Fibelanalyse unter Berücksichtigung synthetisch-analytischer Einflüsse. "Tobi" und die "Bausteine" Fibel


Hausarbeit, 2016

21 Seiten, Note: 2,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methoden zum Schreiben- und Lesenlernen
2.1 Synthetische Methode
2.2.1 Buchstabiermethode
2.2.2 Lautiermethode
2.2 Analytische Methode
2.3 Methodenintegration
2.3.1 Analyse der methodenintegrierten Fibel „Bausteine“
2.3.2 Analyse der methodenintegrierten Fibel „Tobi“
2.4 Vergleich beider Fibeln
2.5 Fazit

3. Reflexion

4. Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Sekundärliteratur
Internetquellen

5. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Wie lernen Kinder schreiben? Seit tausenden von Jahren lernen Kinder in der Schule das Lesen und das Schreiben. Doch mit Hilfe welcher Methoden geschieht dies und vor allem, wie sieht es heute in den Schulen aus?

Die Frage nach dem perfekten Vorgang des Lesen- und Schreibenlernens wird seit vielen Jahren stark diskutiert. Im Laufe der Jahre gab es verschiedene Methoden, die den Kindern den Prozess erleichtern sollten. Doch welche Methode ist die aktuellste Art des Lernens? Gibt es nur die Eine oder sind es doch Verschiedene?

Wie man weiß, gab es zwei verschiedene Methoden, die synthetische und die analytische Methode. Nach dem Methodenstreit entwickelte sich die Methodenintegration, die eine Kombination aus Beidem darstellt. Ich möchte mich mit diesen Themen, durch den Vergleich zweier Fibeln unter Analyse der methodenintegrierten Kriterien, auseinandersetzen.

Zunächst möchte ich kurz auf die historischen Schriftspracherwerbs- und Leseerwerbsmethoden eingehen. Darauf aufbauend werde ich den Methodenstreit und die daraus resultierende Methodenintegration erläutern. Anschließend werden die Kriterien der methodenintegrierten Fibeln vorgestellt. Es folgen die Analysen zu den beiden Fibeln mit anschließendem Vergleich. Abschließend werden ein Fazit und eine Reflexion meinerseits gezogen.

2. Methoden zum Schreiben- und Lesenlernen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Übersicht synthetische und analytische Methode (Ruth Gümbel 1993: 206)

Man unterteilt die Methoden zum Lesen- und Schreibenlernen in die synthetische und die analytische oder Ganzheitliche Methode. Diese lassen sich jedoch genauer unterteilen (vgl. Abb. 1).

2.1 Synthetische Methode

„Das lautsynthetische Verfahren (auch synthetische Methode oder einzelheitliches Verfahren) geht von Einzellauten/Einzelbuchstaben aus. Erst wenn ein Einzelbuchstaben/Einzellaute in ausreichender Zahl eingeführt worden sind, werden Silben und/oder Wörter erarbeitet, die sich schließlich zu Sätzen und Texten zusammenfügen.“ (Topsch 2005: 53)

2.2.1 Buchstabiermethode

Die Buchstabiermethode entstand im 15. Jahrhundert. Dort bleiben die beim Lesen typischen Laute unberücksichtigt. Die Konsonanten werden als [be],[ce],[de] usw. benannt. Die Schüler/-innen lernen zunächst die Buchstaben des Alphabets, kombinieren diese und lernen sie zum Beispiel durch Vor- und Nachsprechen auswendig. Erst dann erfolgen Übungen zum Silbenlesen (syllabieren), zum Beispiel mit Hilfe einer Silbentafel oder einer Fibel. Das Zusammenlesen der Buchstaben erfolgt dann durch Buchstabenaddition. Jedoch können die Kinder erst nach Jahren ganze Wörter und auch Texte lesen. Das Hauptproblem bei dieser Methode ist, dass die Namen der Buchstaben das Lesen- und Schreibenlernen immens erschweren.

2.2.2 Lautiermethode

Die Lautiermethode gibt es ca. seit dem 16. Jahrhundert. Bei dieser Methode wurde erstmals eine Buchstaben-Laut-Verbindung hergestellt, das heißt, dass jedem Einzellaut eine semantische Bedeutung zugewiesen wurde. Es wurden verschiedene Methoden entwickelt. Diese sind die Sinnlautmethode, die Anlautmethode, die Artikulations- und phonemische Methode und die Schreib- Lesemethode (vgl. Abb. 2). Allerdings tat sich auch hier ein bedeutendes Problem auf, und zwar hing die Lautung der Buchstaben stark vom eigentlichen Wort ab. Das heißt, dass sich beispielsweise das /f/ im Wort Philip, Vater und Fisch gleich anhört, jedoch immer einen anderen Buchstaben verkörpert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Merkhilfe Sinnlautmethode (Schründer-Lenzen 2013: 151)

2.2 Analytische Methode

„Ganzheitliche Verfahren gehen im Unterschied zu einzelheitlichen Verfahren nicht von isolierten Elementen (Buchstaben/Lauten),sondern vom Sprachganzen aus, die erst nach einer mehr oder weniger langen Phase des „ganzheitlichen Lesens“ analysiert werden.“ (Topsch 2005: 56)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Beispiel Ganzsatzmethode (Schründer-Lenzen 2013: 155)

Die analytische Methode, auch Ganzheitliche Methode genannt, arbeitet mit dem gegenteiligen Prinzip. Sie entstand im 20. Jahrhundert. Man kann diese Methode in die Ganzwortmethode und die Ganzsatzmethode aufteilen. Bei der Ganzwortmethode wird mit ganzen Wörtern angefangen, wohingegen bei der Ganzsatzmethode bereits mit vollständigen Sätzen gearbeitet wird (vgl. Abb. 3).

Diese Art von Lernen wird auch als semantisch-lexikalischer Weg bezeichnet. Der Begründer dieser Methode war der Berliner Gelehrte Gedicke.

Es wurden also anstelle von Silbenlesen wie bei der synthetischen Methode Inhalte aus der Lebenswelt der Kinder miteinbezogen. Es kam zunächst zu einem Einprägen von Wortbildern ohne Kenntnisse über die einzelnen Buchstaben. Ebenso gab es keine isolierten Elemente und Buchstaben, sondern nur ganze Wörter und auch ganze Sätze. Der Lautwert sollte durch das Analogiegefühl von selbst erlernt werden. Der Lernweg verlief hier vom Abstrakten zum Konkreten. (Schründer-Lenzen 2013: 152f.)

2.3 Methodenintegration

Nach Schründer-Lenzen kam es in der Nachkriegszeit zu einer Konfliktsituation, dem „Methodenstreit“. Sowohl die synthetische als auch die analytische Methode enthielten Teilelemente aus der jeweils Anderen. Es entstand die synthetisch-analytische Methode. Kurz danach stand die Methodenintegration in den Startlöchern, welche sich ab dem 20. Jahrhundert durchsetzte. Kennzeichnend für diese ist, dass in den Lehrwerken sowohl die Analyse als auch die Synthese erfolgt. Man geht von ganzen Wörtern oder auch Sätzen aus, analysiert die Buchstaben und kann sie in der Synthese auch wieder verbinden. Anschließend ist es möglich, einen neu eingeführten Buchstaben durch einen schon bekannten Buchstaben im Wort zu ersetzen. Diese einfachen Wörter werden „Schlüsselwörter“ genannt:

„Diese Wörter werden nicht nur Laut für Laut „erlesen“, sondern gleichzeitig sprechmotorisch bewusst gemacht, visuell analysiert, mit Wortkarten gelegt, geschrieben und durch Bilder in der Sinnentnahme gestützt.“ (Schründer-Lenzen 2013: 156)

Sie helfen den Kindern, neue Buchstaben zu erlernen, indem sie einen neuen Buchstaben in einem schon bekannten Wort finden (Bsp.: Mama à Papa; <m> wird durch neuen Buchstaben <p> ersetzt). Die ersten Fibellehrwerke entstanden 1970. Bei den methodenintegrierten Fibeln wurde erstmals eine Verbindung von Schreib- und Leselehrgang hergestellt, sodass gleichzeitig auch im Schreiblehrgang die aktuellen Buchstaben erlernt werden konnten.

2.3.1 Analyse der methodenintegrierten Fibel „Bausteine“

Die 2014 im Diesterweg Verlag (Braunschweig) erschienene Bausteine Fibel von Kirsten Bruhn u.a. hat 135 Seiten mit hartem Umschlag, der sie für die Kinder sehr handlich macht. Sie ist in 10 Kapitel gegliedert. In den ersten 8 Kapiteln befasst sich das Buch mit den zu erlernenden Buchstaben des Alphabets. Die letzten 2 Kapitel sind mit Bastelideen, Geschichten, Gedichten und dem Jahreskreis gefüllt. Es werden kleine Geschichten erzählt, in denen dann die einzelnen neuen Buchstaben eingeführt werden. Zu Anfang gibt es ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis, in welchem die Arbeitsanweisungen mit Hilfe von Bildern und Erklärungen kurz wiedergegeben werden. Somit muss das Kind nur das zur Aufgabenstellung gehörende Bild begutachten und es erkennt die daraus resultierende Arbeitsanweisung. Des Weiteren befindet sich vorne im Einband eine Anlauttabelle, mit der das Kind selbstständig arbeiten und Buchstaben identifizieren kann. Am Ende der Fibel stehen Informationen für die Eltern zur Vorgehensweise der Arbeit mit dem Erstlesebuch. Durch das Buch führt Quiesel, ein kleines Fabelwesen, das sich das erste Mal im Inhaltsverzeichnis vorstellt. Diese Identifikationsfigur begleitet die Kinder durch das gesamte Buch und taucht häufig auf den vielen Bildern der Seiten auf. Auch die graphischen Elemente sind in dieser Fibel ausgeprägt. Schon der Einband ist mit seinen hellen Farben sehr ansprechend gestaltet und wirkt dennoch nicht übertrieben oder ablenkend. Auffällig ist, dass die Fibel mit vielen Themenbereichen arbeitet. Es werden Themen wie Schule, Mein Körper, Tiere oder auch Märchen aufgegriffen. Dies ist für Kinder eine gute Abwechslung, um das Interesse am Arbeiten mit der Fibel nicht zu verlieren. Die Bausteine Fibel bedient sich an Unterrichtsfächern wie der Kunst oder des Sachunterrichts. Es gibt viele Bilder zu den Geschichten, um die Kinder zum stillen Zuhören zu bewegen. Als Beispiel für den Aspekt des Sachunterrichts kann man die Vorstellung des Jahreskreises auf den letzten Seiten der Fibel nennen (s.S. 122 f). Die Bausteine Fibel hat noch vieles an Zusatzmaterial zu bieten. Zu dem eigentlichen Lesebuch gibt es einen synchron arbeitenden Schreiblehrgang in Druckschrift, der in Teil A und B gegliedert ist. Zusätzlich kann ein Handbuch mit Kommentaren und Kopiervorlagen für Lehrer- und Lehrerinnen und einem Heft mit Arbeitsblättern angefordert werden. Der Verlag bietet noch viele weitere, auch für den Klassenverband gebräuchliche Materialen, wie eine Lernkartei an.

1. Anfangs kurze, lautgetreue Wörter (Schlüsselwörter)

Schlüsselwörter sind kurze, lautgetreue Wörter, die den Kindern helfen sollen, später auch schwierigere Wörter erlesen zu können. Die ersten Schlüsselwörter befinden sich direkt zu Anfang der Fibel (s.S. 5). Es werden Wörter wie Lea, Ole, Ali oder Ella verwendet. Sie können anhand der Bilder zur Anlauttabelle leicht erlesen werden.

2. Beachtung der Buchstabenreihenfolge

Das Erlernen der Buchstaben geschieht bei der methodenintegrierten Fibel in einer bestimmten Reihenfolge. Es wird mit Buchstaben begonnen, aus denen man einfache kurze Wörter bilden kann. Außerdem sollen sie kindgemäß, das bedeutet aus der Lebenswelt der Kinder sein, wie z.B. Oma, Opa oder auch die Namen der Maskottchen in der Fibel. Zudem wird meist mit Vokalen angefangen, da diese oft Hauptbestandteil eines Wortes sind. Im ersten Kapitel „In der Schule“ erlernen die Schüler/-innen die ersten Buchstaben, aus denen sie schon mindestens fünf sinnvolle Wörter ohne Anlauttabelle bilden können (z.B. Leo, Ole, Alle, Ella oder Lea). Im zweiten Kapitel „Große Tiere, kleine Tiere“ können erstmals ganze Sätze gelesen werden (ausgenommen die Sternchen-Leseübungen am Ende der Seiten). Im dritten Kapitel „Ich – Du - Wir“ werden von Anfang an ganze Sätze und auch längere Wörter erlesen (s.S. 31 „vertragen“). Es werden keine Schlüsselwörter mehr benötigt. In den folgenden vier Kapiteln folgen dann die übrigen Buchstaben, die nicht nur schwerer zu schreiben sind, sondern deren Lautzuordnung auch komplizierter ist.

3. Steilheitsgrad

Die Fibel fängt langsam mit der Einführung der Buchstaben an. Es werden pro Kapitel zu Anfang 4 und zum Ende hin bis zu 8 Buchstaben eingeführt. Das Buch geht relativ schnell voran, da ein Buchstabe auf nur einer Doppelseite erlernt werden soll. Das Arbeitsheft arbeitet synchron zur Fibel, dies intensiviert das Lesen- und Schreibenlernen. Hier werden pro Buchstabe etwa 6 Seiten verwendet. Man kann also behaupten, dass in der Fibel der Buchstabe nur einmal eingeführt wird und im Arbeitsheft anschließend richtig erlernt wird.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Fibelanalyse unter Berücksichtigung synthetisch-analytischer Einflüsse. "Tobi" und die "Bausteine" Fibel
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,7
Jahr
2016
Seiten
21
Katalognummer
V317806
ISBN (eBook)
9783668171275
ISBN (Buch)
9783668171282
Dateigröße
1430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fibelanalyse, Tobi Fibel, Bausteine Fibel, synthetisch analytisch
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Fibelanalyse unter Berücksichtigung synthetisch-analytischer Einflüsse. "Tobi" und die "Bausteine" Fibel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317806

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