Antirassistische Erziehung. Option der interkulturell-empathischen Öffnung


Hausarbeit, 2015

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung.

2. Wie entsteht Rassismus?
2.1. Definitionen von Rassismus
2.2. Macht und Kultur: Die Gründe für Rassismus am Beispiel des „Blue-Eyed-Trainings" .

3. Akzeptanz und Offenheit durch Empathie
3.1. Definition des Begriffs im Kontext des interkulturellen Lernens.
3.2. Interkulturelle Empathie als Bereicherung der eigenen Kultur.
3.3 Limitierung interkultureller Empathie als Mittel für Antirassismus

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Deutschland gehört, nicht zuletzt durch massive Zuwanderung allgemein bezeichneter „Gast- arbeiter“ in Form der Arbeitsmigration in den 1960er-1970er Jahren, zu einem Land ver- schiedener Kulturen. So fand eine Entwicklung von einer anfänglich monokulturellen zu einer verstärkt multikulturellen Gesellschaft mit verschieden Traditionen, Werten und Diversitäten in der Kultur und Bevölkerungsgruppen statt. Auch durch das Schengener Abkommen und die laufende Globalisierung, sowie Flüchtlinge aus häufig failed states, ist Migration ein stets aktuelles Thema. Mit 20,5%, anteilig auf die Gesamtbevölkerung gerechnet, gehört die Bun- desrepublik Deutschland zu den EU-Ländern mit dem höchsten Anteil an Einwohnern mit Migrationshintergrund.

Doch durch den hohen Anteil, in Verbindung mit einhergehenden kulturellen Unterschieden, kann es zu Spannungen, insbesondere durch elementare Machtunterschiede, kommen. Nicht selten sind rassistische Einstellungen und Handlungen die beobachtbare Folge daraus.

In Zeiten der Globalisierung und einer damit einhergehend immer weiter verzweigten und eng verbundenen Arbeits- und Forschungsrealität, sowie den immer wichtigeren Interdependenzen der nationalen Wirtschaftsmärkte und Staaten, entsteht ein immer größer werdender Bedarf der Öffnung in diesen Verhältnissen. Deshalb gewinnt interkulturelles Lernen einen bedeutsamen Anteil in antirassistischer Erziehung und Aufklärung. Insbesondere die Öffnung für fremde Kulturen, sowie „Verständnis, Toleranz und Freundschaft zwischen allen Nationen und allen rassischen und religiösen Gruppen“ (Art. 26 (2) Allgemeine Erklärung der Menschenrechte) sollen durch diese Bildung ermöglicht werden.

Dies bedarf aber einer entscheidenden Veränderung der häufig tief verwurzelten Mentalität der Bevölkerung. (vgl. Larcher S.61)

Nur wie kann eine Bewusstseinsveränderung mit dem Ziel weltoffenen und verständnisvollen Handelns gegenüber anderer Kulturen erreicht werden? In folgender Arbeit werde ich mich mit der Möglichkeit kultureller Öffnung und antirassistische Erziehung durch empathisches Verständnis auseinandersetzen.

2. Wie entsteht Rassismus?

2.1. Definitionen von Rassismus

Bevor eine Definition von Rassismus erfolgen kann, steht man vor der Problematik, dass es keine einheitliche und allgemein akzeptierte Definition des Begriffs selbst gibt. Dies ist zum einen zurückzuführen auf ein paralleles Nutzen in einer engen und weiten Bedeutung, die mehr aus Meinungen, als aus objektiven Tatsachen besteht. (vgl. Memmi S. 151) Zum ande- ren ist es schwer eine juristische Definition zu formulieren, da auch hier von einer „Rasse“ ausgegangen werden muss. Im juristischen Sinne schließt jede Form der Diskriminierung und Ungleichbehandlung etc., aufgrund äußerer Erscheinungen oder Zugehörigkeit, auf Rassis- mus.

Engere Definition

„Rassistisch sind Ideologien, welche die Menschheit in eine Anzahl von biologischen Rassen mit genetisch vererbbaren Eigenschaften einteilen und die so verstandenen „Rassen“ hierarchisch einstufen.“ (Humanrights.ch, o.S.)

Diese engere Form der Definition fand ihren Ursprung als klassisches Konzept in der Epoche des europäischen Kolonialismus und Imperialismus und diente als Rechtfertigung der Koloni- al- und Expansionspolitik bis nach dem Zweiten Weltkrieg. (vgl. Humanrights.ch, o.S.)

Weite Definition

In der weiteren Bedeutung fand der Vorschlag zur Definition nach Albert Memmi große Be- achtung.

„Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen.“ (Memmi 1992, o.S.)

Hier geht es nicht mehr allein um die vorher qua Definition aufgefassten „Rassen“ biologi- scher Natur, sondern um sämtliche Formen der Abstammung, die negativ, je nach Interessenlage, als andersartig eingestuft und erklärt werden. So schreibt Memmi weiter:

„Sofern es einen Unterschied gibt, wird er interpretiert, gibt es ihn jedoch nicht, so wird er erfunden.“ (ebd.)

Letzteres Zitat beschreibt den gemeinen Umstand des häufig im Alltag entstandenen Rassismus. Im Folgenden sollen zum einen Gründe und Ursachen für Rassismus anhand des Beispiels des „Blue-Eyed-Trainings“ aufgezeigt werden.

2.2. Macht und Kultur: Die Gründe für Rassismus am Beispiel des „Blue-Eyed- Trainings"

Wie in den verschiedenen Möglichkeiten der Definition sind auch die Gründe für rassistisches Denken und Handeln vielschichtig. Der im primär 19. & 20. Jahrhundert geprägte Begriff des klassischen Rassismus, diente hauptsächlich als Legitimierungsgrundlage für das Handeln des dominanten Akteurs, sei es in der Kolonialisierung oder gegenüber niedrig qualifizierter Arbeitskräfte in der Industrie, um hierarchisch abgestufte Entlohnungen zu legitimieren. Der Begriff fällt also mit der Ausdehnung des Kapitalismus und aufkeimen der Rassenideologie zusammen. (vgl. Hentges 2005, S. 27)

Wird von einer „Verschiedenheit in der Abstammung“ (vgl. Herder 1989, o.S.) ausgegangen liegt auch hier eine Hierarchie zwischen zwei oder mehreren Akteuren vor. Die vielschichti- gen Gründe für das Handeln der dominanten Gruppe sollen hier grob aufgezeigt werden.

Ausgehend von einer grundlegenden Urangst oder Urmisstrauen, zeigt die soziobiologische Begründung schon bei Säuglingen misstrauisches Verhalten gegenüber Fremden. Diese Abwehrmechanismen, davon ausgehend, dass sie von eine anthropologischen Grundkonstante ist, wird durch die Ethnopsychoanalyse weiter bekräftigt.

„Kultur ist das, was in der Auseinandersetzung mit dem Fremden entsteht, sie stellt das Produkt der Veränderung des Eigenen durch die Aufnahme des Fremden dar.“ (Erdheim 1992, S. 736)

Von der Fremdheit, dem Unbekannten anderer Kulturen, geht nicht nur eine befürchtete Be- drohung der eigenen Kultur und Identität aus, sondern auch eine Faszination. Kultur bietet in der Ethnopsychoanalyse das Konstrukt der menschlichen Vergesellschaftung und prägt nicht nur das zwischenmenschliche, sondern auch die eigene Identität, gibt Handlungssicherheit und Orientierung. Doch läuft ein kultureller Wandel zu schnell ab, führt dies zur Unsicherheit durch Verlust eigener Identität, zu Orientierungslosigkeit und Verunsicherung. Kommt es zur Deprivation, also zur im wortwörtlichen Sinne „Entzug“ oder Desintegration des sozialen Zusammenschlusses einer Gruppe oder Gesellschaft, äußert sich dies in negativ projiziertem Auftreten gegenüber des Fremden und lässt die Identität erstarren.

Rassismus ist also, eng psychologisch gefasst, ein Ausdruck von Angst der dominanten Grup- pe vor gesellschaftlichem Wandel und insbesondere diesem ausgeliefert und marginalisiert zu sein. Sämtliche Gefühle deuten auf unzureichende Befriedigung zentraler Lebensbedürfnisse hin.

Die Ängste und das daraus folgende Handeln sind, wie die Einstufung in dominante und dominierte Gruppen, subjektiv und somit gesellschaftlich erzeugt. Dies soll im Beispiel des „Blue-Eyed-Training“ dargestellt werden.

„Damit Rassismus funktioniert, reicht es für die braven Leute aus, nichts zu tun.“

(Jane Elliot, o.S.)

In diesem Workshop nach der Lehrerin und Antirassismus Aktivistin Jane Elliot, werden bspw. Schulklassen in zwei Gruppen, nämlich einer dominanten und einer dominierten, einge- teilt. Ausschlaggebend ist hierbei die Augenfarbe, wobei die blauäugigen als benachteiligt eingestuft werden. Durch den Leiter wird dieser Gruppe, mittels künstlich erzeugter Stereoty- pen, eine Opferrolle zugeschrieben, welche sie im Laufe des Trainings adaptieren und resig- nierend hinnehmen. Die bevorzugte, privilegierte Gruppe hingegen erfährt positive Interakti- on durch positive Attribuierung mittels des Leiters und wird durch Propaganda gegen die un- terdrückte Gruppe gerichtet. Die künstlich erzeugten Umstände werden im Handeln wiederge- spiegelt. So wird die Unterdrückung nicht nur zugelassen, sondern auch häufig aktiv unter- stützt.

Hintergrund des Experiments ist nicht nur die Darstellung von Rassismus im künstlichen Handlungsumfeld, sondern die Verflechtung von verschiedenen Ideologien und Machtver- hältnissen. Folge der Stigmatisierung sind bereits bei Kindern und Jugendlichen erkennbar, dass Vorurteile nicht hinterfragt, sondern in das Handeln adaptiert werden. Dabei spielt wie- der die Legitimation der Hegemonie der dominanten Gruppe eine Rolle, quasi Rassismus als Komplex zum Erhalt und Rechtfertigung des Standes und Privilegien. (vgl. Memmi 1992, S. 65)

3. Akzeptanz und Offenheit durch Empathie

3.1. Definition des Begriffs im Kontext des interkulturellen Lernens

„Empathie [...] erfordert als tieferes Verstehen ein Sichhineinversetzenkönnen in Situation und Gefühlslage eines anderen und geht damit deutlich über ein verba- les Verstehen von Mitteilungen hinaus. Empathie bedeutet letztlich, die Perspekti- ve eines anderen übernehmen zu können, sein inneres Bezugssystem erfassen zu können. Empathie ist folglich eine Frage der Wahrnehmungsfähigkeit.“ (Zwick 2004, o.S.)

Bevor weiter auf das Zitat und den Begriff eingegangen wird, soll die Frage, ab wann der Mensch zum Perspektivenwechsel in Form empathischen Empfindens fähig ist, beantwortet werden.

Die Psychologie geht dabei vom Alter von sieben bis zwölf Jahren aus, bis der Mensch dazu in der Lage sei, die eigene Perspektive zu verlassen. Vorher ist Kindern kaum bis keine inho- mogene Auffassung der gleichen Situation durch verschiedene Akteure bewusst. (vgl. Emme 1996, S. 144) Erst mit abgeschlossener Adoleszenz, also das Heranwachsen zum Jugendli- chen, seien Kinder in der Lage, Intentionen anderer vollständig aufzufassen bzw. zu unter- scheiden und zur Perspektivenübernahme in der Lage. (vgl. Auernheimer 1990, o.S.). Durch unterschiedliche und im Widerspruch stehende Auffassungen in der Wissenschaft, ist eine präzise Einteilung, wann die Fähigkeit des empathischen Perspektivenwechsels abgeschlossen ist, nicht möglich.

Wie bereits erwähnt und durch Zwick zusammengefasst, erfasst der Begriff „Empathie“ das Verlassen der eigenen egozentrischen Perspektive und somit das Hineinversetzen in die Lage anderer bei gleichzeitiger Selbstreflexion und Perspektivenkoordination.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Antirassistische Erziehung. Option der interkulturell-empathischen Öffnung
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg  (Bildungswissenschaften/Pädagogik)
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V318144
ISBN (eBook)
9783668173620
ISBN (Buch)
9783668173637
Dateigröße
775 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
antirassistische, erziehung, option, öffnung
Arbeit zitieren
Sebastian Fieber (Autor), 2015, Antirassistische Erziehung. Option der interkulturell-empathischen Öffnung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318144

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