In der vorliegenden Hausarbeit wird Merleau-Pontys These, Subjektivität sei per se Intersubjektivität, anhand seiner Ausführungen zur Wahrnehmbarkeit und Verstehbarkeit eines „Du“ auf S.398-414 seines Hauptwerkes erklärt. Diese Ausführungen werden auch in Beziehung zu seinem Begriff der Welt gebracht. Der Titel dieses Werkes ist „Phänomenologie der Wahrnehmung“.
Inhaltsverzeichnis
A: Einleitung
B: Merleau-Pontys Begriff der intersubjektiven Welt
1.1 Das Wahrnehmungsbewusstsein bedingt die Koexistenz
1.2 Die Wahrnehmung und die Welt
1.3 Was Koexistenz kennzeichnet und die Bedeutung der Sprache
1.4 „Meine“ Mitwelt oder der „unüberwindliche“ Solipsismus
1.5 Koexitenz in einer sozialen Welt und der Status des Subjekts in ihr
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit expliziert die philosophische These von Maurice Merleau-Ponty, wonach Subjektivität untrennbar mit Intersubjektivität verknüpft ist, indem sie die Rolle der Wahrnehmung, der Sprache und des Daseins in der Welt innerhalb seines Werkes „Phänomenologie der Wahrnehmung“ analysiert.
- Die phänomenologische Konzeption des Wahrnehmungsbewusstseins.
- Die fundamentale Bedeutung der Welt als Raum der Koexistenz.
- Die Sprache und der Dialog als intersubjektive Vermittlungsinstanzen.
- Das Spannungsfeld zwischen der Unausweichlichkeit des Solipsismus und der sozialen Verankerung des Subjekts.
- Der Status des Subjekts und dessen Freiheit in der sozialen Welt.
Auszug aus dem Buch
1.1 Das Wahrnehmungsbewusstsein bedingt die Koexistenz
Das Bewusstsein, das ein Subjekt besitzt, ist für Merleau-Ponty nur als ein Wahrnehmungsbewusstsein zu verstehen. Es ist für ihn weder ein konstituierendes Bewusstsein noch ein „reines Für-sich-sein“ (PdW, S.403).Es ist perzeptives Bewusstsein und bringt den Anderen zur Erscheinung. Das ist nach Merleau-Ponty eine wesentliche Eigenschaft des „phänomenalen Leibes“. Der Phänomenologe geht aber noch weiter, indem er behauptet, dass man allein durch den Besitz seiner Sinne schon mit den Anderen kommuniziert (PdW, S.405). Man kann also in der sozialen Welt nur miteinander koexistieren, sofern die sensorischen Funktionen eines Subjektes intakt sind. Das ist aus Merleau-Pontys Sicht eine grundlegende Bedingung für ein funktionierendes Zusammenleben.
Diese Tatsache, dass man durch seine Sinne mit dem Anderen kommuniziert und so mit ihm quasi „verbunden“ ist, gilt für ihn als ein Beleg, dass Subjektivität in Wirklichkeit Intersubjektivität bedeutet. Dem Sehen kommt dabei eine besondere Rolle zu, es führt nämlich dazu die Existenz des Anderen „in einer Art Reflexion nachzuvollziehen“ (PdW, S.403). Dies geschieht, wenn die Blicke zweier Menschen sich kreuzen. Merleau-Ponty weist jedoch in diesem Kontext darauf hin, dass dieser Vorgang nichts mit einem „Analogieschluß“ zu tun hat. Wichtig ist auf den Zusammenhang zwischen Wahrnehmen und Denken zu achten, weil, so seine Auffassung, „in den Wahrnehmungsorganen ein Denken bereits am Werke ist, das älter ist als ich selbst und dessen bloße Spuren die Organe sind“ (PdW, S.403).
Zusammenfassung der Kapitel
A: Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale These ein, dass Subjektivität als Intersubjektivität zu verstehen ist, und skizziert den theoretischen Bezugsrahmen von Merleau-Pontys „Phänomenologie der Wahrnehmung“.
B: Merleau-Pontys Begriff der intersubjektiven Welt: Dieses Kapitel etabliert den phänomenologischen Begriff der Welt als notwendige Voraussetzung für das Verständnis der Intersubjektivität.
1.1 Das Wahrnehmungsbewusstsein bedingt die Koexistenz: Hier wird argumentiert, dass das Bewusstsein primär ein Wahrnehmungsbewusstsein ist, welches durch den phänomenalen Leib die Kommunikation mit Anderen ermöglicht.
1.2 Die Wahrnehmung und die Welt: Dieses Kapitel erläutert, wie der menschliche Leib als Stützpunkt in der Welt fungiert und somit die Wahrnehmung des Anderen jenseits objektiven Denkens erlaubt.
1.3 Was Koexistenz kennzeichnet und die Bedeutung der Sprache: Die Bedeutung des Dialogs wird hervorgehoben, da dieser als „gemeinsames Tun“ die Verbundenheit zwischen Subjekten in einer geteilten Welt verdeutlicht.
1.4 „Meine“ Mitwelt oder der „unüberwindliche“ Solipsismus: Hier wird kritisch reflektiert, dass trotz intersubjektiver Versuche eine grundlegende Trennung der Welten bestehen bleibt, was als „unüberwindlicher Solipsismus“ bezeichnet wird.
1.5 Koexitenz in einer sozialen Welt und der Status des Subjekts in ihr: Abschließend wird untersucht, wie das Subjekt in seiner Freiheit auf die soziale Welt reagiert und warum Kommunikation selbst in verweigerter Form als Intersubjektivität zu deuten ist.
Schlüsselwörter
Intersubjektivität, Wahrnehmung, Phänomenologie, Koexistenz, Subjektivität, Leib, Welt, Dialog, Sprache, Solipsismus, Freiheit, Mitwelt, Existenzialismus, Bewusstsein, Wahrnehmungsbewusstsein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die philosophische Position von Maurice Merleau-Ponty hinsichtlich der Frage, inwieweit Subjektivität zwangsläufig als Intersubjektivität verstanden werden muss.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten zählen das Wahrnehmungsbewusstsein, die Rolle des phänomenalen Leibes, die Funktion der Sprache im Dialog und das Spannungsverhältnis zwischen Solipsismus und sozialer Koexistenz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Merleau-Pontys Ausführungen zur Wahrnehmbarkeit und Verstehbarkeit des Anderen in seinem Hauptwerk „Phänomenologie der Wahrnehmung“ darzulegen und in Bezug zu seinem Weltbegriff zu setzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse bzw. eine phänomenologische Untersuchung, die sich auf die Argumentationsstruktur von Merleau-Ponty stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in fünf Abschnitte, die von der phänomenologischen Bedingung der Koexistenz über die vermittelnde Rolle der Welt und Sprache bis hin zur Problematik des Solipsismus und dem Status der Freiheit des Subjekts reichen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Intersubjektivität, Wahrnehmungsbewusstsein, Leiblichkeit, Dialog, Mitwelt und die Freiheit des Subjekts.
Wie unterscheidet sich die „friedliche Koexistenz“ des Kindes vom Erwachsenen laut dem Text?
Der Text führt aus, dass Kinder in der Regel keine Probleme mit der Koexistenz haben, während für den Erwachsenen die Wahrnehmung des Anderen durch das reflektierte Denken zu einem Problem wird, das erst durch Dialog überwunden werden muss.
Warum bezeichnet der Autor den Solipsismus als „unüberwindlich“?
Der Autor argumentiert, dass jeder Mensch die Welt aus seiner individuellen Subjektivität entwirft und somit immer eine Grenze bestehen bleibt, die das eigene Erleben von dem des Anderen trennt.
Welche Rolle spielt der Begriff der Freiheit in der sozialen Welt?
Freiheit wird als das fundamentale Vermögen verstanden, Subjekt eigener Erfahrungen zu sein; sie zeichnet den Status des Subjekts aus, das sich in die Welt geworfen vorfindet und zur Gestaltung intersubjektiver Beziehungen herausgefordert ist.
Inwiefern ist selbst „verweigerte Kommunikation“ eine Form der Kommunikation?
In Anlehnung an Watzlawicks Prinzip zeigt Merleau-Ponty auf, dass auch ein Rückzug aus dem Dialog eine Form des Sich-Beziehens auf den Anderen darstellt, da man innerhalb einer Gemeinschaft sprechender Menschen agiert.
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- Nils Gantner (Autor), 2006, Merleau-Pontys Begriff der intersubjektiven Welt, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316647