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Die mythisierende Beschwörung der Großstadt als ein dämonisches Wesen in der frühexpressionistischen Lyrik. Das Gedicht "Der Gott der Stadt" von Georg Heym

Título: Die mythisierende Beschwörung der Großstadt als ein dämonisches Wesen in der frühexpressionistischen Lyrik. Das Gedicht "Der Gott der Stadt" von Georg Heym

Trabajo Escrito , 2013 , 25 Páginas , Calificación: 2,3

Autor:in: Thomas Franz (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana moderna
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Die Großstadtlyrik, die historisch ein Produkt des Naturalismus ist, erreicht im Expressionismus einen zweiten Höhepunkt. Der rasante technische Fortschritt zu Beginn des „expressionistischen Jahrzehnts“ um 1910, der sich insbesondere in den neu entstehenden und schnell wachsenden Großstädten bemerkbar macht, führt durch die Simultaneität von verschiedenen Sinneseindrücken und der damit einhergehenden Reizüberflutung zu einer Verdinglichung des Subjektes, die bewirkt, dass der Einzelne sich nicht mehr als Handlungsträger, sondern als jemand versteht, an dem gehandelt wird, jemand, der anonymen Sachzwängen hilflos ausgesetzt ist, die er nicht mehr beeinflussen kann.

Das Ich zerfällt in diesem Prozess in verschiedene Wahrnehmungen und Empfindungen. Man spricht von einer Krise des Subjektes in der Moderne. Die expressionistische Großstadtlyrik reflektiert diese veränderten Wahrnehmungsmodi in einer radikalen Veränderung der dichterischen Mittel in der Darstellung von Großstadterfahrung. Wenn die Großstadtdichtung des Naturalismus noch als ein Medium der sozialen Anklage und der sentimentalen Identifikation hauptsächlich deskriptiv wirkt, entwickelt sich die expressionistische Großstadtlyrik zu einem autonomem Genre, innerhalb dessen sich zwei Grundtendenzen herausbilden, die äußere Erlebnisse und innere Gefühle des Subjektes zur Expression bringen wollen. Einerseits ist dies die mythisierende Beschwörung der großen Stadt als ein dämonisches Wesen, wie sie vor allem von Georg Heym vollzogen wurde, und andererseits die Auflistung der heterogenen Ereignisse und Sinneseindrücke im Reihungsstil des Simultangedichts, wie es etwa gleichzeitig von den Dichtern Ernst Blass, Jakob van Hoddis und Alfred Lichtenstein entwickelt wird.

Letzteres Verfahren versucht, die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher urbaner Ereignisse und Wahrnehmungen in ein sprachliches Nebeneinander umzusetzen. Dagegen ist die mythisierende Großstadtdarstellung von Georg Heym ein Versuch, die öde Monotonie, die wilhelminische Erstarrung und Spießbürgerlichkeit sowie die gleichförmige Langeweile eines zunehmend technisch fremdbestimmten Lebens in der modernen Großstadt darzustellen. Zugleich erfolgt durch die Mythifizierung und Dämonisierung der großen Stadt, z.B. in der Baal-Gestalt in Heyms paradigmatischen Gedicht Der Gott der Stadt, eine Inkarnation der dämonischen Energien, von denen die Großstadt erfüllt ist.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Großstadt in der frühexpressionistischen Lyrik

2.1. Ästhetische und zivilisatorische Moderne

2.2. Veränderung der Wahrnehmungsbedingungen

2.3. Ästhetik und Poetik der frühexpressionistischen Lyrik

3. Das Motiv der Großstadt bei Georg Heym

3.1. Biografische Bezüge Heyms zur Großstadt

3.2. Das Motiv der Großstadt in der Lyrik Heyms

4. Der Gott der Stadt von Georg Heym

4.1. Analyse des Gedichts

4.2. Mythische Personenallegorie und dämonisierende Metaphorik als Zivilisationskritik

5. Schlussbetrachtungen

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht Georg Heyms Gedicht "Der Gott der Stadt" im Kontext der frühexpressionistischen Lyrik. Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Heym durch die mythisierende und dämonisierende Darstellung der Großstadt eine spezifische Zivilisationskritik formuliert, die ihn von anderen zeitgenössischen Dichtern abhebt und die Subjekt-Objekt-Dialektik der Moderne reflektiert.

  • Die Großstadt als dämonisches Wesen in der expressionistischen Lyrik.
  • Georg Heyms spezifischer Zugang zum Motiv der Großstadt.
  • Die Rolle von Mythos und Dämonisierung als Mittel der Zivilisationskritik.
  • Die Analyse des Gedichts "Der Gott der Stadt" hinsichtlich Bildlichkeit und Metaphorik.

Auszug aus dem Buch

4. Der Gott der Stadt von Georg Heym

Das Gedicht besteht aus einer eher konventionellen äußeren Form mit 5 Strophen à 4 Versen. Beim Versmaß handelt es sich fast durchgehend um einen fünfhebigen Jambus mit überwiegend männlicher Kadenz. Die Verse reimen sich im Kreuzreim. Die formale Konventionalität kann als kritische Reflexion und Ausdruck der monotonen Öde und Gleichförmigkeit des modernen industriellen Lebens gewertet werden. Diese Analyse soll schwerpunktmäßig die Bildlichkeit von Heyms Sprache untersuchen, ohne deren genaue und detaillierte Analyse ein angemessenes Verständnis des am 30.12.1910 in Reinschrift festgehaltenen Gedichts unmöglich ist. Bereits am 31.12.1910 bezeichnete Heym in einem Brief an den Verleger Ernst Rowohlt das Gedicht als „zu seinen besten lyrischen Leistungen“ gehörend.

