Die Gegenschulkultur aus Paul E. Willis' „Spaß am Widerstand – Learning to labour“


Hausarbeit, 2014

16 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

I. Gliederung

1 Einleitung

2 Die Hammertown-Fallstudie

3 Die Gegenschulkultur und ihre Elemente
3.1 Opposition gegen Autorität
3.2 Die informelle Gruppe
3.3 Nichts tun, Blödeln und Quatschen
3.4 Langeweile und Aufregung
3.5 Sexismus
3.6 Rassismus

4 Die Betriebskultur und ihre Parallelen zur Gegen-Schulkultur

5 Der Weg in das Berufsleben
5.1 Berufsberatung in der Arbeiterschule
5.2 Die Bedeutung der Berufswahl

6 Die Ankunft im Berufsleben

II. Literaturverzeichnis

III. Internetverzeichnis

1 Einleitung

Im Jahre 1950 wurde Paul E. Willis in der britischen Großstadt Wolverhampton geboren. Mit dem Erwerb des Abiturs nach Abschluss des städtischen Gymnasiums seiner Geburtsstadt, zog der heutige Kultursoziologe nach Cambridge. Dort erarbeitete er sich 1966 einen Bachelor- und Masterabschluss in englischer Literatur. Im darauffolgenden Jahr schrieb Willis sein Diplom in weiterführender Betriebswirtschaftslehre an der Machester Business School, um gleich darauf einen weiteren Master bezüglich industrieller Beziehungen zu erlangen. Zuletzt erreichte der ehrgeizige „Überflieger“ im Alter von nur 22 Jahren den Doktorgrad im Fach Kulturwissenschaften an der Hochschule in Birmingham. (Willis P., http://www.keele.ac.uk/kms/staff/willis/)

Laut eigener Aussagen, beschäftigt sich Willis noch heute vorrangig mit ethnografischen Untersuchungen von sowohl hoch entwickelten, als auch schwächeren Kulturformen innerhalb einer breiten Vielfalt von Kontexten. In diesem Zusammenhang schrieb der Soziologe sein weltweit bekanntestes Buch „Learnig to labour“ dessen deutsche Übersetzung den folgenden Absatz betitelt. Seine Niederschriften erwies sich als bahnbrechender Erfolg, mit welcher er zu einem der führenden Kultursoziologen in England aufstieg. (Willis P., http://www.keele.ac.uk/kms/staff/willis/)

Paul Willis Werk „Spaß am Widerstand – Gegenkultur in der Arbeiterschule“ entstand 1977 „aus einem vom Social Science Research Counsil finanzierten Projekt“. (Willis P. 1982, S.9) Hierbei fanden im Zeitraum von 1972 bis 1975 diverse Fallstudien, Interviews und auch Gruppendiskussionen statt, um den Übergang von Arbeiterjungen mit geringer Schulbildung in ihr individuelles Berufsleben zu beobachten. Um diese Thematik hinreichend zu untersuchen, wurde eine Gruppe von Jugendlichen in Willis sogenannter Hammertown-Fallstudie durch ihre letzten beiden Schuljahre, sowie die ersten Monate ihres Arbeitslebens begleitet. Die deutsche Fassung dieses Buches erschien nur zwei Jahre nach Publikation des Originals. In dieser Hausarbeit jedoch, wird mit der zweiten Auflage von 1982 gearbeitet, mit dem Ziel die Fragen, „wieso Arbeiterkinder Arbeiter-Jobs kriegen“ (Willis P. 1982, S.11) und inwiefern die Kinder der Arbeiterklasse zu ihrer eigenen Verurteilung beitragen, zu beantworten. (Willis P. 1982, S.9ff)

Das zentrale Thema dieser Arbeit ist somit die in Willis „Spaß am Widerstand“ aufgeführte Gegenschulkultur. Bevor aber auf die verschiedenen Elemente dieser eingegangen werden soll, etwa oppositionelle Haltungen gegen Autoritäten, deren Entstehung und später die sogenannte informelle Gruppe, wird dem Leser zunächst die schon oben genannte Hammertown-Studie näher erläutert. Mittels dieser Studie war es dem Kultursoziologen überhaupt erst möglich, seine vorherigen Gedankengänge in Bezug auf eine sich selbst abgrenzende Schulkultur zu bestätigen.

