Street-Art als Angriff auf bestehende Machtstrukturen?


Hausarbeit, 2011

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Street-Art
2.1. Graffiti als Ursprung: Parallelen und Abgrenzungen zu Street-Art
2.2. Street-Art: Begriffsklärung

3. Macht
3.1. Macht - ein kontroverser Begriff
3.2. Macht-Dimensionen
3.3. Kulturelle Grammatik als machtvolles Regelsystem

4. Street-Art im Zusammenhang mit Macht
4.1. Street-Art als Angriff auf bestehende Machtinstanzen/Machtstrukturen
4.2. Street-Art Fallbeispiel: die ÄObey-Giant“-Kampagne von Shepard Fairey ...

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit geht aus dem Seminar ÄStreet Art. Eine Kunst, nicht dermaßen regiert zu werden“ hervor, in welchem wir uns sowohl theoretisch als auch in praktischer Form mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Häufig kam es dabei zu kontroversen Diskussionen, in denen es unter anderem darum ging, ob und wie sich Street-Art definieren lässt. Ein weiterer Streitpunkt war die Frage, ob wir selbst Street-Art praktizieren wollen, allerdings nur im Rahmen einer von der Stadt zur Verfügung gestellten Fläche und unter vorheriger Genehmigung des geplanten Motivs. Dabei wurde angezweifelt, ob eine solche Aktion noch als Street-Art zu bezeichnen ist. Geht Street-Art schließlich nicht mit Gestaltungsfreiheit, Kritik an Machtinstanzen und letztlich auch mit Illegalität einher und steht dies nicht im Widerspruch zu einer Arbeit, die erst nach Genehmigung der Stadtverwaltung entsteht? Solche und ähnliche Auseinandersetzungen haben bei mir Fragen aufgeworfen, von denen ich einige innerhalb der folgenden Arbeit behandeln möchte. Mein zentrales Augenmerk liegt dabei auf dem Verständnis des Street-Art-Begriffes und dem Zusammenhang von Street-Art und Macht bzw. der Frage, inwieweit Street-Art als Angriff auf vorherrschende Machtinstanzen zu verstehen ist.

Dazu möchte ich mich vorab mit Street-Art, ihrem Ursprung und dem Begriff an sich auseinander setzen. Anschließend versuche ich, das Phänomen Macht zu beleuchten. Dazu bediene ich mich u.a. der Systematisierung der vier Dimensionen von Macht nach Peter Imbusch und stelle die Kulturelle Grammatik als ein machtvolles Regelwerk in den Blickpunkt. Im dritten Teil meiner Arbeit gehe ich der Frage nach, inwieweit Street-Art als ein Angriff auf bestehende Machtstrukturen zu verstehen ist und stelle in dem Zusammenhang die ÄObey-Giant“-Kampagne des Street-Art-Aktivisten Shepars Fairey dar. Abschließend möchte ich die zentralen Punkte noch einmal zusammenfassen und Rückbezug auf die Eingangsfragestellung nehmen, sowie weiterführende bzw. offene Fragen aufzeigen.

Obwohl die Street-Art und die Graffiti-Subkultur eindeutig männlich dominiert (vgl. Reinecke 2007, S. 119) sind, möchte ich innerhalb der vorliegenden Arbeit die männliche und weibliche Form abwechselnd verwenden. Um damit auch den wenigen Frauen in dem Feld gerecht zu werden.

2. Street-Art

2.1. Graffiti als Ursprung: Parallelen und Abgrenzungen zu Street-Art

Das Phänomen Street-Art ist eine relativ neue Erscheinung. Bevor ich diese näher betrachte, möchte ich jedoch zunächst auf ihren Ursprung verweisen, welcher sich in der Graffiti-Bewegung findet.

Die Graffiti-Bewegung kam in den 70er Jahren in New York und anderen amerikanischen Großstädten auf. Sie breitete sich von dort aus international aus (vgl. Reinecke 2007, S. 9) und findet auch heute noch zahlreiche Vertreter. Ein zentrales Ziel innerhalb der Graffitisubkultur ist das sogenannte ÄGetting up“, bei dem es darum geht, den eigenen Namen, meist in Form eines ÄTags“1 möglichst weit zu verbreiten und dadurch Ruhm und Ansehen innerhalb der Peergroup zu erlangen (vgl. dies. 2007, S. 18f). Zwar kann dies auch durch eine qualitativ hochwertige Arbeit geschehen, doch steht die quantitative Verbreitung eher im Vordergrund (vgl. dies. 2007, S. 41).

Doch gilt ein solches selbstautorisiertes Gestalten öffentlicher Plätze als illegal und führt zu einer strafrechtlichen Verfolgung der ÄWriter“2, weshalb viele von ihnen ihre illegale Karriere vor allem im straffälligen Alter beenden (vgl. Reinecke 2007, S. 25). Innerhalb der breiten Öffentlichkeit wird Graffiti häufig als Vandalismus bzw. Schmiererei betrachtet, die Akteurinnen hingegen erachten diese als Kunstform und sehen einen Sinn dahinter. Einige Forscherinnen verstehen das Anbringen von Graffiti als eine Form von Widerstand gegen die hegemoniale Gruppe. Gleichzeitig sind die Writer auf diese hegemoniale Gruppe angewiesen, um sich von ihr abgrenzen zu können. ÄDie Graffitisubkultur ist sogar von dem Bestehen einer ‚Outside World„, die gegen sie ist und von der sie sich distanzieren kann, abhängig, um ihre eigen kleine Welt zu erhalten“ (Reinecke 2007, S. 36). Laut einer Untersuchung von Nancy Macdonald würden viele Writer ihre Tätigkeit gar nicht ausüben, wenn sie nicht illegal wäre (vgl. Macdonald 2001, S. 108-127).

Ein großer Teil der Street-Art-Künstler war früher selbst im Graffiti-Bereich tätig oder hat sich zumindest dadurch mit beeinflussen lassen. Graffiti hat folglich einen starken Einfluss auf Street-Art. An Stelle von Schriftzügen bzw. Tags treten jedoch sich wiederholende Motive, Logos etc. Auch innerhalb der Street-Art-Subkultur besteht das Ziel des ÄGetting-up“, jedoch ist die Quantität weniger vordergründig als im Graffiti. Es zählen vor allem die Qualität in der Umsetzung, Kreativität und Innovation. Neben der Verbreitung des eigenen Namens bestehen weitere Parallelen zwischen den beiden Kunstformen. Zum einen ist dies die illegale Verbreitung der Arbeiten innerhalb des städtischen Raumes, zum anderen werden häufig auch die gleichen Arbeitsmaterialien (z.B. Sprühdosen) verwendet. Da viele Street-Art-Akteurinnen zur ehemaligen Writer-Generation gehören, sind diese meist älter und unterscheiden sich häufig in ihrer Motivation von den Writern (vgl. Reinecke 2007, S. 18-41).

2.2. Street-Art: Begriffsklärung

Street-Art zeichnet sich durch einen hohen Facettenreichtum aus. Darunter finden sich Poster, mit Hilfe von Schablonen gesprühte Bilder, per Hand gezeichnete Motive, Aufkleber aber auch Skulpturen. Diese werden u.a. an Laternen, Straßenschildern, Haustüren und Schaufenstern angebracht. Obwohl Street-Art in vielen unterschiedlichen Formen auftritt, geht es im Kern stets darum, die eigene Kunst selbstautorisiert, also ohne offizielle Genehmigung, im öffentlichen Raum anzubringen. Sie dient idealerweise keinen kommerziellen Zwecken und ist für jede zugänglich an öffentlichen Orten angebracht (vgl. Reinecke 2007, S. 9-18).

Lange Zeit war man sich jedoch uneinig, wie diese Aktivität und das Resultat daraus zu bezeichnen sein. ÄUrban Art“, ÄPost-Graffiti“ und weitere Bezeichnungen fanden (und finden) ebenfalls Verwendung. Jedoch taucht im Brockhaus 2005/2006 erstmals der Begriff ÄStreet-Art“ auf, was Reinecke als Beleg dafür sieht, dass sich diese Bezeichnung letztlich durchgesetzt hat. Zu dessen Verbreitung haben vor allem das Internet und andere Medien beigetragen, weshalb der Begriff bei vielen Akteuren weiterhin auf Ablehnung stößt, da dieser für sie mit medialer Ausbeutung und Kommerzialisierung einhergeht (vgl. ebd.). Trotz dieser Bedenken möchte ich innerhalb meiner Arbeit den Begriff Street-Art verwenden, da er am weitesten verbreitet scheint.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Street-Art ihren Ursprung im Graffiti hat und einige Parallelen dazu aufweist, wie beispielsweise das illegale Anbringen der Arbeiten im öffentlichen Raum. Jedoch zeichnet diese sich durch einen vergleichsweise hohen Facettenreichtum und den Einsatz verschiedenster Arbeitsmaterialien (Poster, Schablonen etc.) aus.

3. Macht

3.1. Macht - ein kontroverser Begriff

Im Anschluss an die Auseinandersetzung mit dem Ursprung und dem Verständnis von Street-Art möchte ich nun den zweiten zentralen Aspekt meiner Arbeit näher betrachten: den Machtbegriff. Das Phänomen Macht wird auf vielfache Art gedeutet und definiert, wobei sich die Definitionen teils gleichen und teils widersprechen. Der Begriff ist äußerst unscharf und nur schwerlich von verwandten Phänomenen, wie Herrschaft, Gewalt, Kontrolle, Autorität, Einfluss etc. abzugrenzen. ÄIn Bezug auf Macht und Herrschaft scheint nur in einer Hinsicht Übereinstimmung zu herrschen, dass man nämlich äußerst unterschiedlicher Meinung sein kann, was diese Phänomene bedeuten, wie sie zu charakterisieren sind und wie man sie überhaupt messen oder generell festlegen kann“ (Imbusch 2002, S. 162; Hervorheb. im Original). Trotzdem möchte ich den Versuch einer Annäherung wagen, auch wenn dieser nur eine mögliche Perspektive in einem gewissen Kontext darstellt.

Macht wird auch durchaus verschieden bewertet bzw. geht sie mit unterschiedlichen Assoziationen einher. Im alltäglichen Gebrauch überwiegen meist negative Assoziationen. Macht erscheint oft verdinglicht und liegt im Besitz von jemandem bzw. wird sie von jemandem Äergriffen“. Das wissenschaftliche Verständnis hingegen bemüht sich um mehr Neutralität. Macht zeigt sich darin weniger vergegenständlicht, sondern wird als ein Äspezifisches Vermögen bzw. Können“ aufgefasst und ist Ä[…] eine im relationalen Sinne weitgehend unsichtbare Eigenschaft sozialer Beziehungen“ (Imbusch 2002, S. 162). Macht entsteht nur durch das Zusammenwirken mehrerer - sie ist als Äein soziales Verhältnis“ zu verstehen.

[...]


1 „Tag ist ein Graffitifachbegriff für die stilisiert Unterschrift eines synonymen Namens, der ungefragt an Häuserwände und Züge geschrieben wird“ (Reinecke 2007, S. 19)

2 Bezeichnung für Graffiti-Akteure

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Street-Art als Angriff auf bestehende Machtstrukturen?
Hochschule
Universität Bielefeld
Veranstaltung
Seminar: "Street-Art. Eine Kunst, nicht dermaßen regiert zu werden."
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V317756
ISBN (eBook)
9783668169944
ISBN (Buch)
9783668169951
Dateigröße
919 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Street-Art, Macht, Dimensionen von Macht, Kulturelle Grammatik, Obey-Kampagne
Arbeit zitieren
Christina Motz (Autor), 2011, Street-Art als Angriff auf bestehende Machtstrukturen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317756

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