Spanisch. Eine plurizentrische Sprache?


Hausarbeit, 2016

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Spanische auf dem Weg zur plurizentrischen Sprache?

3. „¿Qué español enseñar?“ – Spanisch im Klassenzimmer – ein persönlicher Einblick

4. Fazit

Bibliografie

1. Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema des Plurizentrismus des Spanischen. Sie soll herausarbeiten, ob und inwiefern die spanische Sprache eine poly- beziehungsweise plurizentrische Sprache ist und welche Auswirkungen dies im Besonderen auf den Spanischunterricht hat.

In Kapitel 2. Das Spanische auf dem Weg zur plurizentrischen Sprache? möchte ich zunächst die Bedeutung essentieller Begriffe wie „Plurizentrismus“, „Standardvarietät“, „einfache Varietät“, „Varietätenraum“ und „Norm“ klären und anhand dieser Erklärungen darauf zu sprechen kommen, wie der Titel dieser Arbeit zustande kommt beziehungsweise kam und warum diese Fragestellung bedeutsam ist.

Abgesehen davon wird im Verlauf des Kapitels der spezifische Bezug zur spanischen Sprache deutlicher werden, indem beispielsweise die Varietätenvielfalt des Spanischen thematisiert werden wird. Des Weiteren möchte ich mich mit dem Titel beziehungsweise mit der Fragestellung des Kapitels „Das Spanische auf dem Weg zur plurizentrischen Sprache?“ auseinandersetzen. Hier wird auch die RAE, die Real Academia Española, zur Sprache kommen, welche unausweichlich ist, wenn es um die Varietäten und Normen der spanischen Sprache geht.

Im dritten Kapitel werde ich mich mit der Fragestellung beschäftigen, welche Varietät des Spanischen, meiner ganz persönlichen Ansicht nach, unterrichtet werden sollte und weshalb. Ich möchte in jenem Kapitel auch auf die Varietäten der spanischen Sprache eingehen, die ich mir selbst angeeignet habe und auf welche Art und Weise ich mit diesen Varietäten in meinem späteren Beruf als Lehrerin umgehen werde.

Das Fazit wird mir schlussendlich dazu dienen, die Resultate oder Ergebnisse meiner vorangegangenen Kapitel zusammenzufassen und Revue passieren zu lassen.

2. Das Spanische auf dem Weg zur plurizentrischen Sprache?

Zu Beginn dieses Kapitels möchte ich zunächst einige wichtige Begrifflichkeiten definieren, die im Verlauf meiner Arbeit auftauchen können.

Plurizentrismus, auch Polyzentrismus genannt, ist die Bezeichnung „für ein System mit mehreren Zentren bzw. ein System, das mehrere Zentren favorisiert“ (Schubert, Klein 2011:1). Eine plurizentrische Sprache ist demnach eine Sprache mit mehreren Standardvarietäten. Unter einer Standardvarietät, auch Standardsprache bezeichnet, versteht man nach Helmut Glück folgendes:

Eine Standardvarietät ist die standardisierte Varietät einer Sprache, die zum Standard, also zur Norm, erhoben wird. [...] Als Standardsprache wird eine von öffentlichen Institutionen festgelegte Sprache betrachtet, die allgemein in der Öffentlichkeit verwendet wird und z.B. auch unterrichtet wird (Glück 2000:688).

Aina Torrent-Lenzen beschreibt die Standardsprache als Endprodukt – ein Produkt, dass sich gegen „seine Mitstreiter“ (andere Varietäten) durchgesetzt hat und von der Mehrheit der Mitglieder einer linguistischen Gemeinschaft akzeptiert wird:

La lengua estándar es un producto final, es el resultado de un proceso de estabilización de unos usos y formas por encima de otros. La lengua estándar tiene, además, por definición, carácter supraregional y es aceptada por la gran mayoría de los miembros de una comunidad lingüística (Torrent-Lenzen 2006:173).

Eine einfache Varietät hingegen ist ein Teil einer Sprache, die sich durch spezielle Phonetik, Morphologie und Lexik von anderen Varietäten der Sprache unterscheidet (Glück 2000:771). Wenn von Varietäten die Rede ist, ist es unabdingbar, den Begriff des Varietätenraums ebenfalls anzubringen:

Der Varietätenraum stellt den geographischen Raum einer Varietät dar. Je nach Spezifizierung kann dieser aus einer oder mehreren Makrovarietäten [(„Eine Makrovarietät fasst mehrere untergeordnete Varietäten zusammen, die sehr ähnliche sprachliche Merkmale aufweisen und deshalb zum gleichen Varietätenraum zugeordnet werden können. Eine Makrovarietät erstreckt sich über einen größeren geographischen Raum“ (Universität Stuttgart 2012).)] bestehen (Dittmar 1997:183).

Ein letzter Begriff, der eine wichtige Rolle im Hinblick auf mein Thema einnimmt beziehungsweise einnehmen wird, ist der der „Norm“:

Eine Norm ist die Referenzvarietät innerhalb einer Sprache. Die präskriptive Norm wird dabei als das „Ideal“ der Sprache angesehen, das aber i.d.R. von Sprechern nicht erreicht wird. Deskriptive Normen sind dagegen existierende Normen einer Sprache, die jeweils eine Varietät der Sprache darstellen (Universität Stuttgart 2012).

Dieses Kapitel trägt den Titel Das Spanische auf dem Weg zur plurizentrischen Sprache?. Ich habe diese Fragestellung gewählt und halte sie für bedeutsam, da die spanische Sprachkultur „wie alle Sprachnormen-Fragen weniger eine linguistische, sondern viel stärker eine sozial- und bildungs-, ja womöglich sogar eine innen- und außenpolitische Angelegenheit [ist]“ (Lebsanft 1998:255). Meinungen oder Betrachtungsweisen hinsichtlich der spanischen Sprachkultur sind sehr unterschiedlich und hängen stark vom jeweiligen Betrachter ab. Ein Linguist aus Buenos Aires (Argentinien) wird beispielsweise anders urteilen als ein Experte aus Málaga (Spanien), Oviedo (Spanien) oder Bogotá (Kolumbien).

Franz Lebsanft bringt in seinem Text mit dem Titel Europäische Sprachkultur und Sprachpflege unter anderem an, dass jedoch weder hispanophone Linguisten noch ausländische Romanisten so weit seien, dass sie

den Gedanken einer präskriptiven Norm [(einer Hochsprache, auch „habla culta“ genannt“)] völlig in Frage stellten. Sie konstatieren zunächst nur, daß es in fremden Sprachgemeinschaften ein von den Sprachteilhabern wie auch immer bestimmtes „richtiges“ und zugleich „gutes“ Spanisch, Französisch usw. gibt, das sie als Beobachter weder selbst erarbeitet noch zu verantworten, sondern nur zu beschreiben haben (Lebsanft 1998:255).

In der europäisch-spanischen Sprachkultur gilt das Kastilische, das sogenannte „castellano“, seit dem 18. Jahrhundert als präskriptive Norm. An dieser Stelle stellen sich jedoch folgende Fragen: Weshalb ist dem so? Warum bildet keine andere Varietät des Spanischen die „habla culta“? Und sollten nicht alle Varietäten der spanischen Sprache als präskriptive Norm anerkannt sein beziehungsweise werden? Auch Franz Lebsanft beschäftigt sich mit dieser Thematik und fragt, welches Spanisch denn kultiviert wird bzw. werden soll: „Sie [(die Frage)] ist gar nicht so leicht zu beantworten [...]. Es ist nämlich alles andere als unstrittig, auf welche Varietät bzw. Varietäten des Spanischen die Kultivierung sich bezieht bzw. beziehen soll“ (Lebsanft 1998:256). Die spanische Sprachkultur steht vor der Frage beziehungsweise vor der Entscheidung sich einer monozentrischen oder einer plurizentrischen Sprachkultur zuzuwenden:

Monozentrische Sprachkultur zielte und zielt, falls es sie noch gibt, darauf ab, die seit dem 18. Jahrhundert ausgehend von der kastilischen Gemeinsprache in Europa erarbeitete präskriptive Norm in der gesamten Hispanophonie zu bewahren und zu entwickeln. Plurizentrische Sprachkultur intendiert heute, regional – keineswegs immer staatsnational – begrenzte kodifizierte Normen zu bilden, die auf den sekundären bzw. tertiären Dialekten aufbauen (Lebsanft 1998:257).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Spanisch. Eine plurizentrische Sprache?
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Romanistik)
Veranstaltung
Policentrismo y normas del español
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V316372
ISBN (eBook)
9783668151192
ISBN (Buch)
9783668151208
Dateigröße
711 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
spanisch, eine, sprache
Arbeit zitieren
Lea Lorena Jerns (Autor), 2016, Spanisch. Eine plurizentrische Sprache?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316372

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