Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die Repräsentationen der USA in Sonallah Ibrahims Roman „Der Prüfungsausschuss“ herauszuarbeiten, um so die Frage zu beantworten, welche Eigenschaften, Werte, Politik und Wirtschaftsweise den USA und den Amerikanern addiziert werden können. Dieses Sujet entstammt der übergeordneten Thematik Repräsentationen des Westens in der neueren arabischen Literatur, die in den Bereich der Vergleichenden Literaturwissenschaft und Komparatistik einzuordnen ist. Dabei wird von einem ägyptischen Autor mithilfe eines ägyptischen Ich-Erzählers und dessen Beschreibungen und Erlebnissen ein Bild von den USA, einem fremden Land und einer fremden Kultur, gezeichnet. Der Ort des Geschehens ist dabei Ägypten. Das Fremde wird hier also vor dem Hintergrund des Eigenen (damit ist hier die Heimat des Autors gemeint) reflektiert. Es geht hierbei um „die Relation von Fremdheit und Vertrautheit […] Auto- und Heteroimage“ , Termini des jungen Teilgebietes der Komparatistik, der komparatistischen Imagologie.
Die Analyse, in Anlehnung an Corbineau-Hoffman, bildet den Hauptteil dieser Arbeit. Der Inhalt des Romans, der für das Verständnis der Analyse unabdingbar ist, wird vorausgesetzt und daher wird nachfolgend auf eine Inhaltsangabe verzichtet. Hingegen wird im Anschluss auf wichtige Begriffe sowie auf die Rezeption und den Forschungsstand eingegangen werden. Danach folgt die Analyse, die in einer ersten Phase mithilfe der Biographie des Autors und der Betrachtung möglicher Quellen für die Repräsentationen der USA das Eigene untersucht, um danach in einer zweiten Phase die Darstellungen der USA als das Fremde besser verstehen und einordnen zu können. Einige dieser Repräsentationen werden danach mit ausgewählten Darstellungen aus Ibrahims Roman Amrikanli in Zusammenhang gebracht, die nach Ibrahims Aufenthalt in den USA entstanden sind. Zuletzt folgt das Fazit mit dem Ergebnis und einem Forschungsausblick.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Darstellung der Thematik, Zielsetzung und Vorgehensweise
1.2 Begriffe: „Repräsentation“, „Westen“, „arabische Literatur“
1.3 Rezeption und Forschungsstand
2 Analyse der Repräsentationen der USA in Der Prüfungsausschuss
2.1 Biographie des Autors
2.2 Quellen für die Repräsentationen der USA
2.3 Repräsentationen der USA in Der Prüfungsausschuss
2.4 Kurzer Vergleich mit Repräsentationen der USA in Amrikanli
3 Fazit
3.1 Ergebnis
3.2 Forschungsausblick
4 Literaturverzeichnis
4.1 Primärliteratur
4.2 Sekundärliteratur
4.2.1 Printmedien
4.2.2 Internet
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Repräsentationen der USA im Roman Der Prüfungsausschuss von Sonallah Ibrahim. Ziel ist es, herauszuarbeiten, welche Eigenschaften, Werte und politischen sowie wirtschaftlichen Absichten den USA innerhalb der ägyptischen Wahrnehmung zugeschrieben werden. Die Autorin analysiert, wie diese Repräsentationen durch literarische Figuren und Symbole kritisch hinterfragt werden.
- Die Funktion literarischer Repräsentationen als Spiegel gesellschaftlicher Machtstrukturen.
- Die Analyse spezifischer Symbole wie Coca-Cola und der "Samsonite-Aktenkoffer" als Metaphern für Kapitalismus und Konsumzwang.
- Der Einfluss der Infitah-Politik auf die ägyptische Wahrnehmung des Westens.
- Die kritische Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Hegemoniestreben und der Globalisierung.
- Ein komparativer Ausblick auf Sonallah Ibrahims späteres Werk Amrikanli.
