Die Masterarbeit legt die im Nachgang zur weltweiten Finanzmarktkrise signifikante Erhöhung der Mindestkapitalanforderungen (CRD IV bzw. CRR in Umsetzung von "Basel III) und ihre bisherigen Auswirkungen auf die Kapitalausstattung insbesondere von deutschen Großbanken dar. Zudem werden die Vorgaben über die zusätzlichen Kapitalanforderungen auf Basis des Supervisory Review and Evaluation Process (SREP) sowie über die weitere Stärkung der Verlustabsorptionsfähigkeit im Hinblick auf eine potentielle Sanierung oder Abwicklung erläutert und das Zusammenwirken der differenzierten Kapitalanforderungen analysiert. Die potentiellen Folgen der absehbaren weiteren Verschärfung der Kapitalanforderungen auf die künftigen Geschäftsaktivitäten werden abschließend umrissen.
Inhaltsverzeichnis
Teil 1: Überblick, Zielsetzung
Teil 2: Verschärfung der Eigenmittelanforderungen und Auswirkungen auf deutsche Großbanken
A. Eindämmung der Banken- und Finanzmarktkrise durch staatliche Rekapitalisierungsmaßnahmen
I. Ursachen der Finanzmarktkrise
1. Ausgangslage
2. Auslöser der Finanzmarktkrise
3. Eigenkapitalausstattung und -anforderungen vor der Finanzmarktkrise
II. Auswirkungen der Krise auf Kreditwirtschaft und Finanzmärkte
III. Krisenbewältigung durch staatliche Kapitalmaßnahmen
B. Regulatorische Maßnahmen zur Verbesserung der Eigenkapitalausstattung für die laufende Geschäftstätigkeit
I. Modifikationen durch die CRD II
II. Umsetzung von Basel 2.5 über CRD III
III. Beschlüsse der G20 (Pittsburgh) und Reformpaket „Basel III“
IV. Zwischenzeitliche Anforderungen der EBA
V. Rechtliche Umsetzung der verschärften Eigenkapitalanforderungen
1. Rechtlicher Umsetzungsrahmen
2. Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen in Säule 1
a) Änderungen über die CRR
aa) Hartes Kernkapital
bb) Zusätzliches Kernkapital
cc) Ergänzungskapital
dd) Kapitalabzüge, Prudential Filters
ee) Ergänzend einbezogene Risiken
b) Änderungen über die CRD IV bzw. das KWG
aa) Kapitalpufferanforderungen und makroprudenzielle Aufsicht
bb) Kapitalerhaltungspuffer
cc) Institutsspezifischer antizyklischer Kapitalpuffer
dd) Systemrisikopuffer
ee) Kapitalpuffer für systemrelevante Kreditinstitute
ff) Kombinierte Kapitalpufferanforderungen
c) Übergangsvorschriften
d) Potentielle Erhöhung der Kapitalpuffer durch EZB
e) Anordnungen nach § 10 Abs. 4 KWG
f) Nationale Flexibilisierungsmaßnahmen
g) Leverage Ratio
h) Bisherige Auswirkungen auf die Kapitalausstattung
3. Verknüpfung von Säule 2 mit den Mindestanforderungen aus Säule 1
a) Anforderungen aus Säule 2 zur Risikotragfähigkeit
aa) Risikotragfähigkeit
bb) Risiken und Risikomessverfahren
cc) Ökonomisches Kapital
dd) Kapitalplanungsprozess
b) Zusammenhang zwischen Säule 2 und Säule 1 vor der CRD IV
c) Verknüpfung der Säulen unter aktueller Regulatorik
aa) Vorgaben der CRD IV und des KWG
bb) SREP-Guideline der EBA
cc) Verhältnis der SREP-Anforderungen zu den Kapitalpuffern
dd) Individuelle Kapitalanforderungen durch die EZB
ee) Steigende Anforderungen an die Risikodaten der Institute
C. Stärkung der Verlustabsorptionsfähigkeit hinsichtlich einer potentiellen Sanierung oder Abwicklung
I. Kapitalanforderungen zur Vermeidung der Frühintervention
II. Anforderungen der Abwicklungsplanung
II.1 Voraussetzungen der Abwicklung
II.2 Verfahren bei der Abwicklung
II.3 Anforderungen an berücksichtigungsfähige Verbindlichkeiten
Teil 3: Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der verschärften bankenaufsichtlichen Eigenmittelanforderungen auf deutsche Großbanken vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise und der neuen europäischen Regulatorik (Basel III, CRD IV/CRR).
- Entwicklung und Umsetzung der Eigenkapitalanforderungen
- Mechanismen des SREP (Supervisory Review and Evaluation Process)
- Struktur der Kapitalpuffer (Erhaltungspuffer, Systemrisikopuffer, etc.)
