Die Auswirkungen der DIN EN 1090 auf kleine und mittelständische Betriebe in der Metallverarbeitungsbranche


Hausarbeit, 2012
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung
2.1. Problembeschreibung
2.2. Hypothesenbildung
2.3. Relevanz der Hypothese
2.4. Zielsetzung
2.5. Themenrelevante Begriffsdefinition

3. Inhalt
3.1. Konformität/ CE-Kennzeichnung
3.1.1. Allgemeines
3.1.2. Zertifizierungsstelle
3.1.3. Werkseigene Produktionskontrolle
3.1.4. Klassifizierung und Kennzeichnung
3.2. Sicherheitskonzept
3.3. Qualifikation
3.4. Rückverfolgbarkeit
3.5. Auswirkungen auf spezifische Arbeitsschritte
3.5.1. Schweißen

4. Zusammenfassung
4.1. Schlussfolgerung
4.2. Diskussion

5. Überprüfung der Hypothese nach Bortz/ Döring
5.1. Kriterium 1
5.2. Kriterium 2
5.3. Kriterium 3
5.4. Kriterium 4

6. Abbildungen und Quellen
6.1. Abbildungsverzeichnis
6.2. Normen und Regelwerke
6.3. Quellenverzeichnis

2. Einleitung

2.1. Problembeschreibung

Heutzutage wird immer deutlicher wie sehr die Europäische Union unseren privaten und beruflichen Alltag beeinflusst. Dahinter steht hauptsächlich der politische Wille, Handelshemmnisse zwischen den Mitgliedsländern zu minimieren, so dass ein weitestgehend freier Personen-, Dienstleistungs-, Kapital- und Warenmarkt stattfinden kann. Dazu gehört auch die Angleichung von Technischen Vorschriften, durch welche die Waren am Markt definiert und geregelt werden. Es werden normierte technische Regelwerke benötigt, die in ganz Europa akzeptiert werden, weitgehend gleich sind und den Verbraucherschutz erhöhen. Bisher galten in Deutschland die nationalen Normen DIN 18800 Teile 1 – 4 von 1990 und Teil 7 von 2002 für den Stahlbau, sowie DIN 4114 für den Aluminiumbau. Dazu folgte 2008 eine überarbeitete Fassung aller Teile. Bedingt durch die Europa-Angleichung führte die Bauaufsicht am 17.12.2010 die europaweit geltende Normreihe DIN EN 1090 (europäische Bemessungsnorm, kurz: Eurocode) ein, welche maßgebliche Änderungen für die Ausführung von Stahl- und Aluminiumtragwerken beinhaltet. Seit dem 01.01.2011 wird die DIN EN 1090-1 angewendet, d.h. CE-gekennzeichnete Produkte (gerechnete, geschweißte, beschichtete und geschraubte Produkte) nach Norm in den Verkehr gebracht. Auch die Ausführung der DIN EN 1090-2 startete im Januar 2011. Die Koexistensphase der DIN 18800 und der DIN EN 1090 sollte in Deutschland am 01.07.2013 (bereits vom 01.07.2012 um ein Jahr verlängert) enden, wurde nun aber vom ständigen Ausschuss für das Bauwesen (StAB) in Brüssel erneut um ein Jahr auf den 01.07.2014 verschoben. Alle Unternehmen, die im bauaufsichtlichen Bereich Bauteile aus Stahl oder Aluminium herstellen, müssen ab Juli 2014 bindend nach der DIN EN 1090 arbeiten und die werkseigene Produktionskontrolle durch eine notifizierende Stelle zertifizieren lassen um der Norm zu entsprechen. Neu ist die Überwachungspflicht für alle Hersteller tragender Bauteile sowie die Überwachung aller in der Handwerksrolle eingetragenen Metallbaubetriebe (ca. 30.000) durch bisher 15 notifizierte Stellen.

2.2. Hypothesenbildung

Die Einführung der DIN EN 1090 führt zu Auftragsabnahme und Änderungen der Produktpolitik bei kleinen und mittelständischen Unternehmen, wenn diese auf Grund ihrer Struktur die Norm nicht umsetzen können.

