Wie rechtfertigt August Friedrich von Hayek seinen „Weg zur Knechtschaft“? Auseinandersetzung mit dem Sozialismus


Hausarbeit, 2008

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hayeks Hauptthesen

3. Liberalismus vs. Sozialismus – eine Definition
3.1 Liberalismus
3.2 Sozialismus

4. Eigenschaften sozialistischer Systeme
4.1 Moralkodex und Wertesystem sozialistischer Prägung
4.2 Die Rolle des Rechts
4.3 Zielsetzung kollektivistischer Systeme
4.4 Die „neue“ Freiheit

5. Zur Kritik der Planwirtschaft
5.1 Freiheit vs. Sicherheit
5.2 Planwirtschaften müssen geschaffen werden, sie entstehen nicht
5.3 Die Unvereinbarkeit der Demokratie mit planwirtschaftlichen Prinzipien

6. Abschließende Beweisführung einer Hauptthese

7. Hayeks Leistung – eine Beurteilung

8. Schluss

9. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Faszination und Unverständnis verspürt man beim Gedanken an die Massenbewegungskräfte, die vor allem vom totalitären Hitler-Regime mobilisiert wurden, um die gesamte faschistische Ideologie zu expandieren und etablieren.

Als gebürtiger Wiener schrieb August Friedrich von Hayek (1899-1992), der die erschütternden Kriegsjahre von 1933-1945 in England verbrachte, im Vorwort seines erfolgreichsten Buches[1] „Der Weg zur Knechtschaft“, dass „[...] die Auffassung dieses Buches für mich eine Pflicht ist [...]“[2]. Die Pflicht, der Geburtsstätte des Liberalismus, England, die Augen vor antiliberalen Entwicklungen und politischen Fehlern zu öffnen, wie sie sich im totalitären Hitler-Deutschland und im kollektivistischen Stalin-Russland ereigneten und Europa an den Rand des zivilisatorischen Abgrunds gebracht haben. Aufgerüttelt von der Erkenntnis, dass sich in England der Freiheitsgedanke längst von seinem liberaltheoretischen Ursprung und Umfeld gelöst habe, um sich in den Sozialismus deutscher Prägung zu wandeln, verkündet er, „Wir müssen die bittere Wahrheit aussprechen, dass sich das Schicksal Deutschlands an uns zu wiederholen droht.“[3] und verfasste ein Werk für die Freiheit, „ [...] das zu einem der wichtigsten Bücher der Freiheitsbewegung des 20. Jahrhunderts werden sollte“[4].

Hayek zeigt sich also besonders über die Tendenz erschüttert, dass die großartigen liberalen Ideen Englands über 200 Jahre verbreitet wurden, solange bis England ab 1870 „[...] seine führende geistige Stellung auf politischem und sozialem Gebiet [einbüßte] und [...] zu einem geistigen Einfuhrland [...]“[5] wurde. In gleicher Weise wie sich Deutschland im 19. Jahrhundert immer stärker vom Liberalismus und Individualismus zum Sozialismus wandelte – woran die prägendsten Theoretikern des Kommunismus’, Karl Marx und Friedrich Engels, die mit ihrer „wissenschaftlichen“ Begründung zur Unausweichlichkeit des Sozialismus wesentlichsten Anteil an dieser Entwicklung hatten – geschieht dies auch in England, wo die sozialistische „Labour Partei“ mit der Errichtung einer „geplanten Gesellschaft“ Hayek das Signal zum Handeln gab.

Somit ist das Werk inhaltlich als Warnung „für“ England ausgerichtet, doch eigentlicher Gegenstand der Untersuchung ist Deutschland, dessen Geschichte als „[...] dreadful warning of how intellectual error can destroy the basis of Western civilization“[6] anzusehen ist.

Doch knapp 70 Jahre nach der Ersterscheinung scheinen die Kernaussagen des „Weges zur Knechtschaft“ in Vergessenheit zu geraten, deshalb ist es das Anliegen dieser Hausarbeit, sich erneut näher mit dem Inhalt und der Argumentationsführung dieses Werkes auseinander zusetzen und der Frage nachzugehen, wie Hayek seinen titulierten „Weg zur Knechtschaft“ begründet.

