Die Montessori-Pädagogik. Die veränderte Rolle und die Aufgabe der Lehrperson


Seminararbeit, 2012

12 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Maria Montessori
1.1 Leben und Werk
1.2 Das Menschenbild bei Maria Montessori
1.3 Gedanken zur Erziehung im Grundschulalter

2. Die erzieherische Einstellung
2.1 Die veränderte Rolle des Erwachsenen
2.2 Vier Grundaufgaben der Lehrperson

Literaturverzeichnis

1. Maria Montessori

Bevor ich mich dem eigentlichen Thema widme, möchte ich zunächst auf die Lebensgeschichte und das gesamte Werk Maria Montessoris eingehen. Schauen wir uns deshalb ein wenig ihre Lebensdaten an. Somit können wir diese bedeutsame Pädagogin auf der Zeitleiste einreihen und einen besonderen Blick für ihr Werk gewinnen.

1.1 Leben und Werk

Maria Montessori wurde am 31.8.1870 in der Nähe der Stadt Ancona (Italien) geboren. Das war das Jahr der Einigung Italiens. Diese Information ist wichtig für die Entwicklung der kleinen Maria, da ihr Vater, Alessandro Montessori, Offizier der Freiheitsbewegung war und auch ihre Mutter, Renilde Montessori, verfolgte die Ziele der Befreiungsbewegung.[1] Sehr früh beginnt sich Maria Montessori für Mathematik zu interessieren, später dann für Biologie (vgl. Hebenstreit 1999, S. 20). „Sie wurde die erste Frau in Italien, die Medizin studierte und als erste Frau zum Doktor med. promovierte (1896).“[2] Nach ihrem Medizinstudium beginnt sie sich für die geistigen Behinderungen bei Kindern zu interessieren, „unternimmt Studienreisen ins Ausland, um sich Kenntnisse auf dem neuesten Forschungsstand anzueignen, und rasch wird sie in Italien zu einer Expertin für den Bereich der geistig behinderten Kinder.“[3] Danach bleibt sie am heilpädagogischen Institut, um „sowohl zukünftige Lehrer auf die Arbeit mit behinderten Kindern vorzubereiten, als auch selbst in unmittelbaren Kontakt mit geistig Zurückgebliebenen die geeigneten pädagogischen Methoden zu erforschen.“[4] Schließlich wendet sie sich nach zwei Jahren vom Institut ab und schreibt sich als Studentin der Pädagogik an der Universität ein. Hier setzt sie sich mit Werken von Johann Amos Comenius, Jean-Jacques Rousseau, Johann Heinrich Pestalozzi, Friedrich Fröbel, Itard und Séguin auseinander und letztendlich wird sie Professorin für Anthropologie.[5] Später arbeitet Maria Montessori in der Kindereinrichtung „Casa dei Bambini“[6], wo sie ihre Erziehungsmethoden bei nichtbehinderten Kindern ausprobieren kann.[7] „1909 schreibt Maria Montessori ihr erstes pädagogisches Buch. Es trägt den Titel:

‚Il metodo della pedagogica applicato all’ educazione infantile nelle casa dei bambini’ (‚Die Methode der wissenschaftlichen Pädagogik, angewandt in der Erziehung des Kindes in der Casa dei bambini’).“[8] Dieses erscheint vier Jahre später in der deutschen Übersetzung unter dem Titel: „Selbsttätige Erziehung im frühen Kindesalter“ (heute: „Die Entdeckung des Kindes“). (vgl. Hebenstreit 1999, S. 39)

1.2 Das Menschenbild bei Maria Montessori

„Der Mensch ist nach Montessori Teil dieser Natur. Er ist von Geburt an mit Intelligenz ausgestattet und entwickelt willentliche Aktivitäten, die es ihm ermöglichen, sich der Natur anzupassen und auf sie nach seinen Bedürfnissen durch kulturelle Leistungen einzuwirken.“[9]

Maria Montessori ist nach Berg überzeugt davon, dass „Religion zu den grundlegenden Wesensmerkmalen des Menschen gehört“. (vgl. Berg 2002, S. 124) Sie schreibt selbst:

„Wir müssen bedenken, dass Religion eine universale Empfindung ist, die in jedem Menschen existiert und existiert hat sein Beginn der Welt. Es ist nicht etwas, was wir dem Kind geben müssen. Gerade so, wie in jedem Menschen eine Tendenz gegeben ist, Sprache zu entwickeln, ist eine Tendenz gegeben, Religion zu entwickeln (…) Sprache und Religion sind die beiden Kennzeichen jeder Menschengruppe (…) Wenn uns Religion fehlt, so fehlt etwas Fundamentales für die Entwicklung des Menschen.“[10]

Maria Montessori beschäftigt sich auch eingehend mit der religiösen Erziehung, darauf möchte ich aber jetzt nicht näher eingehen.

