„The Kingdom of Saudi-Arabia has witnessed a dramatic rise in the pace of economic and social change since the succession of King Abdullah“ (Ramady 2010). Angesichts der seit Jahrzehnten, zumindest auf den ersten Blick, stabilen autokratischen Strukturen in Saudi-Arabien, wirft der eingeschlagene Reformkurs Fragen bezüglich der Motive und Gründe auf, die die saudische Monarchie zu diesem Vorgehen veranlassten.
Hierfür ist es notwendig, bereits institutionalisierte Reformmaßnahmen zu kategorisieren und zu analysieren, warum diese vom Herrscherhaus der Al’ Saud initiiert wurden. Hieran anknüpfend soll untersucht werden, ob sich die Aufrechterhaltung der traditionellen autokratischen Herrschaft in Saudi-Arabien trotz ansehnlicher Reformprojekte mit dem "rentier-state" Ansatz hinreichend erklären lässt oder ob der Einfluss rentenbezogener Stabilisierungsfaktoren schwindet.
Zu diesem Zweck erfolgt zu Beginn der vorliegenden Arbeit der Aufbau des theoretischen Analyserahmens, indem nach einer überblicksartigen Darstellung des Rentierstaates Saudi-Arabien der Rentierstaats-Ansatz sowie die theoretischen Annahmen der Gründe zur Initiierung von Reformen in autokratischen Systemen hergeleitet werden.
Auf dieser Grundlage erfolgt die Hypothesenbildung. Hieran anknüpfend erfolgt nach der Untersuchung der Reformgründe in Saudi-Arabien die Analyse der spezifischen polity und policy Reformen, sodass abschließend die Untersuchungsergebnisse zusammengefasst und vor dem Hintergrund der eingangs aufgestellten Hypothesen reflektiert werden können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitende Aspekte
2 Theoretische Annahmen
2.1 Der Renten- und Allokationsstaat Saudi-Arabien
2.2 Rentierstaats-Ansatz
2.3 What about reforms?
2.4 Hypothesenbildung
3 Reforms, but why? - Gründe für die Reformen in Saudi-Arabien
4 Analyse der Reformmaßnahmen
4.1 Die Sauds und das politische System Saudi-Arabiens
4.2 Polity Reformen
4.2.1 Konsultativrat
4.2.2 Zwei Newcomer – Forum des Nationalen Dialogs und Kommunalwahlen
4.3 Policy Reformen
4.3.1 Bildungssektor
4.3.2 Wirtschaftssektor
4.3.3 What matters are results… – Effekte der policy Reformen
4.3.3.1 Wirtschafts- und Bildungssektor
4.3.3.2 Saudi-Arabia without oil – just a fairytale!
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Reformmaßnahmen in Saudi-Arabien ab dem Jahr 2005, um deren Motive, Inhalte und Auswirkungen zu analysieren. Dabei wird insbesondere hinterfragt, ob diese Modernisierungsschritte zu einer demokratischen Öffnung führen oder lediglich als Instrument zur Sicherung der autokratischen Regimestabilität dienen.
- Rentierstaat-Ansatz als Erklärungsmodell für Regimestabilität
- Analyse von politischen Reformen (Polity) und wirtschaftlichen/sozialen Reformen (Policy)
- Rolle der saudischen Herrscherfamilie und des religiösen Establishments
- Wirtschaftliche Diversifizierung und die Abhängigkeit vom Erdöl
- Herausforderungen durch Bevölkerungswachstum und Arbeitslosigkeit
Auszug aus dem Buch
2.2 Rentierstaats-Ansatz
In der Konsequenz kann Saudi-Arabien als ein „Rentier- und Allokationsstaat par excellence“ (Wurm 2007: 9) bezeichnet werden, dessen Auswirkungen auf das politische System und die Partizipationsmöglichkeiten des Volkes unüberwindbar miteinander fusionieren.