- Herausforderungen durch die Leverage Ratio
- Verlustabsorptionsfähigkeit und Abwicklungsregime (Sanierung/Abwicklung)
Auszug aus dem Buch
1. Ausgangslage
Finanzkrisen sind Verwerfungen eines Finanzsystems in Form von signifikanten Wertverlusten von Vermögenswerten und der Zahlungsunfähigkeit vieler Unternehmen, potentiell einhergehend mit einer Destabilisierung des Bankensystems und einer hieraus folgenden restriktiven Kreditausreichung, die damit eine Krise in der Realwirtschaft auslösen bzw. verstärken können.
Als Basis der 2007 einsetzenden Finanzkrise gilt die expansive Geldpolitik nach dem Platzen der Dot-Com-Blase und den Anschlägen vom 11.09.2001. Diese begünstigte einen starken Anstieg der kreditfinanzierten Immobiliennachfrage in den USA, der zu einem Preisanstieg von über 80 % innerhalb von fünf Jahren führte. Der Boom förderte die Verbriefung von Krediten, indem insbesondere amerikanische Banken Hypothekarkredite oder hiervon abgetrennten Risiken an abhängige, bankaufsichtlich nicht überwachte Zweckgesellschaften übertragen, die sich über die Emission von strukturierten Wertpapieren refinanzierten.
Über das nicht konsolidierte Geschäftsvolumen der Zweckgesellschaften wurde der Verschuldungsgrad der Institute mit dem Ziel einer Optimierung der Eigenkapitalrendite de facto deutlich erhöht. Die Verbriefung, die 2008 rund 60 % aller US-Hypothekarkredite umfasste, erweiterte das Kreditvergabepotential der US-Banken und führte zur verstärkten Kreditgewährung an zweitklassige Schuldner; zudem wurde die Bonitätsprüfung aufgrund der vermeintlichen Risikoabdeckung durch steigende Immobiliensicherheiten vernachlässigt.
Zusammenfassung der Kapitel
Teil 1: Überblick, Zielsetzung: Einführung in die bankenaufsichtlichen Ziele zur Sicherung des Finanzsystems und Darstellung der Problematik der Eigenkapitalausstattung bei Großbanken.
Teil 2: Verschärfung der Eigenmittelanforderungen und Auswirkungen auf deutsche Großbanken: Detaillierte Analyse der regulatorischen Entwicklungen von den Ursachen der Krise bis zur detaillierten Umsetzung von Basel III und den Anforderungen an die Verlustabsorptionsfähigkeit im Abwicklungsfall.
Teil 3: Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der regulatorischen Verschärfungen und deren Auswirkungen auf die Zukunftsfähigkeit und Rentabilität deutscher Großbanken.
Schlüsselwörter
Eigenkapitalanforderungen, Basel III, CRD IV, CRR, Großbanken, Risikotragfähigkeit, SREP, Kapitalpuffer, Leverage Ratio, Abwicklungsplanung, Verlustabsorptionsfähigkeit, Finanzmarktkrise, Bankenaufsicht, MREL, Systemrelevanz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die regulatorische Verschärfung der Eigenmittelanforderungen für deutsche Großbanken, insbesondere die Auswirkungen von Basel III und dem europäischen Regelwerk (CRD IV/CRR) auf deren Kapitalstruktur und Geschäftsmodelle.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der bankenaufsichtlichen Vorgaben seit der Finanzkrise, der Säule 2-Aufsicht (SREP), den neuen Kapitalpuffer-Anforderungen und der Stärkung der Verlustabsorptionsfähigkeit im Rahmen der Abwicklungsplanung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die Untersuchung der signifikanten Erhöhung der Mindestkapitalanforderungen infolge der Finanzmarktkrise sowie deren Auswirkungen auf die Kapitalausstattung und künftige Geschäftsaktivitäten deutscher Großbanken.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es handelt sich um eine rechts- und wirtschaftswissenschaftliche Analyse, die regulatorische Dokumente, Gesetzesvorhaben, aufsichtliche Leitlinien sowie aktuelle Marktdaten und Monitoring-Berichte der Aufsichtsbehörden auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Krise, eine detaillierte regulatorische Analyse der neuen Anforderungen (Säule 1 & 2) und eine Untersuchung der Stärkung der Verlustabsorptionsfähigkeit (Sanierung und Abwicklung).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Eigenkapitalanforderungen, Basel III, SREP, Leverage Ratio, systemrelevante Institute, Abwicklungsregime und Verlustabsorptionsfähigkeit.
Welche Rolle spielt der SREP in dieser Analyse?
Der SREP (Supervisory Review and Evaluation Process) wird als zentrales Instrument der Aufsicht analysiert, um institutsspezifische Risiken zu bewerten und gegebenenfalls zusätzliche Kapitalanforderungen jenseits der Säule 1-Mindestquoten festzulegen.
Was ist die Relevanz der "Leverage Ratio" für die Institute?
Die Leverage Ratio fungiert als nicht risikogewichtete Verschuldungsquote und ergänzt die risikobasierten Kennzahlen, um eine übermäßige Verschuldung der Banken unabhängig von der Risikogewichtung ihrer Aktiva zu begrenzen.
- Quote paper
- Stefan Giebisch (Author), 2015, Verschärfung der bankaufsichtlichen Eigenmittelanforderungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316927