2.3. Relevanz der Hypothese

Die CE-Kennzeichnung wird nach übereinstimmender Meinung der Experten bereits in diesem Jahr weiter an Bedeutung gewinnen, da vom Auftraggeber stärker auf die Einhaltung der entsprechenden Vorschriften geachtet wird. Dies geschieht schon deshalb, weil die Kunden Leistungsmerkmale direkt miteinander vergleichen können. Für die Praxis des Metallbauers heißt das, sich einerseits intensiv mit dem Angebot seiner Systemlieferanten in Bezug auf die CE-Kennzeichnung auseinanderzusetzen und die gegebenen Möglichkeiten zu nutzen. Zugleich muss er für seine Kunden zusätzliche Zeit in die Beratung- und Servicequalität investieren. Kleinst- und mittelständische Unternehmen sind auf Grund von Fachpersonal- und Räumlichkeitsmangel und auch aus Kostengründen häufig nicht in der Lage, solche Neuerungen störungs- und mängelfrei in der vorgegebenen Zeit umzusetzen.

2.4. Zielsetzung

Ziel dieser Hypothese ist, dem Leser ein Grundwissen über die behandelte Problematik zu vermitteln, welches es erlaubt, sich eine eigene Meinung zu verschaffen und objektive Argumente zur Bestätigung oder Falsifizierung der Hypothese zu erdenken. Die Möglichkeiten und Risiken neuer länderübergreifender Regelungen sollen dargestellt und herausgearbeitet werden. Hierzu werden einzelne Teilbereiche der DIN EN 1090 aufgezeigt und mit Auszügen aus der Bemessungsnorm unterlegt. Des Weiteren sollen Verweise auf Normen und Vorschriften den Einstieg in die Diskussion ermöglichen. Eine Überprüfung der Hypothese anhand der Kriterien nach Bortz/Döring wird ausgeführt.

2.5. Themenrelevante Begriffsdefinition

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bauprodukte Baustoffe, Bauteile und Anlagen, die hergestellt werden um dauerhaft in Anlagen des Hoch- und Tiefbaus montiert zu werden. Auch vorgefertigte Anlagen, die mit dem Erdboden verbunden werden, wie z.Bsp. Fertighäuser, Silos und zählen dazu. tragende Bauteile „Bauteile für tragende Zwecke zur Sicherstellung der mechanischen Festigkeit und Standsicherheit und/oder des Feuerwiderstandes sowie der Dauerhaftigkeit und der Gebrauchstauglichkeit eines Bauwerks. Tragende Bauteile können direkt im Lieferzustand verwendet werden oder zum Einbau in ein Bauwerk vorgesehen sein.“ (DIN EN 1090-1 Abs. 3.1.9)

3. Inhalt

3.1. Konformität/ CE-Kennzeichnung

3.1.1. Allgemeines

Für die Teilnehmerländer des CEN besteht Kennzeichnungspflicht mit dem CE-Zeichen für die Produkte, für die Richtlinien des Europäischen Rates existieren. Dazu gehören jetzt auch tragende Bauteile aus Stahl oder Aluminium. „Diese harmonisierte Europäische Norm enthält Festlegungen für den Konformitätsnachweis von Bauteilen, bei deren Einhaltung davon ausgegangen werden kann, dass die Bauteile die vom Bauteilhersteller angegebenen Leistungsmerkmale aufweisen(Konformitätsvermutung)“(DIN EN1090-1 Einleitung). Die Konformitätsvermutung gilt auch für Produkte, die der Hersteller mit CE-Kennzeichnung beschafft (z.B. Halbzeuge) und löst den bisherigen Übereinstimmungsnachweis (Ü) der DIN 18800 Teil 7 ab. Um als Hersteller ein CE-Zeichen auf dem Produkt anbringen zu können, ist die Zusammenarbeit mit einer anerkannten Zertifizierungsstelle im Rahmen eines Überwachungsvertrages erforderlich. DIN EN 1090-1 Tabelle ZA.3 gibt eine Übersicht über die Aufgaben von Hersteller und Zertifizierungsstelle.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auszug aus DIN EN 1090-1

3.1.2. Zertifizierungsstelle

Die Überwachung durch die Zertifizierungsstelle besteht aus einer Erstprüfung und einer regelmäßig wiederkehrenden Prüfung. “Zweck der Erstprüfung ist nachzuweisen, dass der Hersteller (z. Bsp. Metallbauer) über die Voraussetzungen verfügt, um tragende Bauteile und Bausätze nach dieser Europäischen Norm zu liefern.“ (DIN EN 1090-1 Abs. 6.2.1) Die Erstprüfung erstreckt sich auf die Erstberechnung (ITC, Voraussetzungen hins. der Statik, Fertigungszeichnungen und Bemessung der Konstrukte) und die Erstprüfung (ITT, Voraussetzungen hins. der Herstellung, des Verfahrens, der Ausführungsklasse und Produktneuheiten)

