Mit Pod- und Vodcasts neue Wege in der Bildungswissenschaft beschreiten. Beschreibung, Umsetzung und Reflexion des Potentials der neuen Medien in der Pädagogik


Hausarbeit, 2013
32 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition, Formen und Nutzung von Podcasts

3. Podcasts in der Bildungswissenschaft
3.1 Funktionen und Motive von Podcasts in der Bildungswissenschaft
3.2 Erkenntnisse und Studien zu Podcasts in Bildungskontexten
3.3 Didaktische Gestaltung von Podcasts

4. Der Podcast „Webquests - Ein abenteuerliches Lernen im Netz“
4.1 Die Thematik des eigenen Podcasts
4.2 Funktionen und Motive des eigenen Podcasts
4.3 Aufbau und didaktisches Design
4.4 Technische Umsetzung
4.5 Evaluation und Optimierung des Podcasts

5. Reflexion der Konzeption und Umsetzung des Podcasts

6. Zusammenfassung mit Fazit

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Anlagen

1. Einleitung

Neue Medien wie Computer und Internet beeinflussten unsere Gesellschaft und veränderten diese. Das Internet der ersten Generation bot den orts- und zeitunabhängigen Zugriff auf aktuelle dynamische Inhalte in Hypertext- und Hypermedia-Form. Zudem entwickelte sich das Internet zu einem globalen Netzwerk, das Menschen auf der ganzen Welt miteinander verbindet und einen Wissensaustausch ermöglicht (Bastiaens, Schrader & Deimann, 2011, S.11, Richardson, 2011, S.15).

Die nächste gravierende Veränderung brachte das Internet der zweiten Generation mit sich, auch Web 2.0 oder Social Software genannt. Internetnutzer sind dank einer vereinfachten Technik nicht mehr nur passive Konsumenten, sondern bekommen die Möglichkeit sich aktiv im Netz einzubringen und selber Webinhalte zu produzieren (Bastiaens et al., 2011, S.33). Die heutige Wissens- bzw. Netzwerkgesellschaft hat also einen nahezu unbegrenzten Zugriff auf Informationen, die Möglichkeit des Austauschs, der Wissenskollaboration sowie der persönlichen Partizipation (Alby, 2008, S.15). So können beispielsweise selbstständig Internetseiten erstellt, die eigene Meinung mittels Blogs verbreitet und auch persönliche Audio- sowie Videobeiträge in Form von Pod- oder Vodcasts veröffentlicht werden.

Diese Möglichkeiten stellen Potentiale dar, die die heutigen Forderungen nach Lebenslangem Lernen, Kompetenzaufbau und der Aktualisierung des Wissens erfüllen können. Hier ist der Bildungsbereich gefordert, diese Potentiale der neuen Technologien zu erkennen und gewinnbringend für das Lehren und Lernen zu nutzen (Bastiaens et al., 2011, S.7, Richardson, 2011, S.22). Leider hat eine Integration von neuen Medien in die Bildung und Erziehung noch nicht weitreichend stattgefunden. Zum einen verfügen die meisten Lehrenden nicht über einen ausreichenden und sicheren Umgang mit den neuen Technologien (ebenda, S. 23), zum anderen sind anfängliche Erwartungen an das E-Learning nicht erfüllt worden. Im Nachhinein lag es daran, dass diese Erwartungen unrealistisch waren. Man glaubte Lehrende mit neuen Medien ersetzen zu können (Bastiaens, 2011, S.12f.). Medien sind aber lediglich als „Träger des Lernangebots“ zu sehen. Zur Unterstützung von Lernprozessen ist eine didaktische Aufbereitung zwingend erforderlich (ebenda, S. 13).