Es ist die Präsenz und die Spannung der gesamten Thematik, die es sehr interessant und lohnenswert machen, mit diesem Versuch Hayeks den liberalen Errungenschaften neuen Atem zu verleihen und Aufmerksamkeit zu widmen. Daher begründet sich auch die Vorgehensweise bei der Analyse bzw. Beantwortung der Fragestellung, denn zur Feststellung der zentralen Aussagen Hayeks war zuerst eine detaillierte Textanalyse jedes einzelnen Kapitels notwendig, in welchen der Autor eine Vielzahl von Argumenten aufführt, die sich allesamt zu einem überzeugenden Angriff auf den Sozialismus kombinieren, wobei hierbei kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden darf.

Als zweiten Schritt galt es, diese Kapitelaussagen systematisch zu ordnen und zu gliedern – wobei dies vielfältige Schwierigkeiten in sich trug, da Hayek oft zu Themensprüngen neigt – um gemäß der Fragestellung dem Leser eine umfangreiche Begründung darzulegen, wie Hayek seinen „Weg zur Knechtschaft“ rechtfertigt. Die dabei entstandene Gliederung beinhaltet demzufolge die, im Inhaltsverzeichnis aufgelisteten, zentralen Aspekte der Theorie Hayeks.

Besonders zum Punkt „Zur Kritik der Planwirtschaft“ ist zu sagen, dass sich Hayek besonders auch durch seine Kritik an der Planwirtschaft einen Namen machte, denn als Anfang 1944 „ The Road to Selfdom “ publiziert wurde, wurde diese gerade, durch die Kriegswirtschaft eingeführte, Organisation und Planung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Sektors nicht als hinderlich, sondern vielmehr als unvermeidlich und gewinnbringend betracht. Hayek sollte sich entschieden gegen diese Art der Wirtschaftsführung stellen und widmete sein Werk also nicht nur „Den Sozialisten in allen Parteien“, sondern verfeindete sich mit einer Vielzahl planwirtschaftlicher Verfechter.

Ziel dieser Arbeit ist es allerdings nicht, alle Argumente Hayeks in ausreichender Breite zu diskutieren und zu bewerten. Diese Arbeit hegt lediglich den Anspruch, dem interessierten Leser die Gedanken und Befürchtungen eines großen und bedeutenden Verfechters liberaler Ideale darzubieten.

2. Hayeks Hauptthesen

Wie Andrew Gamble schreibt, führt Hayek bereits relativ am Anfang seines Buches eine seiner Hauptthesen ein:

„The basic permiss of The Road to Serfdom is that fascim and communism are closely related not only to one another, but also to socialism. [...] The bitter conflicts between Communists, Fascists, and socialists were conflicts between different factions of a single movement.”[7] .

Dies stützt Hayek durch Aussagen von Max Eastmans, W.H. Chamberlin, F.A. Voigt und Walter Lippman weiterhin eindrucksvoll. Sie reflektieren Hayeks Auffassung, nach welcher Sozialismus und Liberalismus unvereinbar sind, dass sich der Faschismus nur so weit vom Kommunismus differenziert, als dass er dessen Nachfolger darstellt, beide aber den Sozialismus als Basis hätten, also genau wie auch der Sozialismus dem totalitären Hitler-System „[...] den Garaus gemacht hatte.“[8]

Somit besteht Hayeks erstes Anliegen vor allem darin, den englischen Lesern die geistige Nähe von Sozialismus und Nationalsozialismus begreiflich zu machen. Zweitens legt Hayek größten Wert darauf, die von den Sozialisten geschaffene Utopie der Unausweichlichkeit planwirtschaftlicher Verhältnisse vehement zu widerlegen und betont deshalb drittens, dass die Planwirtschaft zur Abschaffung des Rechtstaates und somit auch der Demokratie führe.

Hayek führt diese zentralen Behauptungen in seinem Buches ein und beschäftigt sich im restlichen Text auf direkte bzw. indirekte Weise mit der Beweisführung hierfür.

3. Liberalismus vs. Sozialismus – eine Definition

3.1 Liberalismus

Wie uns Hayek im Kapitel 3, „Individualismus und Kollektivismus“, gemäß seiner liberalen Auffassung vermittelt, solle der Liberalismus allein die Kräften des Wettbewerbs bzw. der freien Konkurrenz nutzen, um ein Maximum an Effizienz zu erreichen. In diesem System, einschließlich der freien Preis- und Produktionsregulierung, stellt ein funktionierendes Rechtssystem als Agitationsfeld des Staates die wesentliche Komponente dar, um Konditionen für die größte Effizienz des Wettbewerbes zu schaffen und eben jenen zu gewährleisten, also in diesem Sinne geeignete Rahmenbedingungen festzulegen.

