] Klueting, Zeitalter, S. 335.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das osmanische Militärwesen an der Wende vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Veranstaltung
Übung zur Neueren Geschichte
Note
1-
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V31630
ISBN (eBook)
9783638325653
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Militärwesen, Wende, Spätmittelalter, Frühen, Neuzeit, Neueren, Geschichte
Arbeit zitieren
Alexander Blum (Autor), 2004, Das osmanische Militärwesen an der Wende vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31630

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