Im Rahmen des Masterstudiengangs „Bildung und Medien – eEducation“ war es im dritten Modul „Gestaltung und Entwicklung von neuen Medien“ genau die Aufgabe gewesen, Potentiale der neuen Medien mit dem Bildungsbereich zu verbinden. Der Fokus lag hier auf Pod- und Vodcasts. Die erste Teilaufgabe bestand darin, vier Podcasts zu evaluieren. Danach mit den gewonnenen Kriterien ein Konzept für einen eigenen Podcast zu entwerfen und abschließend das Pod- bzw. Vodcast mit einer bildungswissenschaftlichen Thematik zu erstellen.

Im nächsten Kapitel wird zuerst der Begriff Podcast näher definiert sowie die verschiedenen Formen und Nutzungsmöglichkeiten von Podcasts erläutert.

Podcasts in der Bildungswissenschaft sind Thema des dritten Kapitels. Die Funktionen und Motive sowie bisherigen Erkenntnisse und Studien zu Podcasts in Bildungskontexten werden vorgestellt. Zudem wird die didaktische Gestaltungsmöglichkeit von Podcasts beschrieben.

Im Kapitel 4 erfolgt dann die Vorstellung des eigenen Pod-/Vodcasts „Webquests- Ein abenteuerliches Lernen im Netz“. Die Thematik, die Funktionen und Motive sowie der Aufbau und das Design werden genau beschrieben. Ebenso erfolgt ein Einblick in die technische Umsetzung. Die anschließende Reflexion mit einer vorangegangenen Evaluation des eigenen Podcasts und einer nachträglicher Optimierung sind Thema des letzten Unterkapitels. Eine Zusammenfassung mit Fazit bildet den Abschluss dieser Hausarbeit.

Aus Gründen der Lesbarkeit wird die männliche Form verwendet, selbstverständlich sind beide Geschlechter angesprochen.

2. Definition, Formen und Nutzung von Podcasts

Podcasts werden über das Internet meist als das Platz sparende mp3- Format angeboten und können auch als eine Art Radiosendung oder als „Radio auf Abruf“ beschrieben werden. Der Begriff „Podcast“ ist hierbei eine Zusammensetzung aus dem bekannten MP3- Player von Apple, dem „iPod“, und dem englischen Wort „broadcast“. Podcasting steht hingegen für das Produzieren und Anbieten von Podcasts (Alby, 2008, S.73, Rennstich, 2005, S.2).

Podcasts sind digitale Audiodateien bestehend aus Sprache, Musik oder Geräuschen, die entweder am PC oder mit Hilfe eines mobilen Endgerätes zeitlich und örtlich flexibel angehört werden können (Schmidt, Ketterl & Morisse, 2007, S.2). Mit Hilfe der RSS- Funktion (RSS- Feed) können Podcasts ähnlich wie Blogbeiträge oder aktuelle Nachrichten auch abonniert werden (Bastiaens, 2011, S.85). Ein Enhanced Podcast ist ein erweitertes Podcast, das mit Bildern, Internetverweisen oder Lesezeichen angereichert wurde. Ein Video Podcast, oder auch kurz Vodcast genannt, beinhaltet visuelle Kommunikationselemente und wird in einem anderen Format- z.B. als mp4-Datei- erstellt und angeboten. Rasende technische Entwicklungen und Anpassungen ermöglichen selbst mit mobilen Endgeräten ein problemloses Konsumieren von multimedialen Inhalten. Lediglich die Displaygröße oder eine kurze Batterielaufzeit können beispielsweise bei Vodcasts ein Hindernis darstellen (Schmidt et al., 2007, S.3f.)

Das Unternehmen Apple hat Podcasts zur Popularität verholfen, da es die entsprechenden Geräte und Software auf den Markt brachte. Auch andere Anbieter passten ihr Angebot an, so dass nicht nur der flexiblere Umgang im Vergleich zum Radio, sondern auch das mittlerweile immense Themenangebot als Vorteile von Podcasts angesehen werden können (Alby, 2008, S.75). Das Pod-casting, das aktive Produzieren von Podcasts, ist ebenso unkompliziert und mit kostenlos angebotener Software ohne Programmierkenntnisse möglich, so dass Podcasts im Rahmen der persönlichen Partizipationsmöglichkeit des Web 2.0 „für Individualität und Unangepasstheit“ (ebenda, S.75) stehen.