Als weitere Symptome der Gegenschulkultur sind das Nichts tun, die Langeweile und Aufregung, der Sexismus und desweiteren der Rassismus zu nennen. Obige weiterführende Aspekte dieser Kultur werden im weiteren Verlauf der Arbeit näher erklärt.

Die Betriebskultur und ihre diversen Parallelen mit der Gegenschulkultur in der Arbeiterkultur werden im Anschluss daran behandelt, um daraufhin den Weg der Arbeiterkinder in ihr Berufsleben anhand der schulischen Berufsberatung und der subjektiven Bedeutung der Berufswahl aufzuzeigen. Abschließend soll noch auf die Eingliederung der Heranwachsenden im Arbeitsleben eingegangen werden.

2 Die Hammertown-Fallstudie

Innerhalb des Forschungsprojektes, auf dem Willis „Spaß am Widerstand“ aufbaut, entwickelte der Autor eine Hauptstudie, sowie fünf vergleichbar kleinere Studien mit dem Ziel, seine Ideen im Hinblick auf die Arbeiterklasse zu untermauern. Hierzu wurden zwölf Jungen der nicht akademisch geschulten Arbeiterschicht aus einer Stadt, die Willis als Hammertown bezeichnet, ausgewählt. Ebendiese Arbeiterkinder, die sich selbst als „lads“ bezeichnen, besuchten nun eine Schule namens Hammertown boys, exklusiv für Jungen. (Willis P. 1982, S.16)

Die Kriterien, welche für die Auswahl der Arbeiterjungen zu der Hauptfallstudie herangezogen wurden, bezogen sich in erster Linie auf die Freundschaftsbindungen innerhalb der Gruppe „und ihrer Mitgliedschaft in einer Art oppositioneller Kultur in einer überwiegend von Arbeiterkindern besuchten Schule.“ (Willis P. 1982, S.16). Die Schule wurde aufgrund ihrer zentralen Lage inmitten einer typischen Gemeindesiedlung aus der Zwischenkriegszeit ausgewählt, auch stellte diese Siedlung gleichzeitig das Zentrum der Stadt Hammertown dar. (Willis P. 1982, S.16f)

Trotz der Tatsache, dass die Hammertown boys ausschließlich von Schülern aus Arbeiterfamilien besucht wurde, besaß sie einen guten Ruf: Nachvollziehbare Regeln und angemessenes Verhalten standen folglich an der Tagesordnung. Vor allem die Lehrer achteten darauf das Ansehen der Schule zu wahren, indem sie die gesellschaftlich etablierten Normen durchsetzten. Mit all diesen Vorkehrungen stellte also Paul Willis sicher, dass die zwölfköpfige Jugendgruppe aus einer typischen Arbeiterfamilie stammt und somit auch deren Merkmale aufweist, aber trotzdem ein geeignetes Bildungsangebot erhält. (Willis P. 1982, S.17)

Die Hauptfallstudie umfasste also die Jahre 1972 – 1975. Diese nutzte Willis, um teilnehmende Beobachtungen im Unterricht innerhalb der Schulumgebung und während der Freizeitphase anzustellen und anschließend zu untersuchen. Des Weiteren fanden immer wieder Gruppendiskussionen, sowie informelle Interviews statt, deren Verlauf aufgenommen wurde. Der Kultursoziologe folgte den Jungen seiner Studie mit in das Klassenzimmer und auch auf andere Veranstaltungen und zeichnete indessen diverse Gespräche mit zum Beispiel Eltern, Lehrern, oder auch Berufsberatern auf. (Willis P. 1982, S.17)

3 Die Gegenschulkultur und ihre Elemente

3.1 Opposition gegen Autorität

Als erstes und wichtigstes Element der Gegenschulkultur soll zuanfangs die „tief verwurzelte allgemeine und personale Opposition gegen die 'Autorität'“ (Willis P. 1982, S.24) angeführt werden. Ebendiese Auflehnung scheint sich durch die Umkehrung von autoritären Werten, wie beispielsweise Fleiß oder Respekt, zu definieren. Die 'lads', welche sich mit dieser Weltsicht identifizieren, zeigen ihre aufsässigen Sichtweise besonders in Bezug auf die Institution Schule. Dort bemühen sich die ausgewählten Arbeiterjungen der Hammertown Studie sowohl physisch, als auch symbolisch von den gesellschaftlich propagierten Werten abzuweichen. So weigerten sich die 'lads' weder aktiv, noch passiv (in Form von bloßer Anwesenheit) den Unterricht wahrzunehmen; dem zentralen Ziel der Erziehung und Bildung im schulischen Rahmen wurde so größtmöglicher Trotz entgegengebracht. Dies ist zum einen darauf zurückzuführen, dass die lads kaum Pläne für die Zukunft erstellen, da sie vorwiegend an der Erhaltung ihres gegenwärtigen Zustandes interessiert sind. Das Dilemma der vergänglichen Zeit scheint für sie nur von geringer Bedeutung zu sein und keine Auswirkungen auf ihre jetzigen Handlungen zu haben. Die Opposition gegen die Autorität zeigt sich also tagtäglich in der allgemeinen Art ihres Verhaltens. (Willis P. 1982, S.24ff)

Zum anderen verdeutlichen die lads ihre Angehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Gegenpartei durch die bestimmte Verwendung gewisser Konsumgüter: Kleidung, Zigaretten und Alkohol bilden in diesem Sinne also die „Elemente des Widerstands“. (Willis P. 1982, S.24ff)

Als gegenüberstehende Partei der Gegenschulkultur steht die quantitativ überlegene Gruppe der „ear'oles“. Diese Schulkonformisten weisen eine komplett divergente Einstellung gegenüber der Schule auf. Während die lads insbesondere auf Anweisungen des Lehrerkollegiums rebellisch reagieren, fügen sich die ear'oles dieser Autorität widerstandslos. Auch wenn die Konformisten der Lehrerschaft aufgrund ihrer Ansicht nicht direkt unter die Arme greifen, so befürworten sie doch die erzieherische Grundidee des Lehrers. Jedoch fordern die ear'oles im Gegenzug zu ihrem unterstützenden Verhalten, dass auch die Lehrer selbst sich an derselben Autorität orientieren. Wegen besagter „Begeisterung für und Unterwerfung unter die unmittelbare Autorität“ (Willis P. 1982, S.28) ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Gruppe der Konformisten, ebenso wie die Lehrerschaft, als Angriffsfläche für die Anhängerschaft der lads dient. Spaßhafte aber auch oft vorlaute Angriffe auf diese Personen betonen die angebliche Unabhängigkeit und die soziale Überlegenheit der lads gegenüber den etablierten Wertvorstellungen. (Willis P. 1982, S.28f)

Auch wenn bereits während der Grundschule eine sichtbare Form der sozialen Differenz vorliegt, so ist ein jeder Schüler zu Beginn seiner Schulzeit ein ear-ole und verhält sich dementsprechend konformistisch. Während dieser Zeitspanne bis zum zweiten Jahr der Sekundarstufe mangelt es dem späteren lad an der nötigen Unterstützung einer Gruppe. Doch mit der Entstehung eines solchen sozialen Rückhalts, welche mit dem Knüpfen von Freundschaften einher geht, beginnt die Veränderung. Speziell die Freundschaft zu einem lad treibt die Entwicklung eines Kindes dahingehend an, selbst ein Mitglied der Gegen-Schulkultur werden. (Willis P. 1982, S.97ff)

Laut der Lehrerschaft sind die beiden Hauptkomponenten, aus welcher die Gegenschulkultur entsteht, Charaktermangel und Beeinflussung. Denn der laufende Prozess, aus dem sich die Gruppe der lads entwickelt, zeichnet sich durch die Weiterleitung solcher Charaktermängel einer rebellischen Minderheit an die Mehrheit der „Beeinflussbaren“ aus. (Willis P. 1982, S.99)

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Gegenschulkultur aus Paul E. Willis' „Spaß am Widerstand – Learning to labour“
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Sozialisation - Habitus - Doing Class
Note
2,3
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V317503
ISBN (eBook)
9783668166394
ISBN (Buch)
9783668166400
Dateigröße
709 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Paul Willis, Gegenschulkultur, Spaß am Widerstand, Soziologie, learning to labour, informelle Gruppe, Opposition, Arbeiterklasse
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Die Gegenschulkultur aus Paul E. Willis' „Spaß am Widerstand – Learning to labour“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317503

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