Staatliche Reglementierung soll nur dort Anwendung finden, wo kein echter Wettbewerb möglich ist. Der Staat soll außerdem jene Leistungen bereitstellen, die für einzelne Unternehmer nicht rentabel sind.

Die Hauptaufgabe des Staates ist es demnach, „[...] einen klug durchdachten und seinen Erfordernissen fortlaufend angepassten rechtlichen Rahmen [...] (für) ein reibungslos arbeitendes Konkurrenzsystem [...][9] zur Verfügung zu stellen.

3.2 Sozialismus

Jener Begrifflichkeit wendet sich Hayek besonders in Kapitel 3, „Individualismus und Kollektivismus“, zu und deklariert ihn als das komplette Gegenteil von Freiheit und Individualismus.

Er unterscheidet den Sozialismus im Folgenden nach seinen Zielen[10] und Methoden, wobei er für „[...] die Methoden, deren man sich für viele verschiedene Ziele bedienen kann, [den] Kollektivismus [...][11] als Oberbegriff einführt und diesem den Sozialismus unterordnet.

Er konstatiert, dass alle Facetten der Planwirtschaft in die Sparte des Kollektivismus fallen und definiert im gleichen Atemzug jene Planwirtschaft als „[...] die zentrale Lenkung jeder wirtschaftlichen Tätigkeit nach einem einzigen Gesamtplan, der festlegt, wie die volkswirtschaftlichen Produktivkräfte “bewusst gelenkt“ werden sollen“[12].

[...]


[1] Zöller, Michael, "Die Freiheit, die wir meinen. F. A. von Hayek und die Wiederentdeckung des Liberalismus", in: Uwe Andersen u. a. (Hgg.), Politik und Wirtschaft am Ende des 20. Jahrhundert, Perspektiven und Interdependenzen, Festschrift für Dieter Grosser zum 65. Geburtstag, Opladen 1995

[2] Hayek, Friedrich August: Der Weg zur Knechtschaft, 1945 Eugen Rentsch Verlag, Originalausgabe (Übersetzung)

[3] Hayek, Friedrich August: Der Weg zur Knechtschaft, 1945 Eugen Rentsch Verlag, Originalausgabe (Übersetzung)

[4] http://www2.comanitas.com/uploads/media/Der_Weg_zur_Knechtschaft_01.pdf; 18.03.08; 16.14

[5] Hayek, Friedrich August: Der Weg zur Knechtschaft, 1945 Eugen Rentsch Verlag, Originalausgabe

[6] Gamble, Andrew: Hayek, The iron cage of Liberty, 1996 Westview Press, 1. Ausgabe, S. 76

[7] Gamble, Andrew: Hayek, The iron cage of Liberty, 1996 Westview Press, 1. Ausgabe

[8] Hayek, Friedrich August: Der Weg zur Knechtschaft, 1945 Eugen Rentsch Verlag, Originalausgabe

[9] Hayek, Friedrich August: Der Weg zur Knechtschaft, 1945 Eugen Rentsch Verlag, Originalausgabe

[10] Genauer: die Abschaffung des Privateigentums an den Produktionsmitteln und die Etablierung eines Planwirtschaftssystems

[11] Hayek, Friedrich August: Der Weg zur Knechtschaft, 1945 Eugen Rentsch Verlag, Originalausgabe

[12] Hayek, Friedrich August: Der Weg zur Knechtschaft, 1945 Eugen Rentsch Verlag, Originalausgabe

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Wie rechtfertigt August Friedrich von Hayek seinen „Weg zur Knechtschaft“? Auseinandersetzung mit dem Sozialismus
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Liberalismus - Einführung in die politische Ideengeschichte
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V316956
ISBN (eBook)
9783668157576
ISBN (Buch)
9783668157583
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Liberalismus, Hayek, Weg zur Knechtschaft
Arbeit zitieren
Saskia Helm (Autor), 2008, Wie rechtfertigt August Friedrich von Hayek seinen „Weg zur Knechtschaft“? Auseinandersetzung mit dem Sozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316956

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