Abbildung 1 verdeutlicht das Produzieren und Abonnieren von Podcasts, das aus vier Schritten besteht, auf anschauliche Weise:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Von der Aufnahme zum Hörer (Schmidt et al., 2007, S.3)

I: Aufnahme der Podcast- Sendung mittels eines Mikrofons und einer Audioeditor- Software (z.B. GarageBand, Audacity) durch den Produzenten. Abspeichern der Audiodatei als mp3- Format
II: Ablage der Podcast- Sendung auf einem Webserver. Der Podcast kann jetzt schon zum Download angeboten werden, oder er wird in Verbindung mit einem RSS- Feed für eine Abonnement- Funktion auf den entsprechenden Pod- catcher- Seiten veröffentlicht
III: Der Konsument bzw. Empfänger wird über eine Podcast- Client Software über das zur Verfügung stehende Podcast informiert. Der Aggregator des Nutzers ladet dann die gewünschten Podcasts herunter. Auch besteht die Möglichkeit sich über Verzeichnisse wie z.B. http://podster.de über angebotene Podcasts zu informieren
IV: Der Empfänger nutzt den Podcast mittels eines PCs oder speichert es dann auf seinem Mobilgerät ab. Hierfür stehen u.a. Podcatcher- Programme zur Verfügung (u.a. iTunes bei Apple, Doppler für Windows (Schmidt et al., 2007, S.3, Deal, 2007, S.3).

Podcasts gewinnen gerade im Bildungs- und Lernkontexten immer mehr an Bedeutung, da ein Podcast zu einem „Medium für die Vermittlung von Wissen“ geworden ist (Alby, 2008, S.81). Wie Podcasts in Bildungskontexten Anwendung finden, ist Thema des nächsten Kapitels. Hier werden ebenso einige Erkenntnisse und Studien zu Podcasts vorgestellt sowie didaktische Gestaltungsempfehlungen gegeben.

3. Podcasts in der Bildungswissenschaft

Podcasts zeichnen sich nach Jowitt (2007, S.13) durch verschiedene Vorteile und Nutzen für Lernende aus: Sie können zeitlich und örtlich flexibel konsumiert werden. Ebenso kann die Nutzung individuell und selbstgesteuert erfolgen. Die Dateien können vorgespult oder nochmals angehört werden. Wissen kann mithilfe von Podcasts informell zu jeder gewünschten Thematik angereichert werden. Ein „User generated content“ ist möglich, d.h. der Lerninhalt wird von den Lernenden selbst bestimmt (Schiefner, 2008, S.14). Auch die Stimulation des auditiven Sinneskanals durch Podcasts bietet Vorteile. An auditives Lernen sind die meisten Lernenden gewohnt. Durch die menschliche Stimme sind ein größerer Ausdruck sowie die Darstellung von Emotionen möglich, was eine Authenzität und somit auch die Aufmerksamkeit fördert (ebenda, S.15f.). Cruz und Carvalho (2007, S.313f.) sehen Podcasting als „ a powerful web tool that allows communication and distribution of educational content. […] With Podcasting, educational institutions can keep their promise of preparing learners for life in the 21st century.

Podcasts scheinen somit als Medium Potentiale zu haben, um Lernen zu fördern und zu unterstützen. Doch nicht jedes Podcast führt zu einem Lernerfolg. Zu dieser Erkenntnis gelangte man spätestens nach der Bearbeitung der ersten Teilaufgabe des Moduls -der Evaluation von vier Podcasts. Es zeigte sich, dass zahlreiche Kriterien berücksichtigt werden müssen, damit allein schon ein Pod-cast von einem Nutzer bis zum Ende angehört wird.