Der Fremdüberwacher (Zertifizierungsstelle) stellt nach der Erstinspektion des Unternehmens (Werkstatt, Produktionshalle,…) und der werkseigenen Produktionskontrolle (WPK) ein „Schweißzertifikat“ aus. (siehe DIN EN 1090-1 Tab. B.1) In diesem werden dem Hersteller die Übereinstimmung mit den Anforderungen bestätigt. Danach wird die WPK des Herstellers in regelmäßigen Abständen geprüft, beurteilt und neu zertifiziert, die Prüfintervalle sind in DIN EN 1090-1 Tab. B.3 festgelegt: EXC1 und EXC2 1 – 2 – 3 – 3 – … (Jahre), EXC3 und EXC4 1 – 1 – 2 – 3 – 3 – … (Jahre)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auszug aus DIN EN 1090-1

3.1.3. Werkseigene Produktionskontrolle

Der Hersteller wird verpflichtet eine werkseigene Produktionskontrolle (WPK) zu unterhalten. „Mit dem System der werkseigenen Produktionskontrolle ist nachzuweisen, dass die Systeme zur Ausführung von Arbeiten nach dieser Europäischen Norm für die Herstellung von den Anforderungen dieser Europäischen Norm entsprechenden Bauteilen geeignet sind.“ (DIN EN 1090-1 Abs.B.2) Die WPK umfasst alle Betriebsabläufe – Planung, Fertigung, Verpackung und Versand und dokumentiert die Verfahren, Prüfabläufe, Prüfhäufigkeit und den Prüfumfang. „Das System der werkseigenen Produktionskontrolle muss schriftlich festgelegte Verfahren, regelmäßige Kontrollen und Prüfungen … umfassen. Ein System der werkseigenen Produktionskontrolle, das den Anforderungen von EN ISO 9001 entspricht und den Anforderungen dieser Europäischen Norm angepasst wurde, gilt als ausreichend für die Erfüllung der oben aufgeführten Anforderungen.“ (DIN EN 1090-1 Abs. 6.3.1) Ein Verantwortlicher für die WPK ist zu benennen, zu schulen und mit der notwendigen Kompetenz auszustatten. Dieser trägt die Verantwortung für die Durchführung der Kontrolle nach DIN EN 1090 und ist bevollmächtigt, die Konformitätserklärung zu unterzeichnen. Dokumentierte Verfahren und Anweisungen müssen durch den Beauftragten ausgearbeitet, beschrieben, protokolliert und geprüft werden. Die werkseigene Produktionskontrolle von Subunternehmen und Lieferanten wird durch die Zertifizierungsstelle stichprobenartig geprüft und ist durch den Hersteller sicherzustellen. Eine eigenständige Zertifizierung der Unterlieferanten ist nach DIN EN 1090 nicht vorgesehen.

3.1.4. Klassifizierung und Kennzeichnung

Die einzelnen gefertigten Bauteile müssen einer Ausführungsklasse zugeordnet werden (EXC1-4).

EXC1: ruhend beanspruchte Bauteile oder Tragwerke aus Stahl bis S275

EXC2: vorwiegend ruhende Bauteile oder Tragwerke aus Stahl bis S700

EXC3: vorwiegend ruhende Bauteile oder Tragwerke aus Stahl bis S700 (mit besonderer Last)

EXC4: Bauteile oder Tragwerke der Klasse EXC3 mit extremen Schadensfolgen

Außerdem müssen die Bauteile einer Toleranzklasse zugeordnet werden – entweder 1 oder 2 nach DIN EN 1090-2 Anh. D.2 oder einer Klasse nach DIN EN ISO 13920. In DIN EN 1090-2 Tabelle A.1 sind verschiedene Deklarationsverfahren geregelt. Daraus entsteht die Verpflichtung, die Verantwortung zwischen Besteller und Hersteller eindeutig zu regeln. Der Hersteller erstellt für das Bauteil eine Konformitätserklärung nach der Bauproduktenrichtlinie. Die erforderlichen Angaben sind in DIN EN 1090-1 Tabelle ZA.2.3 beschrieben: Name und Anschrift des Herstellers sowie Herstellungsort, Beschreibung des Produkts, Kopie der CE-Kennzeichnung, Regelwerken, denen das Produkt entspricht, besondere Verwendungshinweise, Nummer des Zertifikates (von der Zertifizierungsstelle) über die Bewertung der WPK, Name und Funktion des Unterzeichners

Die eigentliche Kennzeichnung mit dem CE-Zeichen ist in DIN EN 1090-1 Anh. ZA.3 geregelt und kann direkt auf dem Bauteil oder auf einem gesonderten Blatt der beizufügenden Unterlagen erfolgen.