Für das richtige Verständnis ihrer Erziehungsmethode und ihrer Ansicht der Rolle der Lehrperson wäre noch wichtig anzumerken, wie Becker-Textor im Buch „Zehn Grundsätze des Erziehens“ schreibt, dass Maria Montessori „das Kind nicht als unvollkommenes Wesen, sondern als ein vollkommenes Wesen, als eine eigenständige, freie Persönlichkeit“ betrachtet.[11] Hildegard Holtstiege befasst sich eingehend mit dem Menschenbild Montessoris. Sie schreibt: „Montessori fragt dem Ort und der Funktion, die der Mensch als Lebewesen unter den anderen Lebewesen hat“.[12] An mehreren Stellen ihres gut aufgebauten und sehr detaillierten Buches „Das Menschbild bei Maria Montessori“ betont sie, was auch Becker-Textor in einem Satz zusammenfasst: „Das Kind steht neben dem Erwachsenen, ist quasi gleichberechtigt.“[13]

1.3 Gedanken zur Erziehung im Grundschulalter

Damit wir verstehen, weshalb die „neue Lehrerin“ - wie Maria Montessori das neue, von ihr entworfene Konzept der Erziehungsperson nennt - so handelt, wie sie handeln soll, müssen wir uns vorerst näher mit der Denkweise und den Anforderungen eines Grundschulkindes auseinandersetzen. Wie und mit welchen Vorraussetzungen kommen Kinder in die Grundschule?[14] Wie nehmen Kinder ihre Umgebung und allgemein alles auf? Letztendlich können wir anknüpfen, was die Kinder von der Lehrperson erwarten.

Hebenstreit schreibt in ihrem Buch, dass zwischen dem Kinderhaus und der Grundschule kein plötzlicher Einschnitt liegen soll, sondern die organisatorischen und personellen Bedingungen so gestaltet werden sollen, dass ein fließender Übergang zur Schule erfolgt. „Das Kind im Kinderhaus hat bereits Kenntnisse erworben, die traditionellerweise den Anfangsunterricht der Grundschule ausmachen: Es hat schreiben und lesen gelernt, sich die Ziffern von Null bis Neun angeeignet und einen Mengenbegriff im unteren Zahlenraum erworben.“[15] Dies nennt Montessori „Beschleunigungsprogramm“: Dass di Kinder „bis zum Alter on zwölf Jahren so viel aufnehmen, wie von einem Kind von fünfzehn erwartet wird“.[16] Hebenstreit schreibt im folgenden Kapitel „Sichtweisen des Kindes von sechs bis zwölf Jahren“, dass sich das Interesse des Kindes ernorm ausweitet (vgl. Hebenstreit 1999, S. 147). „Alles will es wissen, in alles will es eindringen (…)“.[17]

[...]


[1] vgl. Waldschmidt 2010, S. 12

[2] Becker-Textor (Hrsg.) in: Montessori 2008, S. 13

[3] Hebenstreit 1999, S. 25

[4] Ebd.

[5] vgl. Hebenstreit 1999, S. 28

[6] Hebenstreit 1999, S. 32

[7] Ebd.

[8] Hebenstreit 1999, S. 39

[9] Waldschmidt 2010, S. 69

[10] vgl. Berg 2002, S. 124

[11] vgl. Becker-Textor (Hrsg.) in: Montessori 2008, S. 27f

[12] vgl. Holtstiege 1999, S. 19

[13] Becker-Textor (Hrsg.) in: Montessori 2008, S. 11

[14] Anm.: Maria Montessori setzt voraus, dass die Kinder vor der Grundschule ein Kinderhaus besuchen, wo sie bestimmte Sachen im Voraus lernen, worauf sie in der Grundschule aufbauen. (vgl. Hebenstreit 1999, S. 146)

[15] Hebenstreit 1999, S. 146

[16] Ebd.

[17] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Montessori-Pädagogik. Die veränderte Rolle und die Aufgabe der Lehrperson
Hochschule
Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien / Krems  (Standort Strebersdorf, Mayerweckstraße 1, 1210 Wien)
Veranstaltung
Grundkonzepte der Erziwhungswissenschaft; Pädagogische Psychologie
Note
2,5
Autor
Jahr
2012
Seiten
12
Katalognummer
V317659
ISBN (eBook)
9783668168855
ISBN (Buch)
9783668168862
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Montessori, Maria, Montessori-Pädagogik, Pädagogik, Rolle, Lehrkraft, Rolle der Lehrkraft, Rolle der Lehrperson, veränderte, Menschenbild, Leben, Werk, Grundschule, Volksschule, Grundaufgaben, Grundaufgaben der Lehr, Erziehung
Arbeit zitieren
Michaela Visnovsky (Autor), 2012, Die Montessori-Pädagogik. Die veränderte Rolle und die Aufgabe der Lehrperson, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317659

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