Gegenstand der vorliegenden Ausarbeitung ist die Darstellung und Reflexion einer Unterrichtseinheit zum Thema Industrialisierung mit Hilfe des Kompetenz-Strukturmodells der FUER-Gruppe.
Einem Geschichtsunterricht, der nur von vergangenen Ereignissen und Zahlen handelt, die nichts mit der eigenen Gegenwart zu tun haben, soll ein Konzept gegenübergestellt werden, das ein Bewusstsein für die Allgegenwärtigkeit wecken und die Fähigkeiten und Fertigkeiten historischen Denkens fördern will. Hierzu wird das Kompetenz-Strukturmodell der FUER-Gruppe eingeführt. Dieses formuliert einen Anspruch an Geschichtsunterricht, bei dem die Schüler und Schülerinnen „einen reflektierten und (selbst-)reflexiven Umgang mit Geschichte“ erlernen sollen. Dazu konzipierten wir eine siebenstündige Unterrichtseinheit im Themenbereich Modernisierung in Wirtschaft und Gesellschaft.
Dabei wird zunächst die Lerngruppe im Hinblick auf Fähigkeiten, Sozialverhalten und Leistungen beschrieben. In einem weiteren Schritt erfolgt die Begründung der Themenwahl, die sowohl das Curriculum als auch Relevanz für die Lebenswelt von den Schülern und Schülerinnen mit einbeziehen soll. Dies wird mit fachwissenschaftlichen Grundlagen verknüpft. Des Weiteren werden didaktische Vorüberlegungen mit Blick auf das zugrunde liegende Kompetenz-Strukturmodell sowie didaktische Unterrichtsprinzipien skizziert. Methodische Vorüberlegungen nehmen Lehr-Lern-Methoden ins Blickfeld. Abschließend erfolgt eine Darstellung des Planungsprozesses sowie damit verbundener Herausforderungen.
Nachdem die Unterrichtsstunde in den Verlauf der gesamten Einheit gestellt wird, wird im nächsten Schritt exemplarisch der tatsächliche Verlauf einer Doppelstunde dargestellt und unter Einbeziehung didaktischer und theoretischer Ansätze kritisch reflektiert. Dabei werden Ansätze zur Optimierung des Unterrichts analysiert. Abschließend erfolgt ein Fazit, in dem die wichtigsten Erkenntnisse aus der Unterrichtserfahrung zusammengefasst werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Unterrichtsplanung
2.1 Bedingungsanalyse
2.2 Begründung der Themenwahl und fachwissenschaftliche Grundlagen
2.3 Didaktische Vorüberlegungen
2.4 Methodische Vorüberlegungen
2.5 Planung der Unterrichtseinheit
3 Darstellung und Reflexion des Unterrichts
3.1 Übersicht über den Verlauf der Unterrichtseinheit
3.2 Tatsächlicher Unterrichtsverlauf und kritische Reflexion
3.3 Kritische Reflexion der Unterrichtseinheit
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, einen im Rahmen eines Kernpraktikums durchgeführten Unterrichtsversuch zur Industrialisierung im Fach Geschichte zu dokumentieren und kritisch zu reflektieren. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie das Kompetenz-Strukturmodell historischen Denkens in der Praxis umgesetzt werden kann und an welchen Stellen sich Herausforderungen für die Kompetenzförderung ergeben.
- Umsetzung kompetenzorientierter Unterrichtsplanung im Fach Geschichte.
- Analyse und Reflexion der "sozialen Frage" im historischen Kontext.
- Einsatz von Methoden wie dem Rollenspiel zur Förderung von Perspektivübernahme.
- Kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Lehrerrolle und Gesprächsführung.
- Verbindung historischer Lernprozesse mit Gegenwarts- und Zukunftsorientierung.
Auszug aus dem Buch
Einstieg
Den Einstieg in die dritte Doppelstunde bildet ein schwarz-weiß-Foto, auf welchem die Wohnsituation einer Arbeiterfamilie dargestellt ist. Die Lehrkräfte bitten die SchülerInnen zunächst, das Foto zu beschreiben. Die SchülerInnen zeigen sich motiviert und beschreiben den Wohnraum, bemerken, dass es sich um eine Familie handelt und stellen die Beobachtung an, dass es sich bei dem Wohnraum um Küche und Wohnzimmer zugleich handeln muss. Da die Beteiligung langsam reger wird und sich nur noch dieselben SchülerInnen melden, greift die Lehrkraft ein und fragt genauer: „Beschreibt bitte die Gesichtsausdrücke und Kleidung der abgebildeten Personen.“ Ein Schüler stellt treffend fest, dass es sich bei dem Mann um einen Arbeiter handelt. An dieser Stelle greift die Lehrkraft ein weiteres Mal ein und bittet den Schüler, seine Vermutung zu begründen. Derart greifen die Lehrkräfte ein weiteres Mal ein und es entwickelt sich ein eng gängelndes Unterrichtsgespräch mit Steuerungsfragen, das wenig Raum für Diskussionen lässt. Der Unterricht wird zu einem Gespräch, dessen Richtung von den Lehrkräften vorgegeben wird. Zudem achten die Lehrkräfte auf die in der Bildinterpretation übliche Abfolge Beschreibung, Analyse, Interpretation. Derart wird Äußerungen, die sich auf der nächsten Ebene befinden, kaum Raum geboten.
