Beschäftigt man sich mit dem Phänomen der sogenannten "gated communities", stößt man unweigerlich auf zwei Worte: „Exklusion“ und „ausschließen“. Ziel dieser Arbeit ist es, sich mit diesen beiden Begriffen auseinanderzusetzen und sie im Kontext der gated communities näher zu beleuchten.
Dabei wird ein kurzer Abriss verschiedener theoretischer Zugänge zu „Exklusion“ und „ausschließen“ präsentiert (Systemtheorie, soziale Schließung), die als Grundlage für das hier vorgestellte Konzept der „ausschließenden Handlungen“ dienen sollen. Etwas abseits davon soll auch auf einen weiteren Aspekt eingegangen werden, der gated communities oftmals zugeordnet wird, nämlich dem der Sicherheit und Verbrechenskontrolle.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Exklusion und ausschließende Handlungen
2.1 Exklusion in der Systemtheorie
2.2 Ausschluss in den Wirtschaftswissenschaften: Das Ausschließbarkeitsprinzip
2.3 Soziale Schließung
2.4 Ausschließende Handlungen
3. Ausschluss und Exklusion in der Literatur über Gated communities
3.1 Definition gated community
3.2 Subjekte der Ausschlüsse - Handelnde Akteure
3.3 Objekte der Ausschlüsse - Wer wird wovon ausgeschlossen?
3.4 Effekte der Ausschlüsse
4. Gated communities im Kontext von Devianz und sozialer Kontrolle
5. Synopsis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der „gated communities“ durch die soziologische Linse von Exklusion und Ausschluss. Ziel ist es, ein handlungstheoretisches Konzept der „ausschließenden Handlungen“ zu entwickeln, um soziale Segregationsprozesse und die Privatisierung von öffentlichem Raum sowie Sicherheit präziser analysieren zu können.
- Theoretische Fundierung von Exklusions- und Ausschlussbegriffen
- Analyse der Akteure und Objekte bei räumlichen Ausschlüssen
- Untersuchung sozioökonomischer Effekte und Segregation
- Verknüpfung von privater Sicherheit und sozialer Kontrolle
Auszug aus dem Buch
2.4 Ausschließende Handlungen
Ausschließende Handlungen sind all jene Handlungen, die in einem Ausschluss resultieren. Eine ausschließende Handlung unterbindet direkt oder indirekt, gewollt oder ungewollt gewisse Formen des Zugangs eines Individuums zu einem Objekt jeglicher Art. Unter Objekt ist in Anlehnung an Blumers Begriff der „Dinge“ prinzipiell alles zu verstehen, was Menschen in ihrer Umwelt wahrnehmen können. (vgl. Blumer 1973: S.81) In der sozialen Praxis werden ausschließende Handlungen aber vor allem in Bezug auf Dinge, wie physische Gegenstände, insbesondere wirtschaftliche Güter und Ressourcen sowie auch Diskurse und Informationen unternommen werden, da hier Mittel und Wege existieren, den Ausschluss durchzusetzen.
Eine ausschließende Handlung bedeutet nicht zwingend eine absolute Unmöglichkeit des Zugangs, aber zumindest eine Erschwernis, die auch nicht unbedingt in der Exklusion von einem Funktionssystem resultieren muss. Der Ausschluss muss als Resultat der Handlung erkennbar sein um von einer ausschließenden Handlung sprechen zu können – das bedeutet der Zugang muss – wie Weber es in Bezug auf eine offene soziale Beziehung beschreibt – jedem möglich sein, „der dazu tatsächlich in der Lage und geneigt ist.“ (Weber 2013: S. 198)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die begriffliche Problematik von „Exklusion“ und „Ausschluss“ im Kontext privatisierter Wohnformen ein und steckt das Ziel ab, ein Konzept „ausschließender Handlungen“ zu etablieren.
2. Exklusion und ausschließende Handlungen: Dieses Kapitel vergleicht systemtheoretische, wirtschaftswissenschaftliche und handlungstheoretische Zugänge zu Ausschlussmechanismen und definiert den Begriff der ausschließenden Handlung als interaktionistisches Analysewerkzeug.
3. Ausschluss und Exklusion in der Literatur über Gated communities: Hier wird der theoretische Rahmen auf gated communities angewandt, um Definitionskriterien, handelnde Akteure und die Folgen räumlicher Exklusion für betroffene Außenstehende zu beleuchten.
4. Gated communities im Kontext von Devianz und sozialer Kontrolle: Das Kapitel analysiert, wie gated communities im Rahmen der „neuen Kriminologie“ als privatisierte Antwort auf Sicherheitsbedürfnisse und staatliche Kontrollverluste fungieren.
5. Synopsis: Das Schlusskapitel fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und betont die Rolle von gated communities als Vehikel für räumliche Segregation und soziale Ungleichheit.
Schlüsselwörter
Gated communities, Soziale Exklusion, Ausschließende Handlungen, Soziale Schließung, Räumliche Segregation, Private Sicherheit, Soziale Kontrolle, Ausschlussprinzip, Volkswirtschaftslehre, Infrastrukturprivatisierung, Gesellschaftliche Spaltung, Interaktionsebene, Systemtheorie, Wohnkomplexe, Devianz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von gated communities (geschlossenen Wohnanlagen) unter dem spezifischen Aspekt der Exklusionsmechanismen und des Ausschlusses von Individuen aus räumlichen und sozialen Bereichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die theoretische Abgrenzung von Ausschluss und Exklusion, die Analyse von Akteuren, die hinter derartigen Projekten stehen, sowie die Auswirkungen dieser Wohnform auf die soziale Segregation und die öffentliche Sicherheit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Etablierung eines handlungstheoretischen Konzepts der „ausschließenden Handlungen“, um das Phänomen der gated communities soziologisch fundiert und ohne die Belastung durch rein systemtheoretische Exklusionsbegriffe untersuchen zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt einen theoretisch-analytischen Ansatz, der existierende soziologische und wirtschaftswissenschaftliche Theorien (u.a. von Luhmann, Weber, Garland) zusammenführt und auf das konkrete Phänomen der gated communities überträgt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Begriffe (Exklusion, soziale Schließung, ökonomisches Ausschließbarkeitsprinzip) und die anschließende Anwendung auf gated communities, inklusive deren Kontext in der Kriminologie und Sicherheitsdebatte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie gated communities, soziale Segregation, ausschließende Handlungen, soziale Kontrolle und Privatisierung von Infrastruktur charakterisiert.
Wie unterscheidet der Autor zwischen „sozialer Schließung“ und „ausschließenden Handlungen“?
Während soziale Schließung bei Max Weber meist bewusste Strategien zur Wahrung von Privilegien impliziert, können ausschließende Handlungen im Konzept des Autors auch unbeabsichtigte oder indirekte Folgen haben, was die Beobachtung auf der Interaktionsebene erleichtert.
Welche Rolle spielt die „neue Kriminologie“ im Kontext dieser Wohnformen?
Sie dient als Erklärungsmodell dafür, wie sich die Verantwortung für Sicherheit vom Staat auf private Akteure verlagert und wie Überwachungstechnologien innerhalb von gated communities zur Norm werden, um das Gefühl von Sicherheit zu maximieren.
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- Fritz Lindengrün (Author), 2015, Sicherheit und Verbrechenskontrolle in Gated Communities. Exklusion und ausschließende Handlungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316488