3.1 Funktionen und Motive von Podcasts in der Bildungswissenschaft

Podcasts, die zu Lern- und/oder Lehrzwecken bereitgestellt werden, können auch „Educasts“ genannt werden (Zorn, Auwärter, Krüger & Seehagen-Marx, 2011, S.2). Vorwiegend werden im Bildungsbereich vor allem Universitätsvorlesungen, Interviews und Diskussionen als Pod- und Vodcasts angeboten. Die Funktion der Podcasts kann hierbei nach Schneider (2011, S. 165) dem Teleteaching zugeordnet werden. Es findet eine Instruktion der Lernenden statt. Die Educasts dienen als Informationsquelle für eine Wissensrepräsentation und -vermittlung. 90% der produzierten Podcasts sind Vorlesungsaufzeichnungen. Die Lernenden haben die Möglichkeit sich die Vorlesungsinhalte nochmals anzuhören und so kognitiv intensiver zu verarbeiten. Auch ist ein Protokollieren während der Vorlesung nicht mehr notwendig (Schiefner, 2008, S.16). Allerdings sind diese Vorlesungs- Aufzeichnungen meist nicht speziell didaktisch aufbereitet. Fraglich ist dann, ob wirklich Lernprozesse in Gang gesetzt und Aufmerksamkeit sowie Motivation der Lernenden angeregt werden. Wenn Vorlesungen nur als reine Mitschnitte präsentiert werden, kann es zu kognitiven Überlastungen kommen, da auditives Lernen auch einer hohen Konzentration bedarf (ebenda, S.20f.). Damit durch Podcasts im Sinne der Lerntheoretischen Verortung des Kognitivismus Lernprozesse durch die geleitete Aufnahme und Verarbeitung von Wissen erfolgen können, muss ein Podcast für den Bildungskontext didaktisch aufbereitet werden (Zorn et al., 2011, S.3).

Ebenso kann es aber auch in Lehr-Lernkontexten die Lernaufgabe sein, dass Lernende selbst einen Podcast erstellen sollen. Hierdurch wird zum einen die Medienkompetenz der Lernenden gefördert. Zum anderen findet ein konstruktivistisches Lernen statt -Wissen wird nicht einfach übertragen- , sondern basiert somit „[…] in the belief that students learn best when they gain knowledge through exploration and active learning“ (Schneider, 2011, S.20).

Lernende erschließen, verarbeiten, strukturieren und transferieren ihr Wissen, wobei eigene kognitive Schemata konstruiert werden und der erstellte Podcast dann „eine veräußerlichte Form der erfolgten Lern- und Denkprozesse“ darstellt. Es findet ein Learning- By- Designing statt und der Educast übernimmt die Funktion der Wissenskonstruktion (Zorn et al., 2011, S.3).

3.2 Erkenntnisse und Studien zu Podcasts in Bildungskontexten

Auch die bereits erwähnte vorangegangene Evaluationsaufgabe im Modul 3 bereicherte durch persönlich gewonnene Erfahrung sowie Erkenntnisse und verdeutlichte, dass Podcasts unterschiedlich wahrgenommen werden und natürlich auch auf Vorlieben der Nutzer basieren. Dennoch ließen sich Faktoren identifizieren, die beispielsweise beim Zuhören motivierender wirkten als andere. So waren beispielsweise zu vernehmende Störgeräusche beim Zuhören hinderlich. Auch Sprecher mit einem Dialekt erschwerten die Aufnahme des Podcasts- Inhalts. Ein zu langer Podcast, der lediglich nur einen Mitschnitt einer Vorlesung darstellte, motivierte nur gering zum Zuhören. Motivationsförderlich waren wiederum Podcasts, die strukturiert aufbereitet waren und einen ansprechenden und Interesse weckenden Inhalt aufwiesen.