Auszug aus dem Buch
Repräsentationen der USA in Der Prüfungsausschuss
Der Prüfungsausschuss kann zum Beispiel als kollektive Figur die USA als versteckte Autorität repräsentieren, die Ägypten beherrscht und sich nicht zu erkennen gibt, das zum einen durch das Kompositum Geheimnisschleier verbildlicht wird. Zum anderen wird in anderen Textstellen beschrieben, dass es dem Ich-Erzähler nicht möglich ist, die Ausschussmitglieder eindeutig Zivilisten oder Militär zuzuordnen (vgl. S. 148f), er ihre Anzahl auch beim dritten Versuch nicht feststellen kann (vgl. S. 147) und die meisten von ihnen sich hinter großen dunklen Brillen verbergen (vgl. S. 15). Diese Merkmale können Undurchsichtigkeit und Undurchschaubarkeit zum Ausdruck bringen.
Der Ort, an dem der Ausschuss tagt, ist ein anonymes Gebäude mit langen Korridoren, das sich überall befinden könnte, da keine näheren Ortsangaben im Roman zu finden sind. Dadurch können Allgegenwärtigkeit und – mit der Ubiquität - Unauffindbarkeit ausgedrückt. Der Ausschuss weiß hingegen über alle Tätigkeiten des Ich-Erzählers Bescheid (vgl. S. 93), womit Allwissenheit durch Überwachung und Kontrolle repräsentiert werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Thematik, der theoretischen Begriffe und des Forschungsstandes zur Repräsentation des Westens in der arabischen Literatur.
2 Analyse der Repräsentationen der USA in Der Prüfungsausschuss: Detaillierte Untersuchung der Autorenbio-Graphie sowie der literarischen Symbole und Figuren, die als Repräsentanten amerikanischer Interessen in Ägypten fungieren.
3 Fazit: Synthese der Ergebnisse, die eine vorwiegend negative Darstellung der USA als hegemoniale Macht festhält, und ein Ausblick auf weiterführende komparatistische Forschung.
4 Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie Internetquellen.
Schlüsselwörter
Sonallah Ibrahim, Der Prüfungsausschuss, USA, Ägypten, Repräsentation, Komparatistik, Globalisierung, Kapitalismus, Infitah, Coca-Cola, Literaturanalyse, Postkolonialismus, Konsumgesellschaft, politische Literatur, Machtstrukturen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung und Repräsentation der USA in Sonallah Ibrahims Roman Der Prüfungsausschuss und untersucht deren politische und wirtschaftliche Bedeutung für Ägypten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören Kapitalismuskritik, die Folgen der Globalisierung, Konsumzwang und die spezifische Wahrnehmung westlicher (insbesondere amerikanischer) Einflüsse im ägyptischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Ibrahim durch literarische Mittel ein kritisches Bild der US-Hegemonie entwirft, welches das Individuum in einer globalisierten Welt entfremdet und unter Druck setzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Methode der vergleichenden Literaturwissenschaft (Komparatistik), insbesondere der Imagologie, angewandt, um Textstellen und stilistische Mittel der Repräsentationsbildung zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die biographische Kontextualisierung des Autors, die Analyse der Quellen für die Repräsentationen sowie eine detaillierte Untersuchung zentraler Symbole und Figuren im Roman.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Machtstrukturen, Kapitalismus, Coca-Cola als Allegorie, Infitah-Politik und die literarische Darstellung des "Fremden" charakterisiert.
Warum spielt Coca-Cola eine so zentrale Rolle in der Analyse?
Coca-Cola fungiert im Roman als eine komplexe Allegorie, die nicht nur für den westlichen Lebensstil steht, sondern auch Kapitalismus, Ausbeutung und das Eindringen in die Privatsphäre ägyptischer Lebensverhältnisse verkörpert.
Wie wird der "Prüfungsausschuss" als Figur gedeutet?
Der Prüfungsausschuss wird als kollektive Allegorie für versteckte, aber omnipräsente staatliche und internationale Macht ausgelegt, die den Protagonisten überwacht und kontrolliert.
Welche Rolle spielt der Vergleich mit Ibrahims Werk Amrikanli?
Der Vergleich dient dazu, die Konsistenz von Ibrahims Kritik an der US-amerikanischen Lebensweise und der globalen Hegemonie durch verschiedene Romane zu belegen und zu untermauern.
Was ist das Ergebnis der Untersuchung?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Ibrahim ein bewusst pessimistisches Bild von den USA zeichnet, das als Appell an den Leser verstanden werden kann, ein kritisches politisches Bewusstsein zu entwickeln.
- Citation du texte
- Friederike Aminy (Auteur), 2014, Repräsentationen der USA in Sonallah Ibrahims Roman "Der Prüfungsausschuss", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316976