Waltraud Schreiber hat darauf verwiesen, dass die von Erich Panofsky vorgeschlagene Herangehensweise bei Fragen, die von einem Historiker an das Bild gestellt werden, nicht immer die geeignetste sei. Folglich ergeben sich zwei Alternativen für den Unterricht: entweder der Lehrende richtet sich nicht nach einem bestimmten Schema und so ist den SchülerInnen Raum für Äußerungen geboten oder er überlegt sich ein dem Kompetenzgedanken entsprechendes Fragemuster. Im Hinblick auf gedankliche Strukturierung würde ich die zweite Alternative bevorzugen. Diese sollte jedoch nicht in einem statischen Sinne eingehalten werden und so Raum für interessante Beobachtungen und Bemerkungen geben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die theoretische Verankerung des kompetenzorientierten Geschichtsunterrichts ein und erläutert den Anlass sowie das Ziel des durchgeführten Unterrichtsversuchs.
2 Unterrichtsplanung: Hier werden die Lerngruppe, die fachwissenschaftlichen Hintergründe sowie die didaktischen und methodischen Überlegungen für die Unterrichtseinheit detailliert dargelegt.
3 Darstellung und Reflexion des Unterrichts: Dieser Abschnitt beschreibt konkret den Verlauf der dritten Doppelstunde und unterzieht das methodische Vorgehen sowie die Interaktion im Unterricht einer kritischen Analyse.
4 Fazit: Das Fazit fasst die gewonnenen Erkenntnisse über die Möglichkeiten und Grenzen der Kompetenzorientierung in der Unterrichtspraxis zusammen und reflektiert den persönlichen Lernprozess der angehenden Lehrkräfte.
Schlüsselwörter
Kompetenzorientierung, Geschichtsunterricht, Industrialisierung, soziale Frage, Historisches Denken, Re-Konstruktionskompetenz, Orientierungskompetenz, Rollenspiel, Multiperspektivität, Kontroversität, Unterrichtsreflexion, Fachdidaktik, Lehr-Lern-Methoden, Schülerorientierung, Bildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert und reflektiert einen Unterrichtsversuch im Fach Geschichte an einem Gymnasium, bei dem das Ziel verfolgt wurde, Unterricht nach dem Kompetenz-Strukturmodell historischen Denkens zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Neben der allgemeinen Einführung in das Konzept der Kompetenzorientierung im Geschichtsunterricht liegt der Schwerpunkt auf dem Themenkomplex Modernisierung, spezifisch der Industrialisierung und der sogenannten sozialen Frage.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Planung und Durchführung einer Unterrichtseinheit kritisch auf den Prüfstand zu stellen, um Stärken und Schwächen der eigenen Lehrtätigkeit sowie die praktische Anwendbarkeit didaktischer Theorien zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der unterrichtlichen Selbstreflexion, wobei der tatsächliche Unterrichtsverlauf anhand fachdidaktischer Literatur und theoretischer Modelle wie dem der FUER-Gruppe analysiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bedingungsanalyse und Planung der Einheit sowie die detaillierte Darstellung und kritische Reflexion einer konkreten Doppelstunde zum Thema "Soziale Frage".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kompetenzorientierung, Historisches Denken, Industrialisierung, soziale Frage, Multiperspektivität, Rollenspiel und Reflexion.
Warum wird das Rollenspiel als Methode kritisch hinterfragt?
Obwohl das Rollenspiel zur Aktivierung als sinnvoll erachtet wird, zeigt die Reflexion, dass die mangelnde Qualität der Diskussion oft auf eine ungünstige oder inhaltlich unpassende Quellenauswahl zurückzuführen ist.
Welche Bedeutung kommt der Lehrkraft im kompetenzorientierten Unterricht zu?
Die Lehrkraft muss laut Arbeit über eine hohe Diagnosefähigkeit verfügen, um das Niveau der Schülerinnen und Schüler zu erkennen und den Unterricht nicht zu stark durch suggestive Fragen zu gängeln.
Wie bewerten die Autoren den Erfolg ihres eigenen Unterrichtsversuchs?
Die Autoren gelangen zu dem ernüchternden, aber erkenntnisreichen Schluss, dass sie ihrem eigenen Anspruch, Kompetenzorientierung vollumfänglich umzusetzen, aufgrund von Zeitmangel und methodischen Fehlern nicht vollständig gerecht geworden sind.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2012, Darstellung und Reflexion eines Unterrichtsversuches zur Umsetzung des Kompetenz-Strukturmodells historischen Denkens, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317085