Empirisch wurden bereits einige wissenschaftliche Forschungen bezüglich Educasts in Bildungsbereichen durchgeführt. Untersucht wurden hierbei die Akzeptanz, die Nutzung und der Mehrwert von Podcasts für das Lernen. Einige Ergebnisse werden im Folgenden vorgestellt:

Bezüglich der Nutzung von Podcasts brachten einige Studien zum Vorschein, dass die Lernenden oft hinsichtlich ihres Medienverhaltens und -wissens überschätzt werden. Es zeigte sich, dass die Netzgeneration wesentlich seltener Web 2.0 Technologien nutzt als anfangs vermutet (Kennedy, Dalgarno, Gray, Judd, Waycott, Bennett, Maton, Krause, Bishop, Chang & Churchward, 2007, S. 517). Eine im Jahre 2007 von der Universität Zürich durchgeführte Befragung brachte zum Vorschein, dass mehr als die Hälfte der dort Studierenden noch nie Podcasts genutzt haben, für 10% sind Podcasts sogar unbekannt (Schiefner, 2008, S.18). Die Ergebnisse der Studie von Kennedy et al. (2007, S.520) sowie auch Forschungsergebnisse von Dennen & Myers (2010, S.47f.) sind hierbei ähnlich. Es fehlt auch gerade die Kompetenz die neuen Medien effektiv für das Lernen zu nutzen (Bastiaens, 2011, S.12).

Blok und Godsk (2009, S.119f.) konnten aufweisen, dass viele Studenten Pod-casts als eine Gelegenheit sehen Vorlesungen bzw. Unterrichtsinhalte vor Prüfungen wiederholen und erarbeiten zu können. Auch stellen Podcasts für sie eine gute Möglichkeit dar auf verpasste Lehrinhalte (z.B. wegen Krankheit) zugreifen zu können. Wenn Vorlesungen allerdings als einfacher Mitschnitt und in voller Länge als Podcast angeboten werden, konnte kein Lerngewinn nachgewiesen werden. Wichtig wäre hierbei zu mindestens eine Einteilung der Vorlesungsdatei in Sequenzen, damit einzelne Passagen nachzuschlagen sind. Empfehlenswerter für den Lernprozess ist es jedoch, den Studierenden zusätzlich zum Vorlesungspodcast eine Lernaufgabe zu stellen (Schiefner, 2008, S.22).

Educasts, die speziell für das gewählte Medienformat didaktisch aufbereitet worden sind, werden mehr genutzt und haben einen lernförderlichen Mehrwert für Lernende (Zorn et al, 2011, S.3f., Blok & Godsk, 2009, S.125f.). Außerdem sind Faktoren identifiziert worden, die bezüglich des Aufbaus und der Struktur eines Podcasts Berücksichtigung finden sollten:

Der Podcast sollte beispielsweise nicht zu lang sein (ebenda, S.125), empfehlenswert sind ca. 15 Minuten. Zudem muss die Stimme des Sprechers gut zu verstehen sein und eine bestimmte Sprechgeschwindigkeit sollte nicht überschritten werden, damit es nicht zu einer kognitiven Überlastung der Hörer kommt (Weidenmann, 2009, S.82). Ebenso wirken Störgeräusche und zu viele überlappende Handlungen demotivierend. Zudem werden Podcasts motivierend empfunden, die die Hörer in ihrer Lebenswelt verorten können. Die Thematik muss möglichst direkt am Anfang das Interesse der Hörer wecken. So soll der Effekt des Selbstkonzepts beim Hörer gefördert werden (Moreno & Mayer, 2000, S.725). Es hat sich gezeigt, dass ein informeller Sprechton und die Ansprache in der zweiten Person lernförderlicher sind. So sollte der Text eines Podcasts nicht zu formell formuliert sein (Mayer, 2009, S.242). Erkenntnisse aus dem Speaker/ Gender- Effekt belegen eine höhere Lernmotivation, wenn weibliche Sprecherinnen eingesetzt werden (Linek, Gerjets & Scheiter, 2010, S.487).

Das Publizieren eigener Podcasts findet bei den Lernenden große Zustimmung. Die Motivation, sich mit dem Lernstoff auseinanderzusetzen, wird bei dieser Lernmethode stark angeregt und dementsprechend zeigten sich auch hier die größten Lernerfolge (Cruz & Carvalho, 2007, S.318).

Wenn Vodcasts für Lernzwecke angeboten werden, muss sowohl die Kognitive Load Theory (Sweller, 2003, zitiert nach Schneider, 2011, S. 32) als auch insbesondere die Kognitive Theorie des multimedialen Lernens nach Mayer (2002, S.94, zitiert nach Schneider, 2011, S. 115) beachtet werden. Einerseits können zusätzliche erklärende Bilder lernförderlicher sein als ein gesprochener Text allein, andererseits kann es aber auch zur kognitiven Überlastung der Lernenden kommen. Nach dem Multimedia-Prinzip ist eine Kombination von Text und Grafik lernwirksamer als ein Text allein und nach dem Modalitäts- Prinzip ist gerade für die Erläuterung von Grafiken gesprochener Text zu bevorzugen. Das Redundanz- Prinzip wiederum besagt, dass eine gleichzeitige Darbietung von geschriebenem und gesprochenem Text das Lernen beeinträchtigen kann. Das beste Beispiel hierfür wäre ein Vodcast oder auch ein Enhanced Podcast, bei dem die Power Point Folien ganz viel Text beinhalten und der Redner gleichzeitig spricht (Niegemann, Hessel, Hochscheid-Mauel, Aslanski, Deimann & Kreuzberger, 2004, S.194ff., Mayer, 2009, S.118f., Ritzhaupt, Gomes & Barron, 2008, S.2437).

3.3 Didaktische Gestaltung von Podcasts

Der durchschnittliche Lernerfolg ist relativ unabhängig von dem gewählten Mediensystem und der eingesetzten Technologie. Die Effekte sind vergleichsweise schwach. Es ist vor allem eine Frage der didaktischen Methode […], die sich auf den Lernerfolg niederschlägt “ (Kerres, 2012, S.71).

Neben der Beachtung der Erkenntnisse der Studien zu Podcasts, müssen also vor einer Umsetzung bzw. vor einer Podcast- Erstellung wichtige lernrelevante Kontexte beachtet werden, wie z.B. die Parameter der Lernenden -der Zielgruppe-, der Lerngegenstand und die dazu notwendigen didaktischen Methoden sowie die technologische Umsetzung sollten vorher genau in den Blick genommen werden (Bastiaens, 2011, S. 15ff.). Die didaktische Gestaltung sollte sich hierbei an der Lernsituation ausrichten und die gesamten Bedingungen des didaktischen Feldes mit einbeziehen (Kerres, 2004, S.9). Dabei hängt die Qualität des mediengestützten Lernens deutlich mehr von der Konzeption als von der Durchführung ab. Beim normalen Präsenzunterricht können Änderungen oder Anpassungen wesentlich einfacher umgesetzt werden. Bei einem E- Learning- Angebot ist dieses nicht so einfach mehr möglich. Daher sind vorherige Überlegungen und eine vollständige didaktische Planung sehr wichtig (Kerres, 2001, S. 52).

Instruction design Modelle erweisen sich gerade für den Einsatz moderner Lerntechnologien als besonders hilfreich. So zeichnet sich das Instructional Design insbesondere durch seine Anleitungen aus, die vor allem weniger erfahrenen Lehrenden bei didaktischen Entscheidungen Sicherheit vermitteln. Es gibt fünf Verfahrensschritte bzw. Entwicklungsphasen beim Instructional Design, die im englischsprachigen Raum auch als das ADDIE- Modell bezeichnet werden. ADDIE steht hierbei als Abkürzung für die englischen Begriffe: Analyse, Design, Development, Implementation und Evaluation (Niegemann et al., 2004, S. 22, Schneider, 2011, S.53).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Instructional System Design. Das ADDIE- Modell (nach Niegemann et al., 2004, S.22)

Analyse: Hier ist der Zweck bzw. der Bedarf des geplanten Lernangebots zu bestimmen

Planung/ Design: Lehrziele und Lernergebnisse sind zu formulieren und müssen auch überprüfbar sein; Lehr- Lernmethoden sind unter Berücksichtigung der Merkmale der Lernenden, der Zielgruppe, auszuwählen

Entwicklung/ Development: in Bezug auf die vorangegangene Planung sind die Inhalte, Materialien und Medien fertigzustellen bzw. zu produzieren

Einsatz/ Implemantation: die entwickelten Materialien, Inhalte und Medien werden nun in konkreten Bildungskontexten eingesetzt

Evaluation: Beurteilung des Erfolgs der Durchführung; erst nach einer positiven Evaluation kann die Lernumgebung in den Echtbetrieb überführt werden, ansonsten sind Modifikationen notwendig (Reinmann, 2011, S. 39f.)

Das ADDIE- Modell bildete auch die Grundlage bei der Erstellung des eigenen Podcasts. Bei der Erstellung eines Podcasts ist noch zu beachten, dass für die Planung ein Drehbuch erstellt wird. Dieses soll zum einen bei der technischen Produktion eine Hilfestellung beim Sprechen darstellen, da es auch den Sprechinhalt enthält, aber insbesondere die Erarbeitung der für die Zielgruppe ausgerichteten Lerninhalte sowie Lernziele und den Produktionsweg des Educasts enthalten. Nicht zu vergessen ist hierbei auch die Beachtung der rechtlichen Aspekte, wie z.B. das Urheberrecht beim Verwenden von Musikstücken (Zorn et al., 2011, S.4).

Beim E- Learning bzw. Lernen mit neuen Medien sind motivierende Maßnahmen sehr wichtig, damit die Teilnehmer das Lernangebot nutzen und durchhalten. Gerade selbständiges Lernen muss ständig neu motiviert werden (Niegemann et al., 2004, S.205). Beim Podcast ist es am Anfang sehr wichtig, die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu erregen. Während des Podcast- Hörens muss die Aufmerksamkeitsspanne und die Erfolgszuversicht gehalten werden und am Schluss möchte man eine Lerner - Zufriedenheit erreichen.

Das ARCS-Modell, ein unterstützendes Instruktionsdesignmodell nach John Keller (1984), liefert hierbei hilfreiche Strategien zur systematischen und gezielten Förderung der Motivation der Lernenden. Das Modell ist nach den Anfangsbuchstaben der vier Hauptkategorien - A ttention, R elevance, C onfidence und S atisfaction- benannt. Im Folgenden werden vorwiegend die Strategien erwähnt, die gerade bei einer Podcast- Erstellung relevant bzw. zu beachten sind:

[...]

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Mit Pod- und Vodcasts neue Wege in der Bildungswissenschaft beschreiten. Beschreibung, Umsetzung und Reflexion des Potentials der neuen Medien in der Pädagogik
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Kultur- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Master Bildung und Medien eEducation
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
32
Katalognummer
V316485
ISBN (eBook)
9783668164321
ISBN (Buch)
9783668164338
Dateigröße
1472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Podcast, Podcasts, Vodcast, Vodcasts, Bildungswissenschaft, Wissen, Neue Medien, Social Software, Master Modul 3, Fernuniversität Hagen, Entwicklung und Evaluation von digitalen Medien, Modul 3, Masterstudium, Bildung und Medien, eEducation, Entwicklung eines eigenen Podcasts
Arbeit zitieren
Eva Ortmann-Welp (Autor), 2013, Mit Pod- und Vodcasts neue Wege in der Bildungswissenschaft beschreiten. Beschreibung, Umsetzung und Reflexion des Potentials der neuen Medien in der Pädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316485

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