Das Bilderbuch „Die Königin der Farben“ von Jutta Bauer im Unterricht der 1./2. Jahrgangstufe der Grundschule. Eine didaktisch-methodische Analyse


Hausarbeit, 2015
22 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einsatz von Bilderbüchern in der Grundschule

2. Didaktisch-methodische Analyse zum Bilderbuch „Die Königin der Farben“
2.1 Das Bilderbuch – Eine Definition
2.2 Das Bilderbuch im Lehrplan der Grundschule (Lehrplan PLUS)
2.3 Literarisches Lernen mit Bilderbüchern
2.3.1 Literarisches Lernen
2.3.2 Aspekte Literarischen Lernens in Bilderbüchern
2.4 Sachanalyse zum Bilderbuch „Die Königin der Farben“ von Jutta Bauer
2.5 Das Bilderbuch „Die Königin der Farben“ von Jutta Bauer im Unterricht
2.5.1 Unterrichtseinstieg / Motivation
2.5.2 Präsentation des Bilderbuchs
2.5.3 Textrekonstruktion
2.5.4 Weiterarbeit mit dem Bilderbuch im Deutschunterricht / Schriftspracherwerb
2.5.5 Fächerübergreifender Unterricht

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

5. Internetverzeichnis

1. Einsatz von Bilderbüchern in der Grundschule

„Lesen ist blöd und Fernsehen macht viel mehr Spaß“ (Hoppsala o.D., URL: http://www.hoppsala.de/index.php?menueID=194&contentID=600). Kinder von heute sind immer weniger für die gedruckte Form der Unterhaltung zu begeistern. Trickfilme und Kindersendungen sind passive Medien, die keinerlei Anforderung an den Konsumenten stellen.

Eigentlich sollte es aber selbstverständlich sein: Lesen ist eine Lust. Aber Kinder werden nicht als Leseratten geboren und manche von ihnen verbinden Lesen eher mit Frust als mit Lust. Gerade in der heutigen Zeit, in der das Medienangebot für Kinder stetig wächst, verlieren Bücher und die Leselust in einigen Familien an Bedeutung. Doch Lesen ist für Kinder und Jugendliche von immenser Wichtigkeit. Es fördert die Phantasie und Kreativität, vermittelt soziale Verhaltensweisen, Wertevorstellungen sowie sprachliche Kompetenzen und ist wichtig für eine gesunde Entwicklung. Nicht zuletzt ermöglicht Lesekompetenz den Kindern den Zugang zu anderen Medien, die in der heutigen Wissensgesellschaft wichtig sind. Ob und wie Kinder Lesemotivation entwickeln, hängt in erster Linie von der Auswahl des literarischen Inhalts sowie dem Umgang mit demselben ab. Den Bilderbüchern kann hierbei eine besondere Bedeutung zukommen, denn sie sind für Kinder häufig der erste Berührungspunkt mit Literatur. Bilderbücher führen in die Welt der Lektüre ein und ermöglichen eine erste intensive Beziehung zwischen Kindern und Literatur. Deshalb sind Bilderbücher gerade auch für die Grundschule und den Anfangsunterricht sehr gut geeignet, da sie – im Idealfall – eine bekannte Form von Literatur aus dem Kindergarten darstellen. Trotz all dieser Vorzüge ist das Bilderbuch in der Grundschule immer noch unterrepräsentiert.

In der folgenden Arbeit soll das Bilderbuch „Die Königin der Farben“ analysiert werden, sowie praktische Umsetzungstipps für den Unterricht in der Grundschule gegeben werden.

2. Didaktisch-methodische Analyse zum Bilderbuch „Die Königin der Farben“

2.1 Das Bilderbuch – Eine Definition

Bilderbücher sind ein Genre der Kinder- und Jugendliteratur, das durch die „Wechselbeziehung zwischen Bild und Text charakterisiert ist und sich durch ein Erzählen in bzw. mit Bildern auszeichnet“ (Kliewer / Pohl 2006, S. 56).

Bilderbücher erzählen in Wort und Bild, sind daher bestimmt durch die quantitative Bedeutung der Illustrationen in Relation zum Verbaltext. Im Bilderbuch sind die Illustrationen selbständige Bedeutungsträger, ihre Funktion geht über die bloße Veranschaulichung oder Kommentierung des Verbaltextes hinaus (Weinkauff / von Glasenapp 2010, S. 164).

Bilderbücher sind reich illustrierte Bücher, die speziell für Kinder gemacht wurden. Die Bilder nehmen dabei eine dominierende Stellung ein, denn Inhalt und Handlungsverlauf werden meist visuell vermittelt (vgl. Marquadt 2005, S. 12).

Formal gesehen kann zwischen drei verschiedenen Bilderbuchtypen unterschieden werden.

1. Bilderbücher ohne Textbeigabe
2. Bilderbücher mit einer kleinen Textbeigabe
3. Bilderbücher, in denen Text und Abbildung gleichbedeutend nebeneinander stehen (vgl. ebd., S. 12)

2.2 Das Bilderbuch im Lehrplan der Grundschule (Lehrplan PLUS)

Der Lehrplan PLUS ist seit dem Schuljahr 2014/15 für die Jahrgangsstufen 1 und 2 gültig. Im neuen Lehrplan werden keine Inhalte mehr genannt, sondern Kompetenzen, die die Kinder erreichen sollen. Deshalb wird das Bilderbuch nicht explizit im Lehrplan genannt. Die vier Kompetenzbereiche Sprechen und Zuhören, Lesen – mit Texten und weiteren Medien umgehen, Schreiben sowie Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren sind im integrativen Deutschunterricht miteinander verbunden. Einige dieser Kompetenzbereiche können eng mit der Arbeit an einem Bilderbuch verbunden sein.

- Sprechen und Zuhören

Die Schülerinnen und Schüler sollen ihre Aufmerksamkeit bewusst auf Gesprochenes in Gesprächen, in Vorträgen oder Beiträgen in Hörmedien richten. Sie bauen Strategien auf, um wichtige Aussagen und wesentliche Details verstehen zu können. Sie machen sich ihr Nicht-Verstehen klar und nehmen Unverstandenes zum Anlass, um gezielt nachzufragen und so ihre Verstehensmöglichkeiten (z. B. im Bereich der Standard- und Bildungssprache) zu vergrößern (vgl. Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) 2013, URL: http://www.lehrplanplus.bayern.de/fachprofil/grundschule/deutsch). Deshalb kommt dem Bilderbuch in diesem Bereich der Kompetenzbildung eine besondere Rolle zu: Kinder lernen, ihre Aufmerksamkeit gezielt auf das Gehörte zu lenken und können dies mit den visuellen Eindrücken des Bilderbuchs verknüpfen.

In der Grundschule sollen die Schülerinnen und Schüler lernen, Gespräche zu führen. Sie achten dabei neben sprachlichen auch auf nichtsprachliche Kommunikationsmittel (Mimik und Gestik) und setzen diese authentisch und wirkungsvoll ein. Sie sind sich zunehmend ihrer Sprechabsicht sowie der Erwartungen ihrer Zuhörerinnen und Zuhörer bewusst und gestalten ihre Beiträge entsprechend, je nachdem, ob sie erzählen, informieren oder argumentieren (vgl. ebd.). Es kann über Bilderbücher im Unterricht gesprochen werden z. B. in Form eines literarischen Gesprächs.

Ebenso ist eine Auseinandersetzung mit Literatur in Form eines szenischen Spiels gewünscht. Im szenischen Spiel entfalten Schülerinnen und Schüler ihre eigene Kreativität, drücken Emotionen und Vorstellungen aus und lassen sich auf andere und ihr Spiel ein. Im Mittelpunkt stehen hierbei die gemeinsame Teilhabe und Freude an Literatur und Kunst (vgl. ebd.). Das Bilderbuch ist in besonderem Maße für eine szenische Auseinandersetzung mit Literatur geeignet, da durch die bildnerische Gestaltung bereits Anhaltspunkte für eine eigene künstlerische Umsetzung gegeben werden.

- Lesen - mit Texten und weiteren Medien umgehen

Kinder, die in die Schule kommen, bringen bereits wichtige Leseerfahrungen mit, die sie vorwiegend durch das Hören von Geschichten und das Betrachten von Bildern erworben haben: in Vorlesesituationen, über das Hören von Hörbüchern, das Ansehen von Filmen oder Bilderbüchern. Der Anfangsunterricht knüpft an diese individuellen Vorerfahrungen an. Es ist wichtig, dass die bereits erworbenen Kenntnisse der Schülerinnen und Schüler wertgeschätzt werden, indem der Deutschunterricht auf ihnen aufbaut. Dadurch erweitern sie und stärken ihre Freude am Lesen und am Umgang mit medialen Texten (vgl. ebd.). Durch Bilderbücher können die Leseerfahrungen der Kinder entscheidend weiterentwickelt werden.

- Schreiben

Aufbauend auf ihren Leseerfahrungen und Fähigkeiten zur Texterschließung vergegenwärtigen sich die Schülerinnen und Schüler, dass Texte verschiedene Absichten verwirklichen und dementsprechend unterschiedlich aufgebaut und sprachlich ausgestattet sind. Die grundlegenden Textmuster des Erzählens, Informierens und Argumentierens machen sich die Schülerinnen und Schüler auch beim Sprechen und Zuhören immer wieder bewusst. Im Schreibunterricht tauschen sie sich mit der Lehrkraft sowie untereinander über ihre Texte aus (vgl. ebd.). Zu Bilderbüchern können hervorragende und motivierende Schreibanlässe geschaffen werden. Kinder können z. B. eine Geschichte weiterdenken, einen Brief an eine Figur bzw. an den Autor / die Autorin schreiben, einen Tagebucheintrag einer Figur verfassen, Leerstellen des Textes ausfüllen, ein Gedicht zum Bilderbuch verfassen, einen inneren Monolog schreiben, ein Parallel-Buch erstellen.

2.3 Literarisches Lernen mit Bilderbüchern

Bilderbücher sind in der Regel die ersten Bücher im Leben eines Kindes. Durch die Verknüpfung von Bild und Text gelingt es, die Aufmerksamkeit der Kinder zu wecken und ihre Vorstellungen und ihre Phantasie auf verschiedenen Ebenen anzuregen. Deshalb sind Bilderbücher eine unentbehrliche Quelle für die pädagogische Arbeit in Kindergarten und der Schule, da sie die Entwicklung der Kinder anregen und positive Impulse geben können. Bilderbücher haben daher eine wichtige Bedeutung für die Förderung der einzelnen Entwicklungsbereiche des Literarischen Lernens (vgl. Kain 2011, S. 11). Was literarisches Lernen im Einzelnen bedeutet, wird im Folgenden erläutert.

2.3.1 Literarisches Lernen

Der Begriff „literarisches Lernen“ besteht aus zwei Bedeutungskomponenten: „Literatur“ und „Lernen“. Spontane Assoziationen zu „Literatur“ sind etwa die Fiktionalität, die Betonung der Phantasie, der Spannung und des Lesevergnügens. Der Begriff „Lernen“ ist eher vom Nützlichkeitsgedanken geprägt. Daher scheint der Begriff „literarisches Lernen“ anfangs paradox.

Kaspar H. Spinner verbindet in seinem Aufsatz aus der Zeitschrift „Praxis Deutsch“ die beiden Begriffe. Nach Spinner gründet das literarische Lernen auf Lernprozessen, „die sich speziell auf die Beschäftigung mit literarischen, das heißt hier fiktionalen, poetischen Texten beziehen“ (Spinner 2006, S. 6).

Literarische Kompetenz sei nach Spinner aber ganz klar von der Lesekompetenz abzugrenzen, denn Lesekompetenz beziehe sich auf alle Texte, nicht nur fiktionale und poetische Texte. Zudem stelle der Umgang mit literarischen Texten offenbar andere Lese- und Verstehensanforderungen als der Umgang mit anderen Texten. Literarische Kompetenz bezieht sich nicht ausschließlich auf geschriebene und gedruckte Texte, sondern auch auf auditiv und visuell dargestellte Literatur, wie etwa Hörbuch und Theater (vgl. ebd., S. 6).

Im modernen Literaturunterricht ist der Kompetenzbegriff ein Schlüsselbegriff geworden. Der kompetenzorientierte Literaturunterricht zielt darauf ab, dass die Schülerinnen und Schüler Fähigkeiten und Kompetenzen erwerben, die auch im Umgang mit anderen Texten nützlich sind. Ziel des literarischen Lernen ist deshalb die literarische Kompetenz (vgl. ebd., S. 6 f.).

Kaspar H. Spinner stellt deshalb elf Aspekte literarischen Lernens vor, die in ihrer Gesamtheit zur literarischen Kompetenz führen sollen.

1. Beim Lesen und Hören Vorstellungen entwickeln
2. Subjektive Involviertheit und genaue Wahrnehmung ins Spiel bringen
3. Sprachliche Gestaltung aufmerksam wahrnehmen
4. Perspektiven literarischer Figuren nachvollziehen
5. Narrative und dramaturgische Handlungslogik verstehen
6. Mit Fiktionalität bewusst umgehen
7. Metaphorische und symbolische Ausdrucksweise verstehen
8. Sich auf die Unabschließbarkeit des Sinnbildungsprozesses einlassen
9. Mit dem literarischen Gespräch vertraut werden
10. Prototypische Vorstellungen von Gattungen/ Genres gewinnnen
11. Literaturhistorisches Bewusstsein entwickeln (vgl. ebd. S. 6 ff.)

Auch Bilderbücher können zu der Kompetenzbildung dieser elf Aspekte literarischen Lernens beitragen. Das Bilderbuch wird nun hinsichtlich der Förderung ausgewählter Aspekte des literarischen Lernens beleuchtet.

2.3.2 Aspekte Literarischen Lernens in Bilderbüchern

- Beim Lesen und Hören Vorstellungen bilden

„Die imaginative Vergegenwärtigung sinnlicher Wahrnehmungen ist ein grundlegender Aspekt (literar-)ästhetischer Erfahrung“ (ebd., S. 8).

Die Anregung der Phantasie und die Anregung phantasievoller Vorstellungen sind untrennbar mit dem Bilderbuch verbunden. Bilderbücher ermöglichen Kindern, in eine phantasievolle Welt einzutauchen, in der alles möglich bzw. erlaubt ist, keine logischen Gesetzmäßigkeiten herrschen und somit der Phantasie freien Lauf gelassen werden kann. Deshalb erfolgt in besonderem Maße auch eine Schulung der Kreativität, da im Schutze der nicht reellen Situationen die Grenzen des konventionellen Denkens überwunden werden können und Mögliches und Unmögliches durchdacht werden kann (vgl. Kain 2011, S. 30 f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das Bilderbuch „Die Königin der Farben“ von Jutta Bauer im Unterricht der 1./2. Jahrgangstufe der Grundschule. Eine didaktisch-methodische Analyse
Hochschule
Universität Passau
Note
1,7
Jahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V317930
ISBN (eBook)
9783668172371
ISBN (Buch)
9783668172388
Dateigröße
659 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bilderbuch, Bilderbücher, Leseförderung, Grundschule, Schriftspracherwerb, Grundschulpädagogik, Die Königin der Farben, Jutta Bauer, Unterricht, Unterrichtspraxis
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Das Bilderbuch „Die Königin der Farben“ von Jutta Bauer im Unterricht der 1./2. Jahrgangstufe der Grundschule. Eine didaktisch-methodische Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317930

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