3.2. Sicherheitskonzept

Das Sicherheitskonzept verwendet die Vorgaben aus EC0 Anhang B hinsichtlich der möglichen Schadensfolgen.

Kriterium 1:

CC1 – niedrige Folgen für Menschenleben und kleine wirtschaftliche, soziale oder umweltschädliche Folgen
CC2 – mittlere Folgen für Menschenleben und beeinträchtliche wirtschaftliche, soziale oder umweltschädliche Folgen
CC3 – hohe Folgen für Menschenleben und sehr große wirtschaftliche, soziale oder umweltschädliche Folgen

Außer den Schadensauswirkungen werden nach DIN EN 1090-2 Anhang B die Beanspruchungen des Bauwerks oder Bauteils bewertet.

Kriterium 2:

SC1 – ruhende Belastung, bemessen für geringe Erdbebeneinwirkung und Ermüdungseinwirkungen
SC2 – Schwingungsempfindliche Bauteile, bemessen für mittlere und starke Erdbebeneinwirkung

Zuletzt wird nach DIN EN 1090-2 Anhang B der Anspruch der Fertigungsaufgabe bewertet.

Kriterium 3:

PC 1 – nicht geschweißte Bauteile, geschweißte Bauteile aus Stahlsorten unter S355

PC2 – geschweißte Bauteile aus Stahlsorten über S355, erwärmte Bauteile, Konstrukte aus Rohr

Die drei genannten Kriterien beschreiben jeweils einen Bereich von geringem bis hohem Risiko. Diese Anforderungen werden mit den Begriffen EXC1 (gering) bis EXC4 (hoch) bezeichnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die oben abgebildete Tabelle entspricht DIN EN 1090-2 Tabelle B.3

Ohne eine Zuordnung zu einer der Ausführungsklassen ist die Anwendung der Norm nicht möglich. Die Zuordnung des gesamten Tragwerks oder einzelner Bauteile zu einer der Ausführungsklassen ist daher zwingend notwendig und - sofern nicht anders angegeben fällt- das Bauteil unter EXC2 (DIN EN 1090-2 Abs. 4.1.2). Grundsatz EN DIN 1090-2 Abs. 4.1.1: „Für alle Teile der Stahlkonstruktion müssen die notwendigen Informationen und technischen Anforderungen vor Beginn der Ausführungsarbeiten vereinbart und abschließend geregelt sein. Es muss auch geregelt werden, wie bei Änderungen bereits vereinbarter Ausführungsunterlagen verfahren wird.“

3.3. Qualifikation

In DIN EN 1090-2 Abs. 7.1 ist die Zuordnung zwischen Ausführungsklassen und Qualitätsanforderungen beschrieben. Die erforderliche Qualifikation für die Schweißaufsichtsperson (SAP) ergibt sich aus DIN EN ISO 3834 Teil 5 Tabelle 2, welche wiederum auf DIN EN ISO 14731 verweist.

EXC1 Elementare Qualitätsanforderungen nach DIN EN ISO 3834 Teil 4 (keine besonderen Anforderungen)

EXC2 Standard Qualitätsanforderungen nach DIN EN ISO 3834 Teil 3 (Intern. Schweißfachmann, kleiner Eignungsnachweis, bauteilabhängig mit Erweiterung)

EXC3, EXC4 Umfassende Qualitätsanforderungen nach DIN EN ISO 3834 Teil 2(Intern. Schweißingenieur, großer Eignungsnachweis, bauteilabhängig mit Erweiterung)

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Auswirkungen der DIN EN 1090 auf kleine und mittelständische Betriebe in der Metallverarbeitungsbranche
Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V317358
ISBN (eBook)
9783668165052
ISBN (Buch)
9783668165069
Dateigröße
860 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auswirkungen, betriebe, metallverarbeitungsbranche
Arbeit zitieren
Sophia Rönsch (Autor), 2012, Die Auswirkungen der DIN EN 1090 auf kleine und mittelständische Betriebe in der Metallverarbeitungsbranche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317358

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