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Die Chemie in Goethes "Die Wahlverwandtschaften". Ein leidenschaftliches Experiment

Title: Die Chemie in Goethes "Die Wahlverwandtschaften". Ein leidenschaftliches Experiment

Term Paper , 2012 , 13 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Dana Swillims (Author)

German Studies - Linguistics
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Goethes Roman "Die Wahlverwandschaften" (1809) zeigt genau die Vereinbarung der scheinbar gegensätzlichen Begriffe Wissenschaft und Poesie. Der Roman stellt nach Adler „eine einzigartige Synthese von Literatur und Naturwissenschaften dar“ (Adler 1987, S. 9). Bereits der gewählte Titel verweist auf die Bedeutung der Naturwissenschaften für den Roman. Der Begriff der „Wahlverwandtschaft“ ist in der Chemie des achtzehnten Jahrhunderts zu verorten und beschreibt die Eigenschaft bestimmter chemischer Elemente, bei der Annäherung anderer Stoffe ihre bestehenden Verbindungen zu lösen und sich mit den neu hinzugekommenen Elementen zu vereinigen. Der Roman stützt sich auf diese Theorie der Wahlverwandtschaften und überträgt diese auf menschliche Verhältnisse. Es scheint, als habe Goethe großes Vergnügen, innerhalb des Romans statt mit Stoffen mit Menschen zu experimentieren.

Zentrale Kapitel, die einen besonderen Bezug zur Chemie haben, sollen innerhalb dieser Arbeit näher beleuchtet werden und es soll überprüft werden, inwiefern die chemischen Gesetze die menschlichen Leidenschaften der Protagonisten erklären können.

Im Fokus steht dabei das vierte Kapitel des ersten Teils, welches die Gleichnisrede beinhaltet, innerhalb derer die chemische Theorie der Verwandtschaften mit vielen Einzelheiten besprochen, und die Handlung des Romans bis zu einem gewissen Maß vorhersagt wird. Die Diskussion der Figuren dreht sich um Anziehungen und Abstoßungen von Elementen. Im weiteren Verlauf des Romans wird die Lehre der Verwandtschaften auf menschliche Verhältnisse übertragen und am Beispiel der Protagonisten ergänzt und erweitert. Weiterhin sollen die ersten Kapitel des Romans betrachtet werden, da dies bereits zahlreiche Verweise auf chemische Hintergründe beinhalteten.

Überdies soll genauer beleuchtet werden, inwiefern die Elemente den Romanfiguren zugeordnet werden können. Dies soll mit Textstellen aus dem Roman belegt werden. Ich stützte mich in dieser Arbeit insbesondere auf die Arbeiten von Adler (1987) und Wiethölter (1982), die sich beide in umfassender Weise mit der Chemie in den Wahlverwandtschaften auseinandergesetzt haben. Gewiss lassen sich die Theorien der beiden auch durch einige Textstellen widerlegen, wie auch in der Literatur bereits geschehen. Dennoch möchte ich mich der Lesart der beiden Autoren anschließen und versuchen ihre Theorien durch entsprechende Textstellen zu untermauern.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition „Wahlverwandtschaft“ in der Chemie

3. Kapitel 1 und 2

4. Zuordnung der Figuren des Romans zu den Elementen (nach Wiethölter)

5. Kapitel 4: Die Gleichnisrede

6. Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die chemische Theorie der Wahlverwandtschaften in Goethes gleichnamigem Roman und prüft, inwieweit diese naturwissenschaftlichen Gesetze zur Erklärung menschlicher Leidenschaften und zwischenmenschlicher Beziehungen der Protagonisten herangezogen werden können.

  • Analyse der chemischen Grundlagen der „Wahlverwandtschaft“ im 18. Jahrhundert.
  • Untersuchung der strukturellen Parallelen zwischen chemischen Experimenten und der Romanhandlung.
  • Systematische Zuordnung der Romanfiguren zu den vier klassischen Elementen nach Wiethölter.
  • Interpretation der zentralen „Gleichnisrede“ als Schlüssel zum Verständnis des Romans.
  • Diskussion über das Spannungsfeld zwischen deterministischen Naturgesetzen und menschlicher Selbstbestimmung.

Auszug aus dem Buch

5. Kapitel 4: Die Gleichnisrede

Die chemische Gleichnisrede im 4. Kapitel des ersten Teils des Romans, zeichnet sich bereits durch zwei besondere äußere Merkmale aus. Zum einen wird in dieser kurzen Passage explizit erwähnt, dass es sich dabei um eine sogenannte „Gleichnisrede“ handelt. Hier kommen die zentralen Gleichnisse zur Sprache, die die Wahlverwandtschaften von Anfang bis Ende bestimmen, weshalb Adler das Gleichnisgespräch auch als „die Idee des Romans“ (Adler 1987, S. 140) bezeichnet. Zum anderen handelt es sich dabei um den einzigen Textausschnitt, in dem wortwörtlich auf den Titel des Romans verwiesen wird. Der Begriff der Wahlverwandtschaften taucht nur in diesem Teil des Romans auf und wird insgesamt viermal erwähnt.

Adler verweist in seinen Ausführungen, auf eine alte Tradition chemischer Dialoge, die ein typisches Zeitmoment zur Lebzeit Goethes darstellen (vgl. ebd., S. 84). Im 4. Kapitel wird solch ein Dialog von den Figuren geführt und die Bezeichnung der Gleichnisrede macht deutlich, dass die dargestellte chemische Versuchsanordnung auf die Handlung des Romans bezogen wird. Die Übertragung des chemischen Experiments auf menschliche Verhältnisse wird von den Diskutanten selbst durchgeführt, indem sie die Anordnung der Stoffe, nur halb ernst, auf ihre eigenen Verhältnisse beziehen. Noch ahnen sie nicht, wie nah sie damit der künftigen Wirklichkeit kommen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Ziel der Arbeit dar, die Verbindung zwischen der chemischen Theorie der Wahlverwandtschaften und den menschlichen Beziehungen in Goethes Roman zu untersuchen.

2. Definition „Wahlverwandtschaft“ in der Chemie: Dieses Kapitel erläutert die historische wissenschaftliche Definition der Wahlverwandtschaft nach Torbern Bergman als chemisches Gesetz von Anziehung und Abstoßung.

3. Kapitel 1 und 2: Hier wird der Beginn des Romans als kontrolliertes wissenschaftliches Experiment analysiert, in dem die Protagonisten Eduard und Charlotte ihre Zweisamkeit durch die Einladung Dritter erweitern.

4. Zuordnung der Figuren des Romans zu den Elementen (nach Wiethölter): Dieses Kapitel verknüpft die vier Hauptfiguren systematisch mit den Elementen Erde, Luft, Wasser und Feuer, um ihre Rollen im Beziehungsgeflecht zu verdeutlichen.

5. Kapitel 4: Die Gleichnisrede: Diese Sektion untersucht das zentrale Gleichnisgespräch, in dem die chemische Theorie explizit auf die Handlung des Romans übertragen und das Schicksal der Figuren vorweggenommen wird.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert kritisch, ob das Schicksal der Figuren durch Naturgesetze determiniert ist oder Raum für Selbstbestimmung bietet.

Schlüsselwörter

Wahlverwandtschaften, Johann Wolfgang von Goethe, Chemie, Naturwissenschaften, Literatur, Gleichnisrede, Wiethölter, Adler, Anziehungskraft, Determination, Selbstbestimmung, Protagonisten, Experiment, Literaturanalyse, Kalkerde

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der literaturwissenschaftlichen Analyse von Goethes Roman „Die Wahlverwandtschaften“ unter besonderer Berücksichtigung der darin verarbeiteten chemischen Theorien des 18. Jahrhunderts.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Verbindung von Literatur und Naturwissenschaften, die Allegorie chemischer Prozesse auf menschliche Leidenschaften sowie die Rolle der vier Elemente bei der Charakterisierung der Romanfiguren.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu prüfen, inwieweit die von den Figuren diskutierten chemischen Gesetze der Anziehung und Abstoßung tatsächlich die dramatische Handlung des Romans bestimmen und erklären können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse sowie den Abgleich mit den theoretischen Ausarbeitungen von Sekundärliteraten wie Adler und Wiethölter, um Textstellen aus dem Roman zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die ersten Kapitel des Romans, ordnet die Figuren den vier Elementen zu und legt den Fokus auf die „Gleichnisrede“ im vierten Kapitel als inhaltliches Zentrum.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Wahlverwandtschaften, chemische Allegorie, Bestimmung vs. Selbstbestimmung, Naturwissenschaft, Goethe, Figurenkonstellation und das Massenwirkungsgesetz.

Welche Rolle spielt die „Gleichnisrede“ für den Roman?

Die Gleichnisrede dient als zentrales Element, in dem die Protagonisten chemische Versuche diskutieren, die ironischerweise ihre eigene, zukünftige Verstrickung und das tragische Ende der Handlung vorwegnehmen.

Warum ist die Zuordnung der Elemente für das Verständnis wichtig?

Die Zuordnung (z.B. Eduard als Erde, Charlotte als Luft) macht die scheinbare Naturnotwendigkeit der Anziehung zwischen den Charakteren für den Leser erst in ihrer vollen Konsequenz und Tragik sichtbar.

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Details

Title
Die Chemie in Goethes "Die Wahlverwandtschaften". Ein leidenschaftliches Experiment
Grade
1,3
Author
Dana Swillims (Author)
Publication Year
2012
Pages
13
Catalog Number
V316498
ISBN (eBook)
9783668159273
ISBN (Book)
9783668159280
Language
German
Tags
chemie goethes wahlverwandtschaften experiment
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dana Swillims (Author), 2012, Die Chemie in Goethes "Die Wahlverwandtschaften". Ein leidenschaftliches Experiment, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316498
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