Dem Rentierstaats-Ansatz zufolge ergibt sich im Hinblick auf die innerstattlichen politischen Konsequenzen folgendes Szenario: Da der Staat den Großteil seiner Einnahmen aus den Ölrenten generiert, ist er nicht von Steuereinnahmen abhängig und hat folglich auch keine Notwendigkeit den Willen des Volkes zu repräsentieren und den Bürgern politische Beteiligungsrechte zu bewilligen. Der indirekt, Mitte der 1970er Jahre zwischen den Bürgern und den herrschenden Rentenempfänger, geschlossene rentier social contract gewährleistet demnach für den Verzicht auf Partizipation, den Zahlungserlass von Steuern und eine, für die Bürger kostenlose, Bereitstellung umfangreicher wohlfahrtstaatlicher Leistungen bspw. im Gesundheits- und Bildungsbereich. Daher resultiert die Basis politischer Legitimität im Rentierstaat aus der Verteilung materieller Leistungen (vgl. Schwarz 2009: 109).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitende Aspekte: Einführung in die Thematik der Modernisierung des saudi-arabischen Systems und Darlegung der zentralen Forschungsfrage zur Stabilität des autoritären Regimes.
2 Theoretische Annahmen: Erläuterung des Rentierstaats-Ansatzes und dessen Bedeutung für die politische Herrschaftsstruktur in Saudi-Arabien, sowie Herleitung der Hypothesen.
3 Reforms, but why? - Gründe für die Reformen in Saudi-Arabien: Analyse der internen und externen Problemkonstellationen, die das saudische Königshaus zu Reformbemühungen drängten.
4 Analyse der Reformmaßnahmen: Untersuchung spezifischer politischer und wirtschaftlicher Reformen sowie deren tatsächliche Auswirkungen auf das System.
5 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Reformen, die als autokratische Modernisierung zur Sicherung der Regimestabilität eingestuft werden, statt als echte Demokratisierung.
Schlüsselwörter
Saudi-Arabien, Rentierstaat, Reformen, Regimestabilität, Erdölrente, Modernisierung, politische Partizipation, Diversifizierung, Königshaus, autoritäres System, Wirtschaftspolitik, Gesellschaftsvertrag, Saudisierung, Wirtschaftsreformen, Rentenökonomie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die in Saudi-Arabien ab 2005 eingeleiteten Reformmaßnahmen vor dem Hintergrund der autokratischen Herrschaftsstrukturen und der ökonomischen Rentenabhängigkeit.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind der Rentierstaats-Ansatz, die wirtschaftliche Diversifizierung, der Reformdruck durch demografische und sicherheitspolitische Herausforderungen sowie die politische Partizipation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob die Reformen tatsächlich eine systemische Öffnung bedeuten oder lediglich als Mittel dienen, um das bestehende autokratische System an neue Herausforderungen anzupassen und zu stabilisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die den Rentierstaats-Ansatz auf Saudi-Arabien anwendet, um die Motive und Erfolge von politischen und wirtschaftlichen Reformen zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine Analyse der Reformgründe und eine detaillierte Betrachtung von Polity-Reformen (Institutionen) und Policy-Reformen (Bildung/Wirtschaft).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Saudi-Arabien, Rentierstaat, Regimestabilität, Erdölrente, Diversifizierung und autokratische Modernisierung.
Warum wird Saudi-Arabien als Rentierstaat bezeichnet?
Da Saudi-Arabien den Großteil seiner Einnahmen nicht durch Steuern der Bevölkerung, sondern durch den Export von Erdöl generiert, was dem Staat Unabhängigkeit gegenüber gesellschaftlichen Partizipationsforderungen verleiht.
Welche Rolle spielt die Familie Al' Saud bei den Reformen?
Die herrschende Familie initiiert Reformen, um ihren Machtanspruch durch eine "autokratische Modernisierung" zu sichern, wobei sie jedoch keine echten Kontrollbefugnisse abgibt, die ihre Machtbasis gefährden könnten.
- Quote paper
- Saskia Helm (Author), 2011, Die Reformmaßnahmen in Saudi-Arabien ab 2005. Welche Ziele verfolgt die saudische Monarchie mit dem eingeschlagenen Reformkurs?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316892