In der ersten Strophe wird der Großstadtgott als riesenhafter Dämon exponiert, der auf einem Häuserblock sitzend über einer modernen industriellen Großstadt thront. Der Großstadtgott wird als ein unberechenbar cholerisches Wesen dargestellt, das voll Wut schaut, „wo fern in Einsamkeit/Die letzten Häuser in das Land verirrn“. Das Enjambement der letzten beiden Verse dient dabei der Steigerung der Dynamik. Veranschaulicht werden soll ein dramatischer Expansionsprozess der Großstadt in das umgebende Umland hinein. Bemerkenswert ist hier Heyms Originalität im Umgang mit dem in zahlreichen zeitgenössischen Großstadtgedichten verwendeten und entsprechend abgenutzten Bildtopos der Unendlichkeit der Großstadt. Heym prägt diesen Bildtopos um, indem er den Vorgang der Expansion mit den Worten „in das Land verirrn“ dramatisiert, negativ im Sinn von Ziellosigkeit konnotiert und damit zugleich aber auch die Urgewalt der Expansionsenergie verbildlicht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der expressionistischen Großstadtlyrik ein und definiert das Ziel der Arbeit, Heyms Gedicht "Der Gott der Stadt" als paradigmatisches Werk zu untersuchen.

2. Die Großstadt in der frühexpressionistischen Lyrik: Dieses Kapitel erläutert den sozial-historischen Kontext der Epoche und die veränderten Wahrnehmungsbedingungen, die zur Entstehung der spezifischen expressionistischen Ästhetik und Poetik führten.

3. Das Motiv der Großstadt bei Georg Heym: Es wird die biografische Verbindung Heyms zu Berlin sowie seine spezifische, durch Dämonisierung und Mythologisierung geprägte Herangehensweise an das Großstadtmotiv analysiert.

4. Der Gott der Stadt von Georg Heym: Das Hauptkapitel bietet eine detaillierte Analyse des Gedichts hinsichtlich seiner formalen Struktur sowie seiner innovativen, dämonisierenden Bildsprache als Ausdruck von Zivilisationskritik.

5. Schlussbetrachtungen: Das Fazit fasst zusammen, dass Heyms Gedicht aufgrund seiner einzigartigen Umprägung konventioneller Bildtopoi eine herausragende Position innerhalb der frühen expressionistischen Großstadtlyrik einnimmt.

Schlüsselwörter

Expressionismus, Großstadtlyrik, Georg Heym, Der Gott der Stadt, Zivilisationskritik, Moderne, Dämonisierung, Mythos, Subjekt-Objekt-Dialektik, Metaphorik, Frühexpressionismus, Großstadt, Industriewelt, Entfremdung, Baal.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Hausarbeit befasst sich mit der literarischen Darstellung der Großstadt im frühen Expressionismus, fokussiert auf das Gedicht "Der Gott der Stadt" von Georg Heym.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Mythologisierung der modernen Metropole, die Zivilisationskritik am industriellen Zeitalter und die Krise des Subjekts in einer technisierten Umgebung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Heyms spezifische dichterische Mittel – insbesondere die dämonisierende Metaphorik – als Ausdruck einer bewussten Zivilisationskritik und als Abgrenzung zur zeitgenössischen Konkurrenz darzustellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die sozial-historischen Kontext mit einer eingehenden Interpretation der metaphorischen Bildsprache des Gedichts verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert Georg Heyms spezifischen Umgang mit dem Großstadtmotiv, die Entstehungsgeschichte der Lyrik und eine detaillierte Einzelinterpretation von "Der Gott der Stadt".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Expressionismus, Zivilisationskritik, Dämonisierung, Subjekt-Objekt-Dialektik und die mythologische Figur des Baal als Symbol der industriellen Großstadt.

Welche Rolle spielt die Figur des "Baal" in der Analyse?

Die Figur des Baal dient Heym als mythische Personenallegorie, um die unberechenbare, zerstörerische und dem Menschen entfremdete Macht der modernen industriellen Realität zu personifizieren.

Warum wird das Gedicht als "paradigmatisch" für den Frühexpressionismus bezeichnet?

Das Gedicht gilt als paradigmatisch, da es die für die Epoche typische Ambivalenz zwischen Zivilisationsangst und der Faszination für die Dynamik der Großstadt in eine innovative, bildgewaltige Sprache übersetzt.

Final del extracto de 25 páginas  - subir

Detalles

Título
Die mythisierende Beschwörung der Großstadt als ein dämonisches Wesen in der frühexpressionistischen Lyrik. Das Gedicht "Der Gott der Stadt" von Georg Heym
Universidad
University of Hagen  (Institut für neuere deutsche und europäische Literatur)
Calificación
2,3
Autor
Thomas Franz (Autor)
Año de publicación
2013
Páginas
25
No. de catálogo
V316992
ISBN (Ebook)
9783668165731
ISBN (Libro)
9783668165748
Idioma
Alemán
Etiqueta
beschwörung großstadt wesen lyrik gedicht gott stadt georg heym
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Thomas Franz (Autor), 2013, Die mythisierende Beschwörung der Großstadt als ein dämonisches Wesen in der frühexpressionistischen Lyrik. Das Gedicht "Der Gott der Stadt" von Georg Heym, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316992
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