Die Hausarbeit stellt einen zusammenfassenden Überblick über die Argumentationsstruktur in Anselm von Canterburys "De Veritate/Über die Wahrheit" dar. Das Hauptaugenmerkt richtet sich dabei auf die Frage, welche Arten von Wahrheiten Anselm von Canterbury unterscheidet und in welches Verhältnis er diese zu seinem Hauptziel, einer logisch-argumentativen Beweisführung der Existenz Gottes, setzt.
Anselm von Canterbury gilt als wichtigster theologischer Philosoph des Hochmittelalters. Seine Werke zur Frage nach der Existenz Gottes werden als Grundlage für viele spätere Werke, etwa zum Thema der Theodizee, angesehen. "De Veritate" ist eines seiner Hauptwerke, in dem er versucht, einen logischen Beweis für die Existenz Gottes zu finden. Um dies zu erreichen, untersucht er verschiedene Problematiken des Menschen und der ihn umgebenden Welt, etwa das Verhältnis von Wahrheit und Rechtmäßigkeit.
Die Hausarbeit will einen ersten Überblick über die Strukturierung und Formulierung der Anselmschen Argumentation geben. Da die Thematik des Gottesbeweises für diesen Rahmen zu umfangreich und komplex wäre, beschränkt sich die Untersuchung auf den Wahrheitsbegriff in Canterburys Werk. Untersucht werden seine verschiedenen Definitionen und die Bedeutung, die Anselm ihm für die weitere Beweisführung anrechnet. Die Untersuchung bleibt dabei eng an den ausgewählten Quellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Weg zur Definition der Wahrheit
2.1. Arten der Wahrheit
2.1.1. Wahrheit der Anzeige & Wahrheit der Aussage
2.1.2. Wahrheit des Denkens & Wahrheit des Willens
2.1.3. Wahrheit des Handelns
2.1.4. Wahrheit der Sinne & Wahrheit des Wesens der Dinge
2.2. Die Argumentation in Kapitel 8 & Kapitel 9
2.3. Die höchste Wahrheit
3. Die Definition der Wahrheit
3.1. Die Definition in Kapitel 11
3.2. Zusammenfassende Betrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den systematischen Aufbau des Werkes „De Veritate“ von Anselm von Canterbury mit dem Ziel, die Herleitung des Wahrheitsbegriffs als „allein vom Geist erfassbare Rechtheit“ nachzuvollziehen. Dabei wird die philosophische Argumentationsstruktur analysiert, die von verschiedenen Wahrheitsarten ausgeht, um schließlich in einer einheitlichen Definition zu münden.
- Analyse der verschiedenen „Sitze der Wahrheit“ (Aussage, Denken, Wille, Handeln, Sinne).
- Untersuchung des Verhältnisses von Wahrheit und Rechtheit (rectitudo).
- Exploration der Rolle Gottes als Grund und höchste Wahrheit.
- Diskussion der methodischen Verbindung zwischen rationaler Argumentation und Glaubensgrundsätzen.
Auszug aus dem Buch
Wahrheit der Anzeige & Wahrheit der Aussage
Wie bereits erwähnt, werden im ersten Kapitel der Beweis für die Zeitlosigkeit Gottes aus dem „Monologion“ zitiert und der Glaubensgrundsatz, „daß Gott die Wahrheit ist“ („De Veritate“, Kapitel 1, S. 9), befestigt. Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass dieser Glaube zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt wird. Bei allem Anspruch Anselms auf rational nachvollziehbare Argumentation bleibt er stets auf dem Standpunkt des gläubigen Christen – die fundamentalen Dinge des Glaubens darf man nicht anzweifeln, auch wenn seine Schrift nach seinen eigenen Worten darauf ausgelegt ist, selbst Ungläubigen die Existenz Gottes zu beweisen.
Auf seiner Suche nach einer Definition der Wahrheit geht Anselm nun Schritt für Schritt vor. In Kapitel zwei fragt er zunächst, „was die Wahrheit in der Aussage ist, weil wir von ihr häufiger sagen, sie sei wahr oder falsch.“ („De Veritate“, Kapitel 2, S. 11) Damit ist auch gleich eine erste Begründung für die Argumentationsreihenfolge der gesamten Schrift geliefert: Denn auch im weiteren Verlauf finden sich wiederholt Fragen an den Schüler, ob er noch eine Wahrheit kenne, die sie nicht behandelt hätten, oder ob man nun alles erfasst habe. Sein Weg führt ihn also vom Bekannten zum Speziellen, vom Allgemeinen zu den Details, die seine Argumente untermauern sollen.
In Kapitel zwei erklärt er, dass die Wahrheit einer Aussage nicht in der ausgesagten Sache liege – denn das Vorliegen der ausgesagten Sache muss viel mehr die Bedingung dafür sein, dass eine Aussage darüber als wahr angenommen werden kann. Die Sache selbst ist also die Ursache der Wahrheit einer Aussage. Des Weiteren ist aber auch die Aussage selbst nicht die Wahrheit, die in einer wahren Aussage zu suchen ist: Schließlich wäre sonst jegliche Aussage wahr, ganz unabhängig davon, was sie aussagt oder anzeigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das philosophische Schaffen Anselms von Canterbury ein und skizziert die Bedeutung von „De Veritate“ als erste systematische Theorie der Wahrheit.
2. Der Weg zur Definition der Wahrheit: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Anwendungsbereiche der Wahrheit, wie etwa die Wahrheit der Aussage, des Denkens, des Willens und des Handelns, und verknüpft diese mit dem Begriff der Rechtheit.
2.1. Arten der Wahrheit: Ein detaillierter Exkurs, der die logische Herleitung von der Wahrheit in Handlungen bis zur Wahrheit im Wesen der Dinge darlegt.
2.2. Die Argumentation in Kapitel 8 & Kapitel 9: Hier wird die Theodizee-Problematik aufgegriffen und die Frage nach dem „Sollen“ von Dingen und Handlungen im Kontext göttlicher Ordnung diskutiert.
2.3. Die höchste Wahrheit: Dieses Kapitel definiert Gott als die höchste Wahrheit und setzt sie in Relation zu den abgeleiteten Wahrheiten irdischer Dinge.
3. Die Definition der Wahrheit: Anselm fasst hier die Ergebnisse zusammen und grenzt die sinnlich wahrnehmbare Rechtheit von der geistig erfassbaren Wahrheit ab.
3.1. Die Definition in Kapitel 11: Hier wird der finale Wahrheitsbegriff explizit als „allein mit dem Geist erfassbare Rechtheit“ bestimmt.
3.2. Zusammenfassende Betrachtungen: Ein kritischer Rückblick auf die methodische Strenge und die Grenzen der Anselmschen Argumentation in Bezug auf den Gottesbeweis.
Schlüsselwörter
Anselm von Canterbury, De Veritate, Wahrheit, Rechtheit, rectitudo, Gottesbeweis, Theodizee, Mittelalterliche Philosophie, Erkenntnistheorie, Ontologie, Scholastik, Glaubensgrundsätze, Rationalität, Sinnestäuschung, Definition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Anselm von Canterburys philosophisches Werk „De Veritate“ und dessen systematische Herleitung eines einheitlichen Wahrheitsbegriffs.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören das Verhältnis von Wahrheit und Rechtheit, die ontologische Bedeutung des Seins als Erfüllung eines göttlichen Sollens und die Struktur von Anselms Gottesbeweis.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den argumentativen Weg Anselms nachzuvollziehen, der schrittweise von speziellen Anwendungsbereichen der Wahrheit zu der allgemeinen Definition als „allein vom Geist erfassbare Rechtheit“ führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine werk-immanente Analyse der philosophischen Argumentation Anselms unter Berücksichtigung der in „De Veritate“ dargelegten logischen Struktur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung verschiedener Sitze der Wahrheit (Aussage, Denken, Wille, Sinne), eine Diskussion zum Theodizee-Problem sowie die Herleitung der höchsten Wahrheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Wahrheit, Rechtheit (rectitudo), Ontologie, Scholastik und die Beziehung zwischen Gott und der Existenz der Dinge.
Wie unterscheidet Anselm zwischen verschiedenen Wahrheitsarten?
Er differenziert durch eine methodische Analogie: So wie eine Aussage wahr ist, wenn sie das anzeigt, was ist, so ist auch ein Handeln wahr, wenn es dem göttlichen Soll entspricht.
Warum ist das zehnte Kapitel für die Arbeit so wichtig?
Kapitel 10 ist zentral, da hier die „höchste Wahrheit“ als Ursprung aller anderen Wahrheiten definiert wird, was für die Konsistenz von Anselms metaphysischem System entscheidend ist.
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- Alexander Kiensch (Author), 2009, Der Begriff der Wahrheit in Anselm von Canterburys "De Veritate". Eine Quellenuntersuchung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317588