Der bis Mitte des Jahres 2000 anhaltende Boom an den Börsen und Märkten endete mit dem Platzen der „New Economy“- Blase. Viele Anleger hatten bis zu diesem Zeitpunkt von - eigentlich gegen jede Logik – stark ansteigenden Kursen profitiert und die großteils technologieorientierten Aktien in schwindende Höhen steigen sehen. Wer aber den richtigen Zeitpunkt zur Gewinnmitnahme übersehen hat und nicht rechtzeitig verkaufte, der musste massive Verluste hinnehmen. Die „New Economy“ wird mit innovativen Unternehmen aus den Bereichen Telekommunikation, Internet, Biotechnologie, Genforschung, usw. assoziiert. Meist haben sie hohe F&E-Aufwendungen und wachsen schnell, was natürlich einen entsprechenden Kapitalbedarf mit sich bringt. Diese in der Regel oft jungen Betriebe haben es oft schwer entsprechende Finanzmittel von Banken zu erhalten. Vielfach sind daher derartige Unternehmen auch die Nachfrager für „Wagniskapital“. Wagnisfinanzierungsgesellschaften spezialisieren sich auf die Finanzierung solcher junger Unternehmen. Sie engagieren sich am ehesten in einer Branche, in der sie den Markt gut kennen, in dem ihnen die angewandte Technologie bekannt ist und in dem sie in der Lage sind die Konkurrenz einzuschätzen. Die Wagniskapitalgesellschaft verfolgt die Entwicklung des Unternehmens intensiv und ist in wichtige Entscheidungsprozesse eingebunden. Die Geschäftsführung des finanzierten Unternehmens hat regelmäßige Berichtspflicht an den Beteiligungskapitalgeber. Die erste VC-Gesellschaft dürfte die 1946 von Georges Doriot, einem Harvard Professor, und Ralph E. Flanders, dem Präsidenten der Federal Reserve Bank in Boston, gegründete American Research and Development Corp. (ARD) gewesen sein, die Kapital für junge Technologieunternehmen im Raum Boston zur Verfügung stellte. Ihren größten Erfolg hatte die ARD mit ihrer Beteiligung an der 1957 von vier Studenten des M.I.T. (Massachusetts Institute of Technology) gegründeten Digital Equipment Corp.; das Investment von US $ 70 000 war 1969 bereits stolze US $ 555 Mio. wert. Die Urheberschaft am Begriff „Venture Capital“ beansprucht Arthur Rock für sich. Rock war es, der sich 1957 für eine Gruppe von Ingenieuren der Shockley Semiconductor Laboratoires in Palo Alto auf die Suche nach Kapitalgebern machte, um sich bei der Vermarktung ihrer „Idee“, des Silicon Transistor, zu unterstützen. [...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Gliederung der Arbeit und Problemstellung
Teil A
1. Die Eigenkapitalausstattung eines Unternehmens als kritische Größe
1. 1 Österreich
1. 2 Europäische Union
1. 3 International / Basel II
1. 4 Grafik: Eigenkapital in Prozent der Bilanzsumme
1. 5 Eigenkapital durch Beteiligungsgesellschaften
1. 6 Wagniskapital am Beispiel USA
2. Finanzierungsstruktur: Kapitalmarkt- versus Kreditmarktorientierung
2. 1 Österreichische Finanzierungskultur
2. 2 Kapitalmarktorientierung in Österreich
3. Einflussfaktoren auf die künftige Entwicklung d. Unternehmensfinanzierung
4. Vom Kredit zum Venture Capital
5. Risikokapital-Aktionsplan (RCAP) der EU
6. Europäische Investitionsbank und europäischer Investitionsfond
6. 1 Europäische Investitionsbank (EIB)
6. 2 Europäischer Investitionsfond (EIF)
7. Herkunft und Aufbringung von Risikokapital
7. 1 Aufbringung von Risikokapital in Europa
7. 2 Wie funktionieren Beteiligungskapitalfonds in der Praxis
7. 3 Wandelanleihen (Convertible Securities)
7. 4 Wer stellt Risikokapital zu Verfügung?
8. Der „Umgang“ mit Risikokapital
9. Definitionen
9. 1 Private Equity, Venture Capital
9. 2 Management Buy-out, Management Buy-in, Leveraged Buy out
9. 3 Mezzaninkapital
10. Finanzierungsphasen einer PE- bzw. einer VC- Finanzierung
10. 1. Early Stages
10. 2. Expansions/Later Stages
11. Desinvestition oder Exit (Ausstiegsphase)
11. 1 Die fünf Exitmöglichkeiten
11. 2 Pre-IPO-Finanzierungen
11. 3 Exitvorbereitung und Exitphase
11. 4 Der Gang an die Börse
11. 5 Exit-Phantasie versus Exit-Realität
11. 6 Aktuelle Situation für IPO`s
11. 7 Zu erfüllende Kriterien vor einem IPO
12. Die „neuen Märkte“ und Wachstumsbörsen
13. Business Angels als Partner in der „Early Stage”-Phase
14. Risikokapital in der Unternehmensnachfolge
14. 1 Unternehmensnachfolge in Österreich
14. 2 Unternehmensnachfolge in Deutschland
14. 3 Unternehmensnachfolge in der Schweiz
14. 4 Vergleich Unternehmensnachfolge und –gründung in Europa
15. Risikokapital und Unternehmensgründung
15. 1 Unternehmensgründung in Österreich
15. 2 Unternehmensgründung in Deutschland
16. Risikokapital in der Unternehmenssanierung
17. Idealtypischer Ablauf einer Venture Capital Finanzierung
18. Renditeerwartungen bei der Risikokapitalfinanzierung
Teil B
1. Risikokapital in Europa
1. 1 Die Anfänge von VC in Europa
1. 2 Wirtschaftliche Situation ab 1999
1. 3 Die 5 europäischen Länder mit dem größten VC-Volumen
1. 4 Private Equity-Investitionen in Europa
1. 5 Aufgebrachtes Private Equity-Kapital in Europa
1. 6 Private Equity-Investments in Prozent des BIP in Europa
1. 7 VC-Investments in Prozent des BIP je Finanzierungsphase
1. 8 Aufgebrachtes und investiertes Kapital in Europa (1995-2002)
1. 9 Aktuelle Situation der PE- und VC-Branche
1.10 Die volkswirtschaftliche Relevanz von Risikokapital
2. Aktuelle Situation des europäischen Risikokapitalmarktes
3. Der Markt für Risikokapital in Großbritannien
4. Der Markt für Risikokapital in Frankreich
5. Der Markt für Risikokapital in Italien
6. Der Markt für Risikokapital in Deutschland
7. Der Markt für Risikokapital in den Niederlanden
8. Der Markt für Risikokapital in Österreich
8. 1 Initiative zur Förderung der Kapitalmarktes
8. 2 Wichtige Kennzahlen des österreichischen Kapitalmarktes
8. 3 Tabelle der wesentlichen Aktienmarktindikatoren
8. 4 Zukunftsvorsorge-Modell
8. 5 Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft (MFG)
8. 6 Staatliche Fördermaßnahmen
8. 7 Steuerliche Maßnahmen
Teil C
1. Maßnahmen zur Belebung des Risikokapitalmarktes in Österreich
2. Ergebnisse einer Befragung per E-Mail
3. EVCA Benchmark-Studie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und den Einsatz von Wagniskapital zur Unternehmensfinanzierung, insbesondere unter Berücksichtigung der Unterschiede zwischen kredit- und kapitalmarktorientierten Finanzierungssystemen in Europa und den USA, mit einem besonderen Fokus auf die Situation und Verbesserungsmöglichkeiten in Österreich.
- Analyse der Eigenkapitalausstattung als kritischer Faktor für Unternehmenserfolg
- Vergleich der Finanzierungskulturen in Europa und den Vereinigten Staaten
- Bedeutung von Wagniskapital für Start-ups, Unternehmensnachfolgen und Sanierungen
- Untersuchung staatlicher Fördermaßnahmen und des europäischen Risikokapital-Aktionsplans (RCAP)
- Auswertung von Marktdaten und Expertenbefragungen zur Situation in Österreich
Auszug aus dem Buch
Die „New Economy“ und Wagniskapital
Die „New Economy“ wird mit innovativen Unternehmen aus den Bereichen Telekommunikation, Internet, Biotechnologie, Genforschung, usw. assoziiert. Meist haben sie hohe F&E-Aufwendungen und wachsen schnell, was natürlich einen entsprechenden Kapitalbedarf mit sich bringt. Diese in der Regel oft jungen Betriebe haben es oft schwer entsprechende Finanzmittel von Banken zu erhalten.
Vielfach sind daher derartige Unternehmen auch die Nachfrager für „Wagniskapital“. Wagnisfinanzierungsgesellschaften spezialisieren sich auf die Finanzierung solcher junger Unternehmen. Sie engagieren sich am ehesten in einer Branche, in der sie den Markt gut kennen, in dem ihnen die angewandte Technologie bekannt ist und in dem sie in der Lage sind die Konkurrenz einzuschätzen.
Die Wagniskapitalgesellschaft verfolgt die Entwicklung des Unternehmens intensiv und ist in wichtige Entscheidungsprozesse eingebunden. Die Geschäftsführung des finanzierten Unternehmens hat regelmäßige Berichtspflicht an den Beteiligungskapitalgeber.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Eigenkapitalausstattung eines Unternehmens als kritische Größe: Dieses Kapitel erläutert die zentrale Bedeutung von Eigenkapital für Stabilität und Wachstum sowie die spezifische Problematik der Eigenkapitalausstattung in Österreich.
2. Finanzierungsstruktur: Kapitalmarkt- versus Kreditmarktorientierung: Der Autor stellt die traditionelle bankorientierte Finanzierung in Europa der kapitalmarktorientierten Struktur in den USA und Japan gegenüber.
3. Einflussfaktoren auf die künftige Entwicklung d. Unternehmensfinanzierung: Es werden externe Faktoren wie Basel II und der Konzentrationsprozess im Bankensektor analysiert, die den Druck auf Unternehmen zur Eigenkapitalstärkung erhöhen.
4. Vom Kredit zum Venture Capital: Hier werden Finanzierungsalternativen gegenübergestellt und die Rolle von Venture Capital als Instrument zur Unterstützung risikoreicherer, innovativer Geschäftsmodelle hervorgehoben.
5. Risikokapital-Aktionsplan (RCAP) der EU: Das Kapitel behandelt die Bemühungen der Europäischen Union, Hindernisse für einen integrierten Risikokapitalmarkt abzubauen.
6. Europäische Investitionsbank und europäischer Investitionsfond: Es werden die Funktionen und Aufgaben dieser Institutionen bei der Förderung von Innovation und KMU-Finanzierung beschrieben.
7. Herkunft und Aufbringung von Risikokapital: Hier liegt der Fokus auf der Rolle institutioneller Investoren und dem Prozess der Fondsbildung sowie der Funktionsweise von Wandelanleihen.
8. Der „Umgang“ mit Risikokapital: Das Kapitel befasst sich mit den psychologischen und strukturellen Herausforderungen bei der Hereinnahme von Wagniskapital durch Unternehmer.
Schlüsselwörter
Wagniskapital, Venture Capital, Private Equity, Unternehmensfinanzierung, Eigenkapital, Risikokapitalmarkt, Finanzierungsphasen, Basel II, KMU, Beteiligungsgesellschaften, Business Angels, Mezzaninkapital, IPO, Unternehmensnachfolge, Börsegang.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle von Wagniskapital als notwendige Finanzierungsalternative zu klassischen Bankkrediten, insbesondere für technologieorientierte Unternehmen und KMU in Europa und speziell in Österreich.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf die Bedeutung der Eigenkapitalausstattung, den Vergleich verschiedener Finanzierungskulturen, die Funktionsweise von Venture Capital und die Herausforderungen für den österreichischen Kapitalmarkt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel der Arbeit ist es, die unzureichende Situation der Wagnisfinanzierung in Österreich aufzuzeigen, Hindernisse zu identifizieren und mögliche Lösungsansätze zur Verbesserung der Rahmenbedingungen zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, der Auswertung von Marktdaten sowie einer Expertenbefragung, die als Grundlage für die Beurteilung der aktuellen Situation in Österreich dient.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Bereiche, die von den theoretischen Grundlagen der Unternehmensfinanzierung über die Rolle institutioneller Akteure bis hin zu spezifischen Förderinstrumenten für unterschiedliche Unternehmensphasen reichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Wagniskapital, Private Equity, Eigenkapital, KMU, Risikokapitalmarkt, Unternehmensfinanzierung und österreichischer Kapitalmarkt.
Warum ist eine „Finanzierungskultur“ in Österreich im internationalen Vergleich unterentwickelt?
Laut den Experten im Dokument liegt dies an einer historisch tief verwurzelten Dominanz des Bankkredits, einer ausgeprägten Risikoaversion der Anleger sowie einer „Herr-im-Haus“-Mentalität vieler Familienunternehmer, die keine externen Gesellschafter zulassen wollen.
Welche Rolle spielen Business Angels in diesem Prozess?
Business Angels fungieren als wichtige Brücke in der Frühphase, da sie nicht nur Kapital, sondern auch wertvolles Know-how und ein Kontaktnetzwerk einbringen, um die Überlebenschancen von Neugründungen signifikant zu erhöhen.
- Quote paper
- Gernot Unterfurtner (Author), 2004, Wagnisfinanzierung am europäischen Kapitalmarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31647