Ethische Aspekte des Dopings. Auswirkungen auf Chancengleichheit, Fairness, Gesundheit und Mündigkeit


Seminararbeit, 2009

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Anthropologie

3 Dopinggeschichte

4 Doping in unserer Gesellschaft und im Sport

5 Athleten
5.1 Athleten: Finanzieller Aspekt
5.2 Athleten: Mündigkeit
5.3 Athleten: Gesundheit
5.4 Athleten: Chancengleichheit
5.5 Athleten: Fairness
5.6 Athleten: Verantwortung

6 Umfeld der Athleten

7 Ansatz zur partiellen Freigabe von 'performance enhancing drugs'

8 Zukunftsszenarien
8.1 'Always the same old song'; Es bleibt so wie es ist bis es eskaliert.
8.2 'Le sport va subir une di érenciation accrue entre le sport spectacle et d'autres modalités de pratique'; Es ndet eine striktere Di erenzierung des Sports statt:
8.3 'La société change ses attentes'; Die Erwartungen der Gesell- schaft ändern sich

9 Literaturangaben

1 Einleitung

Das Thema meiner Seminararbeit, die 'ethischen Aspekte des Dopings' ist sehr komplex und wenn ich versuche alle diesbezüglichen Dimensionen zu behandeln, wäre der Rahmen dieser Seminararbeit gesprengt. Aus diesem Grund befasse ich mich hauptsächlich mit ethischen Aspekten des Dopings bezüglich der Chancengleichheit, Fairness, Gesundheit, Mündigkeit und der Verantwortung. Ich werde versuche, diese aus mehreren Blickwinkeln zu beleuchten.

Doch weil das Dopingphänomen nicht nur im Sport vorhanden ist, sondern in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft in ähnlicher Form weit verbreitet ist, behandele ich, bevor ich mich an die eigentlichen ethischen Aspekte des Dopings im Sport herantaste, zunächst wenigstens kurz anthropologische Mo- delle, die Geschichte des Dopings und die Bedeutung von leistungssteigernden Mitteln in der Gesellschaft.

2 Anthropologie

Die Anthropologie hat mehrere unterschiedliche Menschenbilder entworfen. Ich werde nun zwei miteinander verbundene Modelle vorstellen, welche sich meines Erachtens für das allgemeine Verständnis der Dopingproblematik als vorteilhaft erweisen.

Arnold Gehlen entwarf in der Mitte des letzten Jahrhunderts ein eher pessi- mistisches Menschenbild. Er betrachtete den Menschen im Vergleich zu ande- ren Lebewesen als ein Mängelwesen, welches vor allem durch seine physisch- morphologische Unangepasstheit hervorsticht. In der freien Natur wäre der Mensch inmitten von Klimaschwankungen und Raubtieren kaum überlebens- fähig. Weil es dem Menschen oft nicht möglich zu sein scheint sich an die Na- tur anzupassen, passt er schlichterhand seine Umwelt an sich an und scha t sich dadurch eine Umwelt in der er überleben und bestehen kann; eine zweite Natur, die so genannte Kultur.

Odo Marquard entwarf hieran anschlieÿend seine 'Philosophie des Homo Compensators'1 Um seine Mängel zu kompensieren, erfand und entwickelte der Mensch mit seiner Kreativität schon seit jeher Hilfsmittel wie zum Beispiel Kleidung, Werkzeuge, Wa en und Medizin, um seine natürliche minderwertige Ausgangslage zu optimieren. Ohne diese Kompensationsleistungen wäre es der Menschheit nicht möglich gewesen, über mehrere Jahrtausende hinweg zu überleben und sich weiter zu entwickeln.

Gerade wenn es um die Existenz eines Menschen geht, wie zum Beispiel auf der Jagd oder im Krieg, aber auch im modernen professionellen Hochleis- tungssport, ist seinem Er ndungsreichtum kaum eine Grenze gesetzt.

3 Dopinggeschichte

Die Geschichte des Dopings ist mindestens so alt wie der Sport selbst.2 Bereits bei den Olympischen Spielen in der Antike wurden natürliche Sto e, wie zum Beispiel Stierhoden oder Löwenherze gegessen um die Leistung der Athleten zu steigern.

Seit dem späten 19. Jahrhunderts wird von Sportlern vermehrt auf chemische Aufputschmittel wie zum Beispiel Amphetamine zurückgegri en, welche die natürlichen Grenzen verschieben, beziehungsweise das Müdigkeitsgefühl der Athleten verdrängen. Diese Substanzen sind sehr gefährlich und führten zu einigen Todesfällen. Der erste dokumentierte Doping-Todesfall ereignete sich 1886 bei dem Radrennen von Bordeaux nach Paris, als der Engländer Arthur Linton tödlich zusammenbrach.

Ein anderes kurioses Aufputschmittel nahm der spätere Sieger des Marathon- laufs Thomas J. Hicks bei den Olympischen Spielen 1904 zu sich. Er bekam während des Laufes ein zu dieser Zeit legales Gemisch gereicht, das aus Al- kohol (Brandy), Eiweiÿ und Strychnin bestand.3

Später im 20. Jahrhundert, als es möglich wurde, menschliche Hormone synthetisch herzustellen, nutzte man diese, um die Leistungsfähigkeit gezielt zu steigern. Hierbei wurden oft den Körper stark verändernde Substanzen wie anabole Steroide oder Testosteron verwendet.

Weil bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko erstmals Dopingtests durchgeführt wurden, stiegen die Athleten fast ausschlieÿlich auf diese künst- lich hergestellten Hormone um. Diese hatte im Vergleich zu dem bis dahin herkömmlichen Doping den Vorteil, dass sie nur sehr schwer von den na- türlichen Hormonen zu unterscheiden und somit kaum nachzuweisen waren. Heutzutage ist bei sämtlichen Ausdauersportarten die wohl beliebteste Do- pingmethode das Blutdoping.

Hierbei geht es darum, den Hämoglobingehalt im Blut zu erhöhen, um so- mit die Sauersto aufnahme zu verbessern. Erreicht wird dies entweder durch so genanntes Eigenblutdoping, das entweder durch Höhentraining gewonnen oder durch Transfusion mit zusätzlichen roten Blutkörperchen angereichert wird. Durch Gendoping kann derselbe E ekt erreicht werden. Indem die Erb- information für Erythropoetin (kurz Epo), ein Hormon, welches die Produk- tion roter Blutkörperchen anregt, in den Körper eingeschleust wird, werden mehr rote Blutkörperchen gebildet.

Seit 2003 ndet sich das so genannte Gendoping auf der Verbotsliste des Internationalen Olympischen Komitees und es ist davon auszugehen, dass in der Zukunft das Gendoping alle bis dato da gewesenen Dopingarten in den Schatten stellen wird, weil es äuÿerst e ektiv zu sein scheint und noch 4 schwerer nachzuweisen ist als alle anderen Methoden.4

4 Doping in unserer Gesellschaft und im Sport

Unsere Gesellschaft ist besessen vom Erfolg. Weite Bereiche des Lebens werden durch den Fortschrittsgedanken dominiert und bestimmt.5 Mit bereits Erreichtem gibt sich unsere Gesellschaft nicht zufrieden. Sie strebt weiteren Fortschritt an und verlangt von ihren Akteuren immer weitere Erfolge. Dies färbt natürlich auch auf den Sport ab, vor allem auf den professionellen Sport mit seinem dem Fortschrittsgedanken verkörpernden Ausspruch: 'citius, altius, fortius': schneller, höher, stärker.

Es wird erwartet, dass die Leistungen immer weiter steigen, Jahr für Jahr neue Rekorde aufgestellt werden. Der Dopingsport ist eine Huldigung an das Fortschrittdenken unserer Zeit.

Doch sind dem Menschen Grenzen gesetzt und er kann die Erwartungen auf natürlichem Wege nicht mehr erfüllen. Deshalb ist es in unserer Gesell- schaft üblich, bei jeder Gelegenheit zu mannigfaltigen Medikamenten zugrei- fen. Nicht nur wenn wir krank sind, sondern auch um sich zu stimulieren, zu beruhigen, um Depressionen zu bekämpfen und natürlich um die psychische 5 und physische Leistungsfähigkeit zu steigern.

Überall werden diese 'chemischen Krücken' akzeptiert oder zumindest to- leriert. Nicht nur beim klassischen Musiker, der sich mit Betablockern vom Lampen eber befreit, bei Rock- und Popmusikern für die bewusstseinsverän- dernde Drogen dazu gehören zu scheinen (Ossy Osbouren, Winehouse, Pete Doherty), bei Künstlern oder Schriftstellern die mit Drogen versuchen ihr Be- wusstsein zu erweitern (z.B. Dali, Sartre), sondern auch bei uns Studenten. Laut einer Studie dopen sich 4 aller Studierenden bei den Prüfungsvorberei- tungen oder direkt zur Prüfung.

Doch auch für den Rest der Gesellschaft ist Doping in den Alltag eingekehrt. 'Madame et Monsieur Tout le monde' 7 würden den Tag ohne Ka ee und den Abend ohne Alkohol wohl nur noch schwer überstehen können. Auch vor unseren Kindern wird nicht halt gemacht. Wenn sie etwas zu au ällig sind, werden sie mit Ritalin gefügig gemacht und an die gesellschaftlichen Normen angepasst.

Von ihren Athleten fordert die Gesellschaft einerseits immer weitere Bestleis- tungen, auf der anderen Seite aber auch den sauberen Sport. Aber wenn ein Dopingfall bei Sportlern ans Tageslicht kommt, ist der Aufschrei in der Öf- fentlichkeit, vor allem in den Medien groÿ und der Täter' wird oftmals fallen gelassen und geächtet. Dabei wird oft vergessen, dass für einen Athleten der Pro sport in der Regel die einzige nanzielle Einnahmemöglichkeit ist und er nur begrenzt Zeit hat, Geld zu verdienen und welches Dilemma sich daraus entwickelt.

Im Vergleich zu den meisten herkömmlichen Berufen, stehen Spitzensportler unter ständiger Beobachtung der Ö entlichkeit, welche immer weitere Bestleistungen, Erfolge und Rekorde fordert. Deshalb bleibt den Athleten kaum eine andere Wahl als zu Dopingmitteln zu greifen, um den schier unerreichbaren Anforderungen gerecht zu werden.

Wenn man jetzt noch bedenkt, dass ein Pro sportler heutzutage fast seine ganze Kindheit und Jugend für den Sport opfern muss, um in der Weltspitze mithalten zu können und die bezahlte Karriere in der Regel nur wenige Jahre anhält, lastet auf dem Athleten ein groÿer Druck. Denn er muss in den wenigen Jahren, in denen er groÿe Wettbewerbe gewinnen kann, möglichst erfolgreich sein, um sozusagen den Rest seines Lebens ausgesorgt zu haben. Hat man erstmal 15 Jahre in Training investiert führt kaum noch ein Weg zurück - er hat schlieÿlich nichts anderes gelernt - und er wird mit allen Mitteln versuchen erfolgreich zu sein, also auch dopen.

5 Athleten

Behandelt man das Thema Doping und die damit aufkommenden ethischen Fragen, denkt man zunächst an die Sporttreibenden selbst. Ein Sportler der seinen Lebensunterhalt mit Sport zu nanzieren versucht, wird sich zwangsläu g überlegen müssen, wie er seine Leistung am e ektivsten steigern kann. Oft erscheint ihm hartes Training alleine nicht ausreichend, um sich gegen die Konkurrenz durchsetzten zu können, und er kommt in Versuchung andere Mittel auszuprobieren. Es entsteht der Dopingsport:

[...]


1 Marquard,O.: Abschied vom Prinzipiellen. Phil. Studien. Stuttgart 1982. S 57

2 http://www.on-dope.de/dopinggeschichte

3 http://german.cri.cn/401/2007/08/20/1@79823.htm

4 http://www.webengine.ch/doping/informationen/dopingmethode-gendoping.php

5 Schantz, O.: Le sport dope dans une societe dopante. S.7

6 Schantz, O.: Le sport dope dans une societe dopante. S.15

7 Schantz, O.: Le sport dope dans une societe dopante. S.17

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Ethische Aspekte des Dopings. Auswirkungen auf Chancengleichheit, Fairness, Gesundheit und Mündigkeit
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Sport)
Veranstaltung
Seminar Sportsoziologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V316881
ISBN (eBook)
9783668157750
ISBN (Buch)
9783668157767
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Doping, Dopinggeschichte, Mündigkeit der Athleten, Fairness, Verantwortung der Athleten, performance enhancing drugs, Le sport dope dans une societe dopante
Arbeit zitieren
Fabian Dietrich (Autor), 2009, Ethische Aspekte des Dopings. Auswirkungen auf Chancengleichheit, Fairness, Gesundheit